Aying in alten Ansichten

Aying in alten Ansichten

Autor
:   Maximilian Köchl
Gemeinde
:   Aying
Bundesland
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6103-9
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Aying in alten Ansichten'

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19 Um die jahrhundertwende war im großen Haus auf der linken Bildseite die 'Handlung von Lorenz Thanner'. Damals befand sich noch über der Ladentüre ein Holzbalkon. Haus und Laden wurden renoviert und von H. Pichler übernommen. Nach Geschäftsaufgabe befand sich darin lange Zeit die Kreissparkasse. Das linke Ochsengespann scheint für die kurze Zeit des Einkaufes 'geparkt' zu haben, während das Gespann mit dem alten hölzernen Odelwagen im gemütlichen Ochsentrott vorüberzieht. Nicht nur deshalb ist es ein Bild aus vergangenen Tagen. Auch der Fuderer-Hof der Bäckerei Mayer erzählt von alten Zeiten. Der breite Mittel-

flurhofhatte neben den Türen kleine Fenster zur Beleuchtung der Flure. Somit war die Mittelachse der Giebelfront in der Mitte derTüren. 1959 wurde das Haus abgebrochen und durch einen Neubau er-

setzt. Auf dem rechten Rasenfleck befand sich das alte Feuerwehrgerätehaus.

20 Auf dem großen freien Platz, zwischen Kirche und Rathaus, dem Kirchplatz, wo heute bei kirchlichen Anlässen wie Hochzeiten und Beerdigungen die Besucher ihre Autos parken, stand das ehemalige Feuerwehrhaus. Der bescheidene Bau beherbergte, fûr lange Zeit ausreichend, die Gerätschaften der 1 874 gegründeten Freiwilligen Feuerwehr. Am 21. November 1880 beschloß der damalige Gemeinderat. nicht nur eine modernere Feuerspritze zu erwerben, sondern auch dafür ein kleines Feuerwehrhaus zu bauen. Für die neuzeitlichen Geräte wurde es viel zu klein und daher 1 958 abgebrochen. 1969 wurde ein neues, geräumiges Feuer-

wehrgerätehaus erbaut und darin das neue Löschfahrzeug samt Gerätschaften untergebracht.

21 Der alte Schaberer-Hof stand an der Oberen DorfstraBe. Er wurde 1967 abgerissen und durch einen groBen Neubau, der den Erfordernissen der Zeit entsprach, ersetzt. Der alte Hof war seinem Aussehen nach dern Haustyp des Isartaler Kleinbauernhauses zuzurechnen. Er hatte ein gemauertes UntergeschoB, das obere war in Blockbauweise mit Schwalbenschwanzverbindungen erstellt. Die trauf- und giebelseitige Labn war auf den vorstehenden Balken der Erdgeschoßdecke gelagert. Sie harte gemustertes Brettergeländer mit Profilbrettern als Unterkante. Die Giebelpartie war

senkrecht verbrettert, hatte Tür und zwei Fensterluken. Anstelle einer Hochlabn dienten Bohlen zur Ablage von Daxenbündeln. Wind- und pfettenbretter waren verziert, den First schmückte ein Zier-

kreuz. Die Patina des alten Holzes ergab zum WeiB des Erdgeschosses einen Kontrast.

221mjahre 1885 war die Silberhochzeit des KleinbauernehepaaresAnlaß, die Reise zum Fotografen zu unternehmen. Das Jubelpaar und der Hoferbe harten dazu das bäuerliche Gewand der Zeit 'angelegt'. Die geöffnete JoPpe läßt die Weste mit den Silberknöpfen erkennen. Zwei Söhne sind jedoch 'städtisch' gekleidet. Kennzeichen dafür sind der Einreiher mit geschlossenem oberem Knopf, Streifenhose und steifer Hut. Nur schwer ist der besondere Schmuck für den Tag zu erkennen: Die Blumen am Hemdkragen, das Sträußchen am Mieder, die Blume auf dem Hute, bzw. am Kragen. Der Bauer war als Viehhändler nach Aying gekommen und

dort seßhaft geworden. Als er 1892 krank daniederlag, kamen die Söhne zu Fuß aus der Stadt, um ihn kurz zu besuchen. Noch in der Nacht mußten sie wieder den Rûckweg antreten. Von den neun

Kindern des Paares waren sechs bereits im Kindesalter gestorben.

23 Der Bauer hatte sein Sonn- und Feiertagsgewand 'angelegt', um seine beiden Prachtochsen dem Fotografen vorzuführen. Von jeher galt der ganze Stolz der Bauern ihrem Tierbestand, kurz dem 'Stof, dem Vieh. Die Tiere der Simmenthaler Rasse waren als 'mehrzügige' Wirtschaftstiere, als besonders gutes Mast-, Zucht- und Zugvieh bekannt. Sie waren großrahmig gebaut, leichtgefleckt, leichtfütterig und wüchsig. Als ausgezeichnete Zugtiere hatten sich die Ochsen dieser Rasse bewährt. Hinter dem Bauern sieht man das 'Heisl', darüber die zum Dürren gestapelten Reisigbündel. Die Aufnahme entstand 1916.

