Bützow in alten Ansichten Band 1

Bützow in alten Ansichten Band 1

Author
:   Dr. Wolfgang Schmidtbauer
Municipality
:   Bützow
Province
:   Mecklenburg-Vorpommern
Country
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6003-2
Pages
:   80
Price
:   EUR 16.95 Including VAT *

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Fragments from the book 'Bützow in alten Ansichten Band 1'

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49 Das Schloß und das Krumme Haus (aufunserem Bild aus dem Iahre 1907 ganz links) sind die einzigen Gebäude, die bis heute vom ehemaligen Ensemble des Schloßplatzes erhalten geblieben sind. Für Zwecke des Krirninalkollegiums wurde 1834/35 an der Nordseite des Platzes ein neues Gefangenenhaus errichtet und von 1854 bis 1856 wesentlich vergrößert. Um 1850 entstand das Gebäude für Amt und Amtsgericht (rechts im Bild), danach an der Südseite das Frauengefángnis (Bildmitte). Mit dem Inkrafttreten des Reichsstrafgesetzbuches im Iahre 1879 wurde das Gerichtswesen vereinheitlicht und das Kriminalkollegium

aufgelöst. Die Gefangenenhäuser wurden unter der Bezeichnung 'Zentralgefángnis' zusammengefaßt. 1960/61 wurden sie in Verwaltungsgebäude umgewandelt.

50 Wir stehen am stadtseitigen Ausgang des Schloßplatzes, wo bis zum Ende des 18. [ahrhunderts ein Doppeltor mit der dazwischen liegenden Gerichtsbrücke die Stadt und das Schloßensemble trennte. Unmittelbar an der uns zugewandten Seite des Hotels de Prusse, des Preußenhofs, verlief bis in die zwanziger jahre unseres Jahrhunderts ein Arm des Stadtgrabens. An der Südseite der Schloßstraße erstreckte sich zwischen ihm und der 3. Ausfallstraße der fürstliche Lustgarten. 1795 wurde er in fünfBauplätze für je 600 Reichstaler aufgeteilt und unter der Bedingung verkauft, 'daß die Plätze mit anständigen Häusern von 2 Etagen in

gleicher Tiefe und Höhe bebauet werden'. Noch 1905 ist zu erkennen, daß diese Bedingung erfüllt worden ist.

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Sehlossstrasse

51 Im Hof des Hotels de Prusse haben sich 1909 um den Kaiser Jast Huppupp alle Würdenträger des Kaiserreichs Bützow aufgestellt: der Polizeiminister Fûrst ]agowDummersdorf, Leibarzt von Schwiedt aufKnachenknack, Archibald Graf van Riesensteinbock, Oberhoftraumdeuter ... Das Kaiserreich bestand van 1898 bis 1914, nachdem bereits 1895 ein Hoftag in Bützow stattgefunden hatte. Es war ein Fastnachtsscherz Rostocker Studenten, die alljährlich zwei Tage im Februar nach Bützow kamen. Ihr glanzvoller Einzug führte sie vom Bahnhof über den Marktplatz, wo vom Kaiser eine Ansprache gehalten wurde,

bis in den Preußenhof. Der Kaiser verlieh seinen Untertanen auch Orden, zum Beispiel als höchste Auszeichnung den Sprottenorden, die sehr begehrt waren. Im Heimatmuseum sind

sie noch heute zu bewundern.

52 Im Preußenhof spielte sich um die [ahrhundertwende ein großer Teil des geselligen Lebens der Stadt ab. Unser Bild zeigt die Gründungsversammlung des Deutschen Kolonialvereins, Abteilung Bûtzow, im November 1896. In diesem Hotel kam auch der älteste Verein Bûtzows, die Klubgesellschafi, zusammen. Sie war im Ianuar 1797 gegründet worden. Ihr gehörten ebenfalls nur Herren an. Zwangloze Gespräche oder Karrenspiel bildeten den Hauptinhalt des Klublebens. Im Winter veranstaltete die Gesellschaft für Mitglieder und deren Damen sowie wenige geladene Gäste einige Bälle. Zum einhundertjähn-

gen Stiftungsfest arn 9. [anuar 1897 wurde im Schützenhaus 'Die Gänse von Bützow' zur Erinnerung an den glücklichen Ausgang des Gänsekrieges im Iahre 1794 aufgeführt.

53 Die Schloßstraße im [ahre 1898! Das Kaufhaus Ramelow in der Bildmitte hat seinen Sitz noch in einem wenig veränderten Bürgerhaus, und so vermittelt die Aufnahme einen Eindruck, wie die Straßen unserer Heimatstadt im 18. Iahrhundert ausgesehen haben mögen. Interessant ist auch der Text der Karte, geht aus ihm doch hervor, daß Ansichtskarten in und von Bützow gesammelt wurden. Nachdem die Schreiberin der Karte bedauerte, daß sie keine andere - sicher eine Gratulationskarte - besessen hätte, fuhr sie fort: 'Ich würde mich sehr freuen, wenn Du mir diese mal schicktest, ich habe sie noch nicht.' Unser Dank gilt

Else, dem Geburtstagskind, und Iulie, der Gratulantin; eine von beiden hat mit der Karte eine historische Ansicht von Bützow aufbewahrt.

