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Brome in alten Ansichten

Brome in alten Ansichten

Auteur
:   Andreas Reucher
Gemeente
:   Brome
Provincie
:   Niedersachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6533-4
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Brome in alten Ansichten'

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Einleitung

Geschichte hat in Brome Konjunktur. Das läßt sich nicht allein an dem anhaltenden Interesse am Museum Burg Brome ablesen; die Reihe der Museumsschriften zu Themen der Orts- und Regionalgeschichte erfreut sich ebenfalls großer Beliebtheit. Vor allem die jüngere Vergangenheit steht dabei hoch im Kurs, die vermittelt, wie die Generation der Eltern und Großeltern gelebt hat: Eine Zeit, die noch im Generationengedächtnis fortlebt und in den Fotoalben ein Stück weit erfahrbar bleibt. Daher haben die Mitarbeiter des Museums gern das Angebot des Verlages aufgegriffen, den Ort für die Zeit zwischen 1871 und 1933 in einem aufwendig gestalteten Buch anhand von Fotografien und begleitenden Texten zu präsentieren. Die Aufgabe, es zu verfassen, habe ich gern übernommen.

Zur Konzeption sind einige Hinweise nötig. Lokalgeschichtsschreibung tendiert dahin, eine idyllische, aber verlorene Lebenswelt zu zeichnen, die sich stark von den aktuellen Gegebenheiten unterscheidet. Dieser Blick wird der Vergangenheit kaum gerecht. Hauptanliegen des Buches sollte daher sein, den tiefgreifenden Wandel der ländlich-kleinbürgerlichen Lebenswelt darzustellen, die nicht viel gemein hatte mit dem statischen Topos einer ' guten alten Zeit', wie ihn besonders alte Fotografien vordergründig zu vermitteln scheinen. Dieser Wandel vollzog sich so grundlegend, daß kaum ein Bereich des Lebens unverändert blieb. Der begrenzte zur Verfügung stehende Umfang verlangte daher nach einer Re-

duktion der leitenden Perspektiven, um eine gewisse Geschlossenheit der Darstellung zu gewährleisten.

Die 38 Themen gruppieren sich nun um drei Hauptabschnitte. Die ersten neun Bilder (samt begleitenden Texten) führen grundlegende Perspektiven ein und bieten Einblicke in die historischen Epochen zwischen 1871 und 1933. Mit den Bildern 10 bis 24 geht der Blick auf die zunehmende Modernisierung des Ortes durch die Technik. Die Bilder 25 bis 37 schließlich skizzieren den sozialen Wandel am Ort, wie er von der Kirche als einflußreicher und genau beobachtender Institution wahrgenommen wurde. DreiAbschnitte, die die Darstellung begrenzen, aber dennoch einen breiten Blick auf eine vergangene, noch gar nicht so fremde Welt zulassen.

Das Buch richtet sich in erster Linie an die interessierte Bromer Bevölkerung, versucht aber gleichzeitig, mit den gegebenen Mitteln zwischen wissenschaftlichem Anspruch und Lokalchronistik zu vermitteln. Für ersteren steht ein separater, in das Buch einlegbarer wissenschaftlicher Apparat für diejenigen zur Verfügung, die an den Quellennachweisen und weiterführender Literatur interessiert sind. Er ist kostenlos zu beziehen über: Museum Burg Brome, Junkerende, 38465 Brome,Tel.: 05833/1820.

Ich widme dieses Buch Fritz Boldhaus, dem Gründer und Leiter des Museums: Als kleiner Dank für die unschätzbaren Lehrjahre und in der Hoffnung auf viele weitere [ahre der Zusammenarbeit.

1 Gegensätzliches - Zeitgleiches

Nachdem der Geograph undVolkskundler RichardAndree 1896 eine Forschungsreise in die Kreise Gifhorn und Isenhagen unternommen hatte, begeisterte er sich in der Zeitschrift des Vereins für Volkskunde über einen Landstrich, "wo es noch sehr viel zu erforschen giebt, wo man billig leben und sich an herrlichen Landschaftsbildern erfreuen kann". Ein Grund für diese Idylle sei die Abgeschiedenheit der Gegend, "die heute noch von keiner Eisenbahn berührt wird". Hier finde sich daher "keine Armut, kein Proletarier, kein Fabrikschornstein, nirgends Kulturschleim; nur alte defftige Art", weshalb für den Volkskundler reiche Ernte aufSchritt und Tritt zu machen sei, er daher die Region jüngeren Forschern sehr ans Herz lege: "Aber bald! denn auch für diese Oase naht der Thorschluss, eine Eisenbahn wird in nicht zu ferner Zeit den Kreis Isenhagen durchschneiden und dann - !"

