Altötting in alten Ansichten Band 2

Altötting in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Johannes Strauß
Gemeente
:  
Provincie
:  
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6717-8
Pagina's
:   112
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Altötting in alten Ansichten Band 2'

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11. Unwillkürlich fällt einem die Redensart vom 'Elefanten im Porzellanladen' ein, wenn man jenen ungewöhnlichen Verkehrsunfall am Morgen des. 1. Februar 1943 sieht, der für alle Beteiligten offenbar glimpflich ausging. Ein Bus der Deutschen Reichspost verwechselte offenbar den Tillyplatz mit dem Devotionaliengeschäft Reisenberger, gleich gegenüber der Magdalenenkirche, zugegeben eine Engstelle der Reichsstraße 299. Schnee- und Eisglätte scheinen am Mißgeschick des Fahrers schuld zu sein. Zahlreiche Beinpaare unter dem Gefährt lassen auf Gaffer an der Fahrerseite schließen. Die Eisenkette zum Rückwärtsherausziehen ist schon befestigt. Wenngleich verletzte Personen in dieser wallfahrtsarmen Zeit nicht zu beklagen waren, scheint doch der Sachschaden nicht unbedeutend zu sein. Oberwachtmeister JosefSchneider von der Schutzpolizei hat allem Anschein nach die Unfallaufnahme schon abgeschlossen und posiert nur noch vor dem Fotografen. In der gleichgeschalteten Ortspresse bleibt jedoch der für die Nazis peinliche Vorfall unerwähnt.

12. Unsere Abbildung zeigt das Heim für die Hitlerjugend an einem sonnigen Frühlingstag 1943. Im Rahmen der Heimbeschaffung auf stadteigenem Grund an der Wöhrstraße mit einem Kostenaufwand von 16 000 Reichsmark im Herbst 1936 erbaut, wurde es am 1. Mai des folgenden Jahres seiner Bestimmung übergeben. Sämtliche Räume des ebenerdigen Hauses waren spartanisch eingerichtet, die Frontseite im Stil der NS-Zeit bemalt und mit markigen Sprüchen versehen. Die Standortwahl in unmittelbarer Nähe zum Gries zielte auf das Vorhaben ab, nach gewonnenem Krieg Alt- und Neuötting zu einer Doppelstadt zu vereinen. Nach dem Zusammenbruch diente das nun überflüssig gewordene HJHeim als Notbehausung für Flüchtlingsfamilien, bis es wegen seines baulich maroden Zustands abgebrochen und zu einem Parkplatz umgestaltet wurde.

13. Christliches Bekennerturn in Zeiten neuheidnischer Parteiideologien kündet von tiefverwurzelter Treue des katholischen Volkes zu ihrer Kirche. Staatlicherseits war man bestrebt, mit subtilen Mitteln der zutiefst verhaßten Wallfahrt - wie auch immer - zu schaden: durch Einstelllung der Pilgerzüge (Wehrmachtstransportmittel), Behinderung der Kapuziner als Wallfahrtsseelsorger (Einberufungen), Beschlagnahme der Lautsprecheranlage am Kapellplatz (Eigenpropaganda) und ab Mai 1940 Verbot der Lichterprozessionen (Verdunkelungspflicht) . Seit dem 23. April 1941 waren Felderumgänge - wie auf dem Foto oben von 1943 durch die Raitenharter Flur - melde- und genehmigungspflichtig. Kirchlichen Vereinen war das Tragen von Uniformen, Bannern und christlichen Abzeichen ab Mai 1935 untersagt. Da wurden Bischofsbesuche und -predigten zu wahren Glaubenskundgebungen, gegen die man nicht einzuschreiten wagte. Unser Bild unten zeigt Bischof Simon Konrad zu Besuch in Altötting um 1942.

14. Dem NS-Regime war die Wallfahrt naturgemäß ein Dorn im Auge. Sie mit Hohn und Spott zu überschütten und ihr zu schaden, dazu waren ihm alle Mittel erlaubt: bürokratische Schikanen, Beschlagnahmen, Verbote, Repressalien, bis hin zu dreisten Provokationen und Aktionen gegen Glaube und Kirche:

1934: Aufmärsche von HJ und SA am Kapellplatz mit verunglimpfenden Liedern; 1934 heimtückischer Überfall auf engagierte Christen in der Kapuzinerstraße; 1935 Aufführung kirchenfeindlicher Theaterstücke; 1935: Inszenierung einer 'arischen Hochzeit' durch die SA;

1942: Kreuzschändung durch Rabauken eines NSDAP-Kreisparteitages in Mühldorf

Dabei wurden nachts Pilgerkreuze aus dem Kapellumgang in die Ahornbäumchen rund ums Heiligtum gesteckt. Unser Foto zeigt ein solch zweckentfremdetes Kreuz zwischen den wasserspeienden Putten des Marienbrunnens.

