Bad Wurzach in alten Ansichten Band 3

Bad Wurzach in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Otto Frisch
Gemeente
:   Bad Wurzach
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6016-2
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Bad Wurzach in alten Ansichten Band 3'

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29 Weit zurück reicht dieses Foto mit der Familie Schwab. Georg Schwab, gebürtig aus Oberkestach im Oberamt Künzelsau, kam als junger Lehrer 1836 nach Wurzach, wo er seinen Vorgänger JosefSchneider ablöste. Schon im folgendenJahr heiratete er Walburga Feller, die Tochter des Wurzacher Goldschmieds Peter Paul Feller (Bd. I Nr. 31). Fast zwanzig Iahre lang mußte er die große Schülerzahl in der Stadt zusammen mit einem weiteren Kollegen unterrichten, obwohllaut Gesetz dafür ein dritter Lehrer erforderlich gewesen wäre. So waren z.B. im jahre 1845 insgesamt 211 Schüler zu betreuen. Schwab erhielt deshalb nicht nur eine

jährliche Besoldungszulage von 50 Gulden sondern auch die Verdienstrnedaille, die er auf dem Foto angeheftet hat. Immerhin konnte er sich 1871 in der Schmalen Gasse ein Wohnhaus erbauen und im gleichenJahr am 30. September pensionieren lassen. Schwab starb am 1. März 1890.

30 Als man gegen die Mitte der siebziger [ahre dieses malerische kleine Häuschen an der Schmalen Gasse in der Nachbarschaft des alten Spritzenhauses abriß und den Grund zu einem Neubau aushob, da kamen im Untergrund interessante Befunde zum Vorschein. Das Häuschen, früher an der 'Krummen Gasse', war nämlich einst an die alte Stadtmauer angefügt und über dem aufgefüllten ehemaligen Stadtgraben errichtet worden. Die Spuren zeigten weiter. daß hier an diesem Stück Stadtmauer nicht nur ein Graben verlief, sondern daß außerhalb des Stadtgrabens nochmals eine Mauer entlang der 'Krummen Gasse' lief. Damit

war die Darstellung einer Doppelmauer auf einer Stadtansicht von 1750 durch den Befund an dieser Stelle bestätigt. Besonders an der ganzen westlichen und teilweise an der nördlichen Seite haben einstens die Innenmauer, der Wassergraben und die Außenmauer der Stadt verstärkten Schutz geboten.

31 Wie die anderen Gebäude der 'Mühlevorstadt' wurde auch dieses stattliche Haus nach der verheerenden Brandkatastrophe vom 26. September 1865 wieder van Grund auf neu gebaut. Im Gegensatz zu allen anderen Gebäuden in der heutigen Mühltorstraße erhielt es einen malerischen Zwerchgiebel über der Eingangstüre. Sicherlich würde man heutzutage die schön im Jugendstil verglasten Fenster im Mittelbereich nicht mehr, wie leider geschehen, entfernen. Verschwunden sind natûrlich auch die zwei Bäumchen am Eingang. Als Besitzer des Anwesens gibt sich Franz Graf mit seiner Familie zu erkennen. Von 1897

bis 1934leitete Graf als Stadtschultheiß die Geschicke der Stadt Wurzach. An der Stelle des Nachbarhauses rechts war dereinst der Brand von 1865 ausgebrochen und hatte die beiden Besitzer Josef und

Alois Knittel vorübergehend obdachlos gemacht (Bd. II Nr.24).

32 Ein Wurzacher Original besonderer Prägung war der 'Mösle'. Als alleinstehender Junggeselle bewohnte er nahe der Ach am Weg zum Achberg einen windschief zusammengenagelten, im Inneren ziemlich verräucherten Schuppen. Darauf prangte das Schild: 'Vorsicht Legbüchsen!' Seine Leidenschaft war es, allerhand Gerümpel vom nahen Wurzacher Müllplatz aufzusammeln. In und um seine Hütte stapelten sich haufenweise die von wohlhabenderen Bürgern für mehr oder weniger wertlos gehaltenen Dinge. Seine Samrnlung wurde deshalb mit der Zeit zu einer wahren Fundgrube für Leute, die in Haus und Hof etwas reparieren

oder basteln wollten. Mösle verdiente sich damit einen Teil setnes sehr bescheidenen Lebensunterhaltes. Neben einem Hausierhandel verrichtete er auch Gelegenheitsarbeiten, wie z.B. auf

nem Fahrrad mit dem ûbergroßen Gepäckträger am Vorderrad daherfuhr.

