Bützow in alten Ansichten Band 1

Bützow in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Dr. Wolfgang Schmidtbauer
Gemeente
:   Bützow
Provincie
:   Mecklenburg-Vorpommern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6003-2
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Bützow in alten Ansichten Band 1'

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9 Ein paar Schritte weiter, Lange Straße 9, steht das Hotel 'Kaiserhof" , der heutige 'Bützower Hof'. Ihn zeigt diese Karte von 1907. Wie auch die angrenzenden Gebäude, wurde das Haus nach dem großen Stadtbrand des Iahres 1716 errichtet. Herzog Karl Leopold erließ seinerzeit strenge Bauvorschriften; wer sie nicht einhalten wollte, konnte nicht mit finanzieller und materieller Hilfe rechnen. Alle Häuser sollten mit der Traufseite zur Straße stehen und zweigeschossig gebaut werden: das Erdgeschoß mußte 10 Fuß (2,86 m), das Obergeschoß 9 Fuß (2,55 m) hoch sein. Zur Verminderung der Brandgefahr wurden Strohdächer verboten, und

zwischen zwei benachbarten Gebäuden war eine Baulücke, eine sogenannte Tüsche, einzuhalten, wie sie auf unserem Bild erkermbar ist.

10 Wir blieken auf die Post, Ecke Lange Straße und Jungfernstraße. Das Gehäude sieht heute noch fast so aus. wie es die Aufnahme von 1909 zeigt; es fehlt allerdings die Uhr. Als Mecklenburg sich 1868 dem Zollverein anschloß, besaß Bützow bereits ein selbständiges Postamt mit Telegrafenamt, das bei Kaufmann Hinze, Am Markt 5, Räume gemietet harte. Das neue Postgebäude wurde durch Joachim Burmeister, einen aus Baumgarten zugezogenen HolzschaufelFabrikanten, nach Plänen der Reichspost errichtet und am 1. Oktober 1887 im Beisein des Staatssekretärs von Stephan dem Verkehr übergeben. Nach einer Mietszeit

von 25 Iahren wurde es von der Postverwaltung schließlich fûr rund 86 000 Mark angekauft. Ab 1898 gab es übrigens in Bützow auch Telefon, zunächst mit acht Anschlûssen.

Uns Hanning seggt: wi möten luem,

dat ward bestimmt nieh lang mihr duern, denn sind wi all up't Bild to seihn,

wo warden sick uns Öllern freun!

11 So entstehen Zeitdokumente: Kinderkleidung vor einhundert [ahren - welch' ein Unterschied zu heute! Dagegen hat sich die Jungfernstraße von 1903 bis in unsere Tage nur wenig verändert. Ihr Katzenkopfpflaster ist allerdings mit einer Asphaltschicht überdeckt worden. Die Straße erhielt übrigens erst nach dem Brand von 1716 die heutige, direkt auf das Rostocker Tor führende Trasse und wurde deshalb zunächst 'Neue Straße' genannt; aus welchem Grunde sich dieser Name bereits wenige Iahre später zu 'Iungfernstraße' gewandelt hat - wer weiß!

12 Wir haben bei unserem Gang durch Bützow den Markt erreicht und blieken in die Lange Straße zurück.

1908 gehörte das Eckhaus links der Tuch- und Manufakturwarenhandlung von 1. Ahron, das erste Haus rechts Kaufmann Kubernuß, der dort eine Kolonialwarenhandlung betrieb; es wurde später an die Sparkasse verkauft, deren jetziges Gebäude 1925/26 errichtet wurde. Lange Straße 25 wohnte Schlossermeister Krügel, der um 192 5 den 'Plattdeutschen Heimatverein ' leitete und für Wossidlo mecklenburgisches Sprachgut sammelte: 'Fat'n Hamer mit beide Hän'n an, säd de Slößer, denn sleihst di nich up'n Finger. - Dat Löt-

wader is all wam, Jung, hal ne Buddel Käm, säd de Klempner to sin' Burßen.' Einige weitere Proben solcher 'Sagwörter' werden wir noch zu hören bekommen.

13 An der Hauptstraße liegt, etwas zurückgesetzt, der Markt mit dem Rathaus, das 1847 bis 1849 nach Plänen des Landbaumeisters Susemihl für eine Summe von 21 526 Talern errichtet wurde. Es überragt die nach dem alten Baureglement von 1716 errichteten Bürgerhäuser um ein Beträchtliches und stellt mit seinem neugotisehern Stil, der sogenannten Tudorgotik, einen wirksamen Kontrast zu ihnen her. Als Erinnerung an die Zeit, als Bûtww Residenz des Bischofs war, erhielten die Ziertürme als Krönung Bischofsmützen. Ursprünglich besaß das Rathaus ein flaches Dach mit einer Lehm-Asphalt-Decke, das von der Attika verdeckt

wurde; wenige [ahre später wurde ein neues, mit Schiefer gedecktes Satteldach darüber gesetzt.

