Boizenburg in alten Ansichten Band 3

Boizenburg in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Rudolf Wulff, Erika Will, Otto Jahnke, Helmut Rackwitz und Hermann Topp
Gemeente
:   Boizenburg
Provincie
:   Mecklenburg-Vorpommern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6440-5
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Boizenburg in alten Ansichten Band 3'

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Einleitung

'Boizenburg besitzt sogar den Reiz einer echten niederelbischen Kleinstadt. Das bedeutet keine große Zahl mittelalterlicher Baudenkmäler, keinen Reichtum an malerischen Winkeln, an Stadtmauern und Toren, keinen dramatischen Aufbau des Ortsbildes am Berghange. Das bedeutet wohl aber: gerade so viele historische Bauten, daß man sie recht in Ruhe betrachten und genießen kann; einen schönen großen Marktplatz, der Kirche und Rathaus wirkungsvoll zur Geltung bringt; namentlich aber eine wasserumschlossene altertümliche Wallbebauung mit herrlichem Baumbestand; und endlich der klare, übersichtliche, dabei keineswegs langweilige Grundriß einer Kolonialstadt, deren langsame und von Schicksalsschlägen oft beeinflußte Entwicklung sich noch heute in den Zügen des Stadtbildes ausprägt. Der Backstein gibt Boizenburg den ernsten und doch freundlichen, warmen und tiefen farbigen Grundzug, der auch andere Städte der NiedereIbe auszeichnet, hier aber noch ungemein bereichert wird durch die zahlreichen Fachwerkhäuser, die in der Altstadt unbedingt herrschende schöne Bauart.

Boizenburg - gebettet in das saftige Grün der Marschwiesen, unfern dem Elbstrom und gelehnt an den Höhenzug der bewaldeten Geest, vorgebaut in die Ebene, doch umkränzt von einem Gürtel kräftiger Baumreihen, geschlossen, aber nicht gedrängt, einfach in der Bauweise und dabei nicht arm an baulichem

Schmuck - dieses Boizenburg ist einer sorgfältigen Pflege seines Stadtbildes wohl wert.'

Dieses Stadtbild beschreibt Dr. E. Meier-Oberist aus Wandsbek in der Broschure 'Boizenburger Heimatblätter' im [ahre 1933 anläßlich des Heimattreffens aller Boizenburger.

Diese Wertschätzung Boizenburgs ist auch heute noch von Besuchern zu hören, die aufmerksam durch die Straßen der Stadt gehen. Die Pflege des Stadtbildes, wie es der Wunsch von Meier-Oberist war, lassen sich Boizenburgs Stadtväter bei ihrem Wollen um Sanierung der Altstadt gemeinsam mit einem Sanierungsträger nicht nehmen. Die Altstadt mit ihren historischen Bauten soll wieder in altem Glanz erstrahlen. Bisherige Erfolge lassen das Ergebnis späterer [ahre erahnen.

Der nunmehr vorliegende dritte Band historischer Ansichten Boizenburgs umfaßt wiederum zahlreiche Aufnahmen aus dem Stadtkern und den umliegenden Randgebieten.

Es handelt sich wie auch in den vorangehenden Bänden um Fotografien und Postkarten aus dem Zeitraum von 1880 bis 1930.

Neben den Beständen des Heimatmuseums konnten viele Leihgaben von verschiedenen Bürgern der Stadt und deren Umgebung aufgenommen werden.

Ein gebührender Dank geht an die Leihgeber: Peter Best (1), Anni Dahlenburg (2), Ursula Grant (5), Otto Frömke (2),

S. Gronow (1), Eli Harder (2), Ilse Häring (1), Christa Hartmann (1), lrmgard Haupt (5), luge Hiller (1), Monika Kaast (1), Anneliese Koop (3), Joachim Kletzin (2), Marie Müller (1),

H. Mundt (3), Erika Könnecke (1), Resi Rolfs (3), Alfred Schenk (7), Heinz Schröder (1), Traute Sigg (4), Willi Tennigkeit (2), Anni Wildemann (1), Erika Will (1), Erich Zell (1), Edeltraut Zimmermann (5), Fliesenwerke (1) undHeimatmuseum (19). Die Zusammenstellung der Aufnahmen und die textliche Gestaltung haben wiederum die Mitglieder der Arbeitsgruppe des Vereins der Boizenburger Museumsfreunde e. V. Otto [ahnke, Hermann Topp, Erika Will, Helmut Rackwitz und RudolfWulff besorgt.

