Berlin - Friedrichshagen in alten Ansichten Band 1

Berlin - Friedrichshagen in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Albert Burkhardt
Gemeente
:   Berlin
Provincie
:   Berlin
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6028-5
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Berlin - Friedrichshagen in alten Ansichten Band 1'

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8 Im nächsten Haus, Nr. 65, ist heute ein Jugendklub mit Café eingerichtet. Hier praktizierte von 1877 bis zu seinem Tod im Iahre 1912 Dr. Max Jacoby, der als Armen-, Bade-, Unfall- und Schularzt in die Ortsgeschichte eingegangen ist. Das Foto zeigt ihn etwa 1910, unter der Kutsche lief manchmal seine Dogge mit. Wenn ihm, dem Sanitätsrat, Kinder zuriefen: "Iach, Onkel 'tàrsrat!', durften sie einsteigen und ihn ein Stück begleiten. In seiner Praxis war er leutselig und gemütlich, gleich per du, mit typischer 'Berliner Schnauze'. Arme Patienten besuchte und behandelte er nicht nur umsonst, er aß bei ihnen Kartoffeln und Hering mit und legte zehn

Mark dafür auf den Tisch. An den beliebten Arzt erinnert ein Gedenkstein im Kurpark, dessen Anlage ebenfalls auf seine Anregung zurückging.

9 Im November 1891 war das schwedischc Schrifistellerehepaar Ola Hanssen (186Ü-1925) und Laura Marholm (1854-1928) nach Friedrichshagen gekommen. Hansson, ein feinsinniger Schilderer des Schicksals junger Frauen, wurde in seiner Heimat als unsittlicher Autor angeprangert und boykottiert, so daß er seine Existenz gefàhrdet sah, Hier wurde ihm nun die tatkräftige Unterstützung seiner Kollegen von der schreibenden Zunft zuteil. Im Iahr darauf erging es August Strindberg (18491912) in Schweden ganz ähnlich, Als er wegen kritischer Dramen und Romane in Acht und Bann geriet, harten gerade seine Landsleute Ver-

ständnis für ihn und ermöglichten ihm die Übersiedlung hierher. Das Strindbergbild starrunt aus Laura Marholms Buch 'Wir Frauen und unsere Dichter', 2.Auflage (1896).

] 0 Im Haus Lindenallee 2 (heute 20) rechts unten bezog Strindberg am 30. September] 892 eine möblierte Wohlmng mit Arbeitszimmer, Schlafzimmer und Küche, für ihn vorbereitet vom Ehepaar Hansson-Marholm, das den linken Gebäudeteil ein Iahr lang bewohnte. Zunächst fühlte sich Strindberg geborgen, doch zog er, überempfindlich und an Verfolgungswahn leidend, sechs Wochen später nach Berlin und kehrte nach unruhigen [ahren l 898 in seine Heimat zurück. Das Haus, ] 885 im nachklassizistischen Stil erbaut und ] 99] sorgfáltig restauriert, ist sicherlich die einzige erhaltene

Wolmstätte des großen schwedischen Nationaldichters in Deutschland.

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11 Im Sommer 1899 gruppierte sich der Friedrichshagener Dichterkreis am Waldrand für den Fotografen Carl Spohr, den Bruder des Schriftstellers. Stehend, von links nach rechts: Wilhelm Bölsche (1861-1939), Bruno Wille (1860-1928), Wijhelm Spohr (1868-1959, Feinmechaniker, dann Journalist und Schriftsteller), Minna Spohr (1869-1958), AlbertWeidner (1871-1946,Bnchdrucke~ Redakteur) , Franziska Weidner (1873-1915) mitSohn Hans (1896-1980), ein llngarischer Flüchtling und Auguste Wille (1856-192 9). Sitzend: Gustav Landauer (1870-1919, Schriftsteller, Politiker ), Charlotte Landauer (1894-1927), dahinter Hele-

ne Spohr (1896-1952),Johanna Bölsche (1863 -1923) mit Solm Carl (1899-1977), Elli Weidner (1892-1944), vorn im Wagen Erich Weidner (1894-um 1967).

12 Unzertrennlich wie auf der Zeichnung von Bruno Paul (1900) waren die Brüder Julius (links) und Heinrich Hart auch im Leben: Heinrteli 1855 in Wesel geboren, Iulius 1859 in Münster, waren sie

ab 1881 ständig in Berlin und folgten 1 89 I ihren Freunden Bölsche und Wille hierher. wo sie dann mit ihnen den Kern des Dichterkreises bildeten. Iulius heiratete 1893 in Friedrichshagen die Lehrerin Martha Mangelsdorff die 1910 in Wilhelmshagen starb, als die Familie nochmals einige Iahre im Müggelland lebte. Auf dem Gruppenbild fehlen sie, da sie wieder in Berlin wohnten, Heinrich ab 1895, Julius ab 1896 (oder 1897). Sie waren fleißige Literatur- und vor

allem Theaterkritiker. Heinrich erlag 1906 einem Krebsleiden. Iulius konnte 1930 auf eine 50jährige Tätigkeit als Kritiker im Berliner Theaterleben zurückblicken, was gebührend gefeiert wurde. Im

gleichen Iahr starb er in Berlin-Zehlendorf wo sich auf dem Friedhof Onkel- TomStraße sein Elrrengrab befindet.

