Recklinghausen in alten Ansichten

Recklinghausen in alten Ansichten

Author
:   Kurt Siekmann
Municipality
:   Recklinghausen
Province
:   Nordrhein-Westfalen
Country
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4721-7
Pages
:   160
Price
:   EUR 19.95 Including VAT *

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Fragments from the book 'Recklinghausen in alten Ansichten'

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49. Kunibertistraße und Eisenbahnbrücke, kurz nach der Jahrhundertwende, mit Bliek auf 'Villa Franka' jenseits der Brücke. Dominierend hier das im Stil der Cründerjahre errichtete, noch heute bestehende BahnhofshoteJ. Mitten auf dem Kaiserwall zwischen dem späteren Café Sternemann und dem inzwischen abgerissenen Kaiserhof, dessen Platz jetz t ein Möbelhaus einnimmt, verbirgt sich unter schattigen Bäumen eine alte Caststätte, die die Recklinghäuser liebevoll 'Dornröschen' nannten. Der nach dem letzten Krieg verbreiterte und dem neuzeitlichen Verkehr angepaßte Kaiserwall läßt davon nichts mehr ahnen.

50. In Verbindung mit einer 'Bayerischen Bierbrauerei mit Felsenkeller', für die Domänenrat Landschütz seinen Garten am Kuniberg für 2.500 Taler verkauft hatte, gründete Braumeister Anton Brune die 'Villa Franka' an der Horneburger Straße, wie die Dortmunder Straße um 1910 hieß. In dem 1875 gebauten Saal fanden seinerzeit alle bedeutenden Veranstaltungen am Ort statt, so etwa 1879 eine Protestversammlung gegen die Bismarckschen Kulturkampfgesetze. Als Etablissement für Theater und Amusement war die 'Villa Franka' stadtbekannt. Aus der Zeit um 1900 stammt - das allerdings mehrfach veränderte - Gebäude, das wir heute als 'Burghof' mit dem 'Capitol'-Kino, mit Keglerheirn und "Tausend-Stufen-Bar' kennen.

51. Vom 'Theater auf Villa Franka' schickte ein Ehepaar am 22. Juni 1900 diese Karte zur Erinnerung an das Theater Job-Stadtfeld, eine 'Originalplattkölnische Volksbühne', die damals in Recklinghausen gastierte, Die Eheleute werden das Stück 'Kriegsabenteuer in Transvaal', ein 'Zeitbild in 5 Abteilungen von W. Haase, Musik von G. Berndt, großartige neue Ausstattung', gesehen haben, das laut Zeitungsanzeige 'überall stürrnischen Lacherfolg' versprach. Recklinghausen hat eine lange Theatergeschichte, deren Ursprünge bis zu den mittelalterlichen Fastnachtsspielen auf dem Markt zurückreichen, seit 1834 kontinuierlich verläuft und durch die seit 1947 bestehenden Ruhrfestspiele internationale Beachtung errungen hat.

52. Schon um die Jahrhundertwende bernühte sich die Stadt um Gestaltung und Erhaltung weitläufiger Grünanlagen wie jene Schwanenteichanlage am Grafenwall nahe dem Bahnhof, eines der ersten Projekte, das in den ehemaligen Wiesen (Bleichen) realisiert wurde. 'In wohltuendem Gegensatz zu manchen schnell emporgewachsenen Städten im rheinisch-wcstfälischen Industriegebiet mit ihren oft kümmerlichen Resten alten Baumbestandes', schrieb Stadtvermessungsdirektor Josef Jörling 1928, 'besitzt die Stadt Recklinghausen eine Anzahl schöner, das Auge erfreuender Stadtbilder mit Blumenschmuck und Baumanlagen.' Das ist bis heute so geblieben.

53. 1924 wurde die Schwanenteichanlage, die elf Jahre zuvor schon umgestaltet worden war, bis zum Bahnhofsvorplatz erweitert. Diese um 1925 erschienene Karte versucht der vielbesuchten Anlage einen 'schönen Rahmen' zu geben. Als einziges Gebäude ist das Bahnhofshotel zu sehen, das, damals im Besitz von E. Bomheuer und von Franz Uhrmeister geleitet, schon 1911 an der zur Bahnlinie weisenden Hauswand seine neuzeitliehe Einrichtung rnit Bädern im Hause, dazu 'Stallung und Remise', anpries.

RéCKLINGHAUSéN. STiiDT. IINLIIGeN.

