Bützow in alten Ansichten Band 2

Bützow in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Dr. Wolfgang Schmidtbauer
Gemeente
:   Bützow
Provincie
:   Mecklenburg-Vorpommern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6613-3
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Bützow in alten Ansichten Band 2'

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29 Ein anderer Bützower, der das Heimatfest nachhaltig unterstützte, war

Dr. Hans Barnewitz (18851968), ein 'Urrnecklenburger' aus der Nähe Teterows. Er war 1920 als Studienrat nach Bützow gekommen. Zutiefst heimatgeschichtlich interessiert, hatte er schon seit seiner Jugend Richard Wossidlos Forschungsarbeit unterstützt. Ihm verdankt Bützow die Ausarbeitung einer ersten Geschichte der Stadt, vorwiegend auf den Quellen im Stadtarchiv beruhend. 192 9 übernahm Barnewitz ehrenamtlich die wissenschaftliche Leitung des Heimatmuseums, das der Heimatverein in zwei Räu-

men des ehemaligen Küsterhauses in der Kirchenstraße 13 eingerichtet hatte. Unserem Museum stand er bis in die sechziger Iahre vor und veröffentlichte zahlreiche Bei-

träge zur Stadtgeschichte. Während der lOO-JahrFeier hielt er am 10. Juni 1929 im Hamburger Rundfunk einen vielbeachteten Vortrag über Bützow. Unser Foto zeigt ihn etwa

1930 im Kreise van Abiturienten.

30 Zur Zeit der 700-JahrFeier gehörten der Stadtverordnetenversammlung 18 Stadtverordnete an ausschließlich Männer, obwohl auch Frauen kandidiert hatten. Von links nach rechts sind zu sehen, sitzend: Max Ikonik, Karl Kallmann, Rudolf Abel; dahinter stehend Karl Soltmann, August Stridde, Karl Hecht und ganz rechts Rudolf Harder (alle SPD) . In der oberen Reihe stehend Carl Buhr (4. van links), Karl Krause, Heinrich ohmann, Ludwig Kaiser und Friedrich Köster. Sitzend (Mitte) Stadtverordnetenvorsteher Karl Gladischefski, August Propp, Hermann Krüger und W Frank

(alle Bürgerliche Liste). Nicht auf dem Bild sind Paul Niemann und Paul Schwieger (KPD).

Die Stadtverordnetenversammlung war im November 1927 für die Iahre

1 92 8 bis 1930 neu gewählt worden. Von 3 80 1 Wahlberechtigten hatten sich 73, 11 Prozent an der Wahl beteiligt; von den

2 766 gültigen Stimmen waren 1 011 auf die Liste

der SPD, 381 auf die der KPD und 1 374 auf die 'Bürgerliche Liste' entfallen.

3 1 Vorsteher der Bützower Stadtverordneten war Karl Gladischefski, 1862

zu Berlin geboren. Nach einem Studium derTheologie in Berlin, Erlangen und Bann war er als pfarrer in Budapest, Breslau und Gadesberg tätig gewesen und 1 913 als pfarrer der evangelisch - reformierten Gemeinde in Mecklenburg nach Bützow gekommen. Seine christliche und demokratische Grundüberzeugung hatte ihn bewogen, sich 19 1 8 als einer der 'Bürgerrepräsentanten' zur Wahl zu stellen. 1919 in den Verfassunggebenden Landtag MecklenburgSchwerins gewählt, wurde er dessen Vizepräsident. Die Deutsche Demokratische Partei schlug ihn

192 2 als Minister vor; bis 1924 gehörte er der Regierung Mecklenburg-Schwe-

rins an. Nach seinem Ausscheiden aus dem Ministeramt kandidierte er 1 927 in Bützow erneut als Stadtvertreter und war bis 1 933 Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung. Hochgeachtet verstarb er 1938. Unser Bild zeigt ihn im Iahre 1917 mit seiner Frau Johanna im Kreise der Familie.

