Bad Wurzach in alten Ansichten Band 2

Bad Wurzach in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Otto Frisch
Gemeente
:   Bad Wurzach
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4945-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Bad Wurzach in alten Ansichten Band 2'

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39. Stolz war man in Wurzach, als am 23. August 1904 die vergrößerte und modernisierte Schloßbrauerei den Betrieb wieder aufnehmen konnte. Zum großen Dampfkessel gehörte ein stattlicher Schlot mit 32 m Höhe. Dazu kam eine Dampfmaschine, neue Kupferkessel, eine Kühlmaschine, ein Kompressor mit Kohlensäureverdampfung, zwei Dynamos für Elektromotoren-, Licht- und Akkuspeisung. Der Maschinenpark stammte aus Berlin, Augsburg, Cannstatt und Feuerbach. Bräumeister Norbert Schiele braute helles und dunkles Faßbier. Er füllte aber auch viel Bier in Flaschen ab. Ja, eine Zeitlang produzierte er auch pasteurisiertes Exportbier, das in Keramikkannen versandt wurde. Er kaufte dafür sehr viel Gerste aus der Umgebung. Im November 1905 wird gemeldet, daß neulich dreißig Gerstenfuhrwerke mit 1 100 Zentner für 10 000 Mark abgeladen wurden. (Siehe Band I, Bild 45!) (Werbegraphik von Eckert & Pflug, Kunstanstalt Leipzig 1904105.)

40. Eine markante Persönlichkeit in Wurzach war Apotheker Johann Georg Gessier. Er war im Jahre 1819 als Sohn eines Horber Zeugfabrikanten geboren worden. GessIer studierte nach seiner Apothekerlehre an der Universität in Freiburg und legte sein Apothekerexamen 1843 in Tübingen ab. Auf einer botanischen Exkursion kam er auch ins Wurzacher Ried. Sowohl Wurzach als auch die hiesige Apothekerstochter Johanna Wahl gefielen ihm so gut, daß er sich 1846 mit ihr verheiratete, die Apotheke von seinem Schwiegervater Ignaz Wahl übernahm und sich hier niederließ. (Siehe Band I, Bild 38!) Als seine Frau 1853 gestorben war, heiratete er im folgenden Jahr die jüngere Schwester seiner ersten Frau, Victoria Wahl. Gessier war wissenschaftlich interessiert. Nach 40jähriger Tätigkeit als Apotheker ging er 1885 in den Ruhestand. Er starb 1903. (Fotoum 1855.)

41. Dieses stilvolle Gebäude an der Marktstraße ließ Apotheker Johann Georg Gessier 1854/55 zu einer Apotheke umbauen, um ein Stockwerk erhöhen, das äußere Aussehen harmonisch verändern und mit einem Balkon versehen. Ausführender Bauführer war Zimmermeister Braunger. Gessier hatte das Haus von Schmiedmeister Isidor Ahr erkauft. Neben dem Apothekenraum lag nun ein Kontorraum, dahinter ein Laboratorium. Außerdem wurde ein Apothekenkeller und ein 'Stoßraum' eingerichtet, in dem in großen Metall- und Steinmörsern die Arzneizutaten zerstoßen wurden. Als botanisch interessierter Mann hatte Gessier auch ein eigenes Gewächshaus angefügt. Jedenfalls ließ er 1867 darin eine raffinierte Kanalheizung einbauen. Im Jahre 1989 wurde die alte Gessler'sche Apotheke am Marktplatz in 'Schloßapotheke' umbenannt. (Foto vor 1900.)

42. Zu den großen Förderern des Radfahrens zählte die Familie von Schlossermeister Karl Baur, der ab 1871 im 'Politischen Winkel' ein Haus gekauft und dort seine Schlosserwerkstätte eingerichtet hatte. Im Jahre 1905 bot er zum Beispiel in der Zeitung Fahrräder mit und ohne Freilauf der Marken Panther, Brennabor, Neckarsulmer, Dürrkopp, Bismark, Westfalen, Elster etc. ab 75 Mk an. Auch Motorräder waren bei ihm zu haben. Hier haben sich die Kinder von Karl Baur vor dem Schloß fotografieren lassen. Von links nach rechts erkennen wir: 1. Josef Baur, der 1904 als Vorstand des Radfahrervereins wirkte; 2. Sophie Baur; 3. Theodor Baur; 4. Paula Baur; 5. Georg Baur. Sie fuhren die ersten Räder in Wurzach mit Luftbereifung. Wie schwer es Radfahrerinnen damals hatten, zeigt eine Zeitungsnotiz von 1902: 'In einem nachgerade komisch-widerlichen Aufzuge durchfur gestern früh 1/2 9 Uhr, als die Straße von Kirchenbesuchern belebt war, ein radelndes Weibsbild den Kirchweg. ' (Foto 1902. )

43. Am 29. Juni 1895 wurde in Wurzach ein Radfahrerverein gegründet und mes rrut der Herausgabe einer Gründungsmedaille dokumentiert. Es existiert auch noch eine Standarte des Wurzacher Radfahrervereins 'Wandervogel' aus dem Jahre 1923. Radfahren war damals in der Stadt sehr beliebt. Der erste Radfahrer hier war Mechanikermeister Daniel Authenried. Er hatte sich selbst ein Holzrad gebaut. (Siehe Bild 271) Bald war man aber auch dazu gezwungen, auf bestimmte Verkehrsregelungen für Radfahrer hinzuweisen, wie dies im Mai 1900 im Anzeiger von Wurzach geschah. Am 15.116 August 1904 richtete der Radfahrerverein das Verbandsfest des oberschwäbischen Radfahrerverbandes aus. Dabei wurden im Schloßpark mehrere Rennen veranstaltet. Erstmals wurde dabei in Württemberg auch ein 'Motorzuverlässigkeitsfahren' mit 14 Fahrern durchgeführt. (Foto vermutlich 1904.)