54 Diese Aufnahme, ebenfalls aus demjahre 1898, zeigt uns die Schloßstraße von der anderen Seite. Das erste Haus links gehörte nachweislich seit 1821 einem 'Herbergier'; urn die [ahrhundertwende war hier eine Gastwirtschaft. Im dritten Haus links, Schloßstraße I, befand sich 1821 die Spielkartenfabrik von Lorenz; seit etwa 1860 finden wir dann Kaufleute als Besitzer. Am Ende der Straße scheint ein Haus den Weg zu sperren:

Schloßstraße 16. Es wurde vor 1800 von Geheimrat von Oertzen erbaut. Lange Iahre besaßen es die Witwe des Kammerherrn van PIessen und ihre Kinder. Eine ihrer Töchter heiratete den Senator

Block, und um die [ahrhundertwende war es endgültig in bürgerlichen Besitz übergegangen.

SS Wir stehen auf einem Platz, den es im Bützower Straßenverzeichnis nicht gibt: dem Gänsemarkt! Die Aufnahme ist nach 1908 entstanden. Noch sind pferd und Wagen Hauptverkehrsmittel. Ein Hinweis an der Gaslaterne und die Kutsche am Firmenschild werben für die Einkehr in das 'Deutsche Haus', wo es auf dem Hof eine Ausspannung zum Tränken und Füttern der Pferde gibt. Aber die Zeit des Automobils kündigt sich schon an: im Nebenhaus ist bei Kaufmann Klemm Benzin zu haben! Die Reklame steekt noch in den Anfängen; immerhin ist die Fischhandlung von Engel zum Delikatessengeschäft aufgestiegen. Bis

1914 wurde in Bützow jährlich im September ein Gänsemarkt abgehalten - vielleicht fand er sogar auf diesem Platz statt!

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56 Der Westteil der Langen Straße um 1910: an die Stelle von Bürgerhäusern des 18. [ahrhunderts sind Bauten getreten, die nicht recht in das Straßenbild passen wollen. Kaufmann Appel, Hofklempnermeister Engel und Kaufmann Ramelow haben zwischen 1903 und 1907 neue Häuser errichten lassen, die protzig Wohlhabenheit zur Schau stellen und allein wegen ihrer Höhe in einer Kleinstadt fehl am Platze scheinen. Die Jugendstilfenster in Nr. 53 - die einzigen in Bützow - ziehen noch heute die Blick auf sich. Wenn auch neben der Gaslaterne noch eine der öffentlichen Wasserpumpen steht, das Schmutzwasser noch am

Rinnsteig entlangfließt - die Hauptgeschäftsstraße der Stadt hat begonnen, ihr Gesicht zu wandeln.

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Lang strasse

57 Wir betrachten 1903

die Nordseite der Langen Straße zwischen der Gasse

zur Kirche und dem Marktplatz. Die ersten beiden Hàuser, die Kaufmann Harm gehören, sind bereits 'modernisiert'. Das Haus Nr. 52 bewahrt trotz des Putzes, der einen Bau aus Sandsteinquadern vortäuschen soll, noch den Charakter eines Bützower Bürgerhauses, während die Fassade des Nachbargebäudes überall im kaiserlichen Deutschland stehen könnte. Durch sein aufgesetztes zweites Stockwerk wirkt das Doppelhaus von Uhrmacher Compère und Kaufmann Hirsch unproportioniert hoch. Es erdrückt die benachbarten Häuser von Buch-

binder Koch und Barbier Wandschneider, die noch dem Baureglement entsprechen, das nach dem Stadtbrand von 1716 erlassen wurde.

58 Was sonst nicht möglich ist, vermittelt uns die Fotografie: einen Zeitsprung in das [ahr 1892. Wir sind noch einmal auf den Kirchturm gestiegen und schauen nach Süden. Im Vordergrund liegen die Dächer der Langen Straße 40 bis 58, dahinter die Frontseiten der Häuser 51 bis 61, deren schmale Grundstücke sich bis zum Ausfall hinziehen. Im Mittelgrund können wir am linken Bildrand das Gymnasium und daneben das Gerätehaus der Feuerwehr erkennen. Wo einst die Stadtmauer gestanden hatte, ist noch nicht alles bebaut. Jenseits von Warnow und Wiesen stehen die ersten Häuser der 'Neuen Welt', der Wilhelmstraße. Wenn man

von der Stadt dorthin will, muß man die Warnow auf einer plumpen Brücke überqueren. War das Anlaß, sie im Volksmund Elefantenbrücke zu nennen?

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