Bad Wurzach in alten Ansichten Band 3

Bad Wurzach in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Otto Frisch
Gemeente
:   Bad Wurzach
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6016-2
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Bad Wurzach in alten Ansichten Band 3'

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9 Urn 1915 schickte Buchbindermeister Alois Waibel, der wohl ab 1890 der erste Verleger von Ansichtskarten in Wurzach war, einen Fotografen aus, urn rings von den Anhöhen aus Ansichten von der Stadt aufnehmen zu lassen. Es existieren aus dieser Serie noch Fotos, die z.B. vom Gottesberg oder wie hier vom Leprosenberg in Höhe der ehemaligen Siechenlinde aufgenommen wurden. Dabei wurde der Fotograf auf seiner Wanderung von zwei Kindern begleitet, die er meistens mit ins Bild brachte. Bei dem Mädchen rechts handelt es sich urn Theresia Hartmann, die mit Waibel eng verwandt war und später Anton Seebold

geheiratet hat. Die großen freien Flächen vor den Häusern am Westrand der Stadt sind die Flurstücke auf der 'Breite', wo sich heute das Schulzentrum samt Großturnhalle erhebt. Links im

Foto kommt die ehemalige Allee ins Blickfeld, die früher entlang der Ravensburger Straße bis fast hinauf zum Leprosenberg führte. Foto um 1915.

10 In der hier vorgestellten Gestalt kannte man über jahrzehnte das alte Wach- und Zollhäuschen am Eingang zur Herrenstraße. Sein fast gleich gestaltetes Pendant ist schon 1925 einem andersgearteten Neubau gewichen (Bd. II Nr. 8). Leider wurde auch das hier im Foto vorgestellte Gebäude 1973 abgerissen und wieder neu aufgebaut. Der aufmerksame Betrachter wird feststellen müssen, daß damals nicht nur das Fluidum eines von den Spuren zweier [ahrhunderte gezeichneten Gebäudesverlorengegangen ist, sondern daß auch manche Gestaltungsdetails damals aufgegeben worden sind. Auf jeden Fall führt uns dieses

Foto die Situation lebhaft vor Augen, als an der Wende vom 18. zum 19.Jahrhunderthier der Zolleinnehmer noch die großen Torflügel öffnen und schließen mußte, deren Kloben bis zum Abbruch der

Torpfeiler 1961 zu sehen waren.

11 Es gab jahre, in denen in Wurzach im Gegensatz zu der überkommenen Straßenfastnacht mit kleinen Narrengruppen auch große Fastnachtsveranstaltungen durchgezogen wurden, die unter einem bestimmten Thema standen. Das Motto von 1908 war z.B. 'Die Truchsessenhochzeit' . Um alles stilecht gestalten zu können, hatte man sich sogar bei entfernten Kostümverleihern mittelalterlich geschneiderte Kleidungsstücke besorgt. Der Aufstellungsplatz für den langen Festumzug war damals am neuen Bahnhof Hier auf dem Foto bewegt sich gerade ein Teil des Zuges vom späteren Postplatz mit seinem schönen Kastanienbaumbe-

stand her durch die Herrenstraße. Interessant an dieser Aufnahme ist auch das große Mansarddach des ehemaligen herrschaftlichen Reitstalles, das die Hausdächer an der Herrenstraße im Hintergrund

überragt. Das Gebäude ist im Laufe der folgenden zwei Iahrzehnte durch Abrisse und Urnbanten verschwunden.

12 Schneidermeister Xaver Seeberger van Truschwende richtete seine Herrenschneiderei zuerst in diesem bescheidenen Haus in der Gartenstraße ein. Um auf seine Werkstatt aufmerksam zu machen, ließ er an die Hausecke eine große Blechtafel anbringen mit der Aufschrift 'Herren-Schneiderei von X. Seeberger' . Hier hat sich der Meister mit seiner jungen Familie zur Fotoaufnahme vor dem Haus eingefunden. In der Folgezeit wurde das Haus mit ziegelsteinfórmig strukturierten Blechtafeln verkleidet. Es war früher für einen Handwerker von auswärts nicht immer einfach, in Wurzach Fuß zu fassen. Später erwarb Seeber-

ger einen Bauplatz an der Biberacher Straße und erbaute darauf 1937 ein Wohnhaus mit den erforderlichen Geschäftsräumen. Foto um 1912.

13 Als Ende des [ahres 1926 die Post aus dem 'Hohen Haus' ausgezogen war, wurde das Gebäude alsbald für [ahrzehnte zum Verwaltungssitz des Haidgauer Torfwerkes. Trotz des neuen Schriftzuges am Haus war die alte Aufschrift immer noch zu erkennen. Wàhrend im Erdgeschoß die Büroräume lagen, wurden die Räume in den Obergeschossen als Dienstwohnungen genutzt. Ursprünglich war das Haus mit einer gelblichen Eekquaderbemalung versehen. In die Lücke zwischen Hohem Haus und dem Westflügel des Schlosses sollte gegen Ende des 18. Jahrhunderts eine neue Schloßkapelle eingefügt werden. Im Sommer 1993

wurde das Hohe Haus abgerissen und dafür als stilvolles Pendant zum 'Rentamt' ein neues Gebäude errichtet, das die aus dem 18. [ahrhundert stammende Baulücke schloß und damit den Westflügel des

Schlosses komplettierte. Interessant war, daß bei den Ausschachtungsarbeiten im Baugrund die Fundamente für den einst vorgesehenen Kapellenbau zum Vorschein kamen.

