Aying in alten Ansichten

Aying in alten Ansichten

Autor
:   Maximilian Köchl
Gemeinde
:   Aying
Bundesland
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6103-9
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

Lieferzeit: 2-3 Wochen (unverbindlich). Der gezeigte Umschlag kann abweichen.

   


Auszüge aus dem Buch 'Aying in alten Ansichten'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

39 Bau1eute aus Italien hatten vor und nach der Iahrhundenwende im Oberland eine rege Tätigkeit entwickelt. Dadurch entstand eine Vermischung althergebrachter Bauelemente mit neuen Stilmerkmalen. Die meist großen Höfe tragen noch heute besondere Kennzeichen. Ein italienischer Bautrupp erbaute 1886 den neuen Kraisser-Hof Dem wesentlich kleineren Vorläuferbau wurde der Baukörper des Neubaues regelrecht 'ûbergestülpt', sodaß auch während des Baues darin gehaust werden konnte. Die Giebelseite des neuen großen Hofes erhielt einen Eisenbalkon mit neugotischem Gitter und darüber einen Holzbalkon mit reich verziertem Brettgelän-

der. Die farbige Fassung betonte die Formen, und ein profiliertes Querbrett bildete den Abschluß. Drei Medaillons mit religiösen Motiven, reich verzierte Pfettenköpfe und -Bretter und ein filigra-

nes Firstkreuz bildeten den Schmuck dieser Seite. Das Bild wurde um 1910 aufgenommen.

40 Die Großfamilie des Moar-Bauernehepaares Iosef und Anna Riedmaier hatte sich zur Feier der Silberhochzeit am 6. Oktober 1915 vor dem Hof zur Aufnahme gestellt. Acht der zwölf Kinder des [ubelpaares konnten den Tag mit den Eltern feiern. Eine Tochter war mit zwei Monaten gestorben, eine bereits in ein Kloster eingetreten. Später raten noch zwei den gleichen Schritt. Die älteste Tochter wurde Bäuerin auf dem Grien-Hof Ein Sohn war im Kriegseinsatz in Frankreich.

Er fiel am 30. Juni 1918 als Flieger-Leutnant. Ein Sohn weilte im Seminar. Er wurde Priester und konnte 1925 Pri-

miz feiern. Trotz des Krieges durfte ein Sohn nach Hause, ein Verwandter stellte sich zu ihm. Ein Sohn heiratere nach Graß, einer wanderte aus. Kein Kind blieb auf dem Hof 1930 wurde das Anwesen

verkauft. Das Ehepaar zog in die 1895 erbaute RiedrnaierVilla nebenan.

41 An der Ecke, wo die Obere Dorfstraße in die Kaltenbrunnerstraße mündet, erbaute sich das Moar-Bauernehepaar 1895 ein Haus. Noch heute wird es Riedrnaier- Villa genannt. Das Bild von 1912 zeigt das Haus in seinern ursprünglichen Aussehen. Der gut proportionierte Bau hat viel Stuckzierat an den Fassaden, an den Tûr- und Fenstereinrahmungen. Türen und Fenster zeigen gut abgestimmte Maße. Gliederungen und Stuckecken zieren die Fronten, geben der ausgeprägten Seitengiebelfront mit dem Balusterbalkon ein rustikales Aussehen. Verzierte Ortbretter und Pfetten schließen den Giebelschmuck ein. Die reich profilierten Haustüren

sind noch heute zu sehen. Im ersten Stock war Iahrzehnte die Gendarmerie untergebracht. Im Nebenbau dierite ein Raum als Karzer. Anläßlich eines Manövers logierte Kronprinz Ruprecht im Haus.

Nach dem Verkauf des Hofes 1930 bezog der Bauherr selbst die Villa.

42 Stets gereichte es einer ganzen Gemeinde zur graßen Ehre, und es war eine Freude für alle, wenn ein Sohn aus dem Dorf Priester wurde. Am 12. Juli 1925 feierte der Moar-Bauernsohn Lukas Riedmaier seine Primiz. Das ganze Dorf war auf den Beinen, um den Neupriester am 30. Juni zu empfangen und zum Elternhaus zu geleiten. Eltern und Geschwister, darunter zwei der drei Niederbranner Schwestern, sowie Enkelkinder, erwarteten den Primizianten. Der alte MoarHof war für den Empfang geschmückt: Girlanden waren um den Wohnteil, der mit Bundwerk reich verzierte Wirtschaftsteil trug Fahnenund Blumenschmuck. Heute

ist nur noch wenigen dieser Tag in Erinnerung. An der Stelle des alten Hofes ist jetzt ein freier Platz. Der neue, weitaus größere Hof wurde zurückversetzt, der Wohnteil des alten, noch lange neben

dem Neubau stehend, wurde 1968 endgültig abgerissen.

43 Bei dem Schulfoto von 191 7/18 scheint der Termin für die insgesamt 64 Buben und Mädchen nicht angesagt worden zu sein. Es waren nicht nur die harten Iahre des Ersten Weltkrieges, man sieht es dem 'Gwand', insbesonders dem der Buben, an, daß sie zu Hause hart zupacken mußten. Oftmals waren sie die einzigen männlichen Arbeitskräfte am Hof Die Kleidungsstücke waren meist von den jüngeren Geschwistern vererbte Sachen, die, mit neuen Flecken versehen, dann später wieder weitergereicht wurden. Das Sparen war diesen Generationen im Blut. So war das Barfußgehen eine

SeI bstverständlichkei t.

