Bützow in alten Ansichten Band 2

Bützow in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Dr. Wolfgang Schmidtbauer
Gemeente
:   Bützow
Provincie
:   Mecklenburg-Vorpommern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6613-3
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Bützow in alten Ansichten Band 2'

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Einleitung

'Bützow, eine Stadt von 6 000 Einwohnern, liegt im Herzen des Mecklenburger Landes in einem schönen durch Höhenzüge geschützten Wiesentale an der Warnow und am Bützower See. Die großen Waldungen, besonders die städtische Vierburg, bieten Gelegenheit zu abwechslungsreichen, schönen Spaziergängen und zur Erholung in Ruhe und Abgeschlossenheit.' So wirbt die Stadt im Iahre 192 7 um Gäste, und wir können sagen, dass ihre Vorzüge zutreffend hervorgehoben werden. Wenn es allerdings weiter heißt: 'Handwerk und Handel blüht und reges wirtschaftliches Leben herrscht in der Stadt', dann mag das für das Iahr

192 7 zwar zutreffen, insgesamt aber ergibt sich für die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg ein anderes Bild.

218 Bützower hatten im Krieg ihr Leben lassen müssen:

Damit fehlte vielen Familien der Ernährer, und die Inflation mit ihrer sprunghaft ansteigendenArbeitslosigkeit verschärfte ihre Notlage. Bezahlbarer Wohnraum war rar; um der Wohnungsnot zu steuern, ließ die Stadtverwaltung am RostockerTor und dem Vierburger Weg einige Sozialwohnungen errichten. An der Finanzknappheit der Stadt fanden alle weiteren Versuche ihre Grenzen, das Elend durch Zahlung zusätzlicher Unterstützung, kostenloser Lieferung von Feuerung, Stundung der Elektrizitäts- und Gasrechnungen

zu lindern. Auch die Durchführung von Notstandsarbeiten konnte keine grundsätzliche Wende herbeiführen. All das führte zu einem Rückgang der Kaufkraft weiter Bevölkerungskreise. Für die Gewerbetreibenden unserer Stadt ergaben sich zusätzliche Probleme aus der Ausdehnung der Industrieproduktion auf solche Erzeugnisse, die zuvor eine Domäne des Handwerks gewesen waren. Weil sie nicht mehr konkurrenzfähig waren, mussten zahlreiche Handwerksbetriebe aufgeben, und das gleiche traf aufKaufleute der verschiedenen Branchen zu, so dass zwischen 1912 und 1925 fast 100 Betriebe schließen mussten. Die Differenzierung der Bevölkerung wurde auch in Bützow größer, und politische Spannungen und Auseinandersetzungen nahmen mit den Iahren an Schärfe zu.

Trotz aller wirtschaftlichen Schwierigkeiten waren Stadtverordnete und Magistrat in vielfältigerWeise bestrebt, die Entwicklung Bützows voranzutreiben: Elektrifizierung, Bau

des neuen Gymnasialgebäudes, der Sparkasse, des Umspannwerkes, Durchbau von Schulen, Reparatur von Brücken und Straßen, Erschließung des Neubaugebietes FritzReuter-Allee / Andreassteig zeugen vom Lebenswillen der Stadt.

Im Mittelpunkt dieses Buches steht im Wesentlichen das Ende der zwanziger Iahre mit einem für unsere Stadt bedeutenden Ereignis: der lOO-Jahr-Feier im Iahre 1929. Der 'Plattdütsch Heimatverein' hatte sie angeregt, und dasVorhaben fand überwältigende Zustimmung bei den Bützowern und in den zahlreich bestehenden Vereinen in unserer Stadt. Es ist erstaunlich, was die Einwohner, ergriffen von einem starken Heimat- und Zusammengehörigkeitsgefühl, aus eigener Kraft, ohne Zuschüsse aus der Stadtkasse, in dieser Festwoche zuwege brachten. Dennoch dürfen die weiter oben genannten Zusammenhänge bei der Betrachtung der Bilder nicht aus den Augen verloren werden, damit Vergangenes realistisch und ohne Verklärung betrachtet werden kann. Das Leben unserer Großeltern verlief vielleicht ruhiger als unseres - leichter war es aufkeinen Fall.

