Bad Wurzach in alten Ansichten Band 3

Bad Wurzach in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Otto Frisch
Gemeente
:   Bad Wurzach
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6016-2
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Bad Wurzach in alten Ansichten Band 3'

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19 Die feine Federzeichnung von 1891 führt uns in den berûhmtesten Innenraum von Wurzach, in das Treppenhaus des Schlosses. Die Kunstwelt bezeichnet diesen Raum als das 'schönste Treppenhaus Oberschwabens'. Die zwei gegenläufigen Treppen sind um einen dreipaßförrnigen Kern angeordnet. Leider kennen wir den genialen Architekten der Anlage bis heute nicht. Das Treppenhaus zeigt sowohl Stilelemente des Barock als auch des Klassizismus. Nach Ideen des beratenden Architekten Iean Michel d'Ixnard führte nämlich der Wurzacher Hofarchitekt Iohann Jakob Willibald Ruez urn 1780 Veränderungen des Treppen-

hauses aus der Zeit um 1723-1728 durch, die im Zusammenhang mit dem Aufbau der berûhmten 'Truchsessengalerie' im Schloß standen. Nach Restaurierungen in den letzten [ahren und Sicherung des riesigen Deckengemäldes rnit der Darstellung des griechischen Götterhimmels strahlt das Treppenhaus wieder in altem Glanz.

20 Prachtvolle Lindenalleen insbesondere an der West- und Ostseite begleiteten noch in den sechziger [ahren die Wege entlang der Kanalarme im Schloßpark. Es handelte sich um ganz eigenartige Baumgestalten, weil die Bäume ursprünglich in der Barockzeit an den Wegen entlang ganz exakt beschnitten worden waren. Dies entsprach den Auffassungen über Gartenkultur in der Barockzeit. Es war damals ein sogenannter französischer Garten. Als man dagegen im Verlaufe des 19. [ahrhunderts den Hofgarten in eine englische Anlage umwandelte, überließ man von da an die Bäume ihrem natürlichen Wachstum. Auf diese Weise

entstanden teilweise recht bizarre Baumformen. Im Laufe der Zeit aber wurde so manche Linde in den Alleen durch teilweise nur schlecht verheilte Schnittstellen morsch, so daß die einmali gen Alleebäume nach und nach gefällt werden mußten. Hier auf dem Foto spiegelt sich ein Teil der östlichen Allee im Wasser des Parkkanals.

21 Dieses Foto dokumentiert ein bedeutendes Kulturerbe, das leider in den [ahren um 1970 weitgehend aufgegeben worden ist. Bei der Anlage des Hofgartens nördlich vom SchloB hat man um das ganze, im Quadrat etwa 250 m auf250 m messende Grundstück eigens einen Kanal gegraben, der vermutlich nach englischem Vorbild mit einer Lehmschicht ausgekleidet war, um das Wasser halten zu können. Jedenfalls war der Kanal ein Meisterstück der Wasserbaukunst der Barockzeit und in mühseliger Handarbeit ausgehoben und eingerichtet worden. Verschiedene Umstände kamen zusammen, daß der Schloßparkkanal seit der Mitte der

vierziger Iahre besonders in heißen Sommern trockenfiel, was schließlich dazu führte, daß er bis auf eine andeutende Geländesenke aufgefüllt wurde. Auf dem Foto aber konnte die Familie Hu-

ber noch geruhsam mit dem Boot den Hofgarten im Kanal umfahren.

22 Ein Dokument ganz seltener Art gelang dem darnaligen Stadtarzt Dr. Dorn mit diesem Foto von einem Blitzeinschlag auf dem Marktplatz. Er 'schoß' die Aufnahme von einem Fenster seiner Wohnung aus. Wie sehr ihn dieser Zufallstreffer erschrecken ließ, kommt in dem Bild deutlich zum Ausdruck. Daß Blitzeinschläge in der Stadt öfters Schaden angerichtet haben, ist überliefert. Im August 1761 kam z.B. im Spital Katharina Kummerin durch Blitzschlag ums Leben. Schweren Schaden hatte um 1810-1820 im Schloß ein Blitzeinschlag angerichtet, weshalb Fûrst Anselm Fugger van Babenhausen seiner

Tochter Iosepha zu ihrer Vermählung mit Fürst Leopold von Wurzach am 18. Dezember 1821 eine Blitzableiteranlage für das Schloß schenkte. Teile davon sind heute noch erhalten. Die Fanggabel sarnt

der erneuerten Windfahne auf dem Mittelrisalit des Schlosses zeugen davon. Die zweite Blitzableiteranlage in Wurzach erhielten 1835 Kirche und Turm, die vorher ebenfalls schon mehrmals

vorn Blitz getroffen worden waren. Foto um 1930.

23 Eine ausgesprochene Rarität stellt diese Fotoaufnahme für Wurzach dar. Sie zeigt 'den Zeppelin' über die Stadt hinwegschweben. Das Foto muß vor 1926 entstanden sein, da gegenüber dem Rathaustürmchen rechts noch die Vorrichtung für den Telegrafen auf dem Dach des 'Hohen Hauses' zu erkennen ist, Es herrschte in der Stadt immer große Aufregung, wenn sich der Zeppelin zeigte. So berichtet z.B. der Anzeiger von Wurzach am 2. April 1909: 'Nachdem hier nachmittags bekannt geworden, daß Zeppelin I seinen Rückweg über MemmingenLeutkirch nehmen werde, war Alles in fieberhafter Erwartung. Schon vor 6 Uhr

strömten ganze Scharen auf den Gottesberg und die Reinsteiner Höhe, um das Luftschiff zu erwarten ... die Glocke der Gottesbergkapelle verkündete sein Nahen. Und nun genoß man einen An-

bliek, wie er wohl einzig überwältigend schön in seiner Art gewesen sein

dürfte .. .'

