Korbach in alten Ansichten Band 2

Korbach in alten Ansichten Band 2

Author
:   Wilhelm Hellwig
Municipality
:   Korbach
Province
:   Hessen
Country
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-0792-1
Pages
:   80
Price
:   EUR 16.95 Including VAT *

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Fragments from the book 'Korbach in alten Ansichten Band 2'

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59. Unser Bild zeigt den ältesten Teil des Postamtes, der 1888/1889 von dem Zimmermeister Louis Trummel erbaut und an die Postverwaltung vermietet wurde. Am 1. August 1889 konnte das kaiserliche Postamt eröffnet werden. Aus diesem Anlaß besuchte der Generalpostmeister Stephan die Stadt. Schon 1905 reichte das Gebäude jedoch für den Dienstbetrieb nicht mehr aus. Da die Trummel'schen Erben den Bau nicht erweitern wollten, wurde erwogen, ein neues Postamt in der Stadtmitte zu errichten. Dazu kam es jedoch nicht, denn 1906 erwarb der Rentier Heinrich Wilke das Gebäude und ließ zunächst an der Nordseite einen Erweiterungsbau anbauen. Nach dem Ersten Weltkrieg folgte dann noch ein Anbau an der Südseite. Die Postgebäude wurden 1978 abgerissen.

Corbach

Am Berndorfertor

60. Das alte Postgebäude wurde später auch zum Telegrafen- und Fernmeldeamt ausgebaut und mußte mehrfach erweitert werden. Unser Bild zeigt das Postamt im Jahre 1930. Später wurden hier - wie in der Bahnhofstraße - die Rotdornbäumchen entfernt. Auch der alte Torpfeiler, der als Litfaßsäule diente, mußte dem Verkehr weichen. An seiner Stelle stand bis 1839 das innere Berndorfer Tor. Darum hieß ja auch bis 1929 die Straße zu diesem Tor die 'Berndorfer Straße'. Der Buchbindermeister und Buchhändler Carl Schreiber erbaute 1913 das neben der Post gelegene Wohn- und Geschäftshaus. Die Buchhandlung mit Reisebüro wird heute von seinem Sohn Erwin geführt, der das Haus umbaute, um die Geschäftsräume zu vergrößern.

61. Am 30. April 1916 fuhr zum letzten Male eine Postkutsche von Korbach nach Usseln. Durch den Bahnbau wurde schon vorher auf den Strecken nach Warburg und Marburg der Personenverkehr mit der Postkutsche eingestellt. Der alte Postkutscher Friedrich Sammet, der hier auf dem Bock sitzt, fuhr schon am 18. August 1873 die erste Postkutsche auf dieser Strecke. In Usseln wurde umgespannt, um die Züge in Brilon-Wald zu erreichen. Hier war die Bahnstation für Korbach. Die Bahnstrecke nach Brilon-Wald wurde erst im Ersten Weltkrieg eröffnet. Auf unserem Bild steht die Postkutsche im Hof des alten Postgebäudes. Hinter den Pferden, denen man die mageren Kriegszeiten ansieht, steht der Briefträger Heinrich Sonneborn (1875-1950), über ihm - auf der Treppe - die Oberpostschaffner Heinrich Kamm aus Rhadern (1851-1938) und Christian Wege (1860-1930), beide ohne Kopfbedeckung. Der Offizier rechts neben der Kutsche ist der Postamtsleiter Pflücker.

62. Auch in Korbach wurde im vorigen Jahrhundert von den Akademikern und Honoratioren der Stadt ein sogenannter 'Club' gegründet. Die Clubräume befanden sich in diesem Haus vor dem Berndorfer Tor, das 1877 der Landwirt Carl Wille erwarb. Er war auch der Clubwirt und wurde mit seiner Familie 'Club Wille' genannt. Die Mitglieder trafen sich an bestimmten Wochentagen und veranstalteten auch Bälle und Theateraufflihrungen. Für die Pennäler und die 'höheren Töchter' fand hier die Tanzstunde statt. Nach Auflösung des Clubs wurden 1908 die Räume an die Eisenbahnverwaltung und später an das Finanzamt verrnietet, In diesen Jahren war das Haus auch eine bekannte Schülerpension, Der Vorgarten mit der großen Kastanie mußte später einem Ladenbau weichen. Als 1977 Fritz Wille, der Sohn des alten Clubwirts, starb, wurde das Haus von seinen Erben verkauft.

63. Nach jahrelangen Planungen und Verhandlungen erhielt Korbach 1893 den ersehnten Anschluß an das Eisenbahnnetz. Das erste Bahnhofsgebäude stand zwischen dem heutigen Bahnhof und dem Güterbahnhof und wurde 1892 erbaut. Unser Bild zeigt das Gebäude im Jahre 1904. Die Bediensteten sind zur Begrüßung einer hohen Kommission angetreten. Ganz links steht der Bahnhofswirt Hermann Schmalz, neben ihm sieben Rottenarbeiter, Die Herren in Uniform sind fünf Beamte. In ihrer Mirte steht der Bahnhofsvorsteher Heinrich Kraft, dessen Frau oben aus dem Fenster der Dienstwohnung sieht. Rechts stehen die übrigen Bedlensteten. Im Jahre 1912 wurde das alte Bahnhofsgebäude abgerissen.

