Bützow in alten Ansichten Band 2

Bützow in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Dr. Wolfgang Schmidtbauer
Gemeente
:   Bützow
Provincie
:   Mecklenburg-Vorpommern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6613-3
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Bützow in alten Ansichten Band 2'

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49 Ostern 1933 ließen sich die Schülerinnen und Schüler aus der Abschlussklasse der Bützower Mittelschule mit ihrem Rektar fotografieren. Rudolf Behrens, 1874 zu Rostock gebaren, war von 1894 bis 1896 am Lehrerseminar Neukloster ausgebildet warden. Nach einer einjährigen Tätigkeit in Warnow war er 1897 nach Doberan und 1899 an die Knabenschule zu Wismar versetzt und 1 911 von der Regierung als Rektar nach Bützow berufen warden. Über dreißig Iahre stand er an der Spitze der Volksund Mittelschule unserer Stadt. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges war Rudolf Behrens als Pensionär noch an der Bützower Berufsschule tätig und starb 1949 in seinem 75. Lebensjahr zu Bützow. Ehemalige

Schüler wie Hans Werner (Entlassungsj ahrgang 1923) und Fritz Gramckow (Entlassungsjahrgang 1 933, der auf dem Foto links neben Rektar Behrens zu sehen ist), erinnern sich

an ihren Rektar als einen äußerst fähigen und gerechten Lehrer, dem sie viel zu verdanken haben.

SO In den zwanziger Iahren des vergangenen Iahrhunderts erfuhr das Schulwesen Bützows entscheidende Veränderungen. Finanznot zwang die Stadt, die bisher gezahlten Zuschüsse für die Privatmädchenschule in der Pfaffenstraße - die 'Hoffmannschule' - zu streichen, und ohne diese Zahlungen war die Schule nicht lebensfähig. Unter diesen Bedingungen konnten ab 1922 untere Klassen nicht mehr aufgenommen werden. 1926 wurde die Mädchenschule nur noch von 33 Schülerinnen in den Lyzeumsklassen IV bis II besucht und hörte Ostern 1929 mit der Entlassung der letzten Schülerinnen zu bestehen auf. Um den Mädchen auch weiterhin den Zugang zu einer höheren Bildung zu ermög-

lichen, wurden sowohl im Realgymnasium als auch in der 1923 geschaffenen Mittelschule gemischte Klassen gebildet.

Unser Foto zeigt die U II des Realgymnasiums im Schuljahr 1927/28.

5 1 Weitere Veränderungen betrafen das Realgymnasium, das 1923 in eine staatliche Anstalt umgewandelt wurde. Damit war der Stadt zwar die Zahlung der Lehrergehälter abgenommen, jedoch blieb ihr die Verantwortung für Schulgebäude und Ausstattung. Der Zustrom von Mädchen, der Ostern 192 2 begonnen hatte, machte die räumliche Erweiterung der Schule dringend erforderlich: zeitweilig besuchten mehr als zweihundert Schülerinnen und Schüler die Anstalt. Darüber hinaus führte der beginnende Umwandlungsprozess in ein Reformrealgymnasium mit Englisch als erster Fremdsprache zu erhöhten Anforderungen an den naturwissenschaftlichen Unterricht, dem nur in Fachräumen entsprochen

werden konnte. Daher beschlossen die Bützower Stadtverordneten im August 192 6 den Bau eines zweiten Schulgebäudes für das Gymnasium sowie den Umbau des alten Schul-

hauses. Der auf unserer Postkarte abgebildete Neubau umfasste vier Klassenräume, 'Biologicum' und Zeichensaal, und wurde 192 7 bezogen.

52 Mit Beifall wurde am 15. Juni im ausverkauften Saal des Schützenhauses

die Aufführung von Richard Wossidlos 'Winterabend in einem mecklenburgischen Bauernhaus' aufgenommen, einem 'Stûck Heimatkunde, in dem alte Lieder, wie sie früher an Spinnabenden gesungen wurden, Bauerntänze und echt mecklenburgischen Klaehnsnack' aneinandergereiht werden, schrieb die 'Bûtzower Zeitung' . Wie das Foto zeigt, war das Bühnenbild liebevoll mit Gegenständen gestaltet, die von Bützower Bürgern nach einem Aufruf von Magistrat und 'Plattdütsch Heimatverein' für die Einrichtung des Museums gestiftet worden waren und dort noch

heute zu sehen sind. Mit dieser Aufführung würdig-

ten Schülerinnen und Schüler des Realgymnasiums zugleich das Lebenswerk des nunmehr siebzigjährigen Volkstumsfor-

schers, der die Bützower Realschule besucht hatte. Seine ehemalige Schule war ihm immer verbunden geblieben, und Lehrer wie

Schüler hatten seine Sammlung volkskundlichen Materials stets tatkräftig unterstützt.

