Bensheim in alten Ansichten Band 1

Bensheim in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Martin Hellriegel
Gemeente
:   Bensheim
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4783-5
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Bensheim in alten Ansichten Band 1'

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EINLEITUNG

Die ältesten Bilder dieses Bandes sind um 1880 entstanden. Damals gehörte Bensheim zum Großherzogtum Hessen. Großherzog war Ludwig IV., der 1892 starb. Sein Sohn und Nachfolger Ernst Ludwig, ein fortschrittlicher Fürst, förderte in besonderem Maße die Künste. Er war der Landesherr, der nach der Revolution von 1918 in seiner bisherigen Residenzstadt bleiben durfte. Die jüngsten Bilder sind um 1930 entstanden. In diesen fünfzig Jahren von 1880 bis 1930 war Bensheim eine der 18 hessischen Kreisstädte. Das damalige Land Hessen hatte drei Provinzen, nämlich: Starken burg mit der Landeshauptstadt Darmstadt, eingeteilt in 7 Kreise; Rheinhessen mit der Provinzhauptstadt Mainz, eingeteilt in 5 Kreise; und Oberhessen mit der Provinzhauptstadt Gießen, eingeteilt in 6 Kreise.

Bensheim an der Bergstraße ist heute eine Stadt mit etwa 34 000 Einwohnern. Zur Stadt Bensheim gehören mehrere Orte, die früher selbständig waren. Im Jahre 1939 wurden die Orte Auerbach, Schönberg und Zell zwangsweise eingemeindet. Bei der Gebietsreform kam es 1970 zu freiwilligen Vereinbarungen über die Eingemeindung mit den Dörfern Schwanheim und Langwaden und 1971 mit den Gemeinden Fehlheim, Gronau, Hochstädten und Wilmshausen. In dieses Büchlein sind keine Bilder von den eingemeindeten Dörfern aufgenommen worden, weil man dem umfangreichen Bildmaterial aus den verschiedenen Orten, aber auch den kulturellen Werten mit unterschiedlichen geschichtlichen Hintergründen nur in einem besonderen Band gerecht werden kann; denn denselben Regionalherren hatten die Orte erst seit 1806. Die Gemeinden Auerbach, Hochstädten, Langwaden und Schwanheim gehörten schon lange zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Bensheim und Fehlheim waren bis 1802 kurmainzisch, und Schönberg, Gronau, Wilmshausen und Zell gehörten bis 1806 zur Grafschaft Erbach-Schönberg. 1806 wurde der damalige hessische Landgraf Ludwig X. Großherzog und nannte sich Großherzog Ludewig I.

Zahlreiche Bodenfunde beweisen, daß der Bergsträßer

Raum uraltes Siedlungsgebiet ist, Die Bergstraße ist die an der westlichen Seite des Odenwaldes entlanglaufende Straße, die als ausgebaute Trasse mit Pflasterung seit etwa 100 n. Chr. nachweisbar ist. Ungefähr 4 km westlich des heutigen Bensheims entstand in fränkischer Zeit das Kloster Lorseh, das die besondere Gunst des Königshauses genoß. Es wurde im Jahre 772, mit besonderen Privilegien ausgestattet und königsunmittelbares Kloster. Mit vielen Schenkungen bedacht, entwickelte sich die Abtei zu einem bedeutenden Faktor im Frankenreich. Die einzelnen Schenkungen wurden im 'Codex Laureshamensis' aufgezeichnet. In der drittältesten Urkunde des Codex wird Bensheim erwähnt. Damals, am 20. April 765, schenkte Uodo, der Sohn des Lando, dem Kloster um seines Seelenheiles willen bedeutende Liegenschaften in Bensheim. Nach der Schenkung der Heppenheimer Mark im Jahre 773 besaß das Kloster auch das Verwaltungsrecht für Bensheim. Otto I. verlieh auf die Fürsprache seiner Gemahlin Adelheid hin im Jahre 956 dem Lorscher Abt das Marktrecht für Bensheim .

