Urdorf in alten Ansichten

Urdorf in alten Ansichten

Author
:   Elisabeth Lüchinger-Grob
Municipality
:  
Province
:  
Country
:   Schweiz
ISBN13
:   978-90-288-6701-7
Pages
:   80
Price
:   EUR 16.95 Including VAT *

Delivery time: 2-3 weeks (subject too). The illustrated cover may differ.

   


Fragments from the book 'Urdorf in alten Ansichten'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

Einleitung

Urdorf im Bezirk Dietikon des Kantons Zürich in der Schweiz

Die ersten Spuren menschlicher Besiedlung in der Region Urdorf reichen in die Jungsteinzeit zurück. Zwei beschädigte Feuersteinbeile sind die ältesten Fundgegenstände. Die keltischen Helvetier bewohnten unsere Gegend bevor das Gebiet Teil des römischen Landes wurde. Das Herrenhaus eines römischen Gutshofes, im 1. Iahrhundert erbaut, ist in Oberurdorf nachgewiesen. Zur Völkerwanderungszeit besiedelten die Alemannen das Limmattal. Die Weiler und Gehöfte waren klein, die alemannischen Bauern gute Viehzüchter und Ackerbauern. Entlang des Dorfbaches entstanden die Siedlungen Niederurdorf und Oberurdorf mit Aussenhöfen.

Der Ortsname Urdorf erscheint in der heutigen Schreibweise erstmals in einer Urkunde von 1124. Grundbesitzer waren in der Mehrzahl Klöster und andere geistliche Anstalten. Oberurdorf gehörte zur Obervogtei Birmensdorf-Oberurdorf, Niederurdorf zur Gerichtsherrschaft Uitikon-Ringlikon-Niederurdorf. Seit dem 14. Iahrhundert fassten Dorfoffnungen die geltenden Vorschriften und Normen zusammen und galten bis 1798 als verbindliche Rechtssatzungen.

Die von Zürich ausgehende Reformation erfasste auch die Angehörigen der pfarrei UrdorfiDietikon. Der damalige Klosterbruder Gehring, der die Pfarrei versah, trat 1529 zur evangelischen Lehre über, entfernte in der Kirche Bilder undAltäre und predigte den neuen Glauben. Am Ende des 16. Iahrhunderts war ganz Urdorf reformiert.

Ein Pfarrprotokoll aus der Zeit um 1600 erwähnte die Dietiker Schule zu Urdorf als freie Schule. Der Pfarrer harte sich dem Schulwesen anzunehmen. Er überwachte bis zur Gründung der Volksschule anfangs des 19. Jahrhunderts den Schulbetrieb und die Lernfortschritte der Kinder.

Obschon 1848-1850 der Staat Zürich die Strasse durch das Urdorfertal ausbaute und 1864 die Eisenbahnstrecke von Zürich, durch die Rebberge von Oberurdorf, nach Affoltern am Albis und Zug eingeweiht wurde, blieb im Ort die wirtschaftliche Entwicklung aus. In den Bauerndörfern Ober- und Niederurdorf ging zwischen 1850 und 1900 die Gesamteinwohnerzahl auf 711 zurück. Im Iahr 1920 standen in Oberurdorf 99 Wohnhäuser und Niederurdorf gehörte mit 35 Wohnhäusern zu den kleinsten Gemeinden des Kantons Zürich. Gemeinsam verwalteten die beiden Gemeinden die reformierte Kirchgemeinde und die Schule.

Am 12. April 1930 beschloss die Gemeindeversammlung von Oberurdorf einstimmig die Vereinigung mit der finanziell schwächeren Gemeinde Niederurdorf. Gleichentags stimmten die Niederurdorfer mit 37 zu 5 Stimmen der politischen Einheit Urdorf ebenfalls zu. Die Bürger erhielten das Bürgerrecht der neuen Gemeinde Urdorf.

Beide Gemeinden unternahmen bereits 1917 erste Schritte zur Zusammenlegung des arg zersplitterten Grundbesitzes von 214

Landeigentümern auf 1 528 kleinen Parzellen. Die verbesserte Flureinteilung und die Güterzusammenlegung mit der Anlage neuer Flurwege waren 1933 vollzogen.