Mukt und Rathaus

14 Wirschauen um 1900 auf das andere am Markt stehende Eckhaus, Lange Straße Nr. 36, das 1969 abgerissen wurde. Die Buchhandlung von S. Berg war 1844 gegründet worden. 1908 gehörte sie Alexander Wilhelm Goßrau, der in seinem Geschäft neben Büchern Papierund Schreibwaren führte und auch ein 'großes Lager in Bildern, gerahmt und ungerahmt', anpries. Seine Leihbücherei umfaßte über siebentausend Bände. - Die erste uns bekannt gewordene öffentliche Bibliothek in unserer Stadt ist bereits zur Zeit der Bützower Universität im Iahre 1772 durch den bedeutenden Orientalisten Professor OloffTychsen ins Leben

gerufen worden; bis zur Auflösung der 'Pridericiana' im [ahre 1789 hat sie sich im 'Krummen Haus' am Schloßplatz befunden.

Bützow i. M.

Buchhandlung ven S. Berg.

Dat is uns' leiwe Lange Strat,

geiht midden dörch de ganze Stadt. Wur is se doch hell, breid un fründlich, un so voll Läb' n däglich, stündlich.

151mJahre 1902 gibt es in jedem Haus im Westteil der Langen Straße ein Geschäft:

Goldschmied, Uhrmacher, Buchbinder, Kaufleute ... ein Barbier, ein 'Posamentier' , der mit Kleiderbesatzwaren aus Schnüren, Borten, Litzen, Perlen handelt, zwei Bäcker ('Mak de Semmel nich to grot, säd de Bäcker to sin Burßen, denn gahn se nich dörch't Slätellock!'}, ein Schlachter ('Up'n lütt bäten kiirnpt nich an, säd de Slachter, dunn wier dat een half Pund to wenig word'n'). Frauen gehen einkaufen, eine holt von der Pumpe mit Tracht und Eimern Wasser, Passanten schauen dem 'Photographen' neugierig zu.

16 Kirche und Kirchhof, Markt und Rathaus liegen unmittelbar nebeneinander; unser Bild, das nach 1910 vom Kornspeicher der Getreidehandlung Ahron aufgenommen wurde, zeigt das deutlich. An der Ost- und Südseite stehen die Hintergebäude der Wohnhäuser unmittelbar an der Grenze des Kirchhofs, damit der Baugrund in der Stadt voll ausgenutzt werden konnte. Da es zur Langen Straße und zum Markt jedoch keine Torwege gab, fuhren die Hausbesitzer mit ihren Fuhrwerken über den Friedhof, ohne auf die Gräber Rücksicht zu nehmen. Akten aus der Zeit um 1800 berichten vielfach von Auseinandersetzungen mit die-

sen Bürgern. Die letzte Beerdigung auf dem alten Kirchhoffand 1808 statt; die Linden wurden 1845, vor nunmehr 150 jahren, gepflanzt.

17 Wir sind auf den Turm der Stiftskirche St. Elisabeth gestiegen und schauen aus dem Schalloch über das Kirchenschiff nach Osten. Die Aufnahme aus demjahre 1908 zeigt uns im Vordergrund links das Rathaus und rechts den Markt, an dem noch der große Speicher der Getreidehandlung Ahron steht. Am rechten Bildrand ist die Lange Straße und am linken parallel dazu die Breite Straße zu erkennen. Im Hintergrund schließt der lindenbestandene Wall den Stadtkern von der breiten Wiesenlandschaft ab; rechts erkennen wir einen Teil der Warnow sowie das Ausfallwasser und dahinter das 'Bahnhofsviertel' . Der bewal-

dete Höhenzug der Darnow begrenzt das Warnowtal und unseren Blick über das Land.

18 Wir haben uns nun etwas nach Norden gewandt. Im Vordergrund sehen wir auf die Linden des Kirchenplatzes. das Rathaus und das Grundstück des Senators Hagemeister hinunter. Markt und Ellernbruch verlaufen auf unserem Bild von rechts nach links; dieser Straßenzug wird von der Breiten Straße im oberen Bildabschnitt und der Kirchenstraße gekreuzt. Im eigentlichen Stadtkern ist der Baugrund bis aufs letzte genutzt, sind die Höfe mit Stallungen und Schuppen verbaut; im Bereich des Ellernbruchs finden wir dagegen nur eine Randbebauung. Das große, quadratisch anmutende Gebäude links ist die reformierte Kirche; im

Hintergrund sind Wall, Gärten und Wiesen sowie die Scheunen vor dem Rostocker Tor zu erkennen.

Bi:tzcw.

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