Im gleichen [ahr veröffentlichte der Gutsbesitzer von Weyhe aus Fahrenhorst einen im Vorjahr in Brome gehaltenen Vortrag über "Kleinbahnen mit besonderer Berücksichtigung des Projectes Uelzen-Oebisfelde". Erst die Eisenbahn, so von Weyhe, führe dazu, aus dem abgelegenen Landstrich eine Oase zu machen:

"Daß eine Bahn einer Gegend unendliche Vortheile bringt, darüber sind wir uns ja alle klar, haben wir doch täglich Gelegenheit zu sehen, wie die Gegenden, welche so glücklich sind, von einer Bahn berührt zu werden, aufblühen und wie gut es den Leuten ergeht, welche es verstehen, Nutzen aus der Bahn zu ziehen."

In den Stellungnahmen verdichten sich auf eindrucksvolle Weise Stichworte, die im Folgenden immer wieder aufscheinen werden. Richard Andree konstruiert plakativeine heile Welt eine Idylle. Sie ergibt sich für den in der Tradition der Romantik stehenden Forseher aus dem Fortbestehen der Tradition, die er allerorts vorzufinden meint. Sein Blick in die Zukunft dagegen ist düster. Die Eisenbahn - so prophezeit Andree - werde das Einfallstor bieten für die Moderne, die er in Verbindung mit Armut, entwurzelter, großstädtischer Industriearbeit und kulturellem Verfall denkt. Er setzt die alte, heile Welt gegen die moderne, kaputte Welt. Von Weyhe hingegen konstruiert eine bessere Zukunft durch das Symbol der Moderne - die Eisenbahn. Seine Sicht nach vorn ergibt sich aus der Betrachtung einer Gegenwart, die nicht die beste aller möglichen darstellt, sondern durch Modernisierung erst zu dem werden kann, was sie sein sollte: Eine rundum lebenswerte Heimat.

Die Geschichten in diesem Buch spiegeln vielfältig - nirgends eindeutig - wider, was zu den Grundsignaturen dieser sich immer schneller verändernden Zeit zählte und die Menschen beschäftigte: Der Blick nach vorn in Verbindung mit Fortschritt oder Verfall, der Blick zurück auf eine bessere oder auch glücklicherweise überwundene Zeit, der Blick auf die Gegenwart als einer guten, geordneten und heilen oder als einer zerrütteten, bösen und kaputten Welt.

2 Perspektiven I: Die heile Welt

Die Bildquellen der Zeit dokumentieren meist die Sicht auf den Ort als eine heile Welt. Die nebenstehende Lithographie aus der Zeit um die Jahrhundertwende zeigt im wahrsten Sinne des Wortes eine Postkartenansicht von Brome: Gepflegte Bürgerhäuser begrenzen eine schmucke Hauptstraße, auf der die Menschen flanieren, wenn sie nicht gerade im "Concert-Zirnrner" der Gastwirtschaft von Friedrich Schaefer weilen. Die Postkarte, aufRechnung von eben diesem Schaefer hergestellt und für ihn werbend, soll im Kopf der Betrachtenden ein Bild hinterlassen, das schön, ausgewogen und makellos ist. Ein Ort, den man gerne besucht, ein Unternehmer, dem man ohne Zögern sein Vertrauen entgegenbringt. So sagen die Abbildungen auf der Karte etwas über eine Wunschvorstellung, mehr noch über eine beabsichtigte Außendarstellung von Brome, als daß sie die alltäglich erlebte Welt illustrieren. Sie schönen und überhöhen die Wirklichkeit - der 'ConcertSaal' erinnert doch eher an den Spiegelsaal von Versailles als an eine Bromer Gastwirtschaft. Zu dem Hervorheben der guten Seiten passen nicht zuletzt die kraftstrotzenden Wirtschaftsbetriebe, die unermüdlich Bier und Ziegelwaren produzieren.