24 Die ältesten Hinweise auf eine Bürgervereinigung in Wurzach beziehen sich auf das [ahr 1521. Damals gab es in der Stadt schon eine eigene Schützengilde. Im Iahre 1688 wurde eine Schützengesellschaft gegründet. Einige Schießscheiben aus früheren Zeiten haben sich erhalten, so von 1773,1780,1839 und 1884. Auch zwei Schützenfahnen wurden überliefert von 1852 und 1871. Schon bald nach der Gründung der Turn- und Sportgemeinde beschäftigte man sich auch dort mit dem Schießsport und ging etwa ab 1889 an die Gründung einer Schützenabteilung. Kurz nach der Iahrhundertwende wurde der Schützenverein 'Wilhelm

Tell' gegründet. Die Mitglieder von damals sind auf dem Foto abgebildet. Von links stehend erkennen wir: Alfred Kahler, Apotheker Born, Iosef Baur, Ferdinand Kahler, Albert Hauber, Anton Zehrlaut

und Theodor BaUT. Am Tisch:

Postsekretär Eisele, Rentarntmann Utz, JosefBertele und Otto Leute. Foto X. Sonntag.

25 In der letzten Augustund den ersten zwei Septernberwochen des [ahres 1911 erhielten die Wurzacher Einquartierung anläßlich der Herbstmanöver. Insgesamt waren 115 Offiziere, 2 067 Mann und 916 Pferde des Feldartillerie-Regimentes Nr. 49 in sechs Etappen unterzubringen. Hocherfreut war man in der Stadt, als die dazugehörige Militärkapelle am Mittwochnachmittag, dem 31. August am Brunnen vor dem Rathaus musizierte und 'hiebei eine Reihe feinstgewählter Piecen formvollendet zum Vortrag brachte. Wir sind der Kapelle und deren Dirigenten, speziell dem Hrn. Reglments-Kommandeur für den uns so unerwar-

tet bereiteten willkommenen Ohrenschmaus sehr zu Dank verpflichtet' , so schreibt der Berichterstatter im Anzeiger von Wurzach. Nochmals konzertierte am 11. September die Infanterie-Regiments-

kapelle Nr. 120 zum Abschied auf dem Marktplatz.

26 Manöverzeit vor dem Ersten Weltkrieg bedeutete für die Soldaten nicht immer eitel Freude, besonders wenn, wie hier auf dem Foto dokumentiert, naßkaltes Sudelwetter angesagt war. Da war es gut, wenn die Rekruten sich eine warme Mahlzeit oder ein heißes Getränk einverleiben konnten. Dafür sorgten die Leute von der Feldküche, die hier in der Schloßstraße zwischen dem Haus von Hafnermeister Model und der Bäckerei Räth Halt gemacht haben (Bd. II Nr. 22, Nr. 23). Während eine Wurzacher Bürgerin beim vorderen Gespann ein Pferd am Zügel hält, will eine zweite Frau offensichtlich dem Soldaten auf dem Bock

ein Geschenk präsentieren. Selbstverständlich, daß bei einem solch seltenen Spektakel immer auch Kinder als neugierige Zuschauer am Wegrand standen.

27 Unter Trompetensignal wurde am 31. Juli 1914 die Verhängung des Kriegszustandes und am Tage darauf die allgemeine Mobilmachung verkündet. Schon kurze Zeit später war der Ernst des Krieges nicht mehr zu übersehen, so daB die Musikkapelle am 25. November 1914 an einem allgemeinen Trauergottesdienst teilnahm. Leider mußte die Musikkapelle noch oft ihre Trauerweisen spielen, so wie z.B. am 11. [anuar 1915 auf dem Trauerzug für den gefallenen Heinrich Brauchle. Wir erkennen auf dem Foto nicht nur die Musikanten mit ihrer Fahne sondern auch eine starke Abordnung der verwundeten und wieder gene-

senden Soldaten aus dem Wurzacher Lazarett (Bd. II Nr. 68). Außerdem nahmen an der Gedenkfeier auch die Mitglieder des Krieger- und Veteranenvereins teil. Am Ende des Ersten Weltkrieges

stand die traurige Bilanz an Verlusten von Menschenleben für die damals noch sehr kleine Stadt Wurzach mit etwa achtzig Gefallenen und fünf Vermißten fest.

28 Am südlichen Ausgang der Altstadt treffen wir auf den stattlichen Baukörper des Amtshauses. Bis 1869 war das Haus mit dem Mühltorturm verbunden (Bd. I Nr. 20). Schon auf der Ansicht der Stadt von 1604 ist das Gebäude deutlich zu erkennen. Es war damals um ein Stockwerk niedriger. Einst harte hier wohl der Ammann seinen Amtssitz, oder es diente dem herrschaftlichen Appelationsgericht. Um 1710 muß das Gebäude erweitert und erhöht worden sein. Seit 1924 war das Haus Wohnung und Amtssitz des Försters. Im [ahr 1962 ging es aus dem Besitz der Zeiler Herrschaft an die Stadt Bad Wurzach über. 1973 wurde das Amts-

haus renoviert und dient seither als Sitz des Stadtbauamtes. Außerdem beherbergt es den Ratsaal. Im [ahr 1982 wurde das Amtshaus nach Süden durch einen großen Anbau erweitert. Foto Hauber um 1930.

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