Bützow in alten Ansichten Band 2

Bützow in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Dr. Wolfgang Schmidtbauer
Gemeente
:   Bützow
Provincie
:   Mecklenburg-Vorpommern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6613-3
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Bützow in alten Ansichten Band 2'

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9 Ein weiterer größerer Bützower Industriebetrieb war die Ofenfabrik. 1852 gründete Heinrich Schacht am pferdemarkt eine Töpferei, in der auf der Scheibe Tongefäße gedreht wurden. Ernst Schacht, der Sohn des Begründers, übernahm 1883 den Betrieb und stellte ihn auf die Produktion von Kacheln um, die zunächst ebenfalls gedreht wurden. 1894/95 wurde in Bahnhofsnähe ein neues größeres Fabrikgebäude errichtet. Obwohl die Aufnahme etwa sechzig Iahre später entstand, zeigt sie noch den damaligen Zustand. Nach 1918 erfolgte die Umstellung auf maschinelle Produktion von Ton- sowie Schamottekacheln, die mit großem

Erfolg bis 1965 fortgeführt wurde. Erst als ein Brand das Vordergebäude vernichtete, stellte die of enfabrik ihren Betrieb ein. Manchmal erinnern wir uns im Zeitalter der

modernen Heizung noch wehmütig an den Kachelofen, an dem man sich den Rücken wärmen konnte und in dessen Röhre zur Weihnachtszeit die Bratäpfel so herrlich brutzelten!

10 Der Staatskalender van 1927 nennt außer den genannten für Bützow drei weitere Industriebetriebe: ein Dampfsägewerk, die Genossenschaftsmolkerei und die Wasser- und Dampfmühle. Sie verarbeiteten Rohstoffe aus der Landwirtschaft und den Forsten des Umlandes. Auf der Postkarte ist der 1894 errichtete Neubau der Mühle am Walker Tor zu sehen. Noch steht der alte Pferdestall, der 1964 abgerissen wurde.

In Bützow wurde die Wasserkraft der Warnow schon frühzeitig zum Betrieb von Mühlen genutzt; das bezeugen Urkunden des 13. Jahrhunderts. Damit die

Mühle das notwendige Wasser für den Betrieb der Wasserräder erhielt, wurde die Warnow oberhalb des Wehrs aufgestaut; das führte häufig zur Überschwemmung der Wiesen

westlich der Stadt und zu immerwährenden Klagen ihrer Besitzer. Damit unabhängig vom Wasserstand gemahlen werden konnte, wurde eine Dampfmaschine gekauft; zu ihr gehört

der Blechschornstein am linken Mühlengebäude.

ßützow i. M.

Rn der Warnow.

11 Die Warnow war von jeher ein wichtiger Handelsweg, und er gewann noch an Bedeutung, als am Mühlendamm in Rostock eine Schleuse angelegt wurde und damit die Umladung der Schiffsfracht entfiel. Im Bützower Hafen legten zwischen 1920 und 1929 insgesamt 1 705 Schiffe an; sie entluden rund 44 0 0 0 t Fracht für Stadt und Umland, wohl zum größten Teil Steine und Baustoffe, Kohlen und Rohstoffe für die Papierherstellung. Zu Tal nahmen sie vorwiegend Getreide, Holz und Papier mit. Ihren Höhepunkt erreichte die Warnowschifffahrt im Iahre 192 7, als zu Berg

rund 10 000 t Fracht auf

3 1 6 Schiffen befördert wurden. Da auf dem Fluß nur Schiffe mit geringer Ladefähigkeit bis 250 t verkehren konnten, machte das den Wasserweg trotz

niedriger Frachtkosten unrentabel. So war eigentlich der Neubau eines großen Getreidespeichers am Bützower Hafen durch die Firma Olerich & Sohn im Iahre 1937 überflüssig, da

in den folgenden Iahren die Bedeutung der Warnow als Transportweg mehr und mehr abnahm.

