Bad Wurzach in alten Ansichten Band 3

Bad Wurzach in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Otto Frisch
Gemeente
:   Bad Wurzach
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6016-2
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Bad Wurzach in alten Ansichten Band 3'

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39 Ein schönes Dokument in Gestalt einer Federzeich nung Ludwig Walthers van 1888 stellt die Ansicht des Gottesberges vorn Achtal aus dar. Wáhrend die Wallfahrtskirche mit dem Bruderhaus von der Anhöhe heruntergrüßt, erkennen wir auf der Straße in der Achniederung eine Postkutsche auf dem Weg von Leutkirch in Richtung Wurzach. Die Postkutsche hat hier gerade die Niedermühle passiert und nähert sich der scharfen Straßenbiegung beim ehemaligen 'Käskeller', der beim letzten Ausbau der Straße verschwunden ist. Deutlich zu erkennen ist auf dieser Ansicht auch, daß die Kapelle auf dem Gottesberg damals

noch nicht so dicht von hohen Bäumen umstanden war wie heute und damit ihre ursprüngliche 'Signalwirkung' für die sich nahenden Wallfahrer viel augenfálliger zur Wirkung bringen konnte.

40 Ein früher in den oberschwäbischen Städten pfullendorf, Mengen und Wurzach verbreiteter spätgotischer Haustyp war das 'Zwillingshaus' . Dabei handelte es sich um Gebäude, bei denen sich sozusagen 'zwei Halbhäuser unter einem gemeinsamen Dach' vereinigten. Um ein solches Gebäude handelte es sich auch bei dem hier vorgestellten Haus in der Schloßstraße, das schon rein äußerlich durch die beiden getrennten Eingangstüren auffällt. Allerdings wurde die rechte Türe erst eingebaut, als 1923 der Konsumverein dort einen Kaufladen einrichtete, der 192 7 von Alois Huber übernommen wurde (Bd. I Nr.

27). Alois Huber hatte vorher mit Heu gehandelt, als er noch an der Memminger Straße in der Nachbarschaft des Iägerhauses ein kleines Haus bewohnte. Da er auch noch nach 1927 seinen Heu-

handel aufrecht erhielt, wurde er nur 'der Heuhuber' genannt. Hier steht sein Auto, Marke Wanderer, vor dem Haus zu einer Fahrt bereit. Ein Neubau von 1983 steht heute an dieser Stelle.

41 Auch in den alten engen Ladenlokalen früherer [ahrzehnte war die Auswahl an Waren für den Kunden erstaunlich groß. Das zeigt uns diese Innenaufnahme der Handlung von Alois Huber. Hier steht Frau Huber am Verkaufstresen, während eine Gehilfin sich auf einer Bockleiter an den deckenhohen Warenregalen zu schaffen macht. Von losen und abgepackten Lebensmitteln aller Art bis hin zu Gewürzen, Rauchwaren, Spirituosen, Waschmitteln und Schuhcreme reichte das Angebot. Selbstbedienung war jedoch ausgeschlossen, so daß hier z.B. Frau Huber sehr viele Waren lose auf der bereitstehenden Waage abwiegen

mußte und in Papiertüten verpackt über den Ladentisch gab. Für Kinder besonders verloekend waren die ganz vorne aufgebauten Gläser mit den bunten Süßigkeiten. Als Frau Huber 1956 gestorben

war, führte ihre langjährige Gehilfin Rosa Kirchmann, genannt 'Samba-Ros!', den Laden noch eine Zeitlang, nun als Filiale des ehemaligen Konkurrenzgeschäftes Hauber, weiter.

42 Im Anzeiger von Wurzach ist am 10. April 1909 folgende Annonce zu finden: 'JosefSchley, Maler empfiehlt sich in Anfertigung von Iebensgrossen Portraits (in schw. Kreide ausgeführt) von der kleinsten Photographie abgenommen unter Garantie größter Ähnlichkeit, bei billigsten Preisen. Schaukasten:

In Wurzach unterm Tor beim Bären. - Zahlreiche Anerkennungen stehen zu Diensten.' Schley schuf so eine eigenartige Mischung zwischen Foto und Kreidezeichnung. Hier hat er vermutlich posthum nach einem Foto das sogenannte 'Beckenmichele' portraitiert. Es handelt sich um Franz Xaver Mayer, der am 12. Februar 1831 als Sohn des

Kronenwirtes geboren war und als Bauer das Anwesen in dem Zwillingshaus am Marktplatz besaß, in dem sich heute die Marienapotheke befindet. Franz Xaver Mayer starb am 10. Mai 1885. Der Hausname läßt sich bis ins [ahr 1647 zurückverfolgen,

in dem ein 'Michel Spenli genannt Bökhen-Michele' in den Ratsprotokollen erscheint (Bd. I Nr. 29).

43 Eine eigene Gruppierung innerhalb der Bürgerschaft von Wurzach waren früher und sind es zum Teil heute noch die Bewohner des 'politischen Winkels'. Hier haben sich einige Anwohner vor dem Haus von Schlossermeister Karl Bam eingefunden, um sich mit einigen offensichtlich einquartierten Manöversoldaten zu einem Erinnerungsfoto zu gruppieren. Die Rekruten weisen sich durch ihre Instrumente als Angehörige einer Militärkapelle aus. Namentlich bekannt als Bewohner des 'politischen Winkels' sind folgende Personen: Ganz links steht die Frau von Rechenmacher Küchle (Bd. II Nr. 44), mit Motorrad stellt

sich Theodor Baur vor und neben ihm seine Mutter Franziska geborene Welte von Kisslegg. In der Mitte steht mit Hut Schlossermeister Karl Bam, rechts von ihm, also zu seiner Linken, sitzt Sophie

Bam, später verheiratete Fassnacht. Ganz rechts außen ist vermutlich die Frau von Mehlhändler Müller zu erkennen (Bd. I Nr. 31). Foto urn 1911.

