Augsburg in alten Ansichten

Augsburg in alten Ansichten

Auteur
:   Dr. J. Mancal
Gemeente
:   Augsburg
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2286-3
Pagina's
:   144
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Augsburg in alten Ansichten'

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49. Im Lechviertel waren Handwerker, kleine Gewerbetreibende und auch Fabriken untergebracht; die städtebauliche und soziale Differenz zur Oberstadt mit ihren repräsentativen Bürgerhäusern ist deutlich zu erkennen. Der Vater von Elias HoU, Johann HoU, hat hier mit dem Haus Lit. A 572/89, Mittlerer Lech 37, ein funktionsbezogenes Färber- und Tuchmacherhaus mit dreigeschossigem Eekerker und insgesamt sechs Stockwerken konzipiert, das nicht nur eine gewerbliche Nutzung sicherte, sondern das auch verhältnismäßig bescheidene Mietwohnungen besaß.

50. Im Bereich des Lechviertels ist auch die alte Silberschmiede (Pfladergasse 10) angesiedelt. Das Haus selbst ist bereits in einem der frühesten Stadtmodelle, nämlich in dem des Hans Rogel (um 1515-1592) von 1563, nachweisbar. Es ist ein typisohes Handwerkerhaus, noch dazu eines der ganz wenigen, die um 1900 fotografisch erfaßt wurden. Charakteristisch ist der Versuch, durch erhöhte und niedergesetzte Erdgeschosse, die als Werkstatt- und Verkaufsraum genutzt werden konnten, den kostbaren Platz so optimal wie möglich zu nutzen; deshalb wurde auch die Treppe außen am Haus angesetzt. Im Hintergrund, durch ein schmiedeeisernes Hofgitter abgetrennt, sieht man ein kleines Gartenhaus mit Garten. In dieser Verbindung erscheint das Handwerkerhaus fast als ein verkleinertes Abbild der großen Stadtpaläste mit ihren Gartenanlagen.

51. In dem niedergesetzten Erdgeschoß des Hauses Pfladergasse 10 befand sich ein Werkstattraum eines Goldschmiedes. Nachweislich seit 1670 waren in diesem Haus Goldschmiede tätig. Der Arbeitsplatz war so gelegt, daß das einfallende Licht voll auf ihn fiel, eine Notwendigkeit, da elektrisches Licht fehlte. Die Goldschmiede zählten zu dem traditionsreichsten Kunstgewerbe der alten Reichsstadt, dessen Höhepunkt in den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts erreicht wurde. Damals kamen auf 25 000 Einwohner 275 Goldschmiedemeister.

52. Über die hölzerne Freitreppe gelangte man in das im erhöhten Erdgeschoß gelegene Wohnzimmer des gleichen Hauses. Die Einrichtung ist relativ bescheiden. Unter der Pendeluhr an der Wand befindet sich eine Goldschmiedewaage. Auf dem Tisch, offensichtlich extra für den Fotografen gedeckt, ist Zinngeschirr und Porzellan abgebildet. Auf der linken Fensterbank befindet sich die Beilage 'Der Sammler' der 'Augsburger Abendzeitung', dem Konkurrenzblatt zur katholischen 'Augsburger Postzeitung'.

53. Neben dem Wohnzimmer befindet sich in dem Haus Pfladergasse 10 die Küche im ersten Stock; es ist eine reine Kochküche, nur indirekt über dem Flur beleuchtet, was die brennende Kerze auf dem Schränkchen andeuten soll. In dem dahinter befindlichen Wandregal sind Zinn- und Porzellanteller sowie tönerne Tassen und Krüge untergebracht. Darunter sind zwei Holzbottiche, die in der Regel zum Wasehen und Spülen benutzt wurden, und zwei kupferne Kannen, mit denen man das Wasser in die Küche brachte. Es wird deutlich, unter welchen Umständen bei fehlendem fließend Wasser und Strom sich der Alltag in einer einfachen Handwerkerwohnung in der Altstadt vollzog.