Aus der Sicht des örtlichen Unternehmers und für viele seiner Mitbürger waren die qualmenden Schornsteine Symbole des Fortschritts und des Wohlstands, während sie bei Andree für den Verfall einer traditionellen Bauernkultur standen. So unterschiedlich konnte sich das ausnehmen, was man als positiv

empfand. Die Unterschiedlichkeit der Sichtweisen von unmittelbar Betroffenen und Außenstehenden wird in den folgenden Kapiteln wiederholtThema sein.

Vergleichbar den öffentlich verbreiteten Postkarten, zeigen auch die privaten Fotografien meistenteils die schönen, die außerordentlichen, die repräsentativen Aspekte des Lebens. Die Alltäglichkeit des Daseins, das doch weit vielschichtiger war, ist durch das noch lange teure Medium kaum bildlich überliefert. Die bei der Aufnahme der Bilder bereits beabsichtigte Wirkung, etwas Schönes und Besonderes zu präsentieren, verstärkt sich außerdem aus dem Abstand heutiger Betrachtung leicht in Richtung einer nostalgisch-verklärten Vergangenheit. Wir neigen dazu, in alten Fotografien Zeichen zu erkennen, die für die 'gute alte Zeit' schlechthin stehen: Hübsche Häuser, Straßen ohne Autos, Kleidung wie im Volksstück und vieles mehr. Um zu verhindern, daß sich der beim Fotografieren gewählte Ausschnitt - die Schauseite - zu einem umfassenden Bild der Vergangenheit ausweitet, müssen andere Überlieferungen hinzugezogen werden, die auf eine manchmal gar nicht so schöne Kehrseite die Aufmerksamkeit lenken. Die wichtigsten Überlieferungen sind neben mündlichen Berichten von Zeitzeugen, die hier nicht erhoben wurden, schriftliche Quellen vom privaten Brief bis zu einer öffentlichen Bekanntmachung oder einem offiziellen Schreiben.

3 Perspektiven 11: Die beschädigte Welt

Schriftstücke, die bis heute erhalten geblieben sind, berichtenwas zur Ergänzung der Bilder besonders interessiert - von den tagtäglich erlebten Nöten, Zwistigkeiten und Konflikten. Sie geben weit darüber hinaus Auskunft über die Bandbreite der Erfahrungen, die den Zeitgenossen zur Verfügung standen. Wenn beim Schützenfest das 'Brorner Lied' gesungen wurde, das PastorTürnau 1905 auf die Melodie 'Freude schöner Götterfunken' gedichtet hatte, konnte die Heimat in ihren schönsten Farben erfahrbar werden: "Und der Ohre Fluten gleiten / Durch den Wiesengrund so mild / Heimatflur, zu allen Zeiten / Steht vor mir dein lieblich Bild." Die um 1890 aufgedeckten Fälle sexuellen Mißbrauchs an Kindern und Jugendlichen hingegen, die Tatsache, daß ein Lehrer in Altendorf 1893 entlassen wurde, weil er vor den Augen der Schulkinder masturbiert hatte: Das mußte in einer Zeit, als selbst eine Schwangerschaft noch mit unaussprechlicher Scham umgeben war, das Bild vom geordneten Leben brüchig und die Bilder im privaten Fotoalbum blasser machen.

Schriftlichkeiten berichten also von guten und schlimmen Dingen, und wenn jemand über Mißstände berichtete, dann nicht ohne Grund. Den Pfarrern etwa, die regelmäßig Bericht über die Gemeinde an ihre Vorgesetzten zu erstatten hatten, lag der geistlich-sittliche Zustand - gemessen am Ideal einer protestantisch-gottesfürchtigen Lebensweise - sehr am Herzen. Da ihnen der zentrale Ort Brome gegenüber den umliegenden Dörfern in