32 Der Rat der Stadt Bützow bestand zwischen 19 1 9 und 1933 aus einem hauptamtlichen Bürgermeister, dem ein besoldeter sowie zwei ehrenamtliche Stadträte zur Seite standen. Sie wurden nach öffentlichen Ausschreibungen von der Stadtverordnetenversammlung gewählt. Das Zeitungsbild aus dem Iahre 192 9 zeigt von links nach rechts: Bürgermeister Dr. jur. Martin Börner, Stadtamtmann aus Leipzig, gewählt im Ianuar 1920 und 1933 unter fadenscheinigen Gründen von den Nazis abgelöst; Ingenieur Gustav Lindemann, besoldeter Stadtrat und stellvertretender Bürgermeister ab 1 923, wurde 1933 auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtenturns zwangspensioniert; Kran-

kenkassenverwalter Rudolf Harder war ehrenamtlicher Stadtrat seit 1924 und wurde im Ianuar 1933 ebenfalls aus politischen Gründen abgelöst; Landwirt Hermann Schröder

war seit 1925 ehrenamtlicher, ab 1933 hauptamtlicher Stadtrat bis zu seinem Tode im Iahre 1941.

33 Ein lustig Bild wiest ja uns Stadt

an dissen, ehren hagen Dag,

Nu wünscht mit uns, dat Bützow noch

veel Gauds in Taukunft kamen mag!

So heißt es im Festgedicht, und Ludwig Sternaux, der Kolumnist des Berliner Lokal-Anzeigers, schrieb in der Abendausgabe vom 19. Juni 192 9: 'Kein Haus, das nicht geflaggt hätte, auch das simpelste noch in verlorener Gasse hat sein buntes Fähnchen. Kein Haus ohne Girlande, ohne Kränze, ohne Tannen vor der Tür. Und überall das alte Wappen, überall die stolze 700! ' Dass diese Schilderung keine journalistische Übertreibung war, zeigt das Erinnerungsfoto von Willy Glöde mit Mutter, Frau und der kleinen Toch-

ter vor seinem Fahrradgeschäft im Ellernbruch 14: selbst in den Straßen, in die sich kaum ein Besucher verirrte, durch die der große Festzug nicht gehen sollte, waren die Häuser geschmückt und entboten den Gästen herzliche Willkommensgrüße zu dem Fest, auf das sich die Stadt seit zwei Iahren vorbereitet hatte.

34 Die Festwoche begann am 6.Juni 1929 mit einem Festakt im Schützenhaus. Im Namen der Stadtverordnetenversammlung begrüßte ihr Vorsteher, Minister a. D. Karl Gladischefski, Gäste aus nah und fern und würdigte die 700jährige Geschichte Bützows. Er wünschte ihr, dass ihre Bürger auch ferner durch fleißige Arbeit zum Wohlergehen der Stadt beitragen mögen.

An der Feier wirkte das Lehrerorchester unserer Stadt mit. Unser Bild zeigt von links Friedrich Matthews, Martin Bohnstaedt, Paul Dibbert, Ernst Saubert, Walter Grünwaldt, Walter Sterly und dahinter stehend Karl Schulmeister, der das Orchester leitete. Sie alle waren Lehrer an der Volksschule und hatten ihre Ausbildung am Leh-

rerseminar erhalten, wozu der pflichtunterricht an Geige und Klavier gehörte. Wer gar die Befähigung zum Küsterdienst erlangen wollte, musste auch das Orgelspiel beherrschen.

Wegen der Güte seiner Darbietungen hatte das Orchester über Bützow hinaus einen guten Ruf

35 Am späten Abend des 8. Juni 192 9 bot das Rathaus nach dem Fackelzug der Bützower ein ungewohntes Bild. Scheinwerfer leuchteten die Fassade an und ließen das Dach optisch in der Dunkelheit verschwinden. So kennen wir unser Rathaus nur aus einem alten Stich im Heimatmuseum! Als das Gebäude 1848/49 als kombiniertes Rat- und Schulhaus errichtet wurde, versah es Baumeister Diedrich Carl Susemihl (1802-1866), ein Schinkelschüler, mit einem flachen Dach. Die offenen Zinnen der Attika und die Türme hoben sich so gegen den Himmel besser ab und verstärkten die Wirkung des neugotischen Baustils auf den Beschauer. Jedoch zeigte sich bald, dass die Durchlässigkeit der Lehm-Asphalt-Decke

und die zu geringe Neigung der hinter den Zinnen liegenden Dachrinnen zu Wasserschäden an Balken und Mauerwerk geführt hatte. Im Sommer

1 877 wurde daher von

Zimmermeister Neumann ein neues Satteldach über das alte gesetzt und mit rötlichem englischem Schiefer gedeckt, so wie wir es heute kennen.

