Aichach (1933-1948) in alten Ansichten

Aichach (1933-1948) in alten Ansichten

Auteur
:   Franz Achter
Gemeente
:   Aichach (1933-1948)
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6269-2
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Aichach (1933-1948) in alten Ansichten'

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9 Unser Flüßchen Paar, das sich in engen Windnngen westlich von Aichach zwischen der Innenstadt und dem Bahnhof dahinschlängelte, brachte regelmäßig Hochwasser mit sich und überflutere dabei Häuser und weite Teile der Fluren von Aichach. Flußbegradigungen brachten zwar schon Erleichterungen, die Hochwassergefahr war dadurch jedoch bei weitem noch nicht gebannt.Am 22.Januar 1934 wurde 'die Genossenschaft zur Regulierung der Paar' gegründet, die beschloß, einen Flutgraben für die Aufnahme von Katastrophen-Hochwasser zu bauen. Dieses Ausweichflußbett sollte von der Brücke des Industriegleises der Beckmühle beginnend, am neuerrichteten Postamt vorbei, bis hinter das ehemaligen Gebäude der Amperwerke an der Donauwörther Straße, am heutigen Oberbernbacher Weg wieder in die Paar führen. Gleichzeitig soll-

te die Paar weiter begradigt werden. Ferner wurde das Flußbett unterhalb der Aktienmühle um 4-5 Meter tiefer gelegt. Der Kostenvoranschlag für diese Bauwerke bellefen sich auf 385 000 Reichsrnark. Als Staatszuschuß erwartete man 325000 RM für diese Baumaßnahme. Um die

Bauarbeiter verpflegen zu können, wurde eigens eine Holzbaracke etwa gegenüber der Sebastiankapelle an der Donauwörther Straße errichtet, die auf dem Bild zu sehen ist.

1 0 Als eine der bedeutendsten Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit im Bezirk Aichach ist der Bau des Flutgrabens zu sehen. Im April 1934 waren iu unserem Landkreis mit seinen damals 29500 Bewohnernnurnoch 54 Erwerbslose, in der Stadt Aichach nur noch 15, bei fast 3 700 Einwohnern. Zu dieser Zeit waren beim Bau des Flutgrabens etwa 250 Personen beschäftigt. Da man mehr Arbeiter für den Bau benötigte als zur Verfügung standen, wurden bis von Berlin Arbeitslose für dieses Bauvorhaben nach Aichach gebracht. Diese Arbeitnehmer schaufelten in Handarbeit den Graben für den kûnftigen Wasserlauf in großen Treppen aus. Das Erdreich wurde zum Verfüllen der alten Flußwindungen benötigt und arn östlichen Ufer der Ecknach aufgeschüttet, um hier eine Geländeerhöhung zu erreichen, die auch an diesem Flüßchen vor Hochwasser schût-

zen sollte. Am 28. September 1936 waren die Bauarbeiten für den Flutgraben beendet. Auch heute ist die Stadt Aichach noch um dieses Bauwerk froh. Gerade im Frûhjahr bei der Schneeschmelze oder bei lang anhaltendem Regen ist dieses zusätzliche Flußbett für die Paar von großer

Bedeutung. Ohne diesen Graben würde die Paar nach wie vor über die Ufer treten und große Teile vonAichach überschwem-

men.

11 Erst durch den AbriB des Flunkturmes im Mai 1930 war es möglich, den Stadtplatz auf vier Wegen, aus jeder Himmelsrichtung, zu erreichen. Sie führten durch das Untere Tor, durch die heutige Bahnhofstraße, durch das ObereTor und über die neu geschaffene Zufahrt über den Griesbacher Feldweg, wie die heutige Schulstraße damals hieß, zur Innenstadt. Dieses Bild zeigt ein Pferdefuhrwerk, das von der Stadtmitte kommend diese Straße "Iandlrnarkt' befährt. In der Bildmitte, zwischen den Häuserzcilen links und rechts der Straße,

ist die Südfassade des Rathauses zu sehen. Vor der Treppe dieses Gebäudes wehen zwei Fahnen mit Hakenkreuzsymbolen. Auf diesem Foto ist deutlich zu sehen, wie sich gerade diese Straße bis heute verändert hat, Um eine breite Ausfallstraße zu schaffen, wurden alle Häuser, die am rechten Bildrand zu sehen sind, ent-

ferm. Darunter waren auch die berûhmten Gebäude der Gaststät te 'Münchner Hof', der im Volksmund auch 'Rothenfußer', 'Zur Loatschwanzwirtin' oder 'Hilrner' hieß, und die Postwirtschaft. Der sogenannte Blankwaterkamplex wurde an Stelle dieser Banten errichtet.