Bei allen Bützowem, die ich zur Vorbereitung dieses Buches aufsuchte, habe ich großes Entgegenkommen gefunden, und in interessanten Gesprächen ist mir viel Aufschlußreiches aus der jüngeren Geschichte der Stadt mitgeteilt worden. Mein Dank gilt allen, die mich freundlich unterstützten. Aus ihren Familienalben stellten Fotos zur Verfügung die Damen Gerda Friedberg, Frieda Gertz, Hilde Grambow, Hanni Lehmann, Latte Iohn, Gesa Knöppel, Gertrud Papendorff, Grete Puls, Margarete Pupke, Christine Rossnagel, Ursula Schade, Charlatte Schröder sowie Marianne Thienel und die Herren Hartrnut Böhncke, Dr. Jürgen Buhr, Dr. Günter Camenz, Wolfgang Dibbert, Fritz Gramckow, Peter

Höffer, Peter Hollien, Jürgen Koch, Karl Voigt, Matthias Vorbeck, Günter Wergien, Hans-Heinrich Wergien, Hans Werner sowie Horst Wittenburg. Weitere Aufnahmen stammen vom Heimatmuseum Bützow, der Reformierten Kirche und dem Kreisarchiv GÜstrow. Das Luftbild aufSeite l6 ist eine Aufnahme der Fotografenmeisterin Frau Dörte Lüth, Bützow. Ich bedanke mich außerdem bei den Damen Marlies Groß, Marlene Hardt, Helga Schöck, Erika Uhma und Bärbel Wolf und den Herren Erich Dierling, Heinz Hamburg, Klaus Schmidt und Willi Winkelmann, die ebenfalls bereitwillig ihre Fotoalben öffneten und mir durch mancherlei Auskünfte halfen.

Vor über siebzig Iahren sandte die Oberpostdirektion Schwerin anläßlich der lOO-Jahr-Feier der Stadt Bützow folgenden Festgruß:

Stadt Bützow all stünn

As noch keen Posthum k1üng,

Möcht een gnädig Geschick de Stadt biwohm Solang as dörch Bützow noch Postautos fohm, Un kamen später mal annerTiden

Denn sölln's för Bützow blot Gods ok bedüten!

Diesem Wunsch möchte ich mich aus vollem Herzen anschließen.

1 Im Führer durch Mecklenburgs Städte, 1927 vom Mecklenburgischen Verkehrsverband herausgegeben, wirbt Bützow damit, dass es als D-Zug-Station und 'Knotenpunkt' von Bahnlinien für 'Sommerfrischler' aus Großstädten wie Hamburg, Berlin ader Leipzig schnell zu erreichen sei. Im Herzen des Mecklenburger Landes gelegen, sei es wegen seiner schönen Umgebung ein idealer Erholungsort mit Möglichkeiten zu abwechslungsreichen Spaziergängen in den umliegenden Wäldern wie auch zum Baden, Rudern und Angeln. Ist es jedoch wirklich nur eine beschauliche Kleinstadt ohne reges Leben, dies Bützow mit seinen 694 Wohnhäusern und 5 878 Einwohnern, wie es die Aufnahme des

Bützower Fotografen Paul Kaven vermuten läßt? Weshalb sollten ihr dann die anspruchsvollen Mecklenburgischen Monatshefte im Iahre 1929 einen umfangreichen Beitrag widmen? Um den Grund zu erfahren, wollen wir Bützow und die Bützower näher kennenlernen.