14 Ein ganz rigoroser Eingriff in den Bestand des bis dahin weitgehend unberührten Haidgauer Hochmoorschildes war 1920/21 die Abholzung dieser Riedfläche, urn dann in der Folge ausgedehnte Torfstiche anlegen zu können (Bd. II Nr. 15). Zum Erinnerungsfoto hat sich hier die Abholzungsmannschaft mit ihren Werkzeugen aufgestellt. Äxte, Spaten und Misthaken zum Reinigen der abgeholzten Flächen sind gut zu erkennen. Ausschließlich waren es die Spirken der Hochmoorflächen, die dieser Aktion zum Opfer gefallen sind. Von den neunzehn abgebildeten Arbeitern kann nur der vierte Mann von links, angetan mit einem

weißen Arbeitskittel, namhaft gemacht werden. Es handelt sich um Georg Miller, dessen Anwesen in der Herrenstraße 'beim Käsbeck' genannt wurde.

15 Einen malerischen Eindruck macht hier der Eingang zur ehemaligen Schloßkapelle. Die Kapelle wird schon 1422 erstmals erwähnt. Im Iahre 1612 wurde sie im Sinne der frühen Vorarlberger Bauschule vergrößert und 1708/09 renoviert. Chor samt Sakristel und Dachreiter wurden 1955 abgerissen (Bd. I Nr. 19). Das Schiff der Kapelle steekt heute noch als integrierter Bauteil im sogenannten ehemaligen Rentamt. Als in Wurzach 1675 ein eigenes Grafenhaus entstand, war diese neue Herrschaft alsbald bestrebt, eine funktionsfähige Verwaltung aufzubauen. So wurde dann 1691 südlich an die Kapelle unter einern Dach

ein Kanzleigebäude angefügt, das im Erdgeschoß Gewölbedecken erhielt. Am 23. September 1691 ersuchte deswegen die Herrschaft die Bürgerschaft um einen Tag Frondienst auf der Baustelle. Neuerdings wurde mit einer gründlichen Renovierung des Gebäudes begonnen.

16 Das Herzstück im Chor der Schloßkapelle war seit der ersten Hälfte des 18. [ahrhunderts der barocke Hochaltar, der den mit einem gotischen Kreuzgratgewölbe geschlossenen Chorraum schmückte. Links und rechts neben den Säulen standen die Figuren von Franz von Assisi und Antonius von Padua. Der Schöpfer dieser Plastiken war der berühmte Wurzacher Holzbildhauer Johannes Ruez. Nachdem 1924 die Salvatorianerpatres das ScWoß übernommen harten, wurde jeweils während der Weihnachtszeit das Altarbild herausgenommen und dafür eine im Schnee gehende Jesusknabenfigur in die Altarnische gestellt. Als der Chor der

Kapelle 1955 abgerissen war, wurde der Altar schließlich komplett an die Kirchengemeinde Justingen gegeben, wo er heute die Dorfkirche schmückt.

17 Nur als Foto überliefert ist uns dieses Gemälde aus dem letzien Jahrhundert. Der Maler hat die viktorianisch anmutende Szene detailgenau dargestellt. Der Blick führt über den Schloßkanal und das freie Mittelfeld des Schloßparkes hinweg auf die Nordfassade des Wurzacher Schlosses. Links davon erkennen wir die Kirche und den Komplex des Klosters Maria Rosengarten. Dicht rechts vom Schloß wird der Dachreiter des Rathauses sichtbar. In den Vordergrund schiebt sich die genrehafte Szene der Spaziergängergruppe. Es handelt sich um die fürstliche Familie mit einigen Bediensteten. Den Mittelpunkt bilden Fürst Eberhard und seine

zweite Frau julie geborene Gräfin Dubsky. Der Kinderzahl nach zu schließen ist das Bild wahrscheinlich im Sommer 1868 entstanden. Damals arbeitete der Genremaler Hermann Volz in Wurzach

auch für die Fürstenfamilie. Der Steg über den Kanal führte zur Hofgärtnerei. Schwäne hielt man lange im Kanal. Ja, um die [ahrhunderrwende suchte die herrschaftliche Verwaltung

per Zeitungsanzeige nach einem verschwundenen schwarzen Schwanenpaar aus dem Kanal.

18 Durch jahrhunderte war die Stadt Wurzach in vielerlei Hinsicht von ihrer Grundherrschaft, den Herren von Waldburg, abhängig. Als am 21. Februar 1675 gar eine eigene Herrschaft WaldburgWurzach entstanden war, wurde Wurzach allmählich zum zentralen Verwaltungssitz der ganzen Landschaft Wurzach ausgebaut. Eine kulturelle Blüte war damit verbunden, bei der das Schloß eine entscheidende Rolle spielte (Bd. I Nr. 18, Bd. II Nr. 36). Im Iahre 1861 wurde Fürst Karl Schloßherr. Da er aber eine unstandesgemäße Ehe einging, wurde er von der Gesamtfamilie zu einem Verzicht gezwungen. An seine Stelle trat 1865 der Bru-

der Eberhard. Er sollte der letzte Fürst von Wurzach werden, da er nur nicht nachfolgeberechtigte Töchter hatte. Außerdem verstand er sich schlecht mit den Wurzachern, weshalb er in seinem

Schloß in Kisslegg residierte. Er starb dort am 1. August 1903. Stolz präsentiert Fürst Eberhard von Wurzach auf dem Foto seine Orden und Auszeichnungsmedaillen.

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