dieser Hinsicht immer wieder negativauffiel, finden sich in ihren Äußerungen dunkle Charakterisierungen. Den Höhepunkt bot der Visitationsbericht Pastor Eickes van 1899, den die entsetzte oberste Kirchenbehörde folgendermaßen zusammenfaßte: "Die Visitation hat das tiefbetrübende Resultat ergeben, daß das christliche Leben in der Gemeinde schwer darniederliegt. Es ist auf dem Wege zur Auflösung begriffen. Bei äußerlicher Kirchlichkeit geschehen dort die gröbsten Sündenthaten, wahre Greuel des Heidenthums, Todtschlag, complottmäßiger Diebstahl, thierische Gewaltthat an Kindern, Völlerei." Es sei schon so weit gekommen, daß selbst die Heilsarmee, "die sonst nur die Lasterhöhlen der großen Städte aufsucht" , Brome als missionsbedürftig betrachte.

Ein solch abschreckendes Urteil ist nun nicht ernster zu nehmen als nötig, und der Kirchenvorstand beschwerte sich denn auch bitterlich über die in dieser Schärfe unhaltbaren Vorwürfe und erreichte tatsächlich eine Abmilderung. Was aber richtig ist, ist die Tendenz, daß nämlich hinter den Fassaden der schönen Bilder sich Dinge abspielten, die alles andere als schön, aber sehr wirklich waren. Von ihnen ist nicht anders als durch kritisch geprüfte Schriftlichkeiten zu erfahren.

Ob den Menschen der Zeit ihre Heimat eher als Paradies oder als Sündenpfuhl erschien, hatte viel damit zu tun, wie sie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in Beziehung zueinander setzten.

Gruss aus ßrome

Junkerende

4 Perspektiven 111: Der Bliek zurück

In den [ahrzehnten um 1900 vollzog sich in ungeheurem Maße die späte Modernisierung Deutschlands, die das alltägliche Leben nachhaltig veränderte. Nahezu jeder Lebensbereich veränderte sich, was gleich blieb, war doch zumindest in Frage gestellt und nicht mehr selbstverständlich gültig. Die Modernisierung erzeugte Betroffenheit, sie forderte Entscheidungen und Urteile, niemand konnte ihr gegenüber neutral bleiben. Wie stand man zu demAlten, was hielt man von dem Neuen? Das waren brennende Fragen auf allen Gebieten des Lebens:

Tradition und Moderne standen nicht selten im Widerspruch, verbanden sich aber auch oft problemlos, und das Neue fand einen Platz im und neben dem Alten.

Als Endpunkt dieser spannungsreichen Entwicklung resultierte ein Rückgriff auf die Tradition, auf eine Auswahl aus dem Vergangen en, die man über die Gegenwart hinaus erhalten, die man - auch oder gerade weil es sie gar nicht mehr gab - wiederbeleben wollte. Die zwei wesentlichen Aspekte dieses Rück(be)zugs waren die Formulierung von Kritik an der Gegenwart und die Bekräftigung der Zustimmung zu den augenblicklichen Verhältnissen.

Die Kritik an der Gegenwart ergab sich aus dem Unbehagen gegenüber der sich schnell verändernden Welt. Vielen Aspekten des modernen Lebens gegenüber empfand man eine Fremdheit, die sich bis zur Feindlichkeit auswachsen konnte. Der als verstörend empfundenen Unübersichtlichkeit des modernen

Daseins, den schnellen Veränderungen in allen Bereichen des Lebens, setzte man die Vergangenheit entgegen. Sie konstruierte man als eine mythisch-verklärte (und zimmerte vermeintlich uralte Pferdeköpfe aufNeubauten) oder einfach als eine 'bessere' Zeit (und brachte einen Toast auf den abgesetzten König oder Kaiser aus und beschwor die alte Idylle ländlichen Lebens). Ein Wunschbild, in dem es all das nicht gab, was man an der Gegenwart nicht mochte, und das waren meist die gesellschaftlichen Aspekte der Modernisierung: Die Sozialdemokratie im Kaiserreich, die ersten Mädchen mit Bubiköpfen in der Mitte der zwanziger [ahre, die Republik als Staatsform.