Im 12. Jahrhundert verlor das Kloster immer mehr Ansehen und Einfluß und im folgenden Jahrhundert auch das Privileg eines reichsunmittelbaren Fürstentums. Das Kloster wurde dem Erzbischof von Mainz unterstellt, der die Benediktiner vertrieb und das Kloster schließlich mit Prämonstratensern besetzte. Die beim Kloster verbliebenen Ländereien hatten ab 1232 als neuen Regionalherren den Erzbischof von Mainz. Als dann um das Jahr 1300 die rheinischen Kurfürsten (Pfalz, Mainz, Trier, Köln) mit dem deutschen König Albrecht, dem Sohn Rudolfs von Habsburg, in Streit gerieten (Rheinischer Zollkrieg), wurde Bensheim 1301 knapp drei Wochen belagert, danach erobert und weitgehend zerstört. Der Wiederaufbau ging schnell voran, denn bereits im Jahre 1320 erneuerte der Mainzer Kurfürst und Erzbischof Peter von Aspelt die Stadtrechte.

Beim Streit der Mainzer Erzbischöfe Diether von Isenburg und Adolf von Nassau verpfändete Diether die kurmainzische Bergstraße im Jahr 1461, gegen 100000 Gulden an die

Pfalz. Als bei einem Erbstreit zwischen den verschiedenen Wittelsbachern der Pfalzgraf von Kaiser Maximilian 1. mit der Reichsacht belegt wurde, erschienen 1504 die Hessen vor den Toren der Stadt. Die unbefestigten pfälzischen Ortschaften in der Umgebung wurden zerstört. Bensheim verteidigte sich so, daß der Landgraf nach elf Tagen wieder abzog. Mit dem Dreißigjährigen Krieg kam viel Not und Elend über die Bewohner der Stadt. Vor den neuen Feuerwaffen boten die alten Stadtmauern nur wenig Schutz. Je nach Kriegsglück besetzten die verschiedensten Truppen der kriegführenden Mächte Bensheim. Kriegsfolgen und die großen Seuchen verursachten eine starke Dezimierung der Einwohnerschaft.

Nach dem Ende des Kriegs zahlte Mainz, das schon während des Kriegs in Bensheim Fuß gefaßt hatte, die 100 000 Gulden zurück, und Bensheim kam wieder zu Kurmainz. Damit waren aber die Plagen für die Bevölkerung nicht beendet. Im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts kamen mehrmals französische Truppen an die Bergstraße (Zerstörung von Mannheim, Heidelberg und Worms und des Auerbacher Schlosses). Schlimm war auch die Zeit Ende des 18.1Anfang des 19. Jahrhunderts, als die verschiedensten Truppen hier aufmarschierten, manchmal auch länger blieben und Kontributionen erpreßten.

Mit dem Reichsdeputationshauptschluß von 1803 wurde Bensheim hessiseh. Die Hessen marschierten aber bereits 1802 von Auerbach aus in Bensheim ein. Es war eine unblutige Eroberung. Hessen hatte zunächst 1799 einen Neutralitätsvertrag mit Frankreich abgeschlossen, trat aber dann dern Rheinbund bei. Im Bunde mit Frankreich mußte Hessen an all den folgenden Kriegen Napoleons teilnehmen. Nach der Schlacht bei Hanau schloß Hessen einen Vertrag mit den gegen Frankreich verbündeten Staaten. Hessische Truppen mußten dann 1814/15 gegen die Soldaten ihres bisherigen Verbündeten kämpfen.

In den Revolutionsjahren 1848/49 gärte es auch in Bensheirn, In einern Flugblatt vom 13. April 1848 heißt es: 'Wir,

