Bad Wurzach in alten Ansichten Band 3

Bad Wurzach in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Otto Frisch
Gemeente
:   Bad Wurzach
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6016-2
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Bad Wurzach in alten Ansichten Band 3'

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49 Das 'Untere Tor' an der Ach (Bd. I Nr. 39, Bd. II Nr. 52) gab der Altstadt gegen Osten bis 1940 Schutz und vermittelte auch optisch noch ein gewisses Gefühl der Geborgenheit. So empfand es auch der sensible Sepp MahIer, der nach dem Torabbruch feststellte, daß von da an ein 'eiskalter Wind' durch das Städtchen wehte. Im Laufe der [ahrhunderte sah das Tor wohl nicht nur so friedliche Szenen wie hier das Ochsengespann oder in früheren Zeiten jeden Morgen das Vieh der Bürger, das vom Hirten auf die Weideflächen getrieben wurde. Seit 1678 ritt auch regelmäßig der Postreiter hier durch, und ab 1746 rasselten täglich die Räder

der Postkutsche über das Pflaster in der Toreinfahrt. Laut Datumsrein (heute im Rathaus eingelassen) wurden 1528 Baumaßnahmen am Tor durchgeführt. Zu unbekannter Zeit, wohl in der zweiten Hälfte des 18. [ahrhunderts, brannte das Untere Tor wahrscheinlich im oberen Teil aus, so daß es bis auf einen niedrigen Stumpfmit einer kleinen Wohnung über der Durchfahrt abgetragen wurde.

50 Außerhalb der Stadtmauer hart an der Ach ließ die Stadt eigens ein Waschund Backhäuschen errichten, um der Feuersgefahr zu steuern. Am 6. April 1708 wurde es mit seinen zwei Back-und zwei Waschöfen in Betrieb genommen. Fast 250 jahre lang diente es von da an seinem Zweck. Viele Wurzacher Hausfrauen nahmen die gebotenen Gelegenheiten hier an der Ach wahr und benützten auch fleißig die Waschstegein 'Klein-Venedig'. Im [ahr 1871 ließ die Stadt dann noch gegen Osten der Ach zu ein Waag- und Eichhaus anfügen. Als das Backhaus allmählich immer weniger benützt wurde, diente das kleine Gebäude an der Bach-

gasse noch als bescheidene Wohnung für die 'alte Sautere'. 1953 wurde das malerische Back-und Wachhäuschen an der Ach von der Stadt endgültig aufgegeben und abgerissen.

51 Seit dem 29. April 1863 unterrichteten die Armen Schulschwestern Unserer Lieben Frau, die nun die Gebäude des ehemaligen Terziarinnenklosters Maria Rosengarten übernahmen, nicht nur die schulpflichtigen Mädchen in Wurzach, sondern sie betrieben auch ein Mädcheninternat mit Mittelschule und für Hauswirtschaftsschülerinnen (Bd. I Nr. 47,48; Bd. IINr. 54). Am 1. Dezember 1893 eröffneten sie außerdem innerhalb ihres Institutsbetriebes eine Privatarbeitsschule für schulentlassene Mädchen aus der Stadt und ihrer Umgebung. Bei einem monatlichen Schulgeld von einer Mark und einer täglichen Unterrichts-

zeit von drei Stunden konnten die Mädchen Weißnähen, Zuschneiden, Flicken usw. erlernen. Beliebt war auch das 'Rosengarten-Kochbuch', das in drei Auflagen erschienen ist. In vielen Wurzacher

Haushalten wurde danach gekocht. Aufnahme des Winterkurses 1913-1914.

52 Im ehemaligen Terziarinnenkloster Maria Rosengarten treffen wir auf die schönste Hauskapelle weit und breit. Sie wurde 1717 eingebaut und 1763 im Rokokostil erneuert. Auf dem vorliegenden Foto erkennen wir jedoch an vielen Stellen die dem Stil der Kapelle widersprechenden Elemente des Kunstgeschmackes aus der zweiten Hälfte des 19. Iahrhunderts. Zu nennen ist da in erster linie das Altarbild. Ebenso war aber auch der Bilderschmuck an Decke, Wänden und in den Fensternischen der damaligen Auffassung angeglichen. Seit den verschiedenen Restaurierungen der Kapelle insbesondere ab 1956 erstrahlt sie jedoch

wieder im ehemaligen Glanz der Rokokozeit. Es war ein Glück, daß der alte Bilderbestand für Altar und Decke nicht weggegeben worden ist. Allerdings ist bei den Erneuerungsarbeiten das rei-

zende, mit ausgesägten runden Sitzlehnen versehene Chorgestühl aufgegeben worden. Foto: Xaver Sonntag wohl1913.

53 Eine seltene Innenaufnahme der Wurzacher Pfarrkirche St. Verena um 1915 zeigt uns den Ausstattungsbestand der damaligen Zeit. Die Kirche, 177 5-1777 im frühklassizistischen Stil erbaut, wurde 1877 zumjubiläum gründlich renoviert. Dabei entfernte man z.B. teilweise den ûberkommenen Figurenbestand aus der Erbauungszeit und ersetzte ihn durch Plastiken im Stil der Nazarener. Hier erkennen wir an den Seitenaltären diese Bildwerke. Zum Glück wurden die meisten klassizistischen Kunstwerke aufbewahrt, so daß sie bei der erneuten Restaurierung der Kirche 1923 wieder zu Ehren kamen. Leider wurden dann bei den

letzten Restaurierungen in den sechziger Jahren die schönen Bankdoeken ebenso entfernt wie das Zifferblatt der Uhr über dem Aufgang zum Priesterchor. Auch die Kommunionbank ist damals

entfernt und das Chorgestühl verändertworden.

