Berlin - Friedrichshagen in alten Ansichten Band 1

Berlin - Friedrichshagen in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Albert Burkhardt
Gemeente
:   Berlin
Provincie
:   Berlin
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6028-5
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Berlin - Friedrichshagen in alten Ansichten Band 1'

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38 Unser Blick gleitet die Scharnweberstraße entlang in Richtung Norden (Bild um 1920). Nach 1860 wuchs Friedrichshagen über die Dorfstraße hinaus. So entstanden Parallel- und Querstraßen, die um 1871 Namen erhielten: von Nord nach Süd die Wilhelmstraße (Peter- Hille-Straße) und die Schatriweberstraße, später Ahornallee und Kaiserstraße

(Bruno- Wille-Straße), dazu die kürzeren Querstraßen. Im Gegensatz zur belebten Bölschestraße geht es auf der Scharnweberstraße mit ihrem historischen pflaster noch immer ruhig und beschaulich zu. Benannt wurde sie nach Georg Scharnweber, der rela-

tiv lange, von 1843 bis 1891, als Landrat des Kreises Niederbarnim fungierte.

Fa

39 Wer es italienisch mag, der kommt im Ristorante Pizzeria 'Aqua Vi va', Scharnweberstraße 80, ganz gewiß auf seine Kosten. Die Fassade nach der Renovierung rosa getüncht, so lädt das Haus jetzt ein, seiner Tradition getreu. Hundert [ahre lang hieß es 'Rolandseck' , auch dieser Name weit hergeholt, von dem bekarmten Vorsprung des Rheinufers bei Remagen, doch wirkte er etwas fremd. Als 1906 Ludwig Mereier (unser Bild) das Restaurant übernahm, hieß es bald nur noch: 'Also wieder bei Mercier!' (gesprochen 'rnerßjeh'] Dort gab es ja Rollmöpse mit Schleppe! Wie bitte? Na, mit viel Remouladensoße drüber!

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~ FRIEDRICHSHAGEN, .,.. -,

Scharnweberstr. 80. Telephon 166

40 NachWilles Roman 'Offenbarungen des Wacholderbaums' nannte sich der Freundeskreis, in dem am 10. [anuar 1921 auch Bölsches 60. Geburtstag gefeiert werden sollte, 'Wacholdrio'. Fidus hatte diese Einladung gezeichnet, Wilhelm Spohr alles Weitere vorbereitet, und 'bei Mercier' verbrachte dann der Gast aus Schreiberhau seinen Ehrentag in froher Runde. Am 14. [anuar schrieb er: 'Lieber Spohr! Eben fidel hierher zurückgekehrt, möchte ich Dir (auch im Namen von Johanna) noch einmal herzlichen Dank für den reizenden Abend in Friedrichshagen sagen ... Jedenfalls bewegen sich in meiner nachtverhangenen Erinnerung allerhand dunkle

Bilder lukullischer Extravaganzen ... Ich habe lange keine so restlos lustigen Stunden mehr verlebt und stehe heute noch unter dem ganzen Eindruck ... '

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10.':;anuor 1921

(ZeJchnung von Fld:.:sl

41 Mühlen waren für Gemeinden lebensnotwendig. Eine direkt am Müggelsee mußte beim Bau des Hotels und Restaurants 'Bellevue' weichen, und diese um 1900 noch als Ruine aufgenommene auf einem Sandhügel an der Seestraße zwischen Friedr ich- und Wilhelmstraße wurde am 24. März ebenfalls abgerissen. Da es eine Holländermühle war (die Galerie mit den Flügeln war in den Wind drehbar), hieß der Ietzte Müller 'Hollander- Lerche'. Es gab hier so viele 'Lercheri'. daß Beinamen nötig waren, um zu wissen, welche(r) gemeint war. Schließlich erinnert der Straßenname Hahns Mühle an die einst noch weiter westlich an der Spree ste-

hende Schneidemühle des Köpenicker Zimmermeisters Wilhelm Hahn.

42 Mit diesern Bild von etwa 1930 ist das Südende der Hauptstraße erreicht. Wer dennoch weiterging, landete im Brauereiausschank am Müggelsee oder, rechts davon, im 'Bráustübl'. Vielleicht zog man aber eine Einkehr im 'Gesellschaftshaus' (ganz rechts) vor? Dann war man im ehemaligen Krughaus von 1 753, das zu Conrads Fcstsälen, später zum Gesellschaftshaus und um 1972 abgerissen wurde, schade drum. Nun das Gegenstück: Wo vor 1900 in 'Witwe Schulzes Bierhalleri' auch der ärgste Durst kapitulieren mußte, richtete bald danach August Witte sein Bräustübl ein, das die bewegten Zeiten gut überstanden hat und sich

nach gründlicher Renovierung im Februar 1994 mit Gambrinussaal, Braumeisterzimmer, Hopfenzupferstube und 120 Gartenplätzen den werten Gästen von nah und fern bestens empfiehlt.