die Bürger, haben bisher leider weit mehr als nötig war, die Überzeugung erlangt, daß unsere seitherigen Gemeindevorstände Joh. Traupel, Arzberger, Voß, F.J. Hainz, Mohr und v. Gries alle Rechte der Bürger mit Füßen getreten, Personen und Eigenturn verletzt, jede rechtfiche Bestrebung der Bürger in Bezug auf ehrlichen Gemeindehaushalt gehemmt haben.' Die Unruhen nahmen jedoch nicht das Ausmaß des Aufruhrs im benachbanen Baden an. Im Bruderkrieg von 1866 standen die Hessen auf der Seite Österreichs und mußten sich deshalb nach Preußens Sieg in die neue Gestaltung der Dinge fügen. Aber Hessen-Darmstadt blieb als Gliedstaat des 1871 gegründeten Deutschen Reiches bestehen, während Kurhessen und das Herzogturn Nassau den expansiven Bestrebungen Preußens zum Opfer fielen. Auch die freie Stadt Frankfurt wurde preußisch, Die hessischen Großherzöge hatten von Anfang an viele Kunstbestrebungen in ihrem Land gefördert. Ernst Ludwig machte seine Hauptstadt Darmstadt zu einem Zentrum des Jugendstils (Darmstädter Sezession). Ein Mann, den der Großherzog besonders schätzte, war der Architekt Heinrich Metzendorf, dem er auch den Professorentitel verlieh. Damit sind wir in der Zeit angelangt, aus der die Bilder dieses Bändchens stammen.

Der Streifzug durch die Geschichte war notwendig, um das, was folgt, richtig verstehen zu können. Nichts steht beziehungslos für sich allein. Vielfältige Verflechtungen landschaftlicher und historischer Gegebenheiten, Eigentümlichkeiten des Brauchtums und der Mentalität der Bevölkerung beeinflussen den Weg von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft.

Bensheim, im März 1989

Martin Hellriegel

~ ;ßensheim a. d.~. -

,Marktplatz m. ~athqaus.

1. Das alte Rathaus. Der Marktplatz ist der Mittelpunkt des bürgerlichen Lebens der Gemeinde. Hier werden, wie der Name sagt, die Märkte abgehalten. Es war aber auch der Platz, auf dem früher das Rathaus stand. Das alte Bensheimer Rathaus von 1780 wurde um die Mitte des vorigen Jahrhunderts urngebaut und am 25. August 1856 'am hohen Namensfeste Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs' (Ludwig lIl.) eingeweiht. Das Gebäude auf der rechten Seite neben dem Rathaus ist die Mehlwaage. Auf dem Marktplatz steht noch der alte Marktbrunnen. Die Brunnensäule trug als besonderen Schmuck oben eine Glaskugel, die bei einem Erdbeben im Jahr 1871 herunterfiel und zersprang.

2. Der neue Marktbrunnen. Im Jahre 1895 bekam der Marktplatz einen neuen Brunnen. üben auf dem Brunnenaufbau steht der heilige Georg, der in Bensheim Schorsch heißt; er ist Kirchen- und Stadtpatron. Das alte Rathaus hatte bauliche Mängel. Es war nicht mehr repräsentativ für die Stadt und entsprach um die Jahrhundertwende nicht meh; den Erfordernissen der damaligen Zeit. Hinter dem Rathaus ist der Turm der katholischen Pfarrkirche St. Georg zu se.ren. Schon 772 wurde dem Kloster Lorsch eine Kirche in Bensheim geschenkt. Sie war dem heiligen Michael geweiht und stand oberhalb des Lauterbaches .

3. Dr. Ignaz Frenay, erster besoldeter Bürgermeister der Stadt Bensheim. Nachdem der letzte ehrenamtliche Bürgermeister Aloys van Gries am 22. März 1902 gestorben war, beschloß der Gemeinderat am 18. Juni die Einführung der Städteordnung. Am 14. Oktober 1902 wählte Bensheim seine Stadtverordneten. Die Stadtverordnetenversammlung schrieb die BürgermeistersteIle aus. Es meldeten sich 31 Bewerber. Die Stadtverordnetenversammlung wählte am 2. Dezember einstimmig den Mainzer Rechtsanwalt und Landtagsabgeordneten Dr. Ignaz Frenay zum ersten besoldeten Bürgermeister der Stadt Bensheim (nach Dr. Rudolf Angermeier, '25 Jahre Städteordnungin der Stadt Bensheirn' ,1928).

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Ben.heim a. Bgstr.

Marttplatz mit RatIlaus.

