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Fragmenten uit het boek ''

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49 Noch deutlicher wird die Ansammlung von Seegras auf diesem Foto. Dessen ungeachtet drückte der Fotograf dennoch auf den Auslöser. Auf der Rückseite dieses Grußes ist vermerkt, daß der Verlag B. Teutz in Kirchdorf der Herausgeber dieser Karte war. Wie der krakeligen Schrift und der Malerei auf der Vorderseite zu entnehrnen ist, stand das Kurhaus des Bauherren Fanter bereits. Neben der Darstellung eines Hauses mit Flagge lesen wir die heute schwer verständlichen Worte: 'Kaffeeküche. Hie gut poelsch allewege. Kurhaus Schwarzenbusch.' 'Bie gut ... allewege' geht auf einenAusdruck KaiserWilheims Il. in einer seiner Reden zurück, der damals

zum geflügelten Wort wurde. Fûr einen Imbiß sorgte der Gastronom Völter aus Kirchdorf mit seinem Kiosk auch am Strand. Hier links im Bild gut erkennbar, mangelte es scheinbar nicht an Kund-

schaft. Im Vordergrund entdecken wir ein kleines Boot, daß vermutlich für eventuelle Badeunfálle bereit lag. Dieses Foto wird etwa um 1911 entstanden sein.

Gru vom Poeter trande.

50 Unter der Rubrik 'Geschäftliches' wurde im [ahre 1929 im 'Mecklenburgischen [ahrbuch' unter dem Titel 'Ein neuer Industriezweig in Wismar' folgendes mitgeteilt: 'Die Isolier-MaterialAG Isolag hat im Dezember vergangenen jahres in Wismar im Alten Zeughaus mit der fabrikmäßigen Herstellung einer Seegras-Isoliermatte begonnen, wie sie in Amerika schon seit 40 Iahren zur Isolierung gegen Schall, sowie gegen Wärme und Kälte mit bestem Erfolg Verwendung findet. Diese Isoliermatte zeichnet sich durch ihre Schmiegsamkeit und einfache Anbringungsmöglichkeit in Bauten jeder Art aus und besitzt den Vorzug, ein fugenloses Verlegen zu ermöglichen. Interessant ist, daß diese Matten nicht brennen, daß die gepreßte Seegrasfüllung so gut wie unvergänglich ist und

durch ihre Naturimprägnierung mit giftigen Salzen Ungeziefer fernhält .. .' Im weiteren Text wird noch erwähnt:

' ... diese Matten haben überdies den Vorzug großer Preiswürdigkeit.' Anfangs waren es die PoeIer Böter, die hauptsächlich zu den Erntezeiten Sackgetreide an den großen Lagerspeicher der Firma G. W Löwe am Alten Hafen brachte. Seegrashandelsfirmen wie Gahlenbeck, Isaak und Trendelburg in Wismar benutzten ebenfalls die PoeIer Böter für das hier aufgekaufte Seegras. Der GastwirtTankmar Mahnkke betrieb als Nachfolger Ernst Beyer's am Markt in Kirchdorf eine Seegrasgroßhandlung. Dieses hier abgebildete Geschäftsschreiben beweist in seinem Kopf, daß bereits im Iahre 1 933 dieser Betrieb auf sein 50jähriges Bestehen zurückblicken kann.

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51 Diese schöne kolorierte Aufnahme der beiden Kurhäuser am Schwarzen Busch machte der Wismarer Fotograf Fritz Seng im [ahre 192 O. Während das linke Haus des Bauunternehmers Fanter vom Gastronomen Grahl bereits zehn [ahre bewirtschaftet wurde, entstand erst einige Iahre später das rechte Kurhaus. Es diente nur kurze Zeit Erholungssuchenden. Denn nachdem der Erbauer, ein Herr Gelber, dieses Haus dem Wismarer Weingroßhändler EG. Michaelis überließ, machte der dieses Gebäude zu seiner Sommeresidenz. Sehr gut zu erkennen ist am Strand vor dem linken Kurhaus die

Bude des Bademeisters Gustav Steinhagen, und links daneben der Kiosk von Völter, der das große Gartenlokal am Kirchdorfer Hafen führte. Im Hintergrund rechts zeichnet sich der Schwarze Busch ab,

ein Eichenwäldchen, nach dem der kleine Ort unweit des Strandes benannt wurde.

