Kennt Ihr sie noch... die von Buchen

Kennt Ihr sie noch... die von Buchen

Author
:   Prof. G. Helmut Brosch
Municipality
:   Buchen
Province
:   Baden-Württemberg
Country
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3074-5
Pages
:   80
Price
:   EUR 16.95 Including VAT *

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Fragments from the book 'Kennt Ihr sie noch... die von Buchen'

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Eine Holländergruppe des Turnvereins

26. Es ist nicht mehr bekannt, was eine Turngruppe unter Anton Kaufmann bewogen hat, zum 50jährigen Stiftungsfest 1913 sich als Holländer und Holländerinnen zu verkleiden. Sicher führten die jungen 'Mijnheers' und 'Meisjes' einen Tanz auf, wie es aus der Bezeichnung von Fotos mit ähnlichen Gruppen hervorgeht. Jede der Damen trägt eine Tulpe im Blumentopf, die Herren eine Blume im Knopfloch, einer ein - wohl kaum see-taugliches - Opernglas, ein zweiter eine Mappe (Kaufmannspapiere? ). Eine Beziehung zu Holland könnte in Buchen höchstens über den Ho1zhandel entstanden sein. In alten Akten ist öfter von 'Holländerholz' die Rede. Von Buchenern, die als Matrosen etwa nach Holland gegangen wären, ist nichts bekannt.

Folgende Mitwirkende ließen sich ermitteln: vorne Mitte: EIsa Ebel. Damen, von links nach rechts: Baumbusch, Kuenzer, Schwab, Wittemann, Fürst, Frieda Schäfer und unbekannt. Herren:

Karl Wörner, unbekannt, Kar! Gramlieh, Schneider, Anton Kaufmann, Max Künkel, Wittemann, Hemberger und Walter Kießling.

Kaminfeger und Müllerinnen

27. Schwarz und Weiß, Finsternis und Licht: Urgegensätze treffen aufeinander. Schwarz ist die Nacht, der Teufel, das Böse; weiß, hell und klar ist der Tag, weiß sind die Engel, die Unschuld. Und doch liebäugelt man mit dem Schwarzen: man trifft gern ins Schwarze und der Kaminfeger gilt als ausgesprochener Glücksbringer. Man sucht die Gefahr, das Risiko, in der 'dunklen' Ahnung, hier müsse das Glück eher zu finden sein. Aber der Schwarze kann dem Weißen dunkle Flecken (auf die 'weiße Weste') machen. Doch kann nicht umgekehrt auch der Müller (und die Müllerin) 'abfärben'? Man kann sich vorstellen, daß das alles recht beziehungsvoll gespielt werden kann.

Unter Leitung des ersten Turnwartes Karl Weiß (der auch der Fotograf für Schwarz-Weiß ist) führte der Turnverein bei einem Maskenball am 2. Februar 1913 einen Reigen von Kaminfegern und Müllerinnen vor.

Es wirkten mit: erste Reihe: Wilhelm Kaufmann, Anna Baumbusch, Max Künkel, Karl Öftering, EIsa Kuenzer und August Reinhard.

Zweite Reihe: Maria Kuenzer, Anton Grasberger, Liesel Wittemann, Karl Weiß, Kordula Trunzer, Otto Hemberger, Frieda Schäfer, Christian Beierlein und Emma Bönisch.

Die vier Jahreszeiten

28. In einer ländlichen Gegend wie der unseren ist man mit der Natur, dem Wetter, den Jahreszeiten mehr verbunden als der Städter. Wer nicht 'Vollbauer' ist, treibt nebenher etwas Landwirtschaft oder hat zum wenigsten ein kleines Gärtchen zu versorgen. Selbst der Rest der Bevölkerung lebt und denkt mit dem Wachsen und Gedeihen pflichtschuldigst mit. Dennoch wirkt, was wir hier sehen, so gar nicht 'ländlich'. Es sieht eher aus, als wenn ... oder wollten sich die Buchener hier so geben, als wären sie gar nicht von hier, als wäre alles Theater? Die Trauben, zugegeben, können um diese Jahreszeit - wir sind im Februar - nicht echt sein. Wir sehen davon ab, daß es hier keinen Weinbau gibt. Also spielt man bloß Herbst, zu dem nun mal die Weinlese gehört. Der Frühling mit Pflanzschnur, Holzrechen, Häckchen und Zimmerblumengießkanne: sehen auch recht städtisch aus. Sicheln und Sensen sind auch nicht ganz echt. Anzüge, Kleider und eine Phantasietracht... nun: wir sind ja auf einem Maskenball.