36 'Gewaltig und unmittelbar vor unseren Fenstern ragte die alte Kirche auf.

In ihrem Schatten lag mein Elternhaus, unter dem Schlagen ihrer Uhr im lustigen Zwiebelturm verging derTag, unter dem Geschrei ihrer Käuzchen schlief ich ein und mit dem Schall ihrer Glocken wachte ich auf. ... Um die Kirche war ein weiter Platz mit alten Linden. Er hat die meisten unserer Spiele gesehen. Der schönste Spielplatz aber war die Kirchenkuhle. Die Kircheneingänge lagen nämlich tiefer als der Kirchplatz, so war eine größere Vertiefung entstanden, zu der Stufen herunterführten. Dort spielten wir stundenlang ... ' So schildert Grete Pentzlin in der Festausgabe der 'Bûtzower Zeitung' Eindrücke aus ihrer Kinderzeit um 1 870.

Hoch überragen derTurm und das Schiff der Stiftskirche St. Elisabeth die kleinen Häuser der Kirchenstraße. Im Vordergrund ist an der linken Bildseite das Ratsarmenhaus zu sehen, dessen Balken über der Eingangstür die Jahreszahl 1525 trägt.

37 Unser Foto zeigt das Innere der Stiftskirche, wo am 9.Juni 1929 einFestgottesdienst stattfand. Wir blieken von der Orgelempore in die dreischiffige Hallenkirche, deren Baubeginn im 13. Jahrhundert liegt. Ihre Baugeschichte reicht über zwei Iahrhunderte: daraufweisen Spuren romanischen Stils im Innern hin. Der Frühgotik ist die 'Priesterpforte' , der Hochgotik der Haupteingang an der Nordseite zuzuordnen. Die Stiftskirche birgt wertvolle Kunstdenkmäler. Die 'Fûnte', der bronzene Taufkessel mit seinen beiden Figurenreihen, stammt aus dem Iahre 1474. Die geschnitzte Kanzel, die Administrator Ulrich 1617 der Kirche schenkte, ist ein wundervolles Stück aus der Frührenaissance. Der 1503 in

spätgotischem Stil geschaffene Altaraufsatz mit seinen Figuren, der lange Zeit in den Chorumgang verbannt war, hat wieder die Stellung erhalten, die seiner künstlerischen Bedeutung zukommt.

38 Es ist erstaunlich, dass es im Bützow der zwanziger Iahre bei etwa 3 700 erwachsenen Einwohnern mindestens 28 Vereine unterschiedlicher Art gegeben hat. Der älteste von ihnen war die Bützower Schützenzunft, die bereits 1538 nachgewiesen ist. Höhepunkt ihres Vereinslebens war das jährliche Schützenfest, das nach altem Brauch verlief: Abholung des Königs, Abholung der Deputierten mit den entsprechenden Begrüßungen, Sammeln im Rathaus; dann ging es im Festzug 'forsch dörch dei Straten' zum Schützenhaus, 'woselbst alsbald das Schießen seinen Anfang nahm', und natürlich wurde die Königswürde anschließend zünftig begossen. Für die Stadt war das Schützenfest ein wahres Volksfest. Auf

der Bleiche waren ein Karussell und zahlreiche Buden aufgebaut, darunter 1 92 8 eine Schmalz- und Eiskonditorei. Für Alt und Jung bedeutete das Schützenfest ein paar fröhliche,

ausgelassene Tage.

Unser Foto aus demjahre 1 927 zeigt den damaligen Schützenkönig, Kaufmann Hakendahl.

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