Aying in alten Ansichten

Aying in alten Ansichten

Autor
:   Maximilian Köchl
Gemeinde
:   Aying
Bundesland
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6103-9
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Aying in alten Ansichten'

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59 Dieses Bild zeigt das Gasthaus 'Zur Post' mit seiner mächtigen, steilgiebeligen Frontseite. Man sieht dem geschichtsträchtigen, denkmalgeschützten Gebäude seine einstige Bedeutung an. Während heute der Verkehr in meist zügigem Tempo vorbeibraust, mußten vor gut 150 [ahren selbst Könige, hohe Diplomaten mit ihren Beamten, und auch reiche Kaufleute hier ihre Fahrt unterbrechen, mochte diese auch noch so eilig sein. Seit 177 6 nämlich war Peiß Station der bedeutenden Poststraße München- Kufstein -lnns bruck. Das Gasthaus führte damals den stolzen Namen 'Reichspost-

halterei' . Ihre vorgesetzte Behörde war die berühmte Thurn- und Taxis'sche Generalpostverwaltung. Trotz der architektonischen Verschiedenheit der Nachbarschaft wirkt das Ensemble mit Kir-

ehe und Bauernhofharmonisch und erzählt von den alten Zeiten.

60 Stilisierte Ortsansichten auf rneist mehrteiligen Karten waren sehr häufig und überaus beliebt. Diese lange vor der [ahrhundertwende gezeichnete Karte 'Gruß aus Peiß' zeigt uns das alte Dorf an der Rosenheimer Landstraße in blumenumrankten Ansichten. Sie täuschen jedoch ein ländliches Idyll vor und lassen die harte Arbeit des Alltags der bäuerlichen Bevölkerung kaum erahnen. Der geräumige Platz vor dem geschichtsträchtigen Gasthaus 'Zur Post' mit den Fuhrwerken, dem Reiter und den zahlreichen, durchwegs städtisch gekleideten Straßenpassanten, zeigt längst vergangene Beschaulichkeit. Zweifellos ist dieser Kartengruß eine

idealisierte Darstellung eines Dorfes in spätromantischer Manier.

61 Der 'Gruß aus Peiß' von 1912 führt im oberen Kartenteil von Aying nach Peiß. Der Bliek reicht vom 'Kleinen Gsprai' bis zu den ersten Bäumen der alten Allee der Rosenheimer Landstraße. Die Masten beweisen die erfolgte Elektrifizierung. Das Hintereinander des hohen Wirtshausgiebels und dem darüber erscheinenden Turm der Kirche führt auch heute noch zu optischem Irrtum. Das 1911 erbaute, jetzige 'Demmel' Haus zeigt deutlich sein Walmdach. Das Bild links unten bringt eine Ansicht des stattlichen Hascher-Anwesens. Bemerkenswert sind neben den beiden Balkonen auf

der Giebelseite die unverputzte Giebelpartie, sowie die Hervorhebung der Hausecken durch rustikale Backsteingliederung und die Betonung der Fensterrundung mit dem gleichen MateriaL Der Blick

in die 'Dorfpartie' zeigt deutlich die Charakteristik des Straßendorfes Peiß

Handlung von M:ula Ha.eher

GruB aus PeiS5

62 Nichts ist so dem steten Wechsel unterworfen wie die Kleidung. Sie ist immer ein Spiegelbild der Zeit. Das Foto zeigt ein Brautpaar im Hochzeitsgewand aus der Zeit kurz vor dem Ersten Weltkrieg. Die Hochzeitskleidung ist der Inbegriff des festlichen Gewandes: Das lange, dunkle Satinkleid dieser Braut hat gleiche Borten am Kleid, an Ärmeln und hochgeschlossenem Kragen. Weißer, bodenlanger Schleier, Kopfschmuck und Rosmarinsträußchen sind Zeichen der Braut. Brosche, Ohrringe und Kette bilden den äußeren Schmuck. Nicht minder festlich ist die Kleidung des Bräutigams: Sein langer, schwarzer Mantel mit verdeckter Knopfleiste und

Klapptaschen ist auch mit einem Sträußchen geschmückt. Der schwarze, breitrandige Hut und der weiße Schal verstärken die Festlichkeit der Kleidung. Der Fotograf unterstreicht auf seine Weise den Ernst des Bildes, damit aber auch den Gegensatz zu heute.

63 Der Hofname 'Sterz' geht auf die erste Eintragung in die pfarrmatrikel von 1 585 zurück. Trotz einer neuen Zweckbestimmung des Hofes ist er bis heute geblieben. Renovierung, Brand und neue Verwendung haben das Aussehen des Hofes verandert. Das Bild von 1907 zeigt das damalige Besitzerpaar mit seinen Söhnen vor dem 1 891 errichteten Neubau. (Lange Zeit trugen auch Buben im Kleinkindalter Röckchen.) Der langgestreckte Hof steht mit seiner Giebelseite zur Straße. Der große Mittelflurhof zeigt Merkmale, die italienische Bauleute vermuten lassen. Die auffallend hohen Fenster haben im Wohnteil kreuzförmige Teilung mit

Oberlichten, im Wirtschaftsteil Turmlukenverschalungen. Putzsimse, Eisenbalkone, Medaillonfenster, gezierte Pfettenköpfe und Zierat auf dern First schmücken die Giebelseite. Die vielen Medaillon-

fenster im Kniestock geben dem Hof seine besonders charakteristische Note.