12 Für den Eigenbedarf ließen Bauern und Häusler ihr Getreide meist in einer der fünf Windmühlen mahlen, die es in der Nähe Bützows gab: in Baumgarten, bei Hof Rühn und in Zepelin oder nördlich der Stadt beim Thiessenhusenschen Gehöft; sie brannte allerdings am 2. Februar 1924 nieder. Eine weitere Windmühle stand östlich des Bützower Sees, in der Nähe des Kaffeekruges. Für unser Foto, das um 1930 aufgenommen wurde, haben sich der MüllerWilhelm Löscher mit seiner Frau Ida und den beiden Söhnen vor ihrer Bockwindmühle aufgestellt. Nur undeutlich sind rechts unten im Bild die Ketten der Sackwinde und der 'Stert' zu erkennen, mit dessen Hilfe die Mühle um den Königsbaum in den

Wind gedreht werden konnte.

Zur Blütezeit der Windmüllerei in Mecklenburg gab es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in unserem Land 614 windgetriebene Getreidemühlen. Die Löschersche Mühleistetwa 1937/38 zusammengebrochen; heute erinnert nur noch das Bild an sie.

13 Mittagspause bei der Getreideernte! Auf welchem Gut der Umgebung van Bützow - Horst, Wolken, Steinhagen, Kurzen oder Langen Trechow - die Aufnahme entstand, ist nicht bekannt. Die Kinder haben ihren Vätern Essen und Trinken aufs Feld hinausgebracht. Der Paartopf, ein doppelter 'Henkelpott' , aus dem der Junge links auf dem Bild gerade isst, war praktisch, konnten doch in ihn Kartoffeln und 'Stipp', vielleicht mit einem Stück Fleisch, getrennt eingefüllt werden. In früheren Zeiten war er aus Ton gefertigt; in den zwanziger Iahren bestand er aus emailliertem Blech,

das zwar die Speisen nicht mehr so gut warm hielt wie ein Tontopf, aber dafür unzerbrechlich war. Der junge Mann, der sich im Hintergrund mit seinem Fahrrad so recht in Positur

stellt, gehört wohl nicht zu den Landarbeitern. Vielleicht hat er den Fotografen begleitet, vielleicht ist es ein 'Eleve', der auf einem Gut die Landwirtschaft erlernt?

14 Frau Wittenburg schaut recht ernst drein, denn die Konkurrenz im Bäckerhandwerk ist groß. Seit 1912 hatten drei Bäcker ihr Geschäft aufgeben müssen; dennoch gab es um 1925 in Bützow noch zwölf Bäcker und drei Konditoreien. Da in den größeren Dörfern der engeren Umgebung wie Rühn, Baumgarten, Zernin, Warnow, Zepelin, Bernitt und J ürgenshagen ebenfalls Bäckereien existierten, lohnte sich eine Lieferung über Land nicht. Vor allem wurde Brot verkauft, denn auch in Bützow backten die meisten Frauen ihren Kuchen selbst oder brachten die Bleche mit Hefeteig nur zum 'Abbacken' in die Bäckerei. Der Nettolohn der unselbständig beschäftigten Bützower wird, wie überall in

Deutschland, nur knapp über 40 Mark betragen haben. Die Arbeitslosigkeit nahm auch in unserer Stadt zu - in Deutschland betrug sie 192 9 bereits 14,6 Prozent! Wie viele Bützower daher bei Bäcker, Schlachter, Kaufmann 'anschreiben' lassen mussten, kann man nur ahnen. Kein Wunder, dass Frau Wittenburg so sorgenvoll blickt.

J

15 'Prima Matjeshering' bietet Kaufmann Wergien in seiner 'Kolonial- und Materialwarenhandlung' an, das Stück zu 20 Pfennig. Er hat ein vielseitiges Angebot: Apfelsinen und Nüsse, Pralinen und Kaffee, Konserven ... Das Adressbuch von 1925 zählt für Bützow 21 Kaufleute auf, darunter ein Konsum-Geschäft in der Gödenstraße 12. Die meisten Geschäfte waren klein; in ihnen kauften vor allem die Familien, die 'urn die Ecke' wohnten. Einige Handlungen besaßen große Höfe, auf denen die Bauern oder 'herrschaftliche' Kutscher aus den umliegenden Gutsdörfern ihre pferde ausspan-

nen konnten, während der 'Kommis' die bestellten Waren verlud. 1929 annoncierten sechs solcher Kaufleute in der Bützower Zeitung: Petitjean, Wergien und Wagner in der Langen,

& Garfs in der Langen Straße 7 und 59. Noch ist ihre Konkurrenz durchaus zu ertragen ...