54. Der in einer großen Zementwanne künstlich angelegte Schwanenteich wurde nach dem letzten Krieg zugeschüttet, nachdem er seit Jahren undicht gewesen war, wie es im Verwaltungsbericht 1947/48 heißt. Vor dem Kriege jedoch hatten die Recklinghäuser noch ihre Freude an der mit Sandstein eingefaßten und ciner Pergola gerahmten Kaffeeterrasse. Die Teichfläche wurde dann mit 2.500 Kubikmeter Schuttmassen und 500 Kubikmeter Mutterboden ausgefüllt, eingesät und bepflanzt. In dieser Gestalt, obschon wesentlich kleiner als vor Jahrzehnten, kennen Bürger und Besucher derzeitig die Bahnhofsanlagen, auf denen sich ~ und das nicht nur zur Osterzeit - viele Wildkaninchen tummeln.

REG<LlNGHAUSEN. Am Graft:nwal/

55. Der Weg durch die städtischen Anlagen vom Grafenwall zum Bahnhof führte 1928 an dem Marienhäuschen, auch Mariengrotte genannt, vorbei, einer steinernen Madonna mit Kind, aus dem frühen 18. Jahrhundert. Ende des vorigen Jahrhunderts, als sie noch die Martinistraße zur Wickingstraße (früher Bahnhofstraße) abschloß, war sie bei der damaligen Feld- und Fronleichnamsprozession eine der vier Segensstationen. Mehr und mehr ein Verkehrshindernis, wurde die Grotte 1928 zum Eingang der Bahnhofsanlagen am Martinitor versetzt und in den sechziger Jahren, restauriert, vor die KunibertiEisenbahnbrücke verlegt, wo einst längs der Bahnstreeke die Viktoriastraße verlief. Der Bildstock ist stets mit frischen Blumen geschmückt.

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Recklinghausen. liauptbahnhof.

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56. 24 Böllerschüsse hatten den ersten Zug der Köln-Mindener Eisenbahngesellschaft am 1. Januar 1870 im Bahnhof Recklinghausen auf der neuen, mit der Linie Oberhausen-Münster verbundenen Strecke Wanne-Recklinghausen-Haltern, um die wegen Kompetenzstreitigkeiten seit 1862 heftig gestritten worden war, begrüßt. Damals erlaubte das Reglement die 'Beförderung von Personen, Gepäck, Gütern, Leichen, Fahrzeugen und lebenden Thieren', desgleichen die Beförderung von 'Privatdepeschen nach und von allen Telegraphenstationen innerhalb des Norddeutschen Telegraphengebietes'. Bald kamen zum Hauptbahnhof drei weitere Bahnhöfe hinzu: Süd, Ost und Suderwich, die zum Teil nicht mehr bestehen. Seit 1963 hat der Hauptbahnhof ein modernes Empfangsgebäude.

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57. Vor dem mehrfach erweiterten alten Hauptbahnhof war in den späten zwanziger Jahren um die Ecke Viktoria- und Springstraße ein auffallender Gebäudekomplex entstanden, der immer noch Aufmerksamkeit findet. Im vorletzten Block hatte das 1925 gegründete Städtische Verkehrsamt mit Reisebüro seine Räurne. Das anschließende Haus an der Ecke Martinistraße, das im Zweiten Weltkrieg Bomben zum Opfer fiel, war das von der Witwe Louis Bresser geführte Hotel 'Zur Reichspost', jetzt ein modernes Wohn- und Geschäftshaus. Die Viktoriastraße trägt heute den Namen des früheren städtischen Museumsdirektors Franz Große-Perdekamp, der sich nach 1945 um die Förderung junger deutscher Künstler verdient gemacht hat.

Recklinghausen

Moderne Häuser am Hauptbahnhof

58. Wer heute aus dem Hauptbahnhof tritt, vor dem sich zahlreiche Straßenbahn- und Buslinien kreuzen, erblickt sofort diesen Häuserkomplex der späten zwanziger Jahre, wenn auch mit Veränderungen. Anstelle des lange hier unter der Adresse Viktoriastraße firmierenden Cafés Bornheuer, das über dem Eingang und den Schaufenstern bis in die fünfziger Jahre eine Caféterrasse hatte, gibt es nun hier mehrere Gaststatten und Läden; außerdem den ehemaligen, jetzt blau gestrichenen Luftschutzbunker, der 1950 zur Städtischen Kunsthalle umfunktioniert wurde. Seit 1948 wird hier der Kunstpreis 'junger westen', der erste deutsche Nachkriegs-Kunstprcis, verliehen. Die jährlichen Kunstausstellungen der Ruhrfestspiele haben internationales Niveau.

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