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Fragmenten uit het boek ''

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9 Das Ende des Dreißigjährigen Krieges blieb für die Stadt Wismar nicht ohne schwerwiegende Folgen, denn sie unterstand nach dem Westfálischen Frieden schwedischer Herrschaft. Eines dieser Zeugnisse aus schwedischer Zeit sind zwei alte Seezeichen, die Schwedenköpfe. Auf Dalben (Pfahlgruppe im Hafen) unweit der Hafeneinfahrt befestigt, dienten sie als Seezeichen für die einund auslaufenden Schiffe. Eine kleine Lokalnotiz vom 'Mecklenburger Tages blatt' gibt am 24. Mai 1903 folgendes zur Kenntnis: 'Wismar,

23. Mai. Nachdem im verflossenen Herbst die beiden Schwedenköpfe, welche seit einem Iahrhundert auf der Höhe von Wendorf die sogenannten "Alten SchwedenPhäle" zierten - durch den finnischen Leichter ALFO ruiniert - sind nun von der Ei-

sengießerei F. Crull & Co zwei neue gußeiserne Köpfe nachgebildet, die heute vom Hafendepartement am gewohntem Orte angebracht wurden.' Bleibt nun die Frage offen, wo kommen diese Köpfe her und welchen Verwendungszweck erfüllten sie? Mit größter

Wahrscheinlichkeit waren sie Ruderköpfe, ehernals zum plastischen Heckschmuck eines Schiffes gehörend. Nach Aussagen von Gewährsleuten soll man im Iahre 1903, als diese Region wieder in Mecklenburgischen Besitz gelangte, die Schwedenköpfe de-

monstrativ gedreht haben, Schauren sie zur Schwedenzeit auf das Hafengetriebe, mußten sie nun gelangweilt in die Wismarbucht schauen. Diese Aufnahme zeigt einen dieser Köpfe auf einem Dalben vor dem Seebad Wendorf, fotografiert am 23. Juli 1930.

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10 Auf Grund eines Privilegiums des mecklenburgischen Herzogs Heimichs des Pilgers aus dem Iahre 1266 erhielt die Stadt Wismar das Eigenturns- und das Fischereirecht über die ganze Wismarbucht bis zu den Sandbänken Hannibal und lieps. Die sogenannten Bauernfischer durften nur direkt vor ihrem land fischen. In der Gollwitz - wie auch in der Bucht - konnten die Anwohner nur mit stehendem Zeug fischen, wobei es sich bei den Poelern hauptsächlich nur um Angeln gehandelt hat. Handwerker, wie Schuster, Schneider, leinweber, denen im Sommer die Arbeit knapp wurde, gingen zum Aalstechen und legten Angeln. Viele Poeler Häusler gingen wintersüber ebenfalls zum Aalstechen. Ein lolmender Erwerb aber war die Krabbenfischerei, die van Poelern der Dör-

fer Fährdorf, Vorwerk, Gollwitz, Weitendorf und Tirnmendorf mit Krabbenkörben schon seit altersher betrieben wurde. Kirchdorfer Fischer fischten Krabben mit dem Krabbenkescher, einem Netz an einem Stiel. Nach dem Er-

sten Weltkrieg nahm die Krabbenfischerei der Kirchdorfer Fischer einen größeren Umfang an. Die Stadt Wismar hatte bis dahin die Krabbenfischerei an der Küste Poels von Brandenhusen bisTimmendorf ausschließlich für sich in

Anspruch genommen. Dieses Foto aus den zwanziger Iahren zeigtWismarer Krabbenfischer vor Wendorf bei ihrer Arbeit.

11 In der inneren Wismarbucht treffen wir auf die kleine InselWalfisch, an der unsere Reise nach Poel auf jeden Fall vorbeiführt. Für die sichere Schiffahrt wurde vor etwa achtzig Iahren auf dem Nordende der Insel ein Leuchtfeuer errichtet. 127 1 wird in der Chronik von Wismar diese Insel als Aderhalm bzw. als Holm bezeichnet. Urn 1629 gaben fremde Seeleute dieser Insel den neuen Namen 'Walfisch'. Die Form der Insel veranlaßte wohl zur neuen Namensgebung. Sie diente 1 830 als Quarantänestation für Cholerakranke. Jedoch schon zehn Iahre später errichtete ein Wismarer auf der Insel ein Gasthaus. 1857 entstanden sogar Badeanlagen. Der städtische Schleppdampfer 'Samson' übernahm die Beförderung der Gäste dorthin. Doch das Seebad Wendorf (vorher Lorenzhöhe

genannt) entwickelte sich sehr schnell, und so ebbte auch das Badeleben auf dem Walfisch wieder ab. Bisher in schwedischen Besitz, ging sie am 25. Mai 1903 w.ieder an das Großherzogtum Mecklenburg zurück.

Auf diesem Foto aus dem Iahre 1 911 / 1 2 sehen wir neben der neuen eisernen Bake rechts, die alte aus Holz. Sie war baufällig geworden und der Wismarer Schlossermeister Kurt Pastel bekam den Auftrag eine neue aus Stahl zu fertigen.

1 2 Dieser nette Kartengruß vom 6. Oktober 1927 erreichte Albert Kröger von ehemaligen Gästen aus Heiligenstadt als Dankeschön für die wunderbaren Urlaubstage auf der Insel Poel. Es zeigt einen schnittigen Segler in der Kirchsee kurz vor dem Anlegesteg im Kirchdorfer Hafen. Im Hintergrund links sind Poeler Zee sb 00 te zu erken-

nen.

