Berlin - Friedrichshagen in alten Ansichten Band 1

Berlin - Friedrichshagen in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Albert Burkhardt
Gemeente
:   Berlin
Provincie
:   Berlin
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6028-5
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Berlin - Friedrichshagen in alten Ansichten Band 1'

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58 Wilhelm Bölsche, mit Namen und Wappen am Haus Müggelseedamm 254 reprà sentiert (Bild etwa 1935), schrieb arn 25. September 1907 in einem Brief, er habe 'cine kleine niedliche, durch besondere Fügung dargebotene Villa am Müggelsee (eines der wenigen noch dispontbeln Grundstücke dort) erworben'. Ein Glücksfall für den Dichter und Naturphilo sophen, der über sechzig Bücher schrieb und bei seinen Themen oft von Beobachtungen am Müggelsee ausging. In Köln geboren, war er eine rheinische Frohnatur und empfing hier hänfig Gäste, darunter den Naturforscher Ernst Haeckel und den Berliner Zoodirektor Ludwig Heck. 1918 zog er nach Schreiberhau im Riesengebirge, wo er 1939 starb. In einem Brief vorn 5. Januar

1938 heißt es: 'Ich war im

letzten Sommer auf der Durchreise nach Sylt einmal für ein paar Stunden still verträumt im alten lieben Fr iedrichshagen. Wollte niemand sehen, bloß einsam einmal wieder die alten Pilgerstationen abgehen ... Wie sehr aber ist alles noch beisammen aus Freud und Leid. Ich saß in Bellevue und sah die weißen Segel über die blaue Müggel gleiten - wie einst im Mai.' Name und Wappen sind nicht mehr vorhanden, dafür eine Gedenktafel, 1956 am Hauseingang angebracht, die bisher einzige, die noch an den Dichterkreis erinnert.

59 Es war im letzten Viertel des 19. Iahrhunderts: Die junge Reichshauptstadt wuchs und wuchs und mit ihr der Bedarf an Trinkwasser, Woher nehmen? Aus dem Müggelsee! So entstand am Ostrand Friedrichshagens aus roten Rathenower Klinkern, holländischen Dachpfannen und kupfernen Zinnen ein Wasserwerk. Stadtbaumeister Richard Schultze knüpfte an die dekorative Formenvielfalt der märkischen Backsteingotik an und fügte die Gebäude geschickt in den Kiefernwald am Seeufer ein. Das 1893 eingeweihte Werk war bis 1979 in Betrieb und wurde dann von dem nördlich angrenzenden Neubau abgelöst, und

seit 1991 wird auch kein Seewasser mehr aufbereitet, nur noch Grundwasser aus etwa 350 Tiefbrunnen.

Hier hat um 1920 ein lastkahn bei den Schöpfmaschinenhäusern festgemacht. Im

zweiten Haus von links wurde 1987 ein Museum eröffnet.

Fri dri hshaeen Berliner Wa erwerke.

60 Irn Iahre 1893 wurde neben dem Wasserwerk auch die 'Biologische und Fischereiversuchsstation Müggelsee' des Deutschen Fischerei - Vereins eröffnet. 1906 erhielt sie den Namen 'Kónigliches Institut für Binnenfischerci' und 1908 das hier gleich nach seiner Fertigstellung gezeichnete Gebäude. Bombentreffer am 24. Dezember 1943 htnterließen eine Ruine. Neu erstanden, setzte das Institut 1952 seine Arbeit fort. Genau vierzig [ahre später wurde es nach organisatorischer Urnstellung als 'Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei' neu ins Leben gerufen.

Östlich schließt sich eine weitere Einrichtung an, die Dienststelle Berlin des Bundesamtes für Strahlenschutz, ursprünglich eine Seezeichen- Versuchsstation von

1 91 3. Dann ist der Müggelsee

auf der allgemein beliebten Hochulerpromenade frei zugänglich.

61 'Et is mein fester Wille, ick koof mir eene Zille!' sang man in Berlin. Hier gleitet eine solche über den Müggelsee, vom Westwind geschoben, das Segel gebläht, um aus RüdersdorfNachschub heranzuholen. Kalk und Zement werden bei Herrn Carl Otto (Seestraße 8 - Müggelseedamm 130, Bild von 1898) nicht lange aufKäufer warten. der Bedarf ist groß. Kinderleicht ist die Fahrt vor dem Wind mit leerem Kahn. Und zurück, voll beladen, bei Flaute oder Gegenwind? Gestakt muß werden, das ist schwer genug mit Stangen, so lang wie die Zille selbst. Bequemer, aber teurer ist es im Zug zu dreien, vieren hinter einem Schleppdampfer. Stolz

Qa~l Ott~~ .

Ea 'J.ma te:riali.e:c.

ziehen sie dann an den mühsam Stakenden aufEinzelzillen mit schlappen Segeln vorbei. ..

---~~

Mauersteine, Rathenower Verblender,

R üdersdorferCement und KaJ.k,

Gips u. s. w.

Torfmull, Torfstreu,

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62 Ungeduldig warten sie darauf probieren schon einmal, vor allem die Kinder. Noch ein paar Nächte klirrender Frost, dann ist es überall herum: Das Eis halt! Volksfeststimmung in Friedrichshagen! Welche Freude, geradewegs über den See in die Müggelberge, viel kürzer als sonst, viel schöner! Segler fahren auch jetzt ihre Regatta, montieren das Boot auf ein Holzkreuz mit Kufen - und ab gellt die Post, bei Sturm in wenigen Minuten von Bellevue bis Rübezahl. In Scharen kommen Berliner heraus, wollen das Eisfest mitfeiern. profis laufen auf Schlittschuhen, sogar nach Erkner und weiter auf der Löcknitz bis

Alt - Buchhorst. Wie der Orts-

chronist Paul Ehlert versichert, waren 19 14 an einem Wintertag 80 000 Menschen auf dem Eis des Müggelsees. Unsere Karte wurde 1909 abgeschickt.