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Strand belrn schwarzen Busch

52 Dies ist vermutlich die erste Strandbude des Bademeisters Gustav Steinhagen am Strand des Schwarzen Busches, in der er die nötigsten Dinge für Badefreudige anbot. Noch recht primitiv, aber schließlich kannte man ja auf der Insel Poel kaum etwas besseres zur damaligen Zeit. Doch immerhin mit 'Kanonenofen', wie das Rauchabzugsrohr rechts neben derTür beweist, hatte es sich der Bademeister für kühle Tage recht gemütlich gemacht. Wir erkennen hier auf diesem Foto unter anderen:

AIIDa Trost, Martha Kuhlmann, Gustav Steinhagen mit Frau Erna und Wilhelm Harder (Gendarm) mit Frau Frieda. Diese Aufnahme stammt

vermutlich aus den zwanziger Iahren.

53 Bademeister Gustav Steinhagen, hier rechts im Bild, war kein Kind von Traurigkeit. Und wie wir sehen können, hielt der Gendarm Arno Friemann tüchtig mit. Wenn ein Gendarm zu damaliger Zeit auch eine Respektsperson erster Güte sein mußte, brauchte man noch lange nichteine trûbe Tasse' zu sein. Vor Steinhagens Strandbude am Schwarzen Busch machten sich in den dreißiger Iahren beide den Spaß, die Kopfbedeckungen zum Gaudi der Badegäste zu tauschen. Aus der Sicht von Friemanns Vorgesetzten wäre dies sicher ein grober Verstoß gegen die Dienstordnung gewesen. Auffällig ist das großflächige Werbeschild an der Vorder-

front dieser Bude. Mit 'NlVEA CREME in LUFT und SONNE' versuchten schon unsere Vorfahren dem SOlmenbrand entgegenzuwirken. In der Tûröffnung stehend, sehen wir die Frau des Bademeisters

Steinhagen, und links im Bild, halb verdeckt, erkennen wir einen Zigarettenautomaten der Marke 'Remtsma' .

54 Nicht immer stand den Vogelwärtern und den Wissenschaftlern der Universität Rostock so eine komfortable Unterkunft auf der Vogelschutzinsellangenwerder zur Verfügung. Nach einer provisorischen Hütte und einem Bienenwagen entstand dann später dieses Haus. Die kleine Insel, nordöstlich von Poel vor der Ortschaft Gollwitz gelegen, ist schon seit 1909 eine Vogelschutzinsel, die der Hamburger Verein [ordsand unter seine Fittiche genommen harte. In einem alten Poeler Bäderprospekt wird aber folgende bittere Feststellung erwähnt: ' 1 91 9 aber wurde die umwohnende Bevölkerung von alter Raublust erfaßt. Große Scharen vertrieben den alten Wärter und plünderten alle Eier .. .' Zum Glück nahm die mecklenburgische Regierung die Insel unter Schutz und stationierte

alljährlich vom 1. Mai an Sicherheitspolizisten. Und weiter heißt es in diesem Bericht: 'Wer die Insel betreten will, muß bei Herrn Hofbesitzer Beyer in Gollwitz eine Karte für eine Mark lösen und sich in das Besucherbuch eintragen.' Die ersten Eier, die man dort sammelte, wurden für

das Wohlfahrtsamt und das Krankenhaus Wismar gesammelt. Nicht ungefährlich war die Tätigkeit der Wärter und Sammler auf der Insel, besonders in schlechten Zeiten, wenn Hunger die Menschen plagte. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg geschah am 6. Juni 1946 eine grausige

Mordtat. In Ausübung ihres Dienstes wurde Karoline Krûger kaltblütig ums Leben gebracht. Der kleine Ziehwagen auf dem Foto um 1930 ist für die gesammelten Eier gedacht. Auf seiner Stirnseite steht: 'Nordeutsche Vogelschutzwarte langenwerder.'

