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Fragmenten uit het boek ''

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69. Am zweiten Sonntag nach Ostern trafen sich die Ackerbürger der Stadt zu ihrem traditienellen Reiterfest. Auf dem Marktplatz, unter dem mächtigen Stamm einer Robinie, versammelte man sich zum Königsritt durch die Straßen Werls. Dann ging es zur Gänsevöhde hinaus, wo Reiterwettkämpfe stattfanden, das Preis- oder Ringelrennen. Den Abschluß bildete ein Ball in der Schützenhalle. Die Tradition dieses Festes war schon viele Jahrhunderte alt und ging zurück auf die Zünfte des Mittelalters. So wie die Sälzer auf St. Michael feierten, die Bäcker auf St. Agatha und die Kaufleute auf St. Nikolaus, so begrüßten die Ackerbürger mit ihrem Reiterfest die wiedererwachte Natur des Frühlings.

70. Am 24. Mai 1888 um 10 Uhr wurde der beliebte Bürgermeister Franz Wilhelm Fickermann zu Grabe getragen. Er hatte über 30 Jahre lang die Geschicke der Stadt geleitet, und als besondere Ehrung für seine Verdienste wählte ihn der Rat 1881 zum Bürgermeister aufLebenszeit. Bürgermeister Fickermann stand auch in den schweren Jahren des Kulturkampfes, als die Franziskaner auf staatliche Anordnung Wer! verlassen mußten, dem Rat vor. Eine unübersehbare Menschenmenge folgte bei der Beisetzung seinem Sarge. Hier geht der Trauerzug über die Steinerstraße wo Treppen, Bänke und Bäume an die gute alte Zeit erinnern. Noch fehlen die Türrne der Wallfahrtskirche im Stadtbild.

WERL Brunnen und neue Friedholsanlaqen

71. In die Amtszeit des Bürgermeisters F.W. Fickermann fiel die Anlage eines neuen Friedhofs hinter dem Gelande der Firma Wulf. Dieser Parkfriedhof war als ein Stück Gartenarchitektur entworfen, bepflanzt mit seltenen Sträuchern und Bäumen wie der Libanonzeder, was ihn über Westfalen hinaus bekannt machte. Neben den Grabstätten der Erbsälzer finden sich die Gräber großer Toter, wie das der Vorkämpferin für das Frauenrecht Hedwig Dransfeld, und des 'Betkaspars', der nach lebenslanger Pilgersehaft von Anbetung zu Anbetung hier 1911 als ein Heiliger unserer Tage seine letzte Ruhe fand. Noch heute sieht man an seinem Grab von Wallfahrern gestiftete Kerzen brennen.

72. So sahen die handwerklich geführten Geschäfte im alten Wer! aus. In der Bäckerstraße stellte der Schuhmachermeister Voßwinkel seine handgearbeiteten Lederwaren aus in einem bescheidenen Schaufenster mit viergeteilter Scheibe. Der Meister selbst steht vor der Ladentür. Seine Nachbarn waren die 'Maria Kronenberg Modes', schicke Hüte für die elegante Wer!er Damenwelt. Die Putzmacherin Maria Wagner, neben ihr eine Verkäuferin, konnte auf ihre für Werler Vcrhältnisse äußerst großzügigen Auslagen durchaus stolz sein. Wohnen, Handel und Handwerk waren noch friedlich vereint unter einem Dach. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges fiel dieses alte Haus einem Tieffliegerangriff zum Opfer.

73. Sechs Generationen lang befindet sich die Lebensmittel- und Eisenwarenhandlung in den Händen der Familie Fickermann. Über 180 Jahre zeigt die Geschichte des Hauses beispielhafte Wer1er Kaufmannstradition, die das Gesicht der Stadt rnitgeprägt hat, Viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wie Bürgermeister, Amtsvorsteher und Ratsherren entstammten der Familie. Das Foto zeigt die Geschäftsfront 1908, den Chef auf der Treppe mit den Commis und drei Kindern. Ein gußeiserner Automat der Firma Stollwerk spendete schon damals gegen einen Groschen Schokolade. Auf einer schwarzen Tafel bot Norbert Fickermann ein Sonderangebot an: Ein Pfund Haushaltskakao 90 Pfennige, billiger als Kaffee.

74. Am 12. August 1852 hatte man den ältesten Weder Gesangverein aus der Taufe gehoben, der bis auf den heutigen Tag dazu beitrug, wertvolles deutsches klingendes Kulturgut zu erhalten und zu fördern. Aus ihrem Vereinslokal, dem Gasthof Mönninghoff mit einem Renaissance-Erker von 1690 an der Westfront des Hauses an der Kämperstraße, schickten die Mitglieder des Gesangsvereins 'Concordia' 1904 diese Ansichtskarte an ihren Sangesbruder Theodor Immenkötter, der sich zu dieser Zeit in Galizien aufhielt.

Werf - Steinstrasse

75. Die heutige Steinerstraße trug um die Jahrhundertwende noch den Namen Steinstraße. Dies sollte ein Hinweis auf die erste gepflasterte Straße in Wer! sein. Sie war damals schon die Einkaufstraße der Stadt, wo sich der kauflustige Bürger manchen langgehegten Wunsch erfüllte. Das Textilhaus KaImann warb mit großzügigen Werbeflächen für seine Konfektionskleidung. Es war ein Stückchen städtischen Flairs, das hier der nur 6 000 Einwohner zählenden Kleinstadt Wer! geboten wurde. Ein Einkaufsbummel hatte hier auch noch andere Vorteile: Man durfte unbehindert vom Verkehr die ganze Straßenbreite als Gehsteig benutzen.

3>anorama Wert i. W.

76. Eine frühe Panoramaansicht zeigt Werl im Profil als harmonisch geschlossenes Gesamtbild. Aus der Vielfalt der Dächer erheben sich die Türrne der Propstei- und der Wallfahrtskirche. Links, im Vordergrund, steht das Gotteshaus der evangelischen Gemeinde, deren Gründung um 1827 erfolgte. 1861 wurde dieses Gebäude erstellt und als Kirche und Pfarrhaus genutzt. Bis zu diesern Neubau hatten die Gottesdienste in verschiedenen Räumen stattgefunden. Die erste Feier erlebte die junge Gemeinde am 8. April 1828 in der vom katholischen Paderborner Bischof zur Verfügung gestellten Kapelle auf der Gänsevöhde. 1887 konnten Turm und Glockenstuhl am neuen Gotteshaus vollendet werden. Darin fanden die von Kaiser WiIhelm I. gestifteten Glocken ihren Platz. Ein neuer Klang im Geläut der Stadt, Aus dem obersten Stockwerk der Firma Wulf aufgenommen, dem höchsten Gebäude am Stadtrand, wurde dieses Panoramabild aus zwei seitlich versetzten Fotografien geschickt montiert.

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