54. Der Blick wendet sich von der Schmiedbrücke Richtung Süden und, fast nicht zu entdecken, kann man im Mittelfeld den Zusammenfluß zweier Lechkanäle (Hinterer und Mittlerer Lech) erkennen. Ganz im Hintergrund des einen verfolgbaren Lechkanals (Mittlerer Lech) steht auf der linken Seite Bert Brechts (1898-1956) Geburtshaus. Die Lechkanäle, bereits vor 1000 nach Christus angelegt, bezogen ihr Wasser vom Hochablaß. Sie dienten nicht nur der Ausnutzung der Wasserkraft für Gewerbetreibende und Handwerker, sondern auch der Abfallbeseitigung.

55. Aus Paritätsgründen erhielten am 6. März 1687 der evangelische Drucker Jakob Koppmeyer und der katholische August Sturm gleichzeitig die Erlaubnis, Zeitungen zu drucken. Damit war zwei konkurrierenden Zeitungen in Augsburg, einer der Geburtsstätten der Zeitung überhaupt, der Weg gebahnt: Fortan erschienen regelmäßig, wenn auch ihre Namen wechselten, bis in die vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts die (München-) Augsburger Abendzeitung und die Augsburger Postzeitung. Letztere wurde ab Anfang Juli 1861 vom 'Literarischen Institut von Dr. Max Huttler', dann ab 4. Dezember 1887 vom 'Literarischen Institut von Haas und Grabherr' verlegt. 1903 wurde vom Architekten Hans Schnell die West- und Südfassade des am Schmiedlech 3 gelegenen Verlagsgebäudes neu gestaltet.

56. Der Bliek richtet sich auf den oberen Teil der Jakoberstraße und die Jakobskirche; im Hintergrund ist der Perlachturm sowie ein Rathausturm zu sehen. Die Jakobskirche wurde 1355 als Pilgerkirche errichtet und fiel während der Reformation an die Protestanten. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde sie umgebaut und im 19. Jahrhundert geschlossen, Danach wurde sie als Scheune genutzt. 1827 wurde sie in ihrem ursprünglichen Zweck wieder verwendet. Die Jakobervorstadt ist eines der ältesten Augsburger Stadtteile und wurde bereits im 14. Jahrhundert angelegt. Rechts neben der Kirche war der Komödienstadel, der Vorläufer des Stadttheaters, untergebracht. Links neben der Kirche, in der Jakoberstraße 28, war das Gasthaus 'Zu den Drei Königen'; hier wurden 1755/56 vom 'Collegium Musicum' Sinfonien von L. Mozart uraufgeführt.

57. In der Jakobervorstadt wurde in den Jahren 1514-1523 durch Jakob Fugger den Reichen und seine Brüder Ulrich und Georg Fugger die älteste Sozialsiedlung der Welt, die Fuggerei, begründet. Die Stifter hatten bestimmt, daß in ursprünglich 106 Wohnungen unschuldig verarmte, katholische Augsburger gegen eine Jahresmiete von umgerechnet DM 1,76 und ein tägliches Gebet für das Heil der Stifter Unterkunft finden sollen. In jedem Haus waren zwei Wohnungen untergebracht. In der Mittelgasse Haus Nr. 14 wohnte von 1681 bis 1694 auch der Urgroßvater W.A. Mozarts, Franz Mozart (1649-1694). 1879 hat Fürst Leopold Fugger von Babenhausen zwölf weitere Häuser dieser Stadt in der Stadt hinzdbauen lassen. Unser Bild zeigt die Herrengasse mit der St-MarkusKirche im Hintergrund.

58. Die Jakoberstraße, auf das Jakobertor und damit die Verbindung nach Lechhausen zulaufend, war so breit angelegt, daß man hier mit zahlreichen Standen in der Straße Dulten abhalten konnte. Das hohe, links neben dem Jakobertor in der Häuserfront befindliche und mit dunklem Holz verkleidete Haus ist der Färberturm Lit. H 62, der zum Trocknen frisch gefärbter Textilien diente. Das Jakobertor selbst zählt mit zu den älteren Toren der Stadt und wurde 1249 errichtet und Mitte des 15. Jahrhunderts erneuert. König Gustav II. Adolf (1594-1632) hatte sich am 17. April 1632 in Lechhausen einquartiert und zog, empfangen vom evangelischen Ratsteil vor dem Tor, am 24. April durch es in die Stadt ein.

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