Am rechten Bildrand ist der

Leiter der Schule Joh. Nep. Stitzinger zu sehen.

Die Schülerzahlen an der Volks- bzw. Grundschule Aying schwankten von 1827 bis 1 990 zwischen minimal 50 und maximal 154.

44 Wohl viele Besucher des heutigen Rathauses denken an die Zeit zurûck, als sie in diesen Räumen die Schulbank drückten.Von 1892 bis 1904 wurde die Schule einklassig, nach dem Anbau von 1904 bis nach dem Zweiten Weltkrieg zweiklassig geführt. Diese Unterstufe vom Beginn der dreißtger jahre rnit ihren damals knapp dreißig Schülern war im kleineren Schulsaal untergebracht. Die sogenannte Russische Zählmaschine an der Stirnseite des Raumes galt einst als hervorragendes Anschauungsmittel und Übungsgerät für das Rechnen, heute wurde dieses alte Unterrichtsgerät von Pädagogen unserer Zeit wieder neu entdeckt. Die Tafel auf der

linken Seite war fein säuberlich mit der alten deutschen Schreibschrift beschrieben. Wer wohl kann heute noch die Zeichen dieser Schrift entziffern oder schreiben?

45 Das Bild zeigt die Oberstufe, die Klassen vier mit sieben, im großen Saal der Schule im lahre 1930. Die große Schülerschar wurde vom damaligen Leiter der Schule, dem über dreißig Iahre in Aying tätigen Lehrer Stitzinger, unterrichtet. Er galt als zwar strenger und stets respekthei sehender, aber guter Lehrer. Die Ausstattung des Schulzimmers entsprach ganz der Zeit:

Starre Tische und Sitze waren eine Selbstverständlichkeit. Die Wände waren meist mit Karten, Bildmaterial und sonstigen Unterrichtsgegenständen bedeckt. Schiefertafel und Griffel scheinen selbst in der Oberstufe noch Verwendung gefunden zu haben. Auf der vorletzten Bank ist eine Grif-

felschachtel zu sehen: Schreibutensilien einer vergangenen Zeit und nur noch der älteren Generation bekannt. Heute dient dieses ehemalige Schulzimmer als Sitzungssaal für den Gemeinderat.

46 Am 31. Juli 1899 fanden die feierliche Enthüllung und die Einweihung des Kriegerdenkmals unter Beteiligung von 22 Veteranenvereinen aus der näheren und weiteren Umgebung von Aying statt. Das Denkmal an der Mûnchner Straße wurde auf Anregung mehrerer Mitglieder und aufBeschluß des traditionsreichen Veteranen- und Kriegervereins Aying zur Erinnerung und Ehrung der in den Kriegen von 1866 und

1 870/7 1 gefallenen oder in der Heimat verstorbenen Mitgliedern errichtet. Der Obelisk wurde in dem Marmorwerk der ehemaligen Firma Leis aus Westerham geschaffen. Im Iahre 1937 mußte das Denkmal wegen Erweiterung

der Straße zurückgesetzt werden. Durch eine Erhöhung war es möglich. auch die Namen der Gefallenen des Ersten Weltkrieges anzubringen.

47 Einer der ältesten Traditionsvereine Bayerns ist der Veteranen- und Kriegerverein Aying. Bereits 1 985 konnte er sein 200jähriges Bestehen feiern. Die Chronik des Vereins berichtet, daß sich schon bald nach der Sendlinger Bauernschlacht von 1705 Hinterbliebene aus Aying und Urngebung hier versammelten, um der Toten zu gedenken. Diese organisierten Treffen nahmen allmählich Vereinsformen an. So weisen Eintragungen in die Pfarrbücher von 1 77 9 bis 1 797 Verstorbene als Mitglieder des Veteranen- und Kriegervereins Aying aus. Nach alter Tradition feiert derVerein alljährlich am Pfingstmontag das Gedenken an die Toten, oft in Gemein-

schaft mit Nachbarvereinen. Auf dem Bild von 1 911 sind die zahlreichen Fahnen und Vortragsschilder der Gastvereine zu erkennen.

48 DerVeteranen- und Kriegerverein Aying konnte am 12. Oktober 1924 die Weihe seiner zweiten Vereinsfahne festlich feiern. Das Bild zeigt den Musikzug der Nachrichtenabteilung 7 der damaligen Reichswehr, dem 100 OOO-Mann-Heer der Nachkriegszeit. Fahnenjungfrauen tragen die Bänder der neuen Fahne. Bemerkenswert ist, daß viele Männer ihre Orden tragen. Das Denkrnal und das Soldatengrab sind mit Erinnerungsstücken aus den Kriegen von 1866, 1870/71 und 1914-1918 ? geschmückt'. Historisch interessant ist, daß es den Bayerischen Veteranenund Kriegervereinen seit 1886 durch Dekret erlaubt

war, das Königlich-Bayerische Wappen zu verwenden.

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Kolophon | Privacy | Haftungsausschluss | Allgemeine Geschäftsbedingungen | Lieferbedingungen | © 2009 - 2021 Europäische Bibliothek Verlag