24 Auf jedem Bauernhof war die Haltung von Milelikühen eine Selbstverständlichkeit. Der Verkauf von Milch war für die Bäuerin eine wichtige Einnahmequelle. Die Zahl der Milchkühe galt vielfach als Maßstab fûr die Größe des Hofes. Das frühmorgendliche und abendliche Melken war schwere Handarbeit, die im Kleinbauernhof meist von einem weiblichen Familienmitglied, in einem größeren Hof von einer 'Dim' durchgeführt wurde. Nur große Bauern konnten sich einen eigenen Melker. den sogenannten Schweizer, leisten. Erst die Einführung der Melkmaschine brachte eine spürbare Erleichterung. Noch 1976 gab es in Aying, Peiß

und Dürrnhaar 39 Halter von Milchkühen, 1995 ist die Zahl auf nur mehr sieben zurückgegangen. Ein überdeutlicher Beweis für die Derfveränderung!

25 Auch Werkzeuge und Geräte kommen und gehen:

Zum Zerkleinern der Äste und Zweige, der 'Daxn' (Dachsen), wurde der sogenannte Daxn-Krei (nach Schmeller: Dachsenkraeul) verwendet. Mit seiner scharfen 'Schneid' konnten auch dickere Äste gehackt werden. Der Haken am Gerät diente zum Herausziehen aus dem Daxn-Haufen. Diese Arbeit wurde meist von Frauen oder den Alten ausgeführt. Das Kleingehackte wurde als Streu für das Vieh verwendet oder in Reisigbündeln gestapelt und zumAnheizen gebraucht. Zum Aufladen und Transportieren diente der 'Schiaber' ,

ein einrädriger Karren, der in beiden Richtungen geschoben werden konnte. Er hat längst ausgedient, und man findet ihn nur noch im Museum. Heute werden die 'Daxn' meist im Wald zurVer-

rottung zurückgelassen oder an Ort und Stelle verbrannt oder gehäckselt.

-.

26 Das Dreschen war eine der schwersten Arbeiten des [ahres. Weithin war das unverkennbare Geräusch der Dreschmaschine im Dorf zu hören. Das plötzliche Abfallen und Tieferwerden des Pegels war ein Kennzeichen des 'Einlassens' . Das Dreschgeräusch war ein Symbol für besonders harte, schweißtreibende und Schnelligkeit erfordernde Arbeit mit viel, viel Staub. Alle, die am Hoflebten, ob jung oder alt, ob klein oder groß, mußten mitarbeiten. Jeder war an seinem zugeordneten Platz gefordert. Meist

tat man sich mit dem Nachbarn zusammen, es war immer eine Hilfe auf Gegenseitigkeit. Für die Bäuerin hieß

es an diesem Tag, besonders

viele Hungrige zu sättigen. Niemand konnte es erahnen, daß einmal die Arbeit des Mähens und Dreschens nur von einer Maschine und nur einer Person durchgeführt werden könnte. Das Bild zeigt einen

Dreschtag beim Kraisser im [ahre 1927.

27 Auch Geräusche haben ihre Geschichte: Der rhythmisch gleichförmige Schlag des Dengelhammers mit seinem weithin hörbaren, typischen Klang von Metall auf Metall ist längst verstummt. Maschinen haben die Sense abgelöst. Sie war eines der wichtigsten Arbeitsgeräte des Bauern, unentbehrlich für den frühmorgendlichen Grasschnitt und für die Heumahd. Auch das Wetzen der Sense auf dem Feld und das Mähen waren mit charakteristischen Geräuschen verbunden. Heute wird die Sense meist nur noch von Wegmachern für den Ausschnitt von maschinen-untauglichen Böschungen und dergleichen verwendet. Auch Hobbygärt -

ner benützen sie zuweilen wieder, um Rasenstücke, die Wiesenblumen schonend, zu schneiden. Das sorgfàltige Dengeln einer Sense beherrschen freilich nur noch wenige.

28 Vielfältig sind Ursachen und Möglichkeiten, das innere Gefüge und äußere Gesicht eines Gemeinwesens zu veränderen. Seien es Einwirkungen von außen mit ihren Folgen, oder Gründungen von Unternehmen mit ihren Ausund Nachwirkungen, immer bringen sie Veränderungen mit sich. Zweifellos war dies auch der Fall, als sich der Urgroßvater des heutigen Bräu, johann Liebhard (18451910), entschloß, eine Brauerei zu gründen. Berelts 1878, ein [ahr nach Baubeginn, konrite das erste Bier ausgeschenkt werden. Wegen der damaligen Transportschwierigkeiten konriten nur der Ort und die nähere Umgebung beliefert werden. Durch den

Bau der Lokalbahn im [ahre 1904 wuchs die Bedeutung der Brauerei, und ab 192 7 wurde auch nach München geliefert. Längst ist die Brauerei überregional bekannt und hat vielfach Grenzen überschritten. Seit vielen jahren zählt sie zu den führenden mittelständischen, privaten Braustätten Bayerns.

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