Mitte des 20. Iahrhunderts wurde Urdorf wegen seiner idealen Wohnlage alsVorort von Zürich entdeckt. Die bäuerliche Bevölkerung ging srark zurück. 1945 gab es in Urdorf noch siebzig Bauernbetriebe. Niedere Bodenpreise brachten eine starke Entwicklung im sozialen und allgemeinen Wohnungsbau. Das Dorf vergrösserte sich mit Riesenschritten. Ohne wirtschaftliche Grundlagen und Industrie drohte es zur Schlafgemeinde zu werden. Die Gemeinde baute ein Gemeindehaus mit Kanzlei und Postbüro, einige Schulhäuser mitTurnhallen und erweiterte das Strassennetz. 1960 hatte Urdorf 3 809 Einwolmerinnen und Einwohner und 475 Mehr- und Einfamilienhäuser. Die geschäftige Bevölkerung mit Bauern, Züripendlern und Gewerbetreibenden wirkten in zahlreichen Vereinen. Dorfchronist Christian Stamm schrieb: 'verschiederies wirkt zusammen, dass der Wohnort zur Heimat wird. Der Blick in die Vergangenheit, ins Werden und Wachsen der Gemeinde möge seinen Teil dazu beitragen. Wir haben die Aufgabe, Gegenwart und Zukunft unserer engeren und weiteren Lebenskreise zu bedenken und mitzugestalten.'

Urdorf, im Frühjahr 2002 Elisabeth Lüchinger -Grob

1. Das Limmattal und seine Gemeinden wie auch die Stadt Zürich mit Seebecken und dem Fluss limmat sind auf dieser Ansicht gut zu erkennen. Der Kanton Zürich umfasst 171 gleichberechtigte politische Gemeinden. Daneben bestehen noch 219 Schul-, 169 evangelisch-reformierte und 70 römisch-katholische Kirch- und 41 Zivilgemeinden (Stand 1963). Die Schweizerische Eidgenossenschaft überlässt es der Gesetzgebung der Kantone, den Rahmen des Gemeindelebens festzulegen. Im Kanton Zürich geschieht dies durch die Verfassung des eidgenössischen Standes Zürich von 1869. Die Gemeinden sind befugt, ihre Angelegenheiten innerhalb der Schranken derVerfassung und Gesetze selbständig zu ordnen.VieleAufgaben müssen in nachbarlichen Zweckverbänden gelöst werden. Gänzlich autonom ist die Gemeinde noch im kulturellen Bereich. Die Träger des traditionellen und kulturellen Dorflebens sind die lokalen Vereine und Organisationen, die auch Freundschaft und Geselligkeit pflegen.

2. Urdorfliegt im Kanton Zürich, in einem flachen, breiten Seitental zum Tal der Limmat, am nordwestlichen Rand der AJbiskette auf 440 m Ü. M. Das Gemeindegebiet umfasst 760 ha Bodenfläche, wovon 222 ha Wälder sind. Es grenzt an die Städte Dietikon, Schlieren und Zürich, die Gemeinden Uitikon und Birmensdorf sowie bei zwei Gemeinden an den Kanton Aargau. Die politische Gemeinde Urdorf entstand 1931 durch Vereinigung der beiden Bauerngemeinden Oberurdorf und Niederurdorf.

3. In Oberurdorf nahmen die Taverne, der Meierhof und die Mühle am Römerenbach (Schäflibach) sowohl für die Herrschaftsinhaber als auch für die Landbewohner eine besondere Stellung ein. Mit dem Landbad erlebte Oberurdorf im 17. Jahrhundert eine Blütezeit, die das Dorf über den Rang eines gewöhnlichen Bauerndorfes hinaus hob. Das Bad lag etwas erhöht, abseits des Dorfbaches und bildete zusammen mit den Nebengebäuden ein schlossähnliches Gegenüber zur Kirche. Der ursprüngliche Dorfkern gruppierte sich um den alten Meierhof unterhalb der Kirche. Die Struktur des Dorfes veränderte sich bis ins 19. Jahrhundert nur wenig. Einzig die Erweiterung des Schulhauses und die Ersatzbauten für abgebrannte Häuser sowie die Erstellung verschiedener landwirtschaftlicher Gebände in und um den Dorfkern her urn erneuerten das Dorfbild.