CORBACH

Neuer Berndorferweg JIJ! J

64. Die Straße 'Am Hauptbahnhof wurde 1912 bei der Erweiterung des Bahnhofsgeländes angelegt. Damals wurde auch das große Wohnhaus für die Bahnbediensteten erbaut. Rechts davon liegt an der Einmündung zur Arolser Landstraße das 1907 von Carl Emde errichtete Wohnhaus, das 1908 der Amtsgerichtssekretär Hermann Zimmermann aus Bad Wildungen erwarb. Er kehrte aus dem Ersten Weltkrieg nicht zurück, .und seine Frau verkaufte es 1919 dem Metzgermeister Knothe, der hier einen Laden einrichtete. Die Häuser im Hintergrund stehen an der Bergstraße. Im Bilde nicht zu sehen sind die weiter rückwärts liegende Häuser der Oberpostschaffner Heinrich Küthe (1904) und Kar! Scheidt (1905).

65. In feierlicher Form fand am 3. September 1907 die Grundsteinlegung der Gummiwarenfabrik statt. Kommerzienrat Peter begrüßte die Gäste, und Bürgermeister Steinrück hielt eine Ansprache. Als Vertreter der Regierung tat Regierungsrat Waldschmidt den ersten Hammerschlag. Herr von Lüde, der Schwiegersohn und Mitarbeiter 1. Peters, verlas eine Urkunde, die dann vermauert wurde. Nach dem Festakt feierten die Gäste noch im 'Waldecker Hof' und die Arbeiter in 'Rappen Garten' (später Hotel 'Zur Post'). Die Bauleitung hatten Obering. Louis Bangert und Architekt A.H. Aßmann, beiden gebürtige Waldecker. Der Firma Illian wurden die Maurerarbeiten übertragen.

66. Nach der prunkvollen Einweihungsfeier am 14. Oktober 1910 stand das Verwaltungsgebäude der Gummifabrik leer. Die erste Verwendung erlebte das Haus mit der vom 8. bis 23. Juni 1912 dauernden 'Waldeckischen Ausstellung für heirnische Kunst und Kunstgewerbe'. Sie war die erste Ausstellung dieser Art in Waldeck. In der nahe gelegenen Halle des Schrnalz'schen Felsenkellers fanden mehrere Konzerte, Vorträge und Theaterspiele start. Höhepunkt aller Veranstaltungen war ein großer Trachtenfestzug durch die Stadt. Hier haben sich die Teilnehmer vor dem Eingang des Verwaltungsgebäudes aufgestellt. Im Vordergrund steht die flirstliche Familie: Fürst Friedrich, Fürstin Bathildis, Gräfin Bernsdorf und die Kinder. Im Hintergrund ist auch Louis Peter zu erkennen.

67. Das 1909/1910 von Kommerzienrat Louis Peter errichtete Verwaltungsgebäude war auch im Innern ein Prachtbau. In ihm befanden sich der Casinosaal, ein Fürstenzimmer und auch andere Prunkräume, Das obere Bild zeigt das Fürstenzimmer. Ganz rechts in einer Vitrine steht ein ausgestopfter Tiger, der auf den Gummiplantagen Peters in Sumatra erlegt wurde. Auf dem unteren Bild sehen wir das mit Marmor ausgestaltete Treppenhaus. Die Einweihungsfeier fand am 14. Oktober 1910 statt. Über einhundert Gäste waren geladen, auch viele Korbacher Bürger. In ihrern Übermut warfen einige auf dem Heimweg ihre Zylinderhüte von der Brücke in der Bahnhofstraße in die 'Kuhbach' und ließen sie schwimmen. Im Ersten Weltkrieg diente das Gebäude als Lazarett.

68. Schon 1912 wurde von dem Architekten Wilhelm Opfermann ein Bebauungsplan entworfen, der einen Stadtpark auf den Kalkwiesen vorsah. Stadtbaumeister Wilhelm Schleicher (1879-1938) war es dann, der 1927 diesen Park anlegte, zu dem auch ein Schwanenteich gehörte. Den Schwänen war dieser Teich aber wohl zu klein, und sie entflogen zum Ziegelhütter Teich. Der Park wurde nach und nach erweitert und mehrfach umgestaltet. Links im Bild sieht man die 1978 abgerissenen Gebäude der Stadtwerke. Schon 1893 erhielt die Stadt elektrischen Strom von der Rammelsmühle in Dorfitter. Der Privatunternehmer Fritz Müller, genannt 'Funkenmüller', errichtete an der Kalkmauer später ein eigenes Elektrizitätswerk, das 1917 in den Besitz der Stadt überging.

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