Die Zustimmung zur Gegenwart über die Vergangenheit bediente sich ebenfalls als Traditionen verstandenen Versatzstükken. Der im Kaiserreich jährlich im großen Stil gefeierte Sedantag etwa vergegenwärtigte die 'heroische' Geburt des Staates, dessen Legitimation durch ein Fest jeweils neu bekräftigt wurde. Geschichte und Tradition als herrschaftsstabilisierende Erinnerung fanden ihren breiten Ausdruck bei den Vereinen im Kaiserreich, die Traditionspflege mit dem Ausdruck des Stolzes auf die eigene Gegenwart verbanden. Das Kriegerdenkmal von 1877 materialisierte ortsbildprägend nicht nur die Erinnerung, sondern ebenso das Bewußtsein, in einer glorreichen Gegenwart zu leben. Sie konstituierte sich maßgeblich aus Begriffen wie 'Weltmacht', 'Vaterland' und nicht zuletzt auch 'Fortschriu.' im technischen Sinne.

S Perspektiven IV: Der Bliek nach vorn

Wie die Vergangenheit aus der Gegenwart heraus beurteilt wurde, so auch die Zukunft, ob es nämlich aufwärts gehen würde oder die Verhältnisse zur Verschlechterung tendierten. Im [ahre 1911 beschloß der Bromer Kriegerverein, bei dem wie in jedem [ahr veranstalteten Fest anläßlich des Kaisergeburtstages neben Ball und Preisschießen einen "Kinematographen gleichlautend mit lebenden Bildern vorzuführen". Der modernen Welt des Kinos wurde so als außerordentliche, in die Zukunft weisende Neuerung ein ebenbürtiger Platz neben der Traditionswahrung, die den sonstigen festlichen Rahmen bestimmte, eingeräumt.

Wie bei diesem Beispiellassen sich die begrüßten Aspekte der erwarteten Zukunft am ehesten auf dem Gebiet derTechnik finden. Die Modernisierung ist zu einem guten Teil technische Modernisierung gewesen, die als Fortschritt wahrgenommen wurde. Die Entwicklung verlief nicht ohne Brüche, doch der Fortschritt blieb trotz schwerer wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Krisen eines der beherrschenden Themen der Zeit. Er war nicht zuletzt ein Fortschritt im nationalen Sinne: Der Aufstieg Deutschlands zu einer der führenden Weltmächte verknüpfte sich mit einer Fortschrittsgläubigkeit, daß es trotz Problemen immer weiter aufwärts gehen würde.

Das ist der Blick nach vorn, wie ihn der Hauptmann von Weyhe 1896 zum Thema Eisenbahn einnahm: Die Anbindung an die Schiene würde die ganze Gegend in der Zukunft erblühen las-

sen. Gleichwohl war die Zustimmung zum Fortschritt nicht allgemein und ungebrochen, sondern fand unterschiedlichenAnklang bei den Beteiligten. Man war nicht um jeden Preis besessen davon, die jeweils neuesten Errungenschaften derTechnik zu besitzen. So prüfte die Gemeinde Brome bereits um die [ahrhundertwende eingehend die Einführung des elektrischen Stromes, hielt sie aber noch für verfrüht und nahm ohne Bedauern einstweilenAbstand von dem Projekt.

Weitaus weniger aufgeschlossen war man gegenüber gesellschaftlichen Modernisierungen, die durchaus aufgegriffen, aber auch scharf attackiert wurden. Als mit dem Bubikopf Bromer Mädchen um 1925 Stellung letztlich zu einem neuen Bild der Frau bezogen, die selbstbewußt und zeitgemäß durchs Leben geht und 'die alten Zöpfe' ablegt, polemisierte der Pastor öffentlich dagegen, weil er den Untergang des Abendlandes heraufdämmern sah, erhielt aber auch eine Fülle empörter Briefe zurück - die Frau ließ sich nicht mehr so schnell reinreden. Der gesellschaftliche Wandel, für den der Bubikopf nur ein herausgehobenes Zeichen war, vollzog sich jedenfalls in einem deutlichen Spannungsfeld vor Ort. Doch nicht wenige zeigten sich gegenüber neuen Moden, Verhaltensweisen und Einstellungen aufgeschlossen, auch im konservativ-restaurativen Bromer Klima erweiterten sich besonders nach dem Ersten Weltkrieg noch einmal sprunghaft die Horizonte, bevor der Nationalsozialismus diese kanalisierte und einebnete.

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