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Fragmenten uit het boek ''

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9. Eine stattliche Kastanie vor dem Haus der Adlerapotheke bildete den Mittelpunkt der oberen Steinerstraße. Dies zeigt, wie wirkungsvoll man früher Bäume mit in das Straßenbild einbezog, Der Adler über der Ladentür, Symbolïigur der Apotheke, hängt noch heute an dieser Stelle. Am Haus auf der anderen Straßenseite, dem Geschäftshaus der Firma Feldheim, wartet ein Briefkasten der kaiserlichen Reichspost auf Kunden. Wie bedächtig und geruhsam das Leben auf der Hauptstraße damals noch war, zeigen die Hühner, die in den Rinnsteinen und auf dem Pflaster nach Futter suchen. Trotz vieler Veränderungen im Laufe der Zeit hat die Steinerstraße mit den Giebeln, Erkern und Türmchen ihr eigenes Gesicht nicht verloren.

10. Die Walburgisstraße in den 'goldenen' zwanziger Jahren, damals noch eine Durchgangsstraße für den überörtlichen Verkehr, die R 63, heute Fußgängerzone in der Innenstadt. Vor dem bürgerlichen Gasthof Wulf macht ein Pferdefuhrwerk Pause, und das seinerzeit geschätzte Café Göbel auf der rechten Straßenseite wirbt bereits mit der Empfehlung des 'Allgemeinen Deutschen Automobilclubs'. Der Personenwagen aber, einer der wohl wenigen zu dieser Zeit im Stadtbild, ist schon über das holprige Pflaster an der großzügigen Schaufensterfront des Geschäftshauses Sponnier vorbeigefahren.

11. Als beliebter Treffpunkt der Wallfahrer nach den Stunden der Andacht, aber auch zur geselligen Kartenrunde der Werler Bürger diente das Café Gäbel auf der Walburgisstraße. Hier gab es Kaffee und Kuchen, serviert in einem phantasievollen Interieur. Die Spezialitäten von Konditormeister Christoph Göbel waren in der ganzen Stadt geschätzt, Im Sommer konnte der Gast von einer Gartenterrasse aus durch blühende Obst- und Kastanienbäume zur Klosterkirche hinüberblicken.

12. Der Gaststatte 'Walburga-Hof' angegliedert unterhielt die Witwe Wulf ein Konzert-Café, Das Programm führte 500 feste Musiktitel, dazu ein umfangreiches Tanzschlager-Repertoire. Im Vorwort zu ihrem Musikprogramm schrieb die Wirtin: Wenn sie Grund zu irgendwelchen Klagen haben, sei es über die Qualitàt der verabreichten Speisen und Getränke oder nicht genûgend gefiillte Gläser, sei es iiber mangelhafte oder unfreundliche Bedienung, dann bitte ich sie dringlichst, nicht dem Geschäft fernzubleiben, sondem ihre Beschwerde bei mir personlicn anbringen zu wollen. Denn ich erachte es als meine vornehmste Pflicht, daß ieder meiner werten Gäste zuvorkommenst bedient wird.

13. Die Propsteikirche St. Walburga zählt zu den ältesten Gebäuden der Stadt und wird 1179 erstmalig urkundlich erwähnt. Der bestehende mächtige gotische Hailenbau stammt aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Die Umgebung der Kirche hat sich in den letzten Jahrzehnten vollständig geändert. Das vor der Kirche stehende Kriegerdenkmal verschwand ebenso wie Garten und Sitz des letzten Freigrafen der geheimen Feme auf roter Erde. Zum Kirchenschatz von St. Walburga zählt als Kostbarkeit ein gotischer Baldachinaltar des 15. Jahrhunderts mit einem heiligen Kreuz. Lange vor der Wallfahrt zur Werier Madonna pilgerten schon Gläubige zu dieser wundertätigen stätte, Der Gerichtsstuhl erinnert an das hier vormals Recht sprechende geistliche Offizialat.

