Bützow in alten Ansichten Band 1

Bützow in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Dr. Wolfgang Schmidtbauer
Gemeente
:   Bützow
Provincie
:   Mecklenburg-Vorpommern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6003-2
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Bützow in alten Ansichten Band 1'

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39 Wir sind einige Schritte in die Rühner Straße hineingegangen und stehen um 1910 vor der 'Material- und Kolonialwarenhandlung' von Heinrich Nagel, Rühner Straße 13. Wie auch bei anderen größeren Lebensmittelhandlungen erstreckte sich hinter dem breit hingelagerten Bürgerhaus aus dem 18. Iahrhundert ein großer Hof mit Ställen und Warenlager. Wenn die Bauern der umliegenden Domanialdörfer oder die 'Mamsellen' der ritterschaftlichen Güter einkaufen wollten, konnten die Pferde auf dem Hof ausgespannt werden. An der Stelle des Eckhauses, das am rechten Bildrand zu sehen ist, stand ehemals das Torschreiberhaus

des Rühner Tores. Die Gasse, die davor abgeht, ist die 6. Wallstraße; sie hieß Mitte des vorigen Iahrhunderts aus unbekarmten Grund 'Citronengasse' .

40 Die Brücke vor uns führt am Ende der Straße 'Vor dem Rühner Tore' über das Ausfallwasser. Bis zur Mitte des vorigen [ahrhunderts stand hier die zweigängige Mühle, während die vor dem Walker Tor viergängig gewesen war: sie besaßen zwei bzw. vier Mahlgänge oder 'Glinde', mit denen gleichzeitig gemahlen werden konnte. Das Haus in der Bildmitte ist der Forsthof, aufgenommen etwa 1910. Er war Sitz einer Großherzoglichen Forstinspektion, zusrändig für die Waldungen im Amt Bûtzow sowie einem Teil der Ämter Güstrow, Schwaan, Toitenwinkel und Warin. Etwa einhundert Meter südlich des Forsthafs sperrte bis

ins 18. [ahrhundert ein Wassergraben die Straße. Stadtseitig sicherte hinter ihm ein Ravelin mit Zugbrücke den Zugang zu Schloß, Stadt und Mühle.

JOT dem Rühner- Tor.

Auch sind zu bemerken die Gasthöfe hier; doch wenig der Schilder sind über der Thür.

Sie nehmen Euch auf, geben Wein und auch Bier, Bequernlichkeit, Bett und ein gut Nachtquartier.

41 Als Wilhelm Rong 1833 diese Zeilen schrieb, zählte Bützow elf Gastwirtschaften; um 1905 waren es fünfzehn, davon zwei Hotels, vier Logierhäuser und zwei Herbergen. 'Bûtzow hett vör [ed's Door 'n Krauch': inzwischen verschwunden sind vor dem Walker Tor der 'Rothe Löwe', er lag in Höhe des spateren Schlachthofs in der Bahnhofstraße, und rechterhand jenseits des Walker Bahnübergangs der 'Drakenkrug' , so benannt nach seinem langjährigen Pächter. Wir blieken hier etwa 1908 auf den Sandkrug vor dem Rühner Tor. Nur das Wohnhaus steht heute noch an der Gabelung von Wismarscher und Kühlungsborner Straße.

Gruß vom Sandkrug, 8ützow BesItzer C. Wittenburg

42 Vom Sandkrug aus sind wir die Anhöhe zum neuen Friedhof hinaufgestiegen, der im ersten jahrzehnt des 19. [ahrhunderts angelegt wurde. Wir blieken auf die Gärten von Dreibergen, das zur Zeit der Aufnahme im Iahre 1903 noch nicht nach Bützow eingemeindet war. Im Hintergrund ist die Landesstrafanstalt Dreibergen zu erkennen, die ihren Namen von den drei Hügeln trägt, auf denen sie errichtet wurde. Ihr Bau wurde 1835 begonnen, 1839 wurde sie eingeweiht. Vier jahre später wurde das Zuchthaus Dömitz aufgelöst, das seit 1757 bestanden hatte. In ihm waren auch politische Gefangene inhaftiert, so unser Dichter

Fritz Reuter vom Juni 1839 bis zu seiner Entlassung im Juli 1840. Während der Nazizeit fanden in Dreibergen über siebenhundert Häftlinge aus ganz Europa den Tod.

Gruß aus 8ützow.

Dreibergen.

43 Hart an der Steinhäger Chaussee, die nur eine Schotterdecke aufweist, findet das Wasserwerk unser Interesse. Es wurde im September 1916 in Betrieb genommen; aus dieser Zeit stammt die Aufnahme. Drei Rohrbrunnen konnten stündlich 50 Kubikmeter Wasser liefern. Der Hochbehälter im Hintergrund hatte ein Fassungsvermögen von 225 Kubikmetern; der Verteilerschirm lag mehr als 35 Meter über Normalnull. Nunmehr konnte die ganze Stadt mit gutem Trinkwasser beliefert werden. Bis zur Inbetriebnahme des Wasserwerks konnte Trinkwasser, das häufig ungenießbar und manchmal auch verseucht war, nur

aus privaten und städtischen Brunnen entnommen werden, von denen es mit 'Tracht' und Eimern geholt werden mußte. Wäsche wurde an der Warnow oder im Stadtgraben gespült.