4. Das Gebiet Heidenke1ler war weit offenes Reben-, Wiesen- und Ackerland und liegt östlich am Talhang, oberhalb des alten Dorfkerns von Oberurdorf. Die römische Ruinenstätte im Heidenkeller muss Mitte des 16. Jahrhunderts in ausgedehnten Mauerresten oberflächlich sichtbar gevvesen sein. Stets war man beim Rebenhacken auf die mächtigen Mauerzüge gestossen.

Alle Funde aus archäologischen Sondierungen bei der Ruinenstätte des römischen Gutshofes gelangten ins Schweizerische Landesmuseum. Die erhalten gebliebenen Manerzüge liessen sich zu Bauteilen des grossen römischen Wohnhauses und des kleineren Badgebäudes kombinieren.

5. Zwischen Berghängen eingebettet lagen die zu Oberurdorf gehörenden Weiler Unteres Reppischtal und Mittleres Reppischtal im kleinen ruhigen Tal bei Birmensdorf und Urdorf. Die Zürcher Regierung wählte das Gebiet Reppischtal für ein Waffenplatzprojekt aus. Um den erwarteten Schwierigkeiten zur Erlangung eines geeigneten Truppenübungsplatzes aus dem Weg zu gehen, beschloss der Regierungsrat das ungewöhnliche Vorgehen des geheimen Landkaufes. Der Beauftragte war erfolgreich. Es gelang ihm in kurzer Zeit, bis auf wenige Grundstücke, deren Besitzer sich nicht von ihrem Heimwesen trennen wollten, viele Hektaren Land aufzukaufen. An Stelle der abgebildeten Bauernhäuser des mittleren Reppischtales entstanden militärische Bauten. Die bäuerlichen Gebäude im unteren Reppischtal blieben erhalten. Noch immer hat die Bevölkerung Gelegenheit durchs Tal zu wandern und die naturgeschützte Gegend an den Wochenenden zu geniessen.

6. Das Tal der Reppisch war im Mittelalter stärker bevölkert und hatte eine Durchgangsstrasse römischen Ursprungs. Eine 1173 dem Kloster St. Blasien zugehörende Kirche im Reppischtal wurde 1470 als Filiale von der Pfarrei Dietikon bedient. Die St. Georg geweihte Kirche ging zur Reformationszeit ein. Die Besitzer des angrenzenden Hofes harten die Gemäuer zu zweckdienlichen Räumlichkeiten ihres Bauerngutes umfunkrioniert. Chor und Sakristei wurden 1936 beim Anbau eines neuen Wohnteils abgebrochen. Das Kirchenschiff ist mit zugemauertem Chorbogen erhalten geblieben. Ein noch sichtbarer Wandspruch in der einstigen Kirche lautet: Wie Genug hat DerWeisse / an dem Kleinen undWehnigen / Er wird Ein süssen Schlaff haben / und kein Inwendiqen schmerzen Impfinden.

7. Mitten durch die bescheidene Siedlung Niederurdorf verlief die ehemalige Strasse von Zürich nach Bremgarten im Kanton Aargau. Die um 1830 gepflanzte Silberpappel am östlichen Dorfeingang wurde 1926 von den Gemeindevätern gekauft und geschützt. Weiter gehörten damals zum Gemeindegut an Gebäuden das Spritzenhans mitten im Dorf und ein Anteil am Arrestlokal (zum ersten Unterbringen von Verbrechern), als Grundstück eine Kiesgrube sowie verschiedenes Mobiliar der Gemeindeverwaltung und der Feuerwehr.

8. Die älteste Darstellung des Urdorfer Symbols, ein Ur, zeigte der Grenzstein von 1778. In Stein gehauen erkennt man einen Stier sowie die Initialen GV für Gemeinde Urdorf. Niederurdorf führte nie ein eigentliches Wappen. Das Gemeindesymbol, die blaue Traube auf weissem Grund, wurde auf die Windlichter der Feuerwehr und die Vereinsfahnen gemalt und 1927 dem Dorfbrunnen in den Stein gemeisselt.

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colophon | Privacy | Disclaimer | Delivery terms | © 2009 - 2018 Publisher European library,