14. Helle Aufregung gab es am 18. Januar 1921 in der Sälzerstadt, als den Eheleuten Christian und Elisabeth Redder gesunde Vierlinge geboren wurden. Die ganze Stadt war stolz auf die Jungen. Die inund ausländische Presse berichtete regelmäßig über die Entwicklung der Vierlinge von Werl. 1930 gingen Franz, Fritz, Joseph und Theodor, wie sie sich hier von links nach rechts in ihren Matrosenanzügen aufgestellt haben, zur ersten heiligen Kommunion. Dieses Erinnerungsbild entstand vor dem Nordportal der Propsteikirche. Joseph und Theodor Redder fielen als Soldaten im Rußlandfeldzug.

15. Auch die Pfarrkirche St. Walburga hatte 1917 drei Glocken als Edelmetallgabe an die Rüstungsindustrie abgeben müssen. In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg gab man sich zunächst, wohl auch aus Geldmangel, mit dem Restgeläut der Kirche zufrieden, bis man sich schließlich doch zum Kauf von zwei neuen Glocken entschloß. Diese wurden in einem feierlichen Festzug im Jahre 1928 über die Walburgisstraße zur Pfarrkirche geleitet. Es waren die Josephs- und die Christkönigsglocke, die hier von namhaften Bürgern der Stadt begleitet werden. Im Festzug die Herren Ernst, Mönkebüscher, Schmitz, Niegetiet, Kiko, Blumenroth, Goers, Vogelsang, Leidinger und Schäferhoff.

16. So viel war um die Jahrhundertwende noch vom alten kurfürstlichen Schloß im Garten des Ursulinenklosters zu sehen: der Torso eines Turmes. 1825 hatten Werls Stadtväter das Schloß zum Abbruch verkauft. So ging ein Denkmal Werler Stadtgeschichte als Packmaterial für den Straßenbau nach Hamm verloren. Die einstige Festung, ein mächtiger Eckpfeiler im alten Verteidigungssystem der Gräben und Stadtmauern, erlebte im Rittersaal am 1. November 1661 die feierliche Übergabe des Mariengnadenbildes an den Kölner Erzbischof Kurfürst Maximilian Heinrich, der es in die Obhut des Kapuzinerklosters übergab. Werls Bürgermeister Hermann Brandis hatte die Statue von der Stadt Soest als Buße für begaugenen Jagdfrevel ausgehandelt.

6ruSS aus Wer!

Klosier mit garten

17. Diese Ansichtskarte von 1890 zeigt das Franziskanerkloster mit der alten Walltahrtskirche. Durch ständig anwachsende Pilgerseharen war eine Erweiterung des Kirchenraumes erforderlich geworden. Die Herkunft des Madonnenbildes liegt in Iegendärern Dunkel. Historisch eindeutig läßt sich der Weg erst von der Aufstellung in der Soester Wiesenkirche bis zu seiner Übertragung nach Werl verfolgen. Zur Zeit der Reformation verbannte man die Statue 130 Jahre lang auf den Dachboden. 1661 gaben die Soester das Bildnis als Sühne für einen Frevel an Werler Forstrechten im Arnsberger Wald frei. 200 Jahre lang waren Kapuziner die treuen Hüter des Marienheiligturns, bis Mitte des 19. Jahrhunderts Franziskaner das Gnadenbild in ihre Obhut nahmen.

Einzug einer Wallfahrt sprozession in Werl.

18. Prozessionen kamen und kommen Jahr für Jahr, um das Werler Gnadenbild zu verehren. Seither hat die Marienverehrung die Geschichte der Stadt zu einem bedeutenden Teil geprägt, Am Hochfest des Wal1fahrtsjahres, am Tage 'Maria Heimsuchung', wandert das Gnadenbild mitten unter den Gläubigen durch die Straßen der Stadt, ein Wiederschein der Wanderungen und Pilgerfahrten Mariens. Noch immer kommen die traditionellen Fußwallfahrten nach Werl, aus Much, Delbrück, Werne, Anröchte und anderen Orten. Die größte Zahl der Pilger reist heute jedoch mit dem Auto, dem Omnibus und der Bahn an.

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