1 Die St.-Marien-Kirche, ebenfalls dem Sankt Jakobus geweiht, hat im Laufe ihres Bestehens zwei schwere Zerstörungen erlebt. Im Dreißigjährigen Krieg explodierte 1627 darin gelagerte Munition. 1709 brannte sie beim großen Stadtbrand fast völlig nieder. 1725 wurde der barocke Neubau eingeweiht. Um 1860 erfolgte eine grundlegende Renovierung mit den Anbauten auf der Nord- und Südseite des Schiffes, die heute noch den hölzernen zweigeschossigen AItaraufsatz und die Kanzel aus dem barocken Bau beherbergen. Die Seitenkapellen am Turm wurden abgerissen. Es entstand ein dreischiffiger Langbau mit einer neugoti-

schen Innenausstattung. 1985 wurde ein Gemeindezentrum, ein Glasbau in der Kirche, eingeweiht. Die Kirche wird durch stattliche hohe Linden umrahmt. Davor erkennen wir auf dem Markt-

platz eine Pumpe, deren ehemaliger Standort noch heute durch eine Vertiefung in der Platzoberf1äche sichtbar ist. Bis 1 777 befand sich an der Kirche der Friedhof.

Boizenburg - Kirche

2 Mit diesem Blick vom Kirchturm erfaßte der Beobachter im Iahre 1909 das gesamte Ensemble um das barocke Rathaus und den Markt auf einmal. Die Linden, die die St.-Marien-Kirche umsäumen, sind noch nicht so hoch und gestatten diesen Blick. Zu den Bauten, die den Markt umgrenzen, gibt es in den nunmehr drei Bänden' .. .in alten Ansichten' genügend Erklärungen. Über die Dächer hinaus erhebt sich links die prachtvolle Lindenallee des Kurzen Walls. Hinter den Marschwiesen erkennt man den Flußlauf der Elbe. Heute würde man zwei Flußläufe wahrnehmen, denn vor der Elhe fließt nunmehr die Sude, deren Mündung aus Hoch-

wasserschutzgründen verlegt wurde und seit Herbst 1984 über ein Schöpfwerk in die Hafenmündung einmündet. Den alten Wanderweg zum ehemaligen Badestrand an der Elhe kann man nicht erken-

nen. Ganz im Hintergrund verlaufen die Höhenzüge der Lüneburger Heide.

Gruss aus Boizenburg a. EIbe

Bliek vom Kirchturm .- I

3 Ein würfelförmiger Stein aus grauem Granit mit einer eingehauenen Hand kennzeichnete einst die Hinrichtungsstätte auf dem Boizenburger Marktplatz. Dieser Stein ist leider seit einigen Jahrzehnten verschwunden. Daß es ihn tatsächlich gegeben hat, beweist eine von dem Boizenburger Fotografen Hans Karwatky (1886-1911) gemachte Aufnahme. Sie wurde für eine Ansichtskarte verwendet mit folgendem Text auf der Rückseite: 'Drei Hàu'n ligen an bläudigen Stein. / Hät stahlen dei Ein Dei tweit falsk swört / Dei Drüd hät sik taum Striet upbört / Dat möt sei hier betahlen. / Clas Karnpmann un sin scharpen Swert / Sei

wurt Gaud - Fred - Halft Wurt in Wert. / Dei Meister Clas Karnpmann / (Scharfrichter um 1650 in Boizenburg).'

4 Dieser Dachstuhlbrand im Boizen burger Rathaus ereignete sich im [ahre 1936. Interessant ist hier die ausgefahrene Drehleiter, auf deren Spitze der 'Steiger' Hans Schultz von der Boizenburger Feuerwehr in voller Aktion zu sehen ist. Aus einem Dokument des [ahres 1912 ist zu entnehmen, daß die Boizenburger Feuerwehr folgendermaßen organisiert war: Die Leitung der Wehr hatte ein Kommandeur, dem als Vertreter ein Adjutant zur Seite stand. Dem Rottmeister unterstand die Gruppe der Rottmänner. Der Rohrführer leitete die Gruppe der Rohrmänner. Und der Steiger war Gruppenführer der Steigermänner. Zur Wehr gehörten auch noch Samariter, die man heute als Sanitäter bezeichnet.