12 Im Iahre 1935 wurde beschlossen, eine sogenannte Heimstattsiedlung zu errichten. Diese Siedlung sollte zwischen Flur- und Auenstraße entstehen. Mit dieser Baumaßnahme gelang es der Stadt Aichach erneut, Arbeitsplätze zu schaffen und die Einkommen der Arbeiter und Handwerker zu sichern. Den Baugrund für diese Häuser, insgesamt sechsTagwerk, erwarb die Stadt Aichach. Es sollten auf sechs Bauplätzen mit je 800 Quadratmetern und zwanzig Bauplätzen mit je 400 Quadratmetern Eigenheime entstehen. Von der Stadt Aichach wurden auch die Kosten für Straßenbau, Wasserleitung und Straßenbeleuchtung übernommen. Trotzdem kostete ein Heimstatthaus immer noch

3 800 RM, wobei 3 500 RM an Darlehn den neuen Hausbesitzern gegeben wurden. Die Haus-

besitzer mußten 21,50 RM monatlich bezahlen. Mit diesem Betrag wurden das Darlehn getilgt und auch die Zinsen bezahlt. Wie auf dern Bild zu sehen ist, das am Tag der Einweihung aufgenommen wurde, gleicht ein Haus wie ein Ei dem anderen. Fûr diese Häuser wurde nur ein Plan ent-

worfen, nach dem alle Eigenheime gebaut wurden. Heute wäre dies unvorstellbar.

13 Dieser Bau der Heimstättensiedlung stellte sich als richtige Entscheidung der StadtAichach heraus. So waren die 26 neu errichteten Häuser schnell vergriffen. Es war erforderlich, daß irn August 1936 mit weiteren Häusern die Heimstattsiedlung vergrößert wurde. Somit konnte die Stadt Aichach einen großen Erfolg für sich verbuchen. Nachdem zu dieser Zeit fast alles über 'die Partei' lief, hefteten natürlich auch die Nationalsoziallsten die reibungslose Durchführung und die problemlose Verwirklichung dieser Siedhmg an ihre Fahne. So ist es keine Wunder, daß bei der Übergabe der Häuser an die SiedIer am U.November 1935 die Parteigenossen in Reih und Glied versammelt waren. Das Bild zeigt die Parteigrößen beim Besichtigen der neu gescllaffenen Wohnstätten. In der ersten Reihe marschierten. von links nach rechts:

Kreisleiter Dr. Hartwig, Gauleiter

Wagner und Willi Artmeier. der spätere Bürgermeister der Stadt Aichach. Weitere führende Parreimitglieder nahmen ebenfalls an einem ersten Rundgang durch die Straßen teiL Auch die SA, die die Organisation 'Stahlhelm' übernommen hatte, war angetreten, um dem Ereignis das nötige

Gewicht zu geben. 'SA' war die Abkürzung für Sturm-Abteilung, dessen offizielles Organ die Zeitung 'Der Stürmer' war.

14 Bereits vor der Zeit des Nationalsozialismus wurden viele Vereine gegründet. Die Regierung hatte das Ziel, die Leute von der Straße zu bringen und in Vereinigungen Gleichgesinnter zusammenzuschließen, um das Volk mitTätigkeiten und auch Gesprächen zu beschäftigen, die die Gedanken an die Regierung und an den Staat verdrängten. Die Parlamente und Kabinette hielten zu der Zeit nicht sehr lange und die eine Notregeriung löste die andere ab. Die Nationalsozialisten weckten den Gemeinschaftssinn neu und förderten diese Zusarnmenschlüsse. Sie schufen sogar selbstVereinigungen und Einrichtungen. Die Parteifunktionàre erwarteten sogar von jedermann den Beitritt, egalob Erwachsener oder Jugendlicher, Mann oder Frau. Auf diesem Gruppenbild sind die Mitglieder eines Gartenbauvereins zu sehen, dessen Heimgartenkolonie am

Schlößl, etwa gegenüber dem alten Feuerwehrhaus, angelegt wurde. Die Einwohner der Stadt Aichach konnten sich darin für geringes Geld ein paar Beete pachten. In diesen Gartenkolonien hatten die Leute die Möglichkeit, Gemüse anzubauen, das sie zum täglichen Leben branch-

ten. Es war auch üblich, daß sich die Betreiber dieser Gärten trafen und beim Bestellen der Beete die Neuigkeiten austauschten.