4. Der Marktplatz mit dem neuen Rathaus, 1907. Heinrich Metzendorf erhielt im Jahre 1903 den Auftrag, das Rathaus umzubauen. Dieses neugestaltete Gebäude mit der Jugendstilfassade wurde am 10. Juli 1904 nach einem Festgottesdienst in der Pfarrkirche feierlich eingeweiht. Bürgermeister Frenay sagte damals bei seiner Ansprache: 'Handelt es sich doch heute darum, der städtischen Verwaltung ein neues Heim zu überweisen, das ihr die Möglichkeit gewähren soll, den mit der Einführung der Städteordnung hervorgetretenen Bedürfnissen zu entsprechen.' (Starkenburger Bote Nr. 81 vom 12. Juli 1904.)

BEN8HEIM

a. d. Bergstrasae.

Rathaus-Sltzu ngssaa Entwurf: Prol H<h Metzendor!.

5. Der Sitzungssaal im Rathaus, 1907. Die Kosten für den Rathausbau waren erheblich höher als veranschlagt, deshalb wurde eine Sammlung für die Ausschmückung des Rathaussaales veranstaltet. Im Sitzungssaal hing das Bild von Kaiser Wilhelm Il. und ein Gemälde 'Bensheim nach Merian' von dem Kunstmaler Bahner, der damals in Bensheim wohnte. Außerdem stand im Sitzungssaal eine Büste des Großherzogs Ernst Ludwig (nicht im Bild) von Ludwig Habich. Kaiserbild und Ernst-Ludwig-Büste befinden sich heute im Museum der Stadt Bensheim.

6. Wochenmarkt auf dem Marktplatz nach der Jahrhundertwende. Im Jahre 956 verlieh Otto 1. auf die Fürsprache seiner Gemahlin Adelheid hin dem Abt Gerbodo von Lorsch das Marktrecht für Bensheim. Wie die Märkte damals abgehalten wurden, wissen wir nicht. Jedenfalls waren es keine Jahrmärkte, wie wir sie kennen. Im späten Mittelalter gab es in Bensheim zwei Jahrmärkte: den Georgsmarkt und den Martinsmarkt. Außerdem wurde ein Wochenmarkt abgehalten. Im Jahre 1619 verlieh Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz (der Winterkönig) der Stadt Bensheim der Ägidimarkt (heute Winzerfestrnarkt), 1829 stiftete Großherzog Ludewig 1. von Hessen den Sebastiansmarkt (heute Fastnachtsmarkt).

24750 Bensheim a. d, B.

7. Die Südseite des Marktplatzes. Auf der Südseite des Marktplatzes dominiert das Haus Kurtz, das hier als verputztes Fachwerkhaus mit Krüppelwalmdach und dem fünfseitigen Erker zu sehen ist. Heute ist das Fachwerk des ehemaligen Gasthauses freigelegt. Der Gasthof hatte einst 22 gehimmelte Betten. Die geräumigen Stallungen boten bis zu dreißig Fuhrwerken Unterkunft. Auf der Tafel am Erker ist die Inschrift: WER GOTT VERTRAVDTI HAT WOLGEBAVDT.I WILHELM. KVRTZ.I KATARINA. S.E.H.F (seine eheliche Hausfrau), darunter sind zwei Wappen (Hausmarken) und die Jahreszahl 1615 angebracht. Rechts neben dem Kurtzschen Haus sehen wir die Kolonialwarenhandlung von Heinrich Fleck, die ehemalige Fleischschranne.

8. Die Fleischschranne. Im Erdgeschoß des Hauses, das wir auf dem vorigen Bild noch verputzt gesehen haben, war früher die Fleischschranne. In der 'Stadtordnung' (nach 1514) heißt es: 'Die Metzler sollen alles Fleisch unter die Schranne tragen, keines daheim behalten noch in ihren Häusern feilhalten oder außerhalb der Stadt verkaufen ... ' Das stattliche Haus wurde um 1500 gebaut. Die Sanierung des Gebäudes, bei der das Fachwerk freigelegt wurde , und das Erdgeschoß einen massiven Ausbau erhielt, geschah nach Planung von Professor Heinrich Metzendorfim Jahre 1923.

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