Schmidt und Nagel in der Rühner Straße sowie Drühl am pferdemarkt. Um 1928 deutet sich an, dass größere Ketten ihre Filialen in kleinen Städten wie Bützow einrichten, so Thams

16 Nicht die Industrie, sondern das Handwerk prägte die Wirtschaft Bützows bis in die erste Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Das Foto, das 1929 entstand, lässt uns in die Tischlerei von Richard Mau im Hofgebäude Gödenstraße 5 blicken. Zwar ist die Werkstatt äußerst beengt, jedoch für damalige Verhältnisse 'modern': sie ist an das Stromnetz angeschlossen. An der rechten Bildseite ist eine Bandsäge zu erkennen, und im Vordergrund sehen wir eine kombinierte Kreissägeund Hobelmaschine; beide Maschinen werden durch Elektromotore angetrieben. Meister Mau hat in die Maschinen viel Geld investiert. Wie viele andere Handwerker, drücken auch ihn Existenzsorgen. Er arbeitet allein in der Werk-

statt, denn die Auftragslage erlaubt es nicht, einen Gesellen zu beschäftigen. Der Kreis seiner Kunden ist klein, denn auch in den Dörfern arbeiten Tischler, und die Industrie entzieht dem Handwerk seinen 'goldenen Boden', so dass sich viele Meister mit einem 'blechernen Deckel' begnügen mussten.

17 Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts hatten Maschinen mehr und mehr Eingang nicht nur in Handwerksbetriebe gefunden. Um 1925 gab es Nähmaschinen und Fahrräder fast in jedem Haushalt, in Büros wurden Schreibmaschinen, in Geschäften Registrierkassen eingesetzt. Begüterte kauften sich Automobile, 'Krafträder' waren besonders bei jüngeren Leuten beliebt. Nun waren Geschäfte gefragt, die solche Maschinen verkaufen, und Handwerker, die sie sachkundig reparieren konnten. Damit war ein neuer Beruf geboren, der des Mechanikers! 1929 gab es in Bützow zwei sol-

cher Werkstätten: Fritz Borges in der Langen Straße 42: 'Motorräder und Fahrschule, Fahrräder, Nähmaschinen, staatl. genehmigte Waffenhandlung und Reparaturwerkstatt, Spezial-

geschäft für Grammophone und Platten', und Paul Voigt im Ellernbruch 4 (Werbespruch: 'Fehlts am Motor, fahr bei Voigt

vor! '): 'Motorräder, Fahrräder, Nähmaschinen; fach-

männische Beratung bei Kauf- und Reparaturfragen.'

18 Der Bützower Bahnhof liegt fast anderthalb Kilometer vom Markt entfernt, eine Strecke, die man 'Sornmerfrischlem' neudeutsch:Touristen (!) zu FuB mit ihrem Gepäck nicht zumuten konnte. Wer sich in einem der 'besseren' Hotels, Z.B. dem 'PreuBenhof' , angemeldet hatte, wurde selbstverständlich mit einem Wagen von der Bahn abgeholt; für andere Reisende stand vor dem Bahnhof auch noch in den zwanziger Iahren eine pferdedroschke bereit.

Das Lehnwort 'Droschke' gehört zum russischen doróga 'Weg' und bedeutet in abgeleiteter Form soviel wie 'leichter Wagen'. Es ist

schon 1815 in Berlin als 'Troschke' für Mietwagen gebräuchlich. Mit Zunahme der Automobile als Mietfahrzeuge bürgerte sich mehr und mehr der

Begriff 'Taxi' für sie ein, abgeleitet von dem Wortungetüm 'Taxameterdroschke' . Sie ist laut Lexikon' ein Fuhrwerk, das mit einem Zählwerk zur Er-

mittlung des zurückgelegten Weges (und damit des Fahrpreises) ausgerüstet ist' .

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