Aying in alten Ansichten

Aying in alten Ansichten

Autor
:   Maximilian Köchl
Gemeinde
:   Aying
Bundesland
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6103-9
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Aying in alten Ansichten'

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49 Das Bild von 1914 zeigt nicht nur den Stürzer-Hof in der heutigen Bräugasse, sondern auch die Besitzerfamilie in der Kleidung dieser Zeit. Das Anwesen stammt aus dem ersten Drittel des 19. Iahrhunderts. Es wurde um 1907 vom Waldschuster-Bauern erworben. Der Wohnteil besteht aus verputztem Mauerwerk und hat auf der Traufseite einen Balustersöller. Der denkmalgeschützte Seitenflurhof ist in seinen Proportionen harmonisch und ausgewogen. Als Schmuck dienen verzierte pfetten und ein Giebelkreuz. Heute ist der Hof verantwortungsbewußt restauriert. Aus der pfarrmatrikel geht hervor, daß bereits der erste Siedler als 'Stürzer'

bezeichnet wurde. Somit geht der Hofname bis in die erste Hälfte des 16. [ahrhunderts zurück. Der Blick in die Gasse zeigt links den Stadel und das alte Wohnhaus des Kainz-Anwesens. Den Abschluß bildet

das Waldschuster-Gütl, das bereits in der Unteren Dorfstraße liegt.

50 Der alte Kainz-Hofin der Bräugasse war ein Anwesen mit gemauertem Unterund einem Blockbau-Obergeschoß. Die beiden Balusterlabn waren eine traufseitige Stockwerks- und eine giebelseitige Hochlabn. Die für die Blockbauweise ungewöhnlich großen Fenster stammen nicht aus der Entstehungszeit. Deutlich ist erkennbar, daß das Anwesen vormals als Einfirsthof bestand. Der ehemalige Wirtschaftsteil wurde durch einen an Höhe und Breite beträchtlich vergrößerten Bau ersetzt. Nicht nur in kleineren Höfen waren damals Mägde und Knechte in die Familie 'integnerr', und

so wurden sie auch bei dieser Familienaufnahme von 1911

mit fotografiert. Das alte Anwesen ist längst durch einen großen, der Neuzeit angepaßten Neubau ersetzt.

51 Der Blick in die Untere Dorfstraße zeigt eine echte Dorfszene aus vergangenen Zeiten, wie sie wohl heute nur noch selten zu finden ist. Längst ist der Stadel des Siberer-Anwesens einem Wohnhaus gewichen. Der nächstfolgende Waldschuster- Hof ist mit seinem Wohnhaus noch erhalten und behutsam renoviert. Er steht unter Denkmalschutz.Auch das nächsteAnwesen, beim 'Baur' mit seiner Hochlabn, gegen Ende des

18. Jahrhunderts erbaut, steht auf der Denkmalsliste. Gemäß der Pfarrmatrikel geht der Hofname auf den ersten Siedler Georg Paur 1583-1633 zurück. Der Backofen auf der linken Seite ist schon lange verschwunden. Früher war er

bei jedem größeren Hof anzutreffen. An der Stelle des alten Rieger-Hofes steht heute ein neuer Bau - musterhaft dem alten nachempfunden.

52 Die Famillen- und Häuserchronik der pfarrei Aying weist 120 Hausnamen nach. Von den 48 mit Handwerkerberufen in Verbindung stehenden Hausnamen, erwähnen acht den Beruf des Schusters, bzw. eine nähere Bezeichnung als Berg-, Straßoder Waldschuster. Das Foto von 192 2 zeigt das Waldschuster-Haus. Die Pfarrmatrikel weist den Schuster Kaspar Kern als ersten Siedler nach. Der denkmalgeschützte Hof wurde gegen Ende des 1 8. Iahrhunderts erbaut. Er zeigt trotz Umbauten noch heute viel Originalität. Das breite Einfirsthaus fällt durch seine guten Proportionen auf. Der ehemalige Wirtschaftsteil zeigt schönes Bundwerk. Die

zweiseitige Balusterlabn dient zugleich als Schutz des Eingangs. Auf der Ostseite befindet sich eine Hochlabn. Der Vorgarten ist ein typischer Bauerngarten, wie er nur noch selten anzutreffen ist,

Der letzte Bauer [osef Köchl verkaufte um 1905 den Hof und erwarb das Stürzer-An-

wesen.

53 Im Iahre 1895 erhielt Aying eine Postagentur. [ahrzehntelang dienten Paul Strauß (1864-1914) und ]osefStrauß (1888-1953) als Briefträger. Der Zustellbereich war groß: 1919 umfaßte er nebenAying noch· Neumûnster, Heimatshofen, Kaltenbrunn, Graß, Griesstätt, Oberund Unterschops, Klein- und Großhelfendorf, Rauchenberg, Kleinkarolinenfeld, Kreuzstraße, Graß, Göggenhof en, Peiß und Dürrnhaar. Dieser Bereich war in zwei Gänge eingeteilt, wobei ein Gang fast 25 km umfaßte. Täglich, zu [eder [ahreszeit und Witterung, war der Dienst zu Fuß, später mit dem Fahrrad, zu bewältigen. Nicht selten wurden dabei auch

hohe Geldbeträge, zum Beispiel für Verkauf von Vieh, persönlich überreicht. Zweimal am Tage wurde die Post mit dem Handkarren vom

Bahnhof abgeholt. Erst 1935 wurden die Posthilfsstellen Großhelfendorf und Kreuzstraße verselbständigt und die Zustellbereiche neu eingeteilt.

