Aying in alten Ansichten

Aying in alten Ansichten

Autor
:   Maximilian Köchl
Gemeinde
:   Aying
Bundesland
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6103-9
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Aying in alten Ansichten'

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29 Man spürt es bei der Betrachtung des Bildes einer Ayinger Familie noch vor der Jahrhundertwende: Die Festtagskleidung aller Familienmitglieder zeigt die Würde der Menschen und die Mode der damaligen Zeit. Auch die hohen Schnürstiefel der Mädchen gehörten damals dazu. Die 'Postierung' der Personen und die Bildbeigaben erzählen von der damaligen Lebensart. Nach dem Verkauf des großen Gutshofes in Englwarting übersiedelte die Familie Max und Therese Liebhard mit ihren drei Töchtern Katharina (1892-1945), Anna (1894-1973), Therese (18961994) und dem Sohn Max (1901-1922) nachAying. Eine große Villa mit einem

ausgedehnten Garten wurde das neue Zuhause. Das Bild entstand noch vor 1900. Es zeigt die Familie noch ohne SohnMax.

30 Den Plan fûr die Villa des Privatiers Max Liebhard hatte ein Baumeister aus Höhenkirchen entworfen. Im September 1908 wurde er vom Königlichen Bezirksamt München genehmigt, im Oktober 1909 konnte der Bauherr mit seiner Farnilie das Haus beziehen. Es war die zweite Villa im Dorf Durch

sie hatte sich die Ansicht von Aying verändert. Der Bau erhielt durch Balkone im Süden und Osten, die Seitengiebelfront, das ausladende Vordach, den Erker und die Dachgauben eine rustikale Note. Die profilierten Brettergeländer der Balkone, die Giebelverschalungen mit Andreaskreuzen als Zierbund verstärkten diesen Eindruck.

Im Zierat dokumentierten sich von jeher der Wohlstand der Bauherrn, aber auch der Einfallsreichtum der Zimmerer. Der Baukörper wirkt trotz Größe und vieler Details in sich geschlossen und harmo-

nisch. Die Liebhard-Villa hat immer Bewunderung gefunden. Heute dient sie als Kinderheim.

3 1 Fotografiert zu werden war früher ein Ereignis ganz besonderer Art. Man kleidete sich dazu nicht nur festlich, man wurde auch vom Fotografen' gestellt'. Wer bewundert nicht die Eleganz der drei jungen Damen in ihrer festlichen Robe? Die drei Liebhard- Töchter wurden für diese Atelieraufnahme von 192 4 neu und vornehm 'ausstaffiert'. Die Gleichheit von Kleidung, Haartracht, Schmuck und Haltung ist zugleich ein Spiegel der inneren Würde und Übereinstimmung. Noch heute erzählen alte Ayinger mit großem Respekt von den 'Mädchen' . Ihre Liebe galt dem Haus, der Musik, vor allem aber der Welt der Blumen. So mancher blieb stau-

nend und bewundernd am Zaun stehen. Auch noch im hohen Alter nannte man die Schwestern Anna und Resi in der vertrauten Sprache eines Dorfes die 'LiebhardDeandIn'. Jahrzehntelang sangen sie im Chor und erstellten den Blumenschmuck in der Kirche.

32 Der Hausname 'Beham' des ehemals bäuerlichenAnwesens an der Schäfflerstraße 1 2 führt in die Mitte des 1 7. [ahrhunderts zurück. Das denkmalgeschützte Seitenflurhaus ist ein Musterbeispiel für das kleinbäuerliche Haus des ausgehenden 18. Iahrhunderts. Beziehungen zur Bauweise des Isarwinkels sind deutlich und unverkennbar. Das Haus besitzt eine erneuerte Giebel- und Traufseite umlaufende Labn mit Brettergeländer. An der Giebelseite des Obergeschosses in Bleekbauweise befindet sich eine mit Zierbrettern versehene Hochlabn. Bemerkenswert sind ihre beiden gefaßten Figurenbretter. Die gezierten pfettenbretter geben weiteren

Schmuck. Der erneuerte Wirtschaftsteil mit seinem wesentlich steileren Dach überragt den Wohnteil beträchtlich. Das Bild stammt aus der Zeit, als der Hof noch voll bewirtschaftet wurde.

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33 Weit ûber die Grenzen des Landkreises hinaus ist das ehemalige Bauernanwesen, der 'Sixt-Hof", als privates Heimatmuseum bekannt. 1897 erwarb [ohann Liebhard den HOL Er nimmt auf Grund seiner Größe und seiner wohlproportionierten Schönheit nicht nur im Ortsbild, sondern im gesamten Landkreis einen besonderen Rang ein. Der Einfirsthofhat seinen Eingang auf der Traufseite. Das Obergeschoß des Wohnteiles ist in verputzter Blockbauweise erstellt und deutlich zurückversetzt. Die beiden Labn, die traufseitige und die Hochlabn auf der Giebelseite, sind je zur halben Höhe Balusterlabn. Am Wirtschaftsteil befindet sich beachtliches

Bundwerk. Seit 1 978 ist der Hof als Heimatmuseum eingerichtet. Die Aufnahme zeigt ihn, als er noch als Wohnhaus diente.

