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Fragmenten uit het boek ''

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39. Im Jahre 1902 gruppierten sich 154 Mitglieder des Krieger- und Landwehrvereins Werl auf der Gänsevöhde zu einem Erinnerungsbild. Der Fotograf Schmidt war eigens aus Dortmund-Barop mit seiner großformatigen Plattenkamera angereist. Der Verein war 1869 gegründet worden, von Männern mit patriotischem Sinn und Verstandnis für kameradschaftliche Geselligkeit. Hier wurde auch die Erinnerung an die in den vergangenen Kriegen Gefallenen wachgehalten. 1886 hatte der Verein vor der Walburgisschule ein Kriegerdenkmal einweihen können. Es stellte die Germania dar, den Lorbeerkranz in der erhobenen rechten Hand, eine zwei Meter große Figur auf einem fünf Meter hohen Sandstein.

40. Im Jahre 1905 begannen in Werl die Bauarbeiten zum größten Gefängnis im deutschen Reich. Schon am 1. Juli 1908 war es fertiggestellt. Die Baukosten betrugen 1440300 Goldmark. Während der Bauarbeiten wurde diese Aufnahme mit dem gesamten Baukommando des Königlichen Zentralgefängnisses gemacht. 225 Gefangene mit ihren Aufsehern stehen vor der unvollendeten Kirche, dem Uhrenturm, dem Inspektorenhaus und dem Arbeitsschuppen. Diese Aufnahme, mit der damals gebräuchlichen Großformatkamera gemacht, dürfte wohl das personenstärkste Gruppenbild sein, das damals in Werl entstand.

41. Ihr neues Gefängnis mußten sich die Gefangenen unter scharfer Bewachung selbst bauen, ebenso die Beamtenwohnungen der Anstalt und das Haus des Direktors. Über einen eigenen Gleisanschluß der Kleinbahn entlang des Langenwiedenwegs wurde die Versorgung der Großbaustelle mit Baumaterial sichergestellt. Die Quadersteine kamen in Reichsbahnwagen an, die man im Huckepack auf Kleinbahnwagen verladen hatte. Damit sparte man das wegen der unterschiedlichen Spurbreiten sonst notwendig gewordene Umladen des Materials. Am Horizont sieht man die Silhouette des Gradierwerkes auf Neuwerk mit den Schornsteinen der Maschinenhäuser.

42. Mit einer kleinen Brennerei, die den hochprozentigen 'Alten WuIf' brannte, begarm die Entwieklung eines Werler Industriebetriebes zur größten Hefefabrik Deutschlands. Schon in den Anfangsjahren der Firma Fritz Wulf fiel als Nebenprodukt der Brennerei Hefe an. Aus solchen Anfängen entstand das Markenprodukt 'Wulf-Hefe', eine Backhefe mit 'vorzüglicher Triebkraft, Farbe und Haltbarkeit', wie die Werbung versprach. Als der Schöpfer dieser modernsten Industrie in der Stadt plötzlich verstarb, vermerkte das Sterberegister der Propsteigemeinde zu diesem Todesfall: 'Mit nichts angefangen, reichster Mann von Wer!!' 1971 wurde das Gebäude, das als die höchste aus Ziegelsteinen gebaute Fabrik in Deutschland galt, abgerissen.

43. Panorama der Salzindustrie von der Höhe der 'Feldsaline' aus gesehen mit der riesigen Schwarzdornhecke des Gradierwerkes an der Hammerstraße. Während die Sole durch das dichte Flechtwerk der Dornenbüsche rieselte, verdampfte ein Teil des in ihr enthaltenen Wassers. Dieser Vorgang wurde solange wiederholt, bis sich ein etwa 20 prozentiges Solekonzentrat bildete, aus dem in den bleiernen Pfannen der Sudhäuser leichter das Salz gekocht werden konnte. Die Siedepfannen wurden zunächst mit Holz, später mit Kohle beheizt. Mit den Salinen 'Höppe und Neuwerk' standen in Werl die größten Anlagen der mittelalterlichen Salzgewinnung in Europa. Im 19. Jahrhundert hatte die Salzproduktion die Menge von 153 000 Zentnern jährlich erreicht.