2 Bützow ist von Wasser umgeben, und das war in früheren Jahrhunderten

ein bedeutsamer Schutz für die Stadt. Der Fluss im Vordergrund ist die Warnow, über die wir von Süden auf Häuser der Bahnhofstraße, auf Mühle und Stiftskirche blicken. Mit einer Lauflänge von 1 61 km und einem Einzugsgebiet von über

3 200 km' ist die Warnow zweitwichtigster Fluss Mecklenburgs. Ihr Ursprung liegt bei Grebbin im Kreis Parchim. Nach Aufnahme der Mildenitz durchbricht sie die Stauchmoräne des Sternberger Beckens bei Groß Görnow in einem sehenswerten Engtal, dessen Steilwände bis zu 15 m hoch sind. Da-

nach fließt die Warnow in den Wiesen eines breiten Urstromtals langsam auf Rostock zu. Unsere Stadt liegt inmitten dieser Wiesenlandschaft 'im Arm der Nixe des Flusses', wie Wil-

helm Raabe schreibt. Tatsächlich sind es viele Arme mit Namen wie Judendammsgraben, Plötzenstrom, Ausfallwasser und Lüßnitz, die Bützow umfangen.

3 Die Aufnahme aus dem Iahre 1929 gewährt uns von Norden einen Blick auf den Stadtkern mit Schloss, Kirche und Papierfabrik. Schmeichelhaft wird der Bützower See als der 'Croße' bezeichnet, was bei IlO ha Wasserfläche nur durch das Vorhandensein eines noch kleineren, des 'Langen' Sees, zu verstehen ist. (Größe ist nicht nur bei Seen relativ!) Die Umgebung Bützows ist reich an Gewässern, deren Schönheit und eigentümlicher Reiz sich jedoch erst bei ruhigem Verweilen erschließen. In der Nähe unserer Stadt laden der Rühner See mit seiner Badeanstalt, der Peetscher See inmitten eines Naturschutz-

gebietes, derTrechower und der Boitiner See zu einem Besuch ein. In etwas weiterer Entfernung locken der GroßTessiner See und der sagenumwobene Schwarze See in der

Schlemminer Forst, 110m über dem Meeresspiegel gelegen. Nicht zu vergessen sind die Seen bei Güstrow wie der Gutower und der Inselsee, die Krakower Seenlandschaft und vor

allem der Sternberger See mit dem Freilichtmuseum Groß Raden.

4 Heutzutage bilden die Begriffe 'Wasser' und 'Baden' eine gedankliche Einheit: das traf für das 19. Jahrhundert nicht immer zu. Während das erste deutsche Seebad

1793 in Heiligendamm eröffnet wurde, sind offizielle Bademöglichkeiten an Mecklenburger Seen nur zögernd geschaffen worden. Freibadeanstalten entstanden erst im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts: in Zippendorfbei Schwerin 1879, an derTollense bei Neubrandenburg 1880. Für Bützow ist ein früheres Datum bezeugt: am 28. Juli 1872 wurde eine Freibadeanstalt am Hopfenwall eröffnet und

in den neunziger Iahren des 19. Jahrhunderts eine weitere auf dem heutigen Gelände des Kanuvereins errichtet, die unser Bild zeigt. Sie wurde durch einen privaten Badeverein

betrieben.lmAprill924 übernahm die Stadt die Hälfte der Mitgliedsanteile und verpflichtete sich, einen etwaigen Unterschuss aus der Stadtkasse zu decken. Ein 1927 ge-

planter Neubau konnte wegen Mangels an Mitteln nicht durchgeführt werden.

5 Ende der zwanziger Iahre gab es in der Bützower Badeanstalt noch getrennte Badezeiten für Damen, für Herren undvon 7 bis 12 Uhr an Sonntagen - für Familien. Diese Trennung galt auch für kleine Kinder, und erst ab Juli 192 8 durften Eltern 'ihre noch nicht schulpflichtigen Kinder ohne Unterschied des Geschlechtes in die für Damen und Herren bestimmten Badezeiten' mitnehmen! Da war es schon etwas Unerhörtes, dass

sich von Mai bis September jeden Morgen einige Männer in der Badeanstalt trafen, ihre Badehose trocken ließen und nackt im Bützo-

wer See schwammen. Weshalb Stadtpolizist Kempke hier fünf von ihnen 'bewacht', war nicht zu erfahren; vielleicht hatten Bützower am Treiben des Badevereins 'Tro[ ckene ]

Ho [se]' Anstoß genommen? So kann unsere Stadt für sich in Anspruch nehmen, dass es trotz aller Prüderie vor über siebzig Iahren schon FKK-Anhänger in Bützow gab!