34 Wo heute ein 'Isartaler Holzhaus' die Post und die Kreissparkasse beherbergt, stand ein Bauernhaus. Bereits lange vor 1600 war hier ein kleinbäuerliches Anwesen nachgewiesen. Der Hausname war 'Rank'. Der in der Pfarrmatrikel berichtete vielfache Besitzerwechsel war meist die Folge von Kinderlosigkeit. Viele [ahrzehnte war im Haus eine kleine 'Handlung' untergebracht. Der Eingang zum Laden befand sich auf der Giebelseite. Die Versorgung der Bevölkerung mit nichtbäuerlichen Produkten war in Aying, Peiß und Dürrnhaar durch mehrere 'Handlungen' sichergestellt. Nach dem Verkauf an die Brauerei im Iahre 1953 erfuhr der Hof grundle-

gende Veränderungen. 1989 wurde er abgerissen.

35 An der Münchner Straße 9 stand bis 1971 das Hütoder Herter-Haus. Die Pfarrmatrikel weist sieben Generationen als Feldhüter oder Gemeindehirten nach und erklärt somit den Hausnamen. Das ehemalige einfirstige Kleinbauernhaus war ein Seitenflurhof mit gemauertem Untergeschoß. Das Obergeschoß war in Blockbauweise erstellt. Die traufseitige Labn hatte Andreaskreuze als Laubengitter. Die durchwegs kleinen Fenster mit feststehendem Mittelstock, sowie ihre Bretterlaibungen im Oberstock. bezeugen hohes Alter sowie Originalität. Der kleine Wirtschaftsteil diente während des Zweiten Weltkrieges und noch lange darü-

ber hinaus als öffentliches Waschhaus.

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36 Das Stûrzer-Bauernehepaar Michael und Ursula Kögl ließ sich um 1 905 an der heutigen Münchener Straße dieses Haus erbauen. Da sie keine Kinder und somit keinen Haferben besaßen, verkauften sie um 1907 ihr Anwesen an den Waldschusterbauern Iosef Köchl und bezogen selbst das Haus. Lange Zeit nannte man daher das Haus 'Stûrzer-Villa'. Dem villenartigen Haus mit seinem ost- und westseitigen Krüppelwalmdach dienten profilierte pfetten- und Windbretter, das Ziergeländer am Sûdbalkon, die Dachreiter, vor allem aber die beiden mit religiösen Motiven bemalten

Mauermedaillons als schmükkendes Beiwerk. Bemerkenswert ist der ehemals freie Bliek zu den beiden Höfen nach der großen Kurve. Heute zeigt sich das Haus durch Um-, Vor-, undAnbauten in

einem anderen Gesicht. In einem kleinen Anbau auf der Westseite war viele Iahre die Post untergebracht.

37 Das Foto von 1 92 7 dokumentiert ein typisches Dorf-Straßenbild aus vergangener Zeit: An der heutigen Münchener Straße - hier ist sie noch schmal und ungeteert - stehen drei denkmalgeschützte Häuser: Nr. 15 beim Strauß, nach der Inschrift 1583 erbaut und in der zweiten Hälfte des 18. [ahrhunderts mit einer Balusterlabn versehen. Es hat ein gemauertes Untergeschoß und ein in Blockbauweise erstelltes Obergeschoß. Das Haus Münchener Straße Nr. 17. ist das Litzelfelder-Anwesen. Der überwiegend verputzte Blockbau starnmt im Kern aus dem 1 7. Iahrhundert. Das Haus Münchener Straße Nr. 1 9, mit dem alten

Hausnamen 'Tagwerker' ist im Oberteil ebenfalls in Bleekbauweise erstellt, jedoch verschalt und heute weitgehend erneuert. Es wurde in der zweiten Hälfte des 18. [ahrhunderts erbaut.

38 DieAufnahmevon 1930 zeigt in ihrern oberen Teil den südlichen Rand des Dorfes. Die Ost-West-Richtung der Anwesen an der Kaltenbrunnerstraße ist erkennbar. Die linke Begrenzung bildet der Beham-Hof, die rechte das Kraisser-Anwesen. Dazwischen liegt der HöflmaierHof. Hinter seinerTennenauffahrt ist noch ein Teil des Grien-Hofes zu erkennen, über dem Dach des vormals kleineren Wohnteiles lugt die alte Mühle hervor. Der MoarHof wird vom mächtigen Turm der Kirche überragt. Die Hofnamen Höf1maier, Grien und Kraisser gehen auf die

N amen der ersten Besitzer im 16. [ahrhundert zurück. Das ehemalige Ramsauer-Häusl

an der Peißer Straße 1 3 beherbergte bis 1807 die erste Schule in Aying. Das pavillonartige Gebäude mit seinem Walmdach und seinen Segmentbogenfenstern ist denkmalgeschützt und seit weni-

gen [ahren stilvoll renoviert. Die Radfahrerin zur Linken ist die langjährige, vormalige Besitzerin.

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