44. Zwischen der alten Wassermühle, einer Kornmahlstätte und dem Pumpenhaus lag ein idyllischer Platz im Kurgarten. Das Wasser aus dem 'Großen Teich' stürzte, unter dem Gradierwerk an der Erbsä1zerstraße herkornmend, zusammen mit den Fluten aus dem 'Bohrloch' und des Kurgartenteiches in den hier entstehenden Salzbach. Die Kraft des Wasserrades in der Mühle wurde auch zum Antrieb der Solepumpen genutzt. Dazu führte ein Hebelarm von der Mühle zum Pumpenhaus, der sich schaukelnd hin und her bewegte mit einem seitlichen Ausschlag bis zu drei Meter Breite. Dieses hölzerne Pendel wurde von der Werler Jugend gern als kostenlose Schaukel benutzt, bis die Wasserkraft durch eine Dampfmaschine abgelöst war und diese Kraftübertragung überflüssig wurde.

45. Der Versammlungsort der Sä1zer lag hier zwischen den Salzhäusern des Salzplatzes am Michaelsbrunnen, der acht Meter tief und vier Meter breit war. Hier gab es das sogenannte Sälzerfenster, wo die Beratungen und Wahlen und die Aufschwörung des Sälzernachwuchses stattfanden. Dies war außerdem der Ort des Salzplatzgerichtes. Erbsä1zer wie von Papen, von Crispen, von Lilien, von Zelion-Brandis und von Mellin wurden zu bedeutenden Persönlichkeiten in Wer1s lokaler Geschichte. Josefvon Mellin vermachte sein gesamtes Vermögen einer Stiftung, die evangelischen und katholischen Waisenkindern in West- und Ostuffeln auch heute noch ein Zuhause und Erziehung bietet.

Werl

Partie bei der Bleiche

23772

46. Fast völlig verschwunden ist dieser Teil des alten Kurgartens. So blickte der Kurgast über den Teich und an der Wasserrnühle vorbei auf die hohe Wand des Gradierwerkes an der Erbsälzerstraße, das die Silhouette der Stadt völlig verdeckte. An dieser Stelle regulierte ein Sperrschieber das Wasser des Mühlenbaches, damit die bachabwärts liegende Wassermühle zu jeder Jahreszeit mit einem gleichhohen Wasserstand versorgt werden konnte. Von den Gebäuden steht heute nur noch das Haus links, von der Familie Aßheuer bewohnt. Der aufgestaute Teich diente dem Wäschewaschen. Auf den an beiden Seiten angebrachten Bretterstegen wurden die Wäschestücke bearbeitet, anschließend im Teich gespült und auf den angrenzenden Wiesen gebleicht.

47. Über der letzten ergiebigen Solequelle stand ein riesiger Pumpturm, der sich hier im Kurgartenteich spiegelt. Die Pumpen des Maschinenhauses drückten die Sole auf diesem Turm in einen Hochbehälter, von dem aus das Salzwasser in einem Röhrensystern auf die zehn bis zwölf Meter hohen Gradierwerke an der Hamrnerstraße, der Erbsälzerstraße und der 'Feldsaline' lief, um später nach Gradierung und Sieden in kostbares Salzkristall umgewandelt zu werden, dem 'weißen Gold'. Die Leitungen waren aus massivern Holz, um einer Korrosion durch das Salz vorzubeugen. Die am Salz reich gewordene Erbsälzerbruderschaft konnte durch eigene Gerichtsbarkeit, durch strenges Reglement und Zeremoniell, Fideikommiß und das gemeinsame Kapital über 800 Jahre lang ihre Bedeutung bewahren.

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rler! - Sotinen-wasserturrn

Soolbad Wer!

Kurgarten und Gradierwerke

48. Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts unter dem Druck der mitteldeutschen Konkurrenz die Salzgewinnung in Wed nicht mehr rentabel war, verstand es der weitbliekende Sälzeroberst Fritz von Papen, die Solequellen als Heilmittel zu nutzen. Es war zwar kein mondänes Bad, das im Juli 1889 in Wer! den Kurbetrieb aufnahrn, aber manchem Rheumakranken hat die Sole Linderung verschafft. Die Weder Quellen galten bald auch als heilend bei Herz- und Knochenerkrankungen, bei Skrophulose und Frauenleiden. Abgeschirmt von der Stadt wurden die Gartenanlagen mit dem darin liegenden Kur- und Badehaus durch das mehrere hundert Meter lange Gradierwerk entlang der Erbsälzerstraße.

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