15. Der Wiesenstreifen zwischen Friedhof A und der südlichen Häuserreihe der Pranckhstraße wurde 1942 von den Nazis beschlagnahmt, um einen eigenen Friedhof für die Toten der Alt-IN euöttinger Lazarette anzulegen. Auf unserem Foto vom Iahr 1943 erweisen gehfähige Lazarettinsassen mit gesenkter Fahne ihren Kameraden die letzte Ehre. Die Esterer- Werkskapelle in der Besetzung Schacherbauer, Sonnleitner, Jakob und Josef Prasch, Wimmer und Maier unter der Leitung von Heinrich Götz spielt das Lied vom Guten Kameraden. Nach Kriegsende gesellte sich zum deutschen Kriegerfriedhof westlich anschließend ein eigener KZ-Friedhof mit etwa 250 Gräbern von Opfern aus dem Lager Mettenheim. Beide wurden zu Beginn der fünfziger Jahre aufgelassen.

16. Für den Badebetrieb im Kriegsjahr 1943 (Foto) galten folgende Anweisungen: ' ... daß diesen ausländischen Zivilarbeitern örtlich der Besuch der Badeanstalt nur zu bestimmten Zeiten gestattet wird und für die sonstige Zeit verboten bleibt. Diese Regelung ist beabsichtigt.' (Brief der Schutzpolizei Altötting an den OB in München vom 21. Juli 1943).

'Ostarbeiter und Polen werden hier grundsätzlich nicht in dasVolksbad gelassen. Die übrigenAusländer erhalten keine Kabinen.' (Brief der Stadtverwaltung Altötting an das Staatliche Gesundheitsamt vom 10. August 1943).

17. Die Kartoffelernte im Herbst des Kriegsjahres 1943 auf den Äckern am östlichen Stadtrand scheint für die Ökonomie des Franziskushauses überaus ertragreich zu sein. Als Volksnahrungsmittel in Notzeiten unverzichtbar, sowohl zurVersorgung des Kinderheims, als auch des seit 1942 für verwundete Soldaten requirierten Hauptlazaretts. Männliche Arbeitskräfte fehlen. Also müssen Zöglinge beim Erdäpfelklauben einspringen und fleißig zupacken, freilich unter den wachsamenAugen der Schwester. Das pferdefuhrwerk im Hintergrund wartet schon auf den Abtransport der Feldfrüchte. Beim Klieken des Fotoapparats halten die jungen Erntehelfer allerdings für einen Moment inne.

18. Sichtlich ernst wegen der prekären Zeitumstände, aber dennoch voller Stolz, präsentieren Mitarbeiter der Maschinenfabrik Esterer das 5 000 fahrbare Vollgatter, das am 17. August 1944 die MontagehalIe verläßt. Das lafettenartige Fahrgestell läßt einen mobilen Bestimmungsort fur die deutsche Wehrmacht an der damals zurückweichenden Ostfront vermuten. Die Erfalgsserie der technisch ausgereiften Vollgatter - auch nach dem Krieg - beweisen folgende Jubiläums-Stückzahlen: Nr. 6.000 (1954), Nr. 7.000 (1960), Nr. 8.000 (1968), Nr. 9.000 (1980). Unser Foto zeigt von links, vorne: ?, Breu, Max Esterer, Direktor Wolf, Anzenberger und Stiebing. Hinten: Trä, ?, Sojer und Thanner.

19. 'Ich habe nur meine pflicht getan!' resümierte Rektor Balthasar Büchner lapidar und bescheiden, als er auf seine Verdienste in einem langen Lehrerleben angesprochen wurde. 1895 als Sohn eines hiesigen Beamten geboren, stand für ihn seit seiner Kindheit fest, Lehrer zu werden. Am 1. Februar kam er nach Zwischenstationen in Höhenpolding (Landkreis Erding) und Günthersdorf (Landkreis Pfaffenhafen) endgültig hierher und leitete von 1938 bis 1943 stellvertretend für Rektor Ludwig Reindl, der Wehrdienst leistete, die Knabenschule. Der 'Boidl' galt ganz und gar als Respektsperson, von jedermann geachtet und geschätzt. Die heutige Kreisbildstelle, aus unserem Bildungswesen nicht mehr wegzudenken, baute er von 1939 bis 1959 auf, bis er aus gesundheitlichen Gründen den Ruhestand antreten mußte. Rektor Büchner starb nach längerem Leiden am 24. April 1959 im Alter von 64 Jahren. Unser Foto zeigt ihn in seinem Garten an der Konventstraße im Iahr 1944.

2 o. Durch zahlreiche Einberufungen nach Kriegsausbruch 1939 sank der Mannschaftsstand der Freiwilligen Feuerwehr Altötting von 77 auf 35 Aktive. Umgekehrt stieg die Anzahl der Übungen und Einsätze nach den Bombardierungen Münchens und Mühldorfs sprunghaft an. Aber auch die engere Heimat mußte vor Feuersgefahr geschützt werden. Deshalb reaktivierte man ehemalige Wehrmänner. Unter der Parole 'Bewährung' wurden auch Burschen ab dem zehnten Lebensjahr zum 'vormilitärischen Kriegseinsatz' in der Hitlerjugend-Feuerwehr herangezogen. Auf unserem Bild ist gerade Altöttings HJ-Feuerwehr im Winter 1941 im alten Landratshof (heute: Am Kreuzweg) zu einer Löschübung angetreten.

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