dem Foto, als er sich als Schneeschipper in der Mühltorstraße verdingte. Daß ihm die Arbeit wohl nicht so schnell ausging, zeigt das Schneetreiben. Unvergeßlich, wie der hagere Mann auf sei-

33 In einer Stadt, deren Siedlungsraum durch die Stadtmauer eingeengt war und deren Gebäude deshalb recht dicht beieinander standen, war von jeher eine funktionsfähige Organisation des Feuerlöschwesens unerläßlieh. In den Stadtstatuten von 1613 finden sich z.B. klare Vorschriften zur Verhütung von Feuersbrünsten und gegebenenfalls Verhaltensregeln zu deren Eindämmung. Einen großen Fortschritt in dieser Richtung brachte die Anschaffung einer Feuerspritze aus Memmingen im Iahre 1697, mit der die Löscheimerketten am Brandobjekt wirksamer zum Löschen umgesetzt werden konnten. 1711 wurde eine zweite Spritze be-

schafft. Eine diente nun als Stadt- die andere als Landspritze. Erstaunlich ist, daß diese Spritzen bis ins Iahr 1910 ihren Dienst getan haben, bevor sie an Schlossermeister Baur verkauft

wurden. Auf dem Foto steht die Stadtspritze auf dem Platz vor der 'Stampfe'.

34 Fast drei [ahrzehnte lang gehörte der Zimmereibetrieb von Urban Böckeler, zwischen Alter Straße und Leutkircher Straße gelegen, um die Jahrhundertwende mit zu den größten Unternehmungen in Wurzach (Bd. II Nr. 28). Sein Dampfsägewerk vergrößerte er laufend. So baute er z.B. 1907 ein neues Kesselhaus oder ließ 1909 eine Acetylenbeleuchtung in sein Werk installieren. Auf dem Gruppenfoto sehen wir Urban Böckeler mit Vollbart und Hut inmitten eines Teiles seiner Belegschaft. Breitäxte, Wald- und Spannsäge, Winkel und andere Werkzeuge weisen eindeutig auf den Beruf des Zimmermannes hin. Die Männer ließen sich je-

doch nicht in ihrer Arbeitskleidung fotografieren. sondern das Bild wurde im Atelier des Fotografen aufgenommen. Bierfaß und zwei bedienende Frauen zeigen vtelmehr, daß es sich hier

wohl um ein Erinnerungsfoto anläßlich eines Aufrichtschmauses handeln muß. In der Tat reihte sich mit großer Wahrscheinlichkeit der Bauherr selbst in die Gruppe mit ein. Bei dem Mann rechts

handelt es sich nämlich vermutlich um Torfmeister Iosef Mahler, der sich im Iahr 1903 ein Haus in der Ravensburger Straße erbaute.

35 Eine besonders reizende Totalansicht von Wurzach hat im [ahre 1905 Eugen Felle aus Isny gestaltet. Vom 'Hohen Rain' all Weg auf das Ziegelbacher Greut schweift hier unser Blick aus südwestlicher Richtung über die Stadt, aus deren Häusergewirr das herrschaftliche Schloß und die pfarrkirche St. Verena herausragen. Am südlichen Stadtrand erkennen wir nicht nur den Holzverarbeitungsbetrieb von Urban Böckeler und das Fischerhaus, sondern auf den heute überbauten Ziegelwiesen sehen wir auch einen Schäfer mit seiner Herde. Das ist durchaus nicht nur als malerische Auflockerung zu verstehen, denn den

Realberechtigten stand das Schafweiderecht zu, das 1853 auf die Stadt selbst überging. Außerdem besaß auch die Herrschaft Wurzach Weiderechte auf ihren Grundstükken, die sie ab 1870 an den

Stadtschäfer verpachtete. Bis ins 18. [ahrhundert stand hier in den Ziegelwiesen der städtische Ziegelstadel, in dem die benötigten Banmaterialien vom Mauerstein bis zum Dachziegel gebrannt wurden.