44 Dieses Haus im 'politischen Winkel' besteht zwar heute noch, aber man hat sein Aussehen 1976 total verändert. Deutlich tritt auf dem Foto hier noch der ursprüngliche Charakter des Hauses hervor, der von dem Vollwalmdach und den symmetrisch angeordneten Fensterachsen geprägt war. Die zwei aufgesetzten Dachgaupen sind Zutaten aus dem vergangenen jahrhundert. Bei ihrem Aufbau hielt man sich aber streng an eben diese Achsen. Die Firmenaufschrift kündet noch davon, daß hier Kar! Baur 1871 seine Schlosserei einrichtete. Ein kleinerer Zusatz zwischen den Fenstern darüber verrät uns aber, daß zum Zeitpunkt der Aufnahme

als Nachfolger schon Josef Baur den Betrieb übernommen hatte. Die Reklameaufschriften an den Zwerchgiebelchen verraten uns weiter die vielseitigen Angeboten des Geschäftes: 'Patent-

Herde u. Baköfen - Blitzableiter, Öfen, Waschkessel'. In vielen Haushalten Wurzachs kochte man damals auf 'Baur-Herden' .

45 Einst betrieb der Rotgerber Meinberger in diesem Haus an der Marktstraße an der Einmündung zur heutigen Brunnengasse seine Gerberei. Ein ausschlaggebender Gesichtspunkt zum Betrieb seines Gewerbes war sicherlich die Nähe zum Achfluß. Auf dem Foto ist das Anwesen aber schon in anderen Besitz übergegangen. Die Aufschrift gibt darüber Auskunft: 'Herren- & Damenfriseurgeschäft van Hans Andelfinger'. Wir erkennen den Meister in weißem Arbeitsmantel im Geschäftseingang stehend. Als es noch verbreiter war, daß man bei einem Todesfalle Haare des lieben Verstorbenen zu einem kunstvollen Haarbild verar-

beitete, da brachte mancher Kunde diese ins Friseurgeschäft Andelfinger, wo unter den geschickten Händen der Fachleute solche, heute recht raren Erinnerungsstücke entstanden. Bis heute ist die Tradition eines Friseursalons in dem Haus lebendig. Foto um 1925.

46 Ein Foto von einem Fenster des Ostflügels im Schloß aus aufgenommen zeigt uns das Wohnquartier an der heutigen Parkstraße noch im unveränderten Zustand der ersten jahrzehnte unseres jahrhunderts, Schon lange einem Neubau gewichen ist das landwirtschaftliche Anwesen von Bauer Riedle im Vordergrund. Der malerische Fachwerkbau in der Nachbarschaft rechts ist 1989 der Spitzhacke zum Opfer gefallen. Zwischen beiden Gebäuden wird ein Teil der langgezogenen ehemaligen Poststallungen der ersten Poststation im Bären sichtbar. Sowohl in diesem Gebäude als auch in der Ostfront des Bären steckte ein gutes Stück

der alten Stadtmauer, die 1993 zusammen mit weiteren Gebäuden, die rechts vom Kirchturm sichtbar werden, abgerissen und anschließend durch Neubauten ersetzt worden sind. Auch das

große Ökonomiegebäude des Klosters Maria Rosengarten links im Hintergrund mußte 1994 dem geplanten Neubau eines Gäste- und Bürgerhauses weichen. Foto: Xaver Sonntag.

47 Unmittelbar bei den bescheidenen Häuschen am Entenmoos erbaute sich Maurermeister Alois Hartmann (Bd. IINr. 50) 1906 dieses stattliche Haus im Stil seiner Zeit. Mit seinen soliden, handwerklich sauber ausgeführten Bauten prägte er in den [ahrzehnten nach derJahrhundertwende,nachdem er sich 1906 selbständig gemacht hatte, nicht nur Bûrgerhäuser sondern auch so manches öffentliche Gebäude. Dazu zählt z.B. die Schule an der Mernminger Straße von 1911/12. Vor dem Haus steht Theresia Hartmann, die Tochter des Hauses. Sie heiratete später Anton Seebold (Bd. II Nr. 47, 48). Leider existiert die hüb-

sche Dachgaupe heute nicht mehr. Auch die beiden Bäumchen an der Treppe gehören der Vergangenheit an. Aufnahme um 1925.

48 Einen sehr romantisch anmutenden Eindruck macht diese Aufnahme mit der heutigen Parkstraße und dem Entenmoos am Eingang zum Kurpark. Zur Zeit der Fotoaufnahme konnte allerdings noch niemand ahnen, daß man 1948 im Gebäude der ehemaligen Möbelschreinerei Weiser, das in der Bildmitte mit seinen Jugendstilelementen von 1908 zu erkennen ist, das 'Städtische Moobad' einrichten würde. Ebensowenig war damals zu ahnen, daß 1949 auch der Kurpark angelegt und der Stadt Wurzach 1950 der Titel 'Bad' verliehen werden würde. In der Zwischenzeit ging natürlich die Entwicklung weiter, und der Betrieb

im 'Städtischen Moobad' ist schon lange zugunsten von größeren und moderneren Kureinrichtungen stillgelegt worden. Im 'Entenrnoos' aber (links im Bild) hat sich in den letzten Iahren eine be-

merkenswert stilvolle Sanierung der ursprünglich ärmlichen Häuschen für Bedienstete der Wurzacher Herrschaft durchgesetzt. So ist ein sozialgeschichtliches Dokument der Vergangenheit

erhalten geblieben. Verlag:

Alois Waibel, Wurzach.

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