1 3 Welcher Reisende denkt wohl nicht an schaurige Schiffsuntergänge bei diesem Anblick kurz vorm Einlaufen in den Kirchdorfer Hafen. Doch dieses Bild täuscht und stellt keine Tragödie dar. Auf keinen Fall dokumentiert dieses Foto eine Strandung. Starke südwestliche Winde bewirkten einen niedrigen Wasserstand, so daß das Schiff trocken fiel.

Gebaut wurde der 12-MeterKutter mit der Kirchdorfer Kennung KI-M-83 in Dievenow (heute Polen). Das Baujahr ist unbekannt. Den SchiffsmeBbrief fand man in der Bilge (tiefster Bereich eines unteren Schiffsraumes, in dem sich Schwitz- und Leekwasser oder Öl sammeln) fast

unleserlich, so daB kaum Daten über diesen Kutter in Erfahrung zu bringen waren. Bauen lieB ihn ein Fischer Schmiedeberg. Der Kutter ging spater an den Poeler Fischer Hermann Lange. Ausge-

stattet war das Schiff mit einem Glühkopfmotor von 'Neufeld und Kunke'. Es wurde verkauft an den Schiffer Erich Steffen in Lauterbach auf der Insel Rügen. Später dann nach Thießow (ebenfalls

Insel Rügen). Herbert Lange, Sohn von Hermann, entdeckte im jahre 1984 den Kutter im FischerdorfFreest (Ostsee).

14 So konnte Abschied aber auch Ankunft auf dem Seewege aussehen. Während man heutzutage hochherrschaft lieh mit eigenem Auto sein Urlaubsziel ansteuert oder verläßt, hatte man es in der ersten Hälfte unseres [ahrhunderts schon etwas schwerer, sein Reisegepäck zu transportieren. Nicht jeder hatte die Mittel, sich durch den Poeler Taxifuhrunternehmer Hans Sültmann vorfahren zu lassen. Da kam der Kundendienst der Poeler Quartlersleute schon gelegen, wenn das Gepäck mit der Schubkarre zum Kraftomnibus oder wie hier um 1930 etwa an den Kirchdorfer Dampferanlegesteg gebracht wurde. Für die Poeier Jungen war dies

schon ein Ereignis, wenn Gäste an- und abreisten. Einer dieser neugierigen Jungen war hier links im Bild Heinrich Metelmann.

15 Es muß sicher für die Einheimischen ein Vergnügen gewesen sein, wenn wieder einmal' seefahrende' Gäste staunend und vielleicht auch seekrank die Insel Poel erreichten. Hier sind es Anna und Gustav Burmeister in den zwanziger jahren auf dem Anlegesteg im Kirchdorfer Hafen. Alma's Kopfbedeckung läßt vermuten, daß sie sich stadtfein gemacht hat. Für Einkäufe und Behördengänge war das Übersetzen zum Festland mit dem Poeler Dampfer noch der bequemere Weg, denn mit einem Fuhrwerk über die lange Fährdorfer Holzbrücke zu zuckeln, war nicht jederrnanns Sache und dauerte auch bedeutend länger. Erst ab dem J we 1 92 9

konnte man auf dem Landwege die Stadt mit dem Kraftomnibus etwa in einer halben Stunde erreichen, während der Dampfer immerhin eine Stunde benötigte.

16 Wenn zu damaliger Zeit jemand mit einem überdimensionalen Fotoapparat auftauchte, war das schon eine Besonderheit. Und wenn man noch dazu zu einem Foto aufgefordert wurde, stellten sich natürlich alle bereitwilligst vor der Linse in Positur. Man setzte das freundlichste Gesicht auf, und Null-KommaNix hatte man sich fast unsterblich gemacht. Ob es sich auf diesem Foto Ende der zwanziger Iahre nur um Poeier Einwohner handelt, ist zu bezweifeln. Möglicherweise haben sich auf dem Dampteranlegesteg im Kirchdorfer Hafen auch Gäste dazwischen gemogelt. Zu erkennen ist mit

Sicherheit der Gendarm Wilhelm Harder mit Uniform in der Mitte.

17 Ob Wilhelm Baumann den ankommenden Gästen im Kirchdorfer Hafen in die Gesichter schaute, oder vielleicht mehr nach dem Urnfang ihrer Brieftasche schielte, sei dahingestellt. Verübeln hätte es man ihm auch nicht können, denn schließlich sollte es in der Kasse seiner Erfrischungshalle am Kirchdorfer Hafen auch klingeln. Pfeiferauchend ging er es dennoch gelassen an. Vielleicht mit den plattdeutschen Worten auf der Zunge: 'Wat dat woll ward?' Diese Aufnahme entstand um 1930.

18 Im Iahre 1881 kam es zu einerVereinbarung mit der StadtWismar über die Fischereigerechtigkeit, denn jetzt wurde bereits mit Zeesen gefischt. Nur der innere Hafen blieb der Stadt ausschließlich vorbehalten. In der Bucht mußte sie sich zu Zugeständnissen an die damaligen urnliegenden Fischerdörfer bequemen. Doch die langen Streitigkeiten, vor allem mit den Poeler Fischern, waren noch nicht gänzlich beigelegt. Erst seit 1897 gab es einen Fischmeister. Von dieser Zeit ab wurde die Bucht für die Zeesenfischerei genau eingeteilt. Vor allem waren es die Linien Brandenhusener Spitze, Walfisch, Fliemstorf, Wieschendorfer Huk und

Timmendorf innerhalb derer nur abwechselnd gefischt werden durfte. Die Wohlenberger Wiek wurde ebenfalls geteilt, doch in der Gollwitz konnte jeder fischen. Hier auf diesem Foto um 1930 herum

sehen wir im Kirchdorfer Hafen Zeesen vertäut. Wie wir erkennen können, bot man hin und wieder auch Sommergästen eine 'Spritztour' in die Kirchsee an.

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