/

Eissport auf dem Iîlûçqetsee

63 Hat sich Rübezahl, der Berggeist des schlesischen Riesengebirges, einmal in diese Gegend verirrt? - Nein, hier ist er nicht herumgegeistert. Als der Wirt Streichhan vom Teufelssee- Restaurant um 1 890 für Wassersportler am Müggelseeufer ein Häuschen mit Ausschank errichten ließ, übertrug er das Lokal Carl Lange, einem entfernten Verwandten. Dieser, nicht mehr jung an Jahren, mit einem prächtigen Vollbart ausgestattet und rauh, aber herzlich bedienend, wurde als 'Urund Waldmensch am Müggelsee' wie sein Ausschank schnell populär. 'Also los,

zum ollen Rübezahl! riefen sich die Ruderer beirn Start zu und legten sich in die Rie-

men. Sie waren stets willkorn men, weniger die hier gezeigten 'Räuber von der Oberspree', die im September 1899 auch 'Rübezahl' heimsuchten, bevor sie aufNo, Sicher' kamen.

R~uber hl ben bol Wlnternacllt ~.

Dem Restaurant Rübezahl Besuch gemacht Nach vollbrachtem Dlebe.we~e r

VorlangtV'.le, dass derWlrh.e ~

.JArke. l Zahlungssorgen, Sie zechten gar lustig, ohn' Wohl oder Obel, der Wirt muute I

borgen. l abgefaut I

Bald aber wurden sie alle I Und auf lange Iahre nacll N~ .

gebracht l~ ( -, ~

Ver1ao v on~1 GU$ta v Mull" Re.tauf. RObozahl

CooPtalot.

64 'Rübezahl' florierte, der Vollbart ging in den Ruhestand - der Name blieb. Der neue Pächter Gustav Müller ersetzte den kleinen Ausscharik nach 1900 durch ein stattliches Haus (hier um 1910), das nun offiziell 'Rûbezahl' hieß und dem er bald einen Saalbau und eine Landungsbrücke hinzufügte. Das Ausflugslokal fand irnmer mehr Zuspruch. Im großen schattigen Garten harten mehrere rausend Gäste Platz. Es gab Vereinszimmer, Kegelbahnen, eine Ausspannung für die pferde von Kutschen und Kremsern. Auch die Kaffeeküche durfte nicht fehlen,

wo nach dem Motto verfahren wurde:

Der alte Brauch wird nicht gebrochen, / Hier können Familien Kaffee kochen'

65 Im [ahre 1921 übernahm Gustav Müllers Sohn Oskar die Gaststätte. Er war gut bekannt mit dem General der Flieger Christiansen, der dann Kommandant des damals größten Flugbootes der Welt wurde, der 'DO-X'. Das 1929 bei Domier in Friedrichshafen am Bodensee gebaute zwölfmotorige Wasserflugzeug ging am 24. Mai 1932 nach einemAmerikaflug mit ohrenbetäubendem Dröhnen auf dem Müggelsee nieder - Friedrichshagen hatte eine Sensation. Nach Rundflügen über Berlin an den folgenden Tagen machte es am 30. Mai an 'Rûbezahls' Landesteg test. Während es zahlreiche Bewunderer fand (unser Bild). waren der Kom-

mandant und die Besatzung Oskar Müllers Gäste.

Im [ahre 1944 wurde DO-X bei einem Fliegerangriff zerstört. 'Rübezahl', vom Krieg verschont geblieben, präsentiert sich den Gästen

seit 1977 in völlig neuem Gewand: als modeme Großgaststätte.

66 Wilhelm Prinz hätte es sich im Iahre 1908 wohl nicht träumen lassen, daß der Name seiner neuen Gaststätte - er hatte sie einfach nach sich selber 'Prinzengarten' genannt - einmal Anstoß erregen könnte und deshalb eine 'Müggelseeperle' daraus gemacht würde. Das geschah freilich erst nach 1945, denn bis dahin war das wie Nachbar 'Rûbezahl' vieJbesuchte Restaurant immer noch im Besitz eines 'Prinzcn', und zwar von Erwin Prinz, dem Sohn des Gründers.

Die urn 192.0 gezeichneten Gebäude stehen nicht mehr. 1981 wurde hier ein Neubauensemble mit Gaststätten und dem Hotel 'Müggelsee' eröffnet. Unverändert aber

führt der Weg direkt auf den Großen Müggelberg (115 m) und von dort der Kammweg zum Kleinen Müggelberg

(92. m) und hinab zum sagenumwobenen Teufelssee (ganz rechts).

67 Zwei Herren schreiten auf die Bismarckwarte in der Nähe des Großen Müggelberges zu (Karte von 1908). Gleieli betreten sie die Gedenkhalle und genießen dann von der Plattform in 29m Höhe die Aussicht über die Wälder und Seen des Müggellandes. Die Warte mit der Fassade aus Rüdersdorfer Kalksteinblöcken wurde am 16. Oktober 1904 eingeweiht. Sie ist 40 m hoch und trägt oben eine Feuerplattform. An nationalen Festtagen wird das Bauwerk zur riesigen Fackel, eine zwanzig Meter hohe Feuersäule steigt weithin leuchtend in den Nachthimmel empor.

Es war einmal- die Bismarckwarte diente im Zweiten

Weltkrieg militärischen Zweeleen und wurde im April 1945 gesprengt. Spurlos ist sie vom Waldboden verschwunden.

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