54 Im nordöstlichen Teil des Kirchhofes steht die sogenannte Seelenkapelle. Pfarrer joharm Nepomuk von Kalb, der pfarrherr unter dessen Federführung die pfarrkirche erbaut wurde, ließ sie sich 177 4 zur persönlichen Grablege erbauen, weshalb er unter dem Gebäude eine Gruft einrichten ließ. Dort findet sich in der Tat heute noch sein Grab, während der Gedenkstein an ihn auf diesem Foto noch links der Eingangstüre eingelassen ist. Weil die Franziskanerinnen vom nahen Kloster Maria Rosengarten einen namhaften Geldbetrag zum Neubau der Kirche zur Verfügung stellten, räumte Kalb den Schwestern das Recht ein, ihre

verstorbenen Mitschwestern in dieser Gruft bestatten zu dürfen. Dies geschieht heute noch. 1888/89 wurde der Dachstuhl der Kapelle verändert. Leider wurde die schön durch Blendnischen gegliederte Fassade der Kapelle 1972/7 3 aufgegeben. Bei der erst kürzlich erfolgten Instandsetzung wurden im Inneren auch Relikte einer klassizistischen Architekturmalerei freigelegt.

55 Im Iahre 1936 wurden im Anzeiger von Wurzach Memoiren des alteingesessenen Wurzacher Bürgers Anton Zehrlaut veröffentlicht. Darin schildert er z.B. den Brand des Gasthofes zum Rößle am 5. September 1887. In dieser Publikation wird auch eine alte lithographie vorgestellt, die als einziges damals noch erhaltenes Exemplar das Rößle in der Gestalt zeigte, wie es vor dem geschilderten Brand ausgesehen hat. Von der schlechten Reproduktion wurde von Maria Frisch 1970 eine Replik als Federzeichnung angefertigt, die hier vorgestellt wird. Das Bild zeigt den stattlichen Gasthofin seiner barocken Gestalt, die er nach

einem Brand von 1736 erhalten hatte. Die Fensterreihe im Obergeschoß zeigt an, daß hier der Saal des Gasthofes zu suchen war. Typisch für die Charakteristik der Häusergestaltung in der Vorstadt wa-

ren besonders die Voll- und Halbwalmdächer.

56 Ein Handelsreisender modernerer Prägung war Otto Leute. Mit seinem Motorrad ließ er sich etwa um 1910 vom Fotografen ablichten. Er verhandelte Textilien aus dem Manufakturwarengeschäft von Xaver Kahler. Xaver Kohler betrieb nämlich auch als Rößlewirt das überkommene Geschäft weiter (Bd, I Nr. SS). Otto Leute war der Bruder der damaligen Rößlewirtin. Schon 1846 hatte der Leineweber [osef Kohler bei der Stadt um die Erlaubnis angehalten, ob er neben seinen eigenen Baumwollfabrikaten auch fremde Fabrikate seines Gewerbes handeln dürfe. Der Wurzacher Rat begrüßte damals zwar diese Eingabe, da Koh-

Ier seine Waren viel wohlfeiIer als die zwei anderen Krämer in der Stadt anbot, aber er lehnte das Gesuch eben mit Rücksicht auf diese ab. Als Iosef Kahler aber 1849 den Gasthof 'Zum Rößle' er-

worben hatte, richtete er dort sein Manufakturwarengeschäft ungehindert ein.

57 Am 23. Juli 1823 lösten sich aufBeschluß der zuständigen Bürgervertreter die ländlichen Gemeindeteile vom Stadtverband Wurzach ab und bildeten die Gemeinde Gospoldshofen. Ein fester Tagungsort für die Gospoldshofer Gemeinderäte fehlte aber zunächst. Im jahre 1909 konnte die Gemeinde von Gastwirt Kohler einen Bauplatz ganz in der Nähe des Hotels Rößle erwerben. Dort wurde noch im gleichen [ahr ein sehr hübsches Rathaus im Stil der damaligen Zeit erbaut. Nun stand für die weit zerstreuten Gemeindeteile endlich ein zentrales Haus zur Verfügung. Nach dem Umsturz 1945 diente das Gospoldshofer Rathaus

bis 1948 der UNRRA, der Flüchtlingsorganisation der UNO, als Amtssitz. Im August 1968 wurden die größten Teile des Gebäudes abgetragen. Daraufwurde ein Neubau errichtet, der seit der

Wiedereingliederung Gospoldshofens in den Stadrverband von Bad Wurzach 1973 zum Sitz der Ortsverwaltung Gospoldshofen geworden ist.

58 Groß war die Freude in der ganzen Stadt, als am Feste Kreuzerhöhung, dem 14. September 1921, den Patres des Salvatorianerordens Haus und Kapelle auf dem Gottesberg zur Betreuung der alten Wallfahrtstätte von der Kirchengemeinde zur Verfügung gestellt werden konnte. Seit der Säkularisierung der kleinen Paulanerbrüdergemeinschaft dort im [ahre 1806 war nämlich die Wallfahrt auf den Gottesberg, die seit 1709 bestanden hatte, allmählich immer mehr eingeschlafen. Die Fotoaufnahme zeigt es deutlich, wie groß die Anteilnahme der Stadtbevölkerung war, als man die neuen Hausbewohner in feierlicher Prozession auf den Gottesberg

hinaufbegleitete und das Ereignis in einem würdigen Gottesdienst im Freien beging. In der Tat waren die Erwartungen der Wurzacher berechtigt, brachten doch die Salvatorianer die Wallfahrt

wieder zum Blühen. Foto:

Xaver Sonntag, 14. September 1921.

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