15 Vor der Machtergreifung durch Adolf Hitler gab es die Organisation 'Stahlhelm'. Dies war die Vereinigung für die erwachsenen Männer. Die jungen Burschen waren in der 'ScharnhorstIugend' vereinigt. Bei den Zusammenkünften wurde die jungen Leuten vormilitärisch erzogen. Nach 1933 wurde der 'Stahlhelrn' von der SA ûbernommen. Auch die Scharnhorstjugend wurde in die 'HitlerJugend' umgewandelt. Diese Jugendlichen trafen sich regelmäßig und führten dabei Spiele und Wanderungen durch. Ihnen wurde auch gezeigt, wie man mit einfachen Mitteln durchs Leben kommt.Am 3.Juli 1936 wurde beschlossen, ein Heim für die Hitlerjugend in Aichach an der Schrobenhausener Straße zu bauen. Der Reichsadler an der Eingangstüre durfte natürlich auch nicht fehlen. Unser Bild zeigt höhergestellte Parteimitglieder, die

vom Hl-Heim zum Exerzierplatz, wie der Volksfestplatz damals hieß, gehen. Das Heim für die damalige Hitlerjugend ist heute das BCA-Clubheim.

16 Die Einrichtung dieses HJHeimes war zeitgemäß. Die Ràume waren mit germanischen Runen verziert und mit zweckrnäßigen Möbeln ausgestattet. An den Wänden waren Gemälde, die die Jugend nach derVorstellung AdolfHitlers zeigten. Es sind drei junge Burschen abgebildet, die mit athletischen Körper ausgestattet sind, Sie sind in ausdrucksstarken Bewegungen und schauen von der Bergkuppe aus einem Gleitflugzeug nach, das über einem Tal kreist. Selbstverständlich ist das Seitenruder des Seglers mit dem Hakenkreuz verziert. Viele Burschen ließen sich durch dieses Gemälde anspornen, der Flieger-HJ beizutreten und in der Luft frei zu sein wie ein Vogel. Die ehemalige Paarregulierungskantine wurde an der Einmündung Ludwig-ThomaStraße - Schulstraße neu aufgebaut und diente der Vereinigung als Vereinsheim, in dem auch die

Flugzeuge untergebracht waren. Dieser Segelflugsport wurde in Aichach gern und mit Freuden ausgeführt. Mit diesen Bildern, die an vielen Orten zu sehen waren, sollte die Jugend auch angehalten werden, die Freizeit nach den Wünschen des Fûhrers zu verbringen.

17 Die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Aichach hatte immer schon den besten Ausbildungsstand und auch die modernsten Geräte zur Bewältigung der Aufgaben einer Feuerwehr. In Aichach war auch der ÜberlandLöschzug des Bezirks Aichach stationiert, der vom gesamten Landkreis unterstützt wurde. So verfügte die Aichacher Wehr schon 1923 über das erste motorisierte Löschfahrzeug im Kreis Aichach. Im Iahre 1937 wurde dieses Feuerwehrauto an die Gemeinde Pöttmes verkauft. Bereits im [ahre 1936 schaffte die Stadt Aichach ein neues, modernes Löschfahrzeug an, das auf dem Bild zu sehen ist. Das Fahrzeug, das mit einer Motorspritze an der Fahrzeugvorderseite ausgestattet war, wurde am Schloßplatz in Aichach feierlich der Freiwilligen Feuerwehr Aichach übergeben. Zu diesem Feuerwehrfahrzeug gehörte auch ein Anhänger, in

den eine tragbare Motorspritze und tragbare Schlauchrollen untergebracht waren. Auf der Beifahrertüre des Feuerwehrautos sind deutlich das Hakenkreuzsymbol und die Beschriftung 'Bezirk Aichach' zu erkennen.

18 Natûrlich wurde das neu angeschaffte Löschfahrzeug ausgestellt und der Bevölkerung die Besichtigung ermöglicht. Man wollte den Kauf dieses technischen Fortschritts, den diescs Feuerwehrauto darstellte, niemanden vorenthalten. Schließlich war es eine Maßnahme, die die Vorrangstellung der Aichacher Feuerwehr erneut in den Vordergrund rückte. Am Tag der Übergabe wurde den Leuten auch gezeigt, wie man dieses Löschfahrzeug wirkungsvoll bei der Brandbekämpfung einsetzen konnte. Am Stadtplatz von Aichach und in der Bahnhofstraße bei der Paarbrücke führten die Wehrmäuner eine Schauvorführung vor, die vom Aichacher Feuerwehrkommandant und Stadtbaumeister Merk geleitet wurde. Aus dem skeptischen Gesichtsausdruck des alten Mannes auf dem Bild ist zu sehen, daß ihn das Feuerwehrauto tief beeindruckt. Er betrachtet

nachdenklich die Kübelspritze, die an der linken Fahrzeugseite angebracht ist. Der Malm ist barfuß in den Pantoffeln und trägt eine Schürze, der in der damaligen Zeit für die einfachen älteren Männer typisch war.

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