44 An die Bützower Feldmark grenzten die ritterschaftlichen Güter Trechow und Steinhagen sowie die Domanialgüter Horst und Wolken. Schlösser und Katen prägten das Erscheinungsbild dieser Ortschaften. In der Regel wurden die anfallende Arbeit von den im Dorf ansässigen Landarbeitern verrichtet, deren Lohn aus einer geringen Summe an Bargeld und dem 'Deputat' bestand: neben freier Wohnung und Feuerung ein Gatten, Stallung und Futter für Kuh, Schwein und Geflügel, Korn für das tägliche Brot. In der Erntezeit wurden Schnitterkolonnen aus Polen gemietet. wie sie die Aufnahme um 1914 zeigt. Sie verdingten

sich unter einem Vorschnitter zur Arbeit auf dem Gut. Die Männer mähten das Getreide mit der Sense, die Frauen harkten. banden und stellten Hockenauf.

45 Beim Sandkrug zweigt die 'Kunststraße' nach Kröpelin, die 1854 fertiggestellt wurde, von der Steinhäger Chaussee ab. Um 1905 blikken wir van dort zwischen den Linden hindurch auf das Schloß, das sich wuchtig hinter dem ehemaligen Landreiterhaus erhebt. Zunächst hatten die Bischöfe ihren Sitz auf dem Hopfenwall. Wegen besserer Verteidigungsmöglichkeiten wurde 1263 mit dem Bau einer größeren befestigten Burganlage auf einer Warnowinsel unmittelbar neben der Stadt begonnen. Bützow blieb Residenz der Bischöfe und in ihrer Nachfolge der evangelischen Administratoren, bis das Stiftsland 1648 als Fürsten-

tum der Schweriner Linie des herzoglichen Hauses zugesprochen wurde.

&lüizow i. $fl. Steinhägener Chaussee

46 Vor dem Schloßplatz liegt zur Rechten das Wolmhaus des Amtshauptmanns, das um 1850 errichtet wurde. Unsere Aufnahme zeigt es im [ahre 1908. Im mecklenburgischen Ständestaat gab es bis 1918 eine Dreiteilung des Landes in domaniales, ritterschaftliches und städtisches Gebiet, deren Lokalbehörden unabhängig nebeneinander standen. Das Amt BützowRühn war aus dem bischöflichen Amt Bützow und dem 1756 säkularisierten Nonnenkloster Rühn hervorgegangen. Sein Sitz blieb zunächst Rühn, bis er 1850 nach Bützow verlegt wurde. Verwaltungsfunktionen übte das Amt, an dessen Spitze der Amtshauptmann stand, für das 'platte Land' der Umgebung nur insoweit aus, wie es nicht ritterschaftliche Güter und ihre Untertanen bzw. städtischen Besitz betraf

47 Das Schloß hat eine wechselvolle Baugeschichte hinter sich. Größere Veränderungen gab es mehrfach: 1444 bis 1447 ließ Bischef Nicolaus 1. Böddecker, 1556 Herzog Ulrich 1. als blschöflicher Administrator das Schloß ausbauen. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden das Torhaus und der 'Blaue Turm' abgerissen, die rechts vom Schloß gestanden hatten; den Böddeckerschen Turm und die 'Gerichtsbrücke' am stadtseitigen Ausgang des Schloßplatzes traf das gleiche Schicksal, Unser Bild zeigt den Zustand des Schlosses, bevor 1908 bei einer großen Restaurierung das Krüppelwalmdach beseitigt wurde und die historisie-

rende Anfügung von Turm und Treppenhaus erfolgte.

48 Nachdem das Bützower Schloß keine Funktion als Bischofsresidenz mehr hatte, war es 1713 bis 1749 Witwensitz der Herzogin Sophie Charlotte. 1760 bis 1780 wurden seine Gebäude für das Pädagogium, danach bis 1789 für die Universität, die 'Pridericiana', genutzt. 1812 wurde es schließlich Sitz des 'Knminalkollegiums' . der zentralen Untersuchungsbehörde für Kriminalfälle in Mecklenburg. Dafür wurden Gerichtsräume und GefängniszeIlen im Schloß ausgebaut. Noch im gleichen [ahr begann das Gericht seine Tatigkeit mit dem Prozeß gegen die Bande des Räubers Mehl. Als Angeklagte in politischen Prozessen waren hier nach

1848 unter anderen längere Zeit die Demokraten Moritz Wiggers und julins Polentz inhaftiert. Unser Bild zeigt das Schloß nach dem Umbau im Iahre 1910.

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