55 Die Poeler Seernannsbank lädt den müden InselWanderer zum Venveilen ein. Sicher ist diese Bank ein Meisterstück handwerklicher Kunst, zumal der Erbauer dieses Fach nicht erlernt hatte. Auf ihrer Rückenlehne sind die Darstellung eines Rahschoners und Rettungsringes als Lehnaufsatz und auf der Lehne selbst Fische, Fabeltiere, Sechssterne sowie in der Mitte das Bildnis eines Seemannes im Profil, möglicherweise auch das Selbstbildnis des Schnitzers oder Besitzers sowie eine Windrose in mehrfarbiger Bemalung zu sehen. Die Beschriftung auf dem Rettungsring lautet WM. Poel. Die Initialien untermauern die Behauptung, daßWil-

helm Mannerow der Schnitzer gewesen sein soll. Entstanden ist dieses Kleinod vermutlich bereits vor der Iahrhundertwende,

56 Neben zahlreichen Handwerksbetrieben auf der Insel Poel, gab es natürlich auch ein Malergewerbe. Ein Erfordernis im Inselleben. Das brachte Unabhängigkeit und darauf waren die Insulaner auch stolz. Da gab es unter anderem gleich mehrere Schmieden, Bäckereien, Schneider, Stellmacher, Tischler, Schlosser, Uhrmacher, Sattler, Schuster, Korbflechter und Molkereien. Den einzigen Malerbetrieb aber auf der Insel betrieb noch bis in die fünfziger Iahre unseres [ahrhunderts der Malermeister Reinhold Fraederich in Kirchdorf, der dieses Geschäft vom Vater Wilhelm übernommen hatte. Wir sehen hier Vater Wilhelm (links) mit seinem

Sohn Reinhold als Lehrling im 1. Lehrjahr im [ahre 1933 vor dern Geschäfts- und Wohnhaus in Malerkleidung. Demonstrativ hatten sich diese beiden mit Handwerkzeug dem Fotografen gestellt. Im Hintergrund sehen wir eine Werbung der Laudesbrandkasse, für die Wilhelm Fraederich als Generalvertreter tätig war.

57 Besondere Eigenschaften der Poeler Bevölkerung schienen in der Vergangenheit nichtsAußergewöhnliches zu sein. Hatten die Insulaner noch vor der Iahrhundertwende mit dem 467 pfund schweren Emil Nauke den dicksten Mann der Welt, wie man ihn in Zeitungen und auf Plakaten pries, tauchte zu Beginn des 20. [ahrhunderts

eine weitere Besonderheit auf der Insel auf. Mimi Fraederich, einer Nichte von Wilhelm Fraederich, brachte es doch auf sage und schreibe 2,05 Meter Körpergröße. Zwar war sie nicht auf Poel geboren, doch oft Gast bei ihrem Onkel auf der Insel. Ständig geneckt von der Dorfjugend, verstand sie es dennoch, diesem Nachteil mit Humor zu begegnen. So konnte es schon mal vorkommen, daß sie als junges Mädchen frech an das Fenster des

Friseurmeisters Hermann Sievert klopfte und die Zunge heraustreckte. Nur geschah dies nicht im unteren Teil des Fensters, sondern wegen ihrer Größe durch das Oberlicht. Und so blieb es darum nicht aus, daß Zirkusleute sie eines guten Tages zum Leidwesen ihrer Eltern entdeckten, und sie als Sensation auf der ganzen Welt berühmt machten. Als 'Riesen- Tee-Puppe' mit hohen Stöckelschuhen und einer übergroßen Kapuze wurde sie zu einer 2,25 Meter großen Erscheinung gemacht. Die größte 'Dame der Welt' war geboren und man bestaunte sie als Weltwunder. Hinzu kam noch die Kuriosität, daß sie einen berühmten Artisten heiratete, der im Vergleich zu ihr mit 1,72 Meter Körpergröße wie ein Zwerg wirkte. DieseAufnahme entstand im Iahre 192 5.

58 Berufsstolz gehörte wohl seit Menschengedenken dazu, wenn Handwerksleute ihr Gewerbe zur Zufriedenheit der Kundschaft ausübten. So ist es also auch nicht verwunderlich, daß der Kirchdorfer Schmiedemeister Ludwig Hafften die Wand der Diele in seinem Wohnhaus im vorigen [ahrhundert mit diesem Spruch schmückte. Und noch heute halten die beiden Töchter Else und Liesbeth diesen gerahmten Spruch ihrer Vorfahren in Ehren. Er hängt nach wie vor an gleicher Stelle. Nicht verbürgt ist, ob Ludwig dieses Schmuckstück bereits von seinem Vater übernommen hatte.

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