5 Das Wohn- und Geschäftshaus des jüdischen Kaufmanns Franz Wolff befand sich an der Ecke Königstraße und Kirchplatz. In seinem Textilgeschäft wurden auch Hüte umgepreßt. Sieben BoizenburgerTextilhändler warben zusammen mit den zwei jüdischen Kaufleuten Franz Wolff und Hugo Katz in der 'Elb-Zeitung' vom 1 2. August 1920 in einem gemeinsamen Inserat für den 'SommerAusverkauf zu bedeutend herabgesetzten Preisen'. Das beweist die Integration der jüdischen Mitbürger zur damaligen Zeit. 193 1 gab Franz Wolff sein Geschäft auf. Das Haus wurde zum sogenannten Stadthaus umgebaut. Jetzt befinden sich darin Büros der Stadtverwaltung.

6 Der Gasthof'Zum Kehrwieder' in der Kleinen Wallstraße Nr.

2 gehörte bis etwa 1904 Ernst Bohnhoff und wurde später von Ernst Brügmann - gestorben 1938 - übernommen. Diesem Gasthof war hinter dem Haus auch eine Mineralwasserfabrik angegliedert. 1929 wurde das Haus umgebaut. Im Erdgeschoß gab es links eine kleine und rechts eine große Gaststube. Links hinter dem Haus befand sich ein großer Eiskeller, der im Winter vom Wall her über eine Rutsche mit Eis gefüllt wurde. Die Gastwirte Boizenburgs holten sich hier im Sommer Eis für ihre Kühltruhen. Von Frau Brügmann wurden 1949 die Fabrik und 1950 die Gaststätte an den

Konsum verpachtet. Frau Brügmann verzog 1952 nach ihrer Wiederverheiratung aus Boizenburg. Die letzte Umgestaltung des Hauses erfolgte 1979.

7 Als Synagoge der jüdischen Gemeinde wurde das Haus in der Kleinen Wallstraße 7

(3. von links) 1799 errichtet. Den Umbau 1864 unterstützten der Großherzog mit 200 Talern und die Erbgroßherzogin mit SOTalern. Damals wurde an der Vorder- und Rückseite die jetzige Fassade vorgeblendet. Am 27. September 1864 erfolgte die feierliche Einweihung. Durch die Stadt zog ein Festzug mit Musik. Auf einem Kissen wurde der Synagogenschlüssel vorangetragen. Die Behörden der Stadt und des Amtes sowie der Landesrabbiner nahmen daran teil. Mit dem Schlüssel, den er vom Vorsteher der jüdischen Gemeinde erhielt, öffnete der Bürger-

meister die Synagogentür. Am 18. Februar 1892 wurde das Gebäude an die Freimaurerloge 'Vesta zu den 3 Türmen' verkauft. Nach dem Verbot der Freimaurerlogen 1934 diente es als Heimatmuseum und ab 1980 als Musikunterrichtskabinett. Seit Oktober 1993 gehört es wieder den Freimaurern.

8 Das Haus in der Baustmße 12 (rechts) gehörte Bernhard Cohn. Hierin lebte er mit seinerTochter Berta. Sie waren die letzten jüdischen Bürger Boizenburgs. Ihr Vorfahr Abraham David Cohn erhielt 1788 Schutzbrief und Handelskonzession. Er kaufte dieses Haus 1803 von dem Zimmergesellen Peter Nikolaus Mahnke. Erst 35 [ahre später erteilte die Großherzoglich-Mecklenburgische Landesregierung ihm die Genehmigung zum Erwerb des Gebäudes. Der letzte Cohnsche Eigentümer des Hauses, Bernhard Cohn, war Kaufmann. Als Kontrolleur des Vorschußvereins, der späteren Bank für Handwerk und Gewerbe, gehörte er zu dessen Vorstand. In der Zeit des Faschismus verließen Bernhard Cohn und seine Tochter die Stadt.

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