Den Reigen führten folgende Mitglieder des Turnvereins am 26. Februar 1911 aus:

Vorderer Reigen: M. Eierrnann, Marie Kuenzer, Marie Schwab, H. Wittemann, A. Eiermann, Frieda Schäfer, Anna Flum und Leo Wolf.

Hinterer Reigen: K. Wörner, Anna Wolf, Emma Fürst, K. Wittemann, J. Trunzer, Elise Fürst, Emmo Hefner und F. v. Molitor.

Jacob Mayer (1866-1939), ein Buchener Mundartdichter

29. Am 5. Januar 1866 kam Jacob Mayer in Buchen auf die Welt. Sein Vater Josef Mayer hatte 1862 in der Marktstraße in zentraler Lage ein Modewarengeschäft für Damen und Herren gegründet, das der Sohn dann später übernahm. Wenn man nach typischen Buchenern Ausschau halten wollte, man käme unweigerlich auf Jacob Mayer zurück. In seiner Anhänglichkeit an die Vaterstadt ließ er sich von niemandem übertreffen. Zahlreich sind die Fälle, in denen er helfend einsprang, wenn es um die Belange seiner geliebten Vaterstadt ging. Man schätzte und ehrte ihn darum. So wurde er Vorsitzender des Odenwaldklubs und der Casino-Gesellschaft, der nur honorige Vollbürger angehörten. Seine Volksverbundenheit äußerte sich am bleibendsten in seinen zahlreichen Mundartgedichten. Am bekanntesten ist der Text zum Buchener Fastnachtmarsch 'Kerl wach uff!'

Völlig unvorstellbar und unbegreiflich mußte diesem treuen Bürger seiner Heimatstadt und seines Heimatlandes das sein, was man nach 1933 seinen Glaubensgenossen - er war Jude - antat. Es trieb ihn zur Verzweiflung, so daß er am 11. Juni 1939 freiwillig aus dem Leben schied.

Unser Foto, 1887 entstanden, zeigt ihn mit dem jüdischen Religionslehrer Jakob Schwerin (1860-1905) rechts. Über diesen, der im ökumenischen Geiste lebte, erzählt sein Sohn Ludwig, der bekannte Maler: als der Freiburger Bischof einst Buchen besuchte, malte Jakob Schwerin ein Transparent und befestigte es am Eingang der Synagoge. In hebräischer Schrift und Sprache stand da zu lesen: Haben wir nicht alle einen Vater, hat nicht ein Gott uns erschaffen? Der Bischof las dies, lächelte verständnisvoll und nickte Schwerin zu.

Der 'Jung-Blecker-Club'

30. Der 'Blecker' ist eine Sandsteinfigur, die ihren Platz einstmals auf der Buchener Stadtmauer hatte. Als diese auf weite Strecken niedergelegt wurde, um Licht und Luft zu schaffen, verschwand mit ihr der 'Blecker'. Erst 1906 wurde die Figur von Pfarrer Weigand im Garten eines Bildhauers in Grünsfeld wiedergefunden und nach Buchen zurückgebracht. Wahrscheinlich einst als Abwehrzauber gedacht, kam der 'Blecker' in Buchen im Zusammenhang mit dem Götz-Zitat zu neuen Ehren. In Umkehrung der Bedeutung des bekannten Ausspruches, den Götz von Berlichingen im Gefolge seiner Buchener Fehde einem Mainzer Amtskeller gegenüber tat, entstand eine Geste, die man 'dem Blecker seine Reverenz erweisen' nannte.

Eine Stammtischrunde widmete sich dieser Symbolverehrung und ahnte nicht, daß dies dazu führen sollte, Buchen als 'Blecker-Stadt' bekannt werden zu lassen.

Am 17. November 1913 gründete die Runde in der 'Restauration Wittemann' (heute PK-Kaufhaus) den 'Jung-Blecker-Club'. Der Klub konnte allerdings keine Jubiläen feiern. Schon ein Jahr später, 1914, bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges, mußte die Mehrzahl der Mitglieder einrücken, und damit hörte die Vereinstätigkeit vorläufig auf.

Unser Bild aus dem Jahre 1913 zeigt die Gründungsmitglieder. Treibende Kraft war Willy Gehrig. Vorne, von links nach rechts: Heinrich Wolf und Karl Palasius, zwischen ihnen der 'Blecker'. Mittlere Reihe: August Weinlein, Hermann Wittemann (Schriftleiter), Willy Pfeiffer (1. Vorsitzender), Willy Gehrig und Karl Weinlein.

Hinten: Wendelin Stetter, Josef Kaufmann, Hermann Kuhn und Gallus Eiermann. (Max Deggelmann in 'Der Wartturm', NF 4.Jg., 1969, NI. 5.)

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