6 Trotz knapper Mittel war die Stadtverwaltung bemüht, neue technische Errungenschaften für die Stadt zu nutzen: seit 1862 war Bützow mit Leuchtgas und seit 1916 mit einwandfreiem Trinkwasser versorgt. Zur weiteren Verbesserung der hygienisehen Bedingungen in der Stadt wurde 1895 an der Gabelung von alter und neuer Bahnhofstraße ein städtisches Schlachthaus erbaut, in dem alle gewerblichen und auch die privaten Schlachtungen unter Überwachung durch einen Tierarzt vorgenommen werden mussten. Schließlich wurde in den zwanziger Iahren mit der Verlegung der Rohre für die Straßenentwässerung ein erster Schritt in der Abwasserbeseitigung getan. Die städtischen Vers or-

gungsbetriebe arbeiteten übrigens mit Gewinn und führten in den Betriebsjahren 1924 bis 192 9 Überschüsse von insgesamt rund 425 000 Mark an die Stadtkasse ab!

Die Postkarte aus den dreißiger Iahren zeigt als ein Wahrzeichen der Stadt den Wasserturm mit dem inzwischen stillgelegten Hochbehälter.

7 Das jüngste Kind der Bützower Betriebswerke war das Elektrizitätswerk. Bereits 1909 und 1912 war derVersuch unternommen worden, unsere Stadt mit Elektrizität zu versorgen; jedoch erst 1921 kam ein Vertrag mit der 'Überlandzentrale Rastaek' zustande, die das ausschließliche Recht der Stromversorgung erhielt. Das E-Werk wurde 1921/22 errichtet und 1 922 als Stromverteilungs betri eb mit einer Übergabe- und Schaltstation in der Wilhelmstraße 15 in Betrieb genommen. Wenig später wurde nahe der Molkerei in der N eu en Bahnhofstraße eine weitere Station errichtet. Wegen des zunehmenden Verbrauchs an Elektrizität - 1 929 waren 12 500 Glühlampen, 310 Motoren und 530 'Appara-

te' angeschlossen - wurde im gleichen Iahr mit dem Bau eines Schaltwerks in der Fritz-Reuter-Allee begonnen, das 1930 in Betrieb ging. Unser Foto aus dem Iahre 1921 zeigt auf den Leitern rechts Paul Grambow und links Otto Schröder beim Ziehen von Oberleitungen vor dem Haus Bahnhofstraße 19.

8 In den zwanziger Iahren wies Bützow nur wenige größere Industriebetriebe auf. Der bedeutendste war die Papierfabrik AG. vor dem RühnerTor. Sie stellte täglich 35 t Papier unterschiedlicher Sorten her, vom Seiden- über Durchschlag- bis zum Toilettenpapier. Weit über einhundertArbeiterinnen undArbei ter sowie Angestellte fanden in ihr Lohn und Brot.

Anfänge der Papierherstellung in Bützow gehen bis auf das Iahr 1586 zurück, als der Herzog die Genehmigung zum Bau einer Papiermühle erteilte, die an der Einmündung des Stadtgrabens in den Bützower See angelegt wurde. Bis 1823 in herzoglichem Be-

sitz, wechselte sie seitdem häufig die Eigentümer. Zahlreiche Brände suchten das Werk heim, bis schließlich 1 934 das heute noch stehende Fabrikgebäude errichtet wurde, das unser

Bild zeigt. Die Maschinen wurden nach 1945 als Reparationsleistung in die Sowjetunion gebracht, und die Hallen dienten bis 1990 dem VEB Möbelwerke als Produktionsstätte.

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