64 Das Bild von 191 2 zeigt den Limrner-Hof in seinern alten Aussehen. Noch führt nur eine schmale Straße vorbei, steht ein Brunnen vor dem Haus, bahnt sich ein Bach seinen Weg, und eine 'Bruckn' führt in den Stadel. Die Giebelfront zeigt eine selteneAsymmetrie: Die besonders breiten Mittelflure werden im gemauerten Unterund im zurückgesetzten, verputzten Blockbau-Obergeschoß durch je ein Fenster erhellt. Alle Fenster sind mit Putzdekor umrahmt, die Pfetten zeigen verschiedene Ziermuster. Das Geländer der Hochlabn trägt über dem Profilunterbau einen Balusterteil, die kleine Labn Andreaskreuze. Die linke Katzenlabn

dient als Taubenschlag. Der Hofname geht auf den ersten nachweisbaren Siedler Lindtrnater irn 16. Jahrhundert zurück. Ein Probst des Chorherrenstiftes Beyharting stammte aus dem Limmer-Hof Religi-

öse Motive im Putzdekor erinnern daran.

Der größere Knabe fiel im Ersten, der kleine im Zweiten Weltkrieg.

65 Der Hofname 'Matheis' läßt sich bis 1634 zurückverfolgen. Die Aufnahme zeigt den Hof aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Den breit hingelagerten Einfirsthof mit Seitenflur schmückte eine Hochlabn. Das seitlich einfach verbretterte Geländer hatte in der Mitte ein Andreaskreuz. An der rechten Seite waren die Öffnungen des Taubenschlages eingeschnitten. Das Anflugbrett konnte mit einem Seilzug zum Öffnen und Schließen des Schlages verwendet werden. Die Labn dierite der Bäuerin zum Aufhängen der Wäsche, zum Trocknen der Zwiebeln, von Heil- und Teekräutern. Der Hausbrunnen war vor dem Eingang, der Misthaufen di-

rekt beim Stall. Eine große Veränderung des Hofes ergab sich durch die Aufstockung im jahre 1947. Dazu dienten Ziegel aus den Bombenruinen der Stadt. Das erneuerte Medaillon an derTraufseite trägt

die jahreszahl 1763 und die Inschrift: 'Maria vom Trostkeinen Sünder verstoßt.'

66 Unmittelbar auf die Bedürfnisse der Landwirtschaft eingestellte Handwerker waren vor allem der Schmied, der Wagner und der Sattler:

Stets waren Pferde zu beschlagen, mußten schmiedeeiserne Geräte hergestellt, die vielen aus Holz in Handarbeit gefertigten Teile eines Wagens, die vielbelasteten Räder repariert oder erneuert werden, waren für Pferde und Ochsen Geschirre notwendig. Sie mußten in langer Kleinarbeit hergestellt oder wieder geflickt werden. Längst sind diese Handwerksbetriebe aus dem Dorfbild verschwunden. Technisierung und Rückgang der Landwirtschaft haben die-

se Berufe zum Aussterben gebracht. Das Bild zeigt die Wagnerei von Joh. Baptist Wagner in Peiß noch vor der Erstellung des Werkstàttenanbaues längs der Straße. Der Betrieb wurde 1950 aufgege-

ben, und beide Gebäude wurden 1973 abgerissen. Direkt daneben stand die Schmiede.

-- .

67 Der uralte Blockbau des Straßschuster-Anwesens mit seiner Labn auf der Trauf- und seiner 'Katznlabn' auf der Giebelseite, hätte es durchaus verdient, in einem Preilichtmuseum aufgestellt zu werden. Die Rauchkuchl hatte bis 1939 noch eine offene Feuerstelle mit eisernem 'Dreihax'. Der Rauch konnte durch den hölzernen, gepichten Dachkamin abziehen. In der Stube stand ein Kachelofen in Sesselform, auf dem auch gekocht werden konnte. Er wurde von der Kuchl aus beheizt. Im Juni 1945 wurde die traufseitige Labn bei einem Unfall durch einen mit deutschen Kriegsgefangenen besetzten Lastwagen weggerissen. Dabei gab es viele

Verletzte. Der Blockbau wurde 1957 abgebrochen und durch einen wesentlich größeren, schlichten Neubau, der den Erfordernissen der Zeit entsprach, ersetzt. Er wurde dem etwa 3 m zurückversetzten

Stallbau an Höhe angeglichen und mit ihm verbunden. An der Stelle der alten Obstbäume befmdet sich heute die Hofeinfahrt.

68 Die Winteraufnahme führt in das Iahr 1928 zurück. Schnee türmt sich vor dem Eingang des Mesner-Anwesens. Der Stadel wurde 1965 abgebrochen,dasWohnhaus umgebaut. Der Matheis- oder Strangl-Hof zeigt noch sein altes Gesicht vor der viel später erfolgten Aufstockung und Miteinbeziehung des Stadels. Das Blumoser-Haus, das frühere 'Benefizturn', schließt sich an. Der Giebel des SterzAnwesens wirkt beherrschend, der 'Neuwirt' zeigt noch seine gemütliche Holzveranda, bevor sie 1978 zusammen mit dem Hof abgebrochen wurde. Der alte "Iroadkastn' zur Rechten aus dem 1 7. /18. [ahrhundert mit seinem Blockbau-Oberge-

schoß steht hier noch an seiner alten Stelle. 1979 wurde er im Bräugarten in Aying aufgestellt. Der 'Bäck' bietet hier seinen lang vertrauten Anblick mit dem weit vorgezogenen Dach der Ablade.

Heute dient dieser Vorplatz als Kundenparkplatz.

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