54 Am 5. Juni 1904 wurde die Königlich-Bayerische Lokalbahn München -Ost - Aying mit ihrer 21,507 km langen Strecke feierlich eröffnet. Damit war Aying an die 'große, weite Welt' angebunden. Die Strecke umfaßte mit dem Ausgangspunkt Ostbahnhof die Stationen Mü-Giesing, Perlach, Neubiberg, Hohenbrunn, Hóhenkirchen-Siegertsbrunn, Dürrnhaar und Aying. Der Zug benötigte eine Stunde und dreizehn Minuten. Die Bahnhöfe in Perlach, Neubiberg, Höhenkirchen und Aying wurden im Stil der Jahrhundertwende gebaut. In einem Prospekt hieß es: 'Sie sind freundliche moderne Bauten und machen angenehmen, gefälligen Eindruck.'

Das Bild des Bahnhofes von 1930 zeigt die stilistische Einheitlichkeit des großzügig bemessenen Baues mit seinem seitlichen, neobarock anmutenden steilen Quergiebel und Süderker. Die Bahnsteig-

sperren wurden nur zur Fahrkartenkontrolle, kurz vor Abfahrt des Zuges, geöffnet.

55 Blickt man in die Vergangenheit eines Dorfes, so muß man auch zeigen, wie seine Bewohner es verstanden, zusammen Feste auszurichten und zu feiern. Noch ist den Älteren ein Dorffest in guter Erinnerung, auch durch viele Bilder belegt. Damals kannte noch jeder jeden, und so war es möglich, daß sich im Fasching 1933 Jung und Alt an der 'Bettelhochzeit' beteiligte. Der Kögl-Kaspar hatte sie vortrefflich organisiert. Ochsen und Pferde zogen die vielen Gespanne und Wagen mit den maskierten Bettelleuten. Soeben zieht eine mit Girlanden und Lampions geschmückte Chaise vorüber. Ihr folgt der Kammerwagen mit der Ausstattung der Bet-

telbraut. Der Fotograf stand in der heutigen Bräugasse, unmittelbar vor dem Glaser-An-

wesen.

56 Das Ortsbild war ursprünglich von Bauernhöfen geprägt. Eine große Veränderung brachte der Bau der ersten Siedlung, wenige Iahre vor dem Zweiten Weltkrieg, mit sich. Der damalige Bûrgermeister Dr. Suntheim konnte den Grunderwerb und Bau von zwölf Eigenheimen durchsetzen. Der Siedlungsgrund lag vor dem Dorf, in der Nähe des Bahnhofes. Die Häuser waren für Nichtselbständige gedacht. Grunderwerbspreis, Bauform der Häuser und derenAusstattung könnte man als 'Sozialen Wohnungsbau' der damaligen Zeit benennen. Alle Häuser waren innen und außen gleich, mit Stall für Kleintierhaltung und mit Waschküche.

Beim Bau erbrachten die Leute erstaunliche Eigenleistun gen. Das Bild zeigt die Siedlungshäuser kurz nach dem Bezug. Längst ist die Siedlung 'Am Bergblick', vormals vor dem Dorf gelegen, mit ihm

verbunden. Heute sind die Häuser durch Umbauten und Vergrößerungen den Wohnerfordernissen unserer Zeit angepaßt.

57 Die Lage eines Dorfes ist nicht nur von seiner geschichtlichen Entwicklung, sondern vor allem von seinen natürlichen Gegebenheiten abhängig. Blatt 83 aus "Iopographischer Atlas vom Königreich Bayern' von 1812 zeigt die langgezogene Form des Dorfes Peiß und die Führung der 'Chaußee MünchenRosenheim' , eingebettet zwischen 'Kleines' und 'Großes Gesprai'. [edern, der den Ort durchfàhrt, wird sein typischer Straßendorf-Charakter bewußt. Die Häuser stehen beidseitig dicht an der Straße, Während heute vor allem die großen Höfe mit der Giebelseite zur Straße stehen, zeigen die Flurkarten 'Peiß, S.-O., Schichte IV; lit C, IX, 7, König-

liches Landgericht Miesbach' von 1809 und die Nachfolgekarte von 1856 alle Häuser parallel zur Straße. Gegen Ende des 19. [ahrhunderts wurden die Neubauten der großen Höfe aus Platzgrün-

den giebelseitig zur Straße gestellt. Die kleinen Höfe behielten die alte Richtung bei.

58 Der überaus günstige Standpunkt des Fotografen schräg gegenüber -läßt die Einheitlichkeit und Wohlproportioniertheit des barocken Baues der Peißer Kirche, der Filialkirche St. Nikolaus, auf den ersten Bliek erkennen. Das auf den Fundamenten eines gotischen Vorläuferbaues von 1366 erbaute Gotteshaus von 1694 steht direkt neben der heute viel befahrenen Rosenheimer Landstraße. Der schön gegliederte Saalbau mit seiner leicht eingezogenen Chorpartie besitzt einen auffällig schlanken, grazil wirkenden Zwiebelturm. Die einheitlichen und im Gesamtbild äußerst harmonisch wirkenden Rundbogenfenster haben im etwas höheren Chorteil

darûbergesetzte, ovale Nischen, die mit Pilastergliedern verbunden sind. Die jüngst durchgeführte sorgsame Außen- und Innenrenovierung har ein sehenswertes sakrales Schmuckstück neu erstehen lassen.

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