[3 Der bürgerliche Name dieses Künstlers war Hugo Höppener, hier ein Bild von 1902. 1868 in Lübeck geboren, begann er 1887 sein Studium der Malerei in München. Schon nach drei Monaten unterbrach er es, um sich dem Maler und Naturapostel Karl Wilhelm Diefenbach als Schüler anzuschließen,

der mit seiner Familie in selbstgewählter Einsamkeit bei HöHriegelskreuth im lsartallebte. Diefenbachs hartnákkige Freikörperkultur führte damals zu Denunziationen und Haftstrafen. Als Hugo Höppener einmal für seinen erkrankten Lehrer zehn Tage Gefängnishaft absaß, belohnte ihn dieser mit dem lateinischen 'Klosternamen' Fidus,

zu deutsch: der Getreue. Der damit Ausgezeichnete führte ihn sein Leben lang als KunstIernamen und wurde dann um 1900 als einer der aktivsten Maler und Grafiker des Jugendstils weithin bekannt. 1907 ließ er sich in Woltersdorfbei Erkner nieder, wo er 1948 starb und wo sein von ihm selbst entworfenes Wo11l1- undAtelierhaus, Kópenicker Straße 46, unter Denkmalschutz steht.

14 Nach einem Besuch bei Wilhelm Spohr im [ahre 1902 woIlte Fidus auch gern hier walmen. Die Villa Amalia, Kurze Straße 21 (Am Goldmannpark 1 ] , Bild von

1990), war gerade hei. Das schmucke Häuschen mit der Hermesplastik im Giebeldreieek gehörte dem Arzt Dr. Iacoby, der jedoch warnte: 'Ich will keine Miete haben, Sie werden sowieso wieder ausziehen. Es spukt dort derartig, daß bisher alle Mieter fluchtartig entwiehen sind,' Gerade das reizte Fidus. Am ersten Abend steIlte er sich im Haus hin und sprach fcicrilch: 'Ihr lieben Geister. laßt mich hier wohnen. Ich tue euch nichts. Tut mir auch nichts!' Hin und wieder gab es nun ein leises Poltern, einen Schatten, einen wandernden Lichtschein, das war alles, und Fidus sagte neugierigen Besuchern nur: 'Es wird langweilig, dem Spuk

fällt nichts Neues mehr ein,' Doch etwas Neues kam noch. Maria Lucke war zu Gast, ein bekanntes Medium bei spiritistischen Sitzungen. Eines Morgens berichtete sie, wie etwas ihr die Ringe von den Fingern zog und sie in der Stube herumkullerten. Sie habe den 'Geistern' zugerufen 'Ihr könnt hier nicht bleibent und sie aus dem Haus und auf dem Weg zur Gartentür hinausgeleitet. Nun war tatsàchlich Ruhe irn Haus, das Fidus dann ein Iahr später verließ.

15 Fidus war auch ein schöpferischer Erneuerer der Buchkunst. Alle Schmuckelemente, von Einband, Vorsatz, Titelei und Schriftart bis zur Schlußvignette, paßte er dem Inhalt eines Buches so gut an, daß eine künstlerische Einheit entstand. In dieser damals neuen Form gestaltete er Bücher angesehener Verlage, darunter einige seiner Friedrichshagener Freunde. So wirkt der Lyrikband "Iriumph des Lebens' (1898), der [ulius Hart auf der Höhe seines Schaffens zeigt und von Fidus künstlerisch durchkomponiert ist, wie ein Werk aus einem Guß. Ebenso souverän erweist sich Fidus als Gestalter und Illustrator von Bruno Willes Roman 'Offenbarun-

gen des Wacholderbaums'

(1 901). Das Müggelsee- und Müggelbergemotiv zeichnete Fidus etwa 1903 allerdings nicht zu einem Buch, sondern als Schmuck für Wilhelm Bólsches Briefbogen.

16 Das Haus Bölschestraße 58 bietet 1995 fast denselben Anblick wie 1884, dem [ahr dieser Aufnahme, nur gibt es keine Vorgärten mehr, und die Apotheke wurde 1974 ins linke Nebenhaus Nr. 59 verlegt. Am I. jannar 1884 harte sie Louis Dornau von seinern Vorgänger Carl Heinrich Brockmann übernommen. Dornau steht am Eingang rnir seinem Sohn Wilhelm. der ihrn 1906 nachfolgte und den Namen Rathaus-Apotheke ins Handelsregister eintragen ließ, Dieser Name wird noch heute verwender und werst auf das schräg gegenüber stehende Friedrichshagener Rathaus hin.

17 Wir überqueren die Bólschestraße und stehen vor dem Haus Nr. 86 mit der einstigen Hofbuchdruckerei. Albert Kunzke ließ nämlich auf dem Hof 1899 ein Gebäude mit einer leistungsfähigen Druckerei errichten, wo dann der 'Fûhrer durch Friedrichshagen', die Adreßbücher, die 'Niederbarnimer Zeitung' usw. hergestellt wurden. Kunzke - hier um 1905 auf dem Balkon- war 1889 in die Firma eingetreten, führte ab i89 7 Druckerei und Verlag allein weiter, mußte sich aber 1906 wegen seiner angegriffenen Gesundheit aus dem Geschäftsleben zurückziehen. Das populäre Lokalblatt bchlelt seinen Namen, auch als Friedrichshagen ab

1910 nichts mehr mit dem Kreis Niederbarnim zu tun harte. 1928 war endlich der neue Name da: 'Groß-Berliner Ost-Zeitung'. Sie erschien noch bis 1943. Die Zeitungsjahrgänge (ab 1886) sind

heute eine erstklassige Quelle für Historiker und Heimatforscher.

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