44. Im 'Politischen Winkel' kaufte Bürstenbinder Christian Pfau im Jahre 1887 den vorderen Teil dieses Hauses. Am 4. Oktober 1890 stand jedoch der 'rote Hahn' auf dem Haus und vernichtete den ganzen Dachstuhl. Im Jahre 1893 bekam Pfau in Rechenmacher August Küchle einen neuen Hausnachbarn. Am 5. Mai 1894 empfiehlt Christian Pfau im 'Wurzacher Anzeiger' Rasierpinsel, Kleiderbürsten, Pferdebürsten sowie gewöhnliche Bürsten und Pinsel. Außerdem suchte er in diesem Inserat Roßhaare zu kanfen. Rechenmacher August Küchle bot gegen Ende Mai 1894 in der Zeitung zur bevorstehenden Heuernte Gabeln und Reehen zu 'billigsten Preisen' sowie schnelle Reparaturarbeiten an. Im Jahre 1902 ließ Christian Pfau anstelle von normalen Fenstern zwei Schaufenster einbauen. (Foto datiert 23. März 1910.)

45. Eine wichtige Funktion hatte früher der städtische Nachtwächter. Der letzte 'zünftige' Nachtwächter hat sich hier mit seinem Hund dem Fotografen gestellt. Nachtwächter Ernst Bernhard trat anno 1890 seinen Dienst an und kam ihm gewissenhaft durch dreißig Jahre bis zu seinem Tod im Jahre 1921 nach. Die Schirmmütze, die er trägt, gab ihm offenbar das 'amtliche' Gewicht. Damals war das Stundenrufen des Nachtwächters schon längst abgeschafft und 1867 durch sechs Kontrolluhren ersetzt worden. Leise ging der Nachtwächter von da an seine Runden und betätigte die Kontrolluhren. Sein Weg führte vom oberen Tor zum Entenmoos, dann in die Vorstadt, in den 'Winkel', in die Neue Straße und schließlich an das Rathaus. Auch Laterne und Hellebarde hatte er schon ab 1862 mit Leiter und Erdölbehälter zum Laternenanzünden vertauscht.

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46. Diese romantische Gasse führt hinein in das alte Wohnquartier im südöstlichen Bereich innerhalb der Stadtmauer. Wegen der mittelalterlich strukturierten, verwinkelten Kleinteiligkeit wurde dieser Teil der Stadt schon immer 'Im Winkel' genannt. Das Haus im Hintergrund war zur Zeit der Aufnahme im Besitz von Schreinermeister Anton Locher. Einst war in dem Haus eine Nagelschmiede. In dem hohen Haus mit dem Spalierbaum am Giebel befand sich von 1780 bis 1855 die Apotheke. (Siehe Band I, Bild 38!) Darum nannte man die Gasse lange Zeit das 'Apothekengäßle'. Erst als kurz nach dem Ersten Weltkrieg der alte Laufbrunnen beseitigt und auf den Friedhof versetzt worden war, wurde die Gasse in 'Brunnengasse' umbenannt. Bis heute trägt sie diesen Namen. (Siehe Band I, Bild 37!) 1979 wurde der Brunnen vom Friedhof in den 'Politischen Winkel'versetzt. (Foto urn 1903.)

47. Nach der Jahrhundertwende wechselte der Gasthof 'Zum Bären' mehrmals in kürzeren Zeitabständen den Besitzer. Im Jahre 1922 endlich kauften Anton Seebold und Mechaniker Peter Fränkel den 'Bären'. Sie bauten zunächst die unteren Lokalitäten zu einem Geschäftsbetrieb um. Am 24. Juni 1922 konnten sie ihr neues 'Maschinen-Haus' eröffnen. Sie handelten mit Fahr- und Motorrädern, mit Nähmaschinen, Zentrifugen und auch Landmaschinen. Dazu betrieben sie parallel eine eigene Reparaturwerkstätte. Peter Fränkel stieg allerdings recht bald wieder aus dem Geschäft aus, so daß Anton Seebold das Maschinenhaus in eigener Regie weiterbetrieb. Er wollte auch das Recht der Bewirtung nicht gleich aufgeben, weshalb er zunächt in gewissen Abständen Bewirtungen vornehmen mußte. Diese Gelegenheiten hat er sicher auch zu Werbezwecken für sein 'MaschinenHaus' benützt. (Foto 29. April 1923 anläßlich der Bannerweihe des Radfahrervereins 'Wandervoge!'.)

48. Anton Seebold brachte sein 'Maschinen-Haus' im ehemaligen Gasthof 'Zum Bären' schnel! in die Höhe. Um die Waren präsentieren zu können, hatte er schon 1922 Schaufenster und Ausstel!ungsräume eingebaut. Seit 1926 handelte Seebold auch mit Autos insbesondere der Marken DKW und Ford. 1932133 baute er noch den ehemaligen Speisesaal in eine Wohnung und eine Werkstatt um. Seebold war nicht nur als Kaufmann ein erfolgreicher Geschäftsmann, sondern er war auch in der Werkstatt recht tüchtig. So betätigte er sich als Erfinder und erhielt für ein von ihm konstruiertes Kinderkarussel! und für einen Fahrradständer Patente. Seit 1928 stand vor dem 'Bären' eine Tanksäule der Firma Rhenania-Ostag Mineralöle in Ludwigshafen. Hier sehen wir Anton Seebold an seiner Tanksäule. Im Hintergrund ist noch die unveränderte Eingangstüre vorn einstigen Gasthof 'Baren' zu erkennen. (Foto um 1930.)

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