Verlag van Alois Waibel, Wurzach.

WURZACH

36 Neben der Jagd spielte sowohl für die Stadt Wurzach als auch für die Herrschaft die Fischereiwirtschaft immer schon eine große Rolle. Bekannt war z.B. der Reichtum an Edelkrebsen in der Wurzacher Ach, weshalb die Stadt bis heute einen Krebs in ihrem Wappen führt. Leider fielen die Krebsbestände ab 1878 einer eingeschleppten Pilzseuche zum Opfer. Neben 1039 Krebsen wurden im ersten Halbjahr 1741 an der herrschaftlichen Tafel aber auch Karpfen, Hechte, Forellen, Schleien und Aland verzehrt. Zur Betreuung der herrschaftlichen Gewässer wurde ein Hoffischer angestellt, dem ein bescheidenes Fachwerkhaus südlich der

Stadt einsam in der Nähe der Ach gelegen als Wohnhaus diente (links im Bild). Als Fischer waren vorwiegend Mitglieder der Familie Engel tätig. 'Achschneider' wurden sie auch genannt, weil sie die

Aufgabe harten, jedes [ahr die Ach auszumähen, um dem trägen Achwasser einen besseren Abfluß zu ermöglichen. Das alte Fischerhaus an der Leutkireher Straße wurde 1993 abgebrochen. Rechts er-

kennen wir die Häuschen an der Ach, die Zimmermeister Urban Böckeler in den [ahren 1901-1903 erbauthat.

3 7 Ein sehr guter Zeichner war Malermeister Fridolin Müller, der am 4. Juli 1879 in Kisslegg geboren wurde. Um 1910 ließ er sich in Wurzach nieder und bezog in der Leutkircher Straße das schöne Haus, das Maurermeister Lorenz Schick sich 1866 erbaut hatte. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, war er noch ledig, weshalb er im Alter von 35 jahren zum Militär eingezogen wurde und als Landwehrmann ins Elsaß kam. Dort begann der jahrelange Stellungs- und Schützengrabenkrieg, der viel Kraft, Nerven und Durchhaltevermögen verlangte, zeitweise aber auch zehrende Langeweile bedeutete. Aus dieser Situation heraus hat Fridolin Mül-

Ier zu Zerehenstift und Feder gegriffen und viele hervorragende Skizzen aufkleinen Feldpostkarten geschaffen, die uns die verheerenden Folgen der Kampfhandlungen vor Augen führen. 36 solcher Karten aus den [ahren 1915 bis 1918 sind von ihm erhalten geblieben. Das Portraitfoto, in Mühlhausen aufgenommen, zeigt ihn als Landwehrmann. Fridolin Müller starb am 27. Juni 1947, und das stilvolle Haus soll demnächst abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.

381mjahre 1856 wurde die bisherige Wegführung in Richtung Leutkirch aufgegeben und ein neues Straßenstück angelegt, das in der Niederung den Windungen der Ach folgte. Die' Alte Straße' erinnert an diesen Vorgang. Deutlich erkennt man auf dieser Aufnahme die Straßenbiegung beim ehemaligen 'Käskeller', Die Alleebäume waren zum Zeitpunkt der Aufnahme noch nicht hoch gewachsen, so daß auf der Anhöhe die Gottesbergkapelle sichtbar wird. Außerdem wies die Ach damals auf dieser Strecke überhaupt keinen Uferbewuchs auf. Hier hat sich einmal ausnahmsweise der Fotograf selbst mit auf die 'Platte' bannen lassen.

Stolz hält er das aufgestellte Stativ mit seiner Kamera. Es handelt sich hier laut Aufdruck auf der Karte um Michael Hauber, der die Postkarte auch verlegt hat, Bemerkenswert ist am Stra-

Benrand auch der langgestreckte Kieshaufen für die Straßenpfiege. Foto um 1912.

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