43 Endlich ist die Elektrische da, aber die Fahrgäste präsentieren sich vor dem Einsteigen an einem Wintertag, etwa 1910, noch in aller Ruhe dem Fotografen, der auch den Triebwagen der Linie 5 (vom Bahnhofzur Fähre) aufgenommen har. Dahinter sehen wir wieder den Zugang zum Bräustübl, dazu ein Schild, das 'Große Ausspannung' verheifit. Sicher konnten erschöpfte Gäste einmal richtig ausspannen, aber dieser Hinweis bezog sich wohl mehr auf erschöpfte Gäule, die ausgespannt wurden, denn sie brauchten nicht weniger Erholung und Stärkung, und dazu war hier der rechte Ort und viel Platz. Um so bes-

ser sprangen die Hafermotoren an, wenn die Reise fortgesetzt werden sollte.

44 Am Müggelsee begann 1871 eine Quelle zu sprudeln: Bier! Nicht nur ausgeschenkt wurde nun der edle Gerstensaft, wie schon lange zuvor, sondern auch hergestellt, als Hermann Schäfer, der letzte Dorfschulze, seine 'Lindenbrauerei' gerade dort eröffnete, wo einmal mit Friedrichshagen alles angefangen hatte. 190 Iwurdc sie als erste deutsche Genossenschaftsbrauerei von den Gastwirten Berlins und der Urngebung übernommen und erhielt 1935 bei der erzwungenen Umwandlung in eine Aktiengesellschaft den Namen Berliner Bürgerbräu (unser Bild aus dieser Zeit).

Im Frühjahr 1992 wurde sie wieder übernommen, diesmal von der bayrischen Hofmarkbrauerei der Familie Häring. Hoch gehen jedesrnal die Wogen der guten Laune zwischen Marktplatz und

Müggelsee, wenn am ersten Oktobersonnabend das Brauerfest gefeiert wird.

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4-5 Ein solches Schauspiel darf man nicht versäumen:

Darum stehen die Jungen nach der Schule am Ufer des vereisten Müggelsees (Bild von I 935). Gespannt verfolgen sie die Manöver 'Fricdrichs des Großen'. Der Ausflugsdampfer, mit Zementsäcken statt der Deckaufbauten und Bänke in einen Eisbrecher verwandelt, soll einer Bierzille den Weg zur Brauerei balmen. damit sie Fässer laden und nach Treptow, Stralau usw. bringen kann. Ein [ohlen und Pleifen - das Dampter sitzt im Packeis fest! Mühsam ruckt er vor und zurück, immer noch einmal. Endlich ist die Rinne frei für den Kalm. Nun gibt es Beifall am ufer:

Bravo, 'Priedrich der Große':

46 Ausgerechnet die kleinste Straße trägt den Namen des Mannes, ohne den es Friedrichshagen gar nicht geben würde: die Pfeiffergasse. Johann Friedrich Pfeiffer (1718-1787) harte unter König Friedrich H. als Kriegsund Domänenrat geeignete Plätze auszuwählen und die Anlage von Siedlungen zu organisieren, auch im Falle der 'Spinnerkolonie bei Coepenick', die am 29. Mai 1753 gegründet und nach dem Monarchen benannt wurde. Die Pfeiffergasse, bis 1913 Spritzenweg, war der Weg von der Friedrichstraße und der Seestraße zur Spree, wo Löschwasser geholt wurde und wo man Besucher zum Köpenicker Spreeufer übersetzte. An der Fährstelle lag die Gaststätte 'Am grünen Strand der Spree' , die Karte zeigt sie urn ] no. Bis etwa I 960 fuhren Ausflugsschiffe hier ab,

dann wurde die Anlegestelle in den Müggelpark verlegt. Im Zusammenhang mit neuen Sudhäusern der Brauerei wurde der Zugang zum Wasser versperrt und die Pfeiffergasse dadurch noch kürzer. Übrig geblieben ist an der Ecke Müggelseedamm 'Kasa blanco - das Kneipenerlebnis ohne Manko.

Restaurant und Café .Zum grünen Strand der Spree". lnhabee : Adolf Seife.rt. Fried1chshaaen.

47 An einern Sommertag, etwa 1914, nähert sich die Fähre dem Friedrichshagener Ufer, gleich wird sie an der Pfeiffergasse festrnachen.

Als im Sommer 1894 die Fährleute mit ihren drei 200Personen-Kälmen, die gestakt wurden- ein Kahn hier, einer drüben, einer in der Mitte den Ansturm der Ausflüglermassen kaum noch bewáltigen konnten, beschloß die Gemeindevertretung den Einsatz einer Kettenfàhre. Am 7. Juli] 895 harte die Schinderei mit den schwerfälligen Kähnen ein Ende. Als Anmeb diente eine Dampfmaschine, später ein Benzinmotor. Sogar zwei Pferdewagen, hintereinander aufgefahren, konnten übersetzen. Sie fuhren drüben

los und sorgten dafür, daß 'Rûbezahl' und auch dem 'Prinzengarteri' das Bier nicht ausging.

Friedrichshagen

/'1üggelsee und Fähre.

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