53 Sonntag, der 16.Juni

1 929: 'Wenn eine Stadt zum Ruhme alter Zeiten mitjubel und mit Festglanz sich erfüllt. .. ' schreibt die Bützower Zeitung. Festlich gekleidete Bützower und ihre Gäste von nah und fern, aufgeregte Kinder im Sonntagsstaat säumen die Straßen. Am Schloss, am Rostocker Tor sind die Straßen wie hier an der Mühlenbrücke abgesperrt. 'Halt! Brückenzoll!' ist auf dem Spruchband zu lesen. Wir fragen die mit Degen bewaffneten Männer, die in Zweispitz, dunklen Röcken mit breiten weißen Bandeliers, weißen Hosen und schwarzen Schaftstiefeln den Schlagbaum bewachen, nach dem Grund. 'Ja, weiten Sei,' sagt der rechte von beiden - sein Name ist übrigens Wedemeyer, und

sein Vater ist Förster in Wolken - 'hüt is dei grot Festümtoch! An'ri Rostocker Dur geih't los!' Und Schlossermeister Friedrich Gramckow aus der Rühner Straße, der mit seinen bei-

den Söhnen Fritz und Karl neben ihm steht, ergänzt: 'Betahln's man den Schilling, gifft väl tau seihn!'

54 Wir gehen den 'Kleinen' Wall zum Rostocker Tor entlang (dort schließt sich der 'große'Wall an, der bis zum Schützenhaus verläuft). Zur linken fließt der Wallgraben, der in früheren Zeiten vor der Mauer verlief, dem Schutz der Stadt vor ungebetenen Gästen. Der Wall verhinderte den Abfluss des Wassers in die sumpfigen Wiesen, die zwischen Warnow und See die Stadt östlich und nördlich umgeben. Den Platz der Stadtmauer nehmen heute die Häuser derWallstraßen ein; sie wurden zu Beginn des 19. Iahrhunderts errichtet, nachdem die Befestigung keine Bedeutung mehr hatte und nach und nach verfallen war. Viele Bürger haben damals Steine aus der Mauer zur Reparatur ihrer Häuser kaufen können (und man-

che haben sie auch des Nachts heimlich ohne Bezahlung geholt)! Da der Wallgraben ständig ausreichend gespeist wird, ist sein Wasser klar; noch kann darin Wäsche gespült wer-

den, und mancher Junge versucht, die im Graben schwimmenden Aale zu stechen ...

55 Beim RostockerTor können wir schon die Spitze des Festzuges sehen! Voran reitet der Zugmarschall mit der Fahne der Stadt, auf der das Stadtwappen zu erkennen ist: in Rot zwei schräggekreuzte goldene Krummstäbe mit zugewendeten Krümmen, belegt mit einer goldenen Bischofsmütze. Ihm folgen zwei berittene Herolde

und vier Fanfarenbläser. Rot und Gelb, die Stadtfarben, leuchten von ihren Fanfarentüchern. In diesem mittelalterlichen Bild hat 'Charlie' Kempke, der Stadtpolizist, eigentlich nichts zu suchen (sein Kollege Sternberg, der auf der anderen Seite des Herolds steht, ist auf dem Bild nicht zu sehen). Beide sind von der Kommune angestellt und haben eine Vielzahl van Aufgaben: sie über-

wachen den Verkehr und überprüfen Baureparaturen auf richtige Ausführung. Sie kontrollieren, ob Haus-

besitzer das Ofenblech angebracht haben, dessen Fehlen der Schornsteinfeger bemängelt hatte. Sie

bestellen auch die ]ungs auf die Wache, die beim Nachbar 'in dei Appels west sünd'.

56 'Musikdirektor' Albert Curland hat sich mit seinem 'Gehilfen' und zehn 'Lehrlingen' vor seinem Haus am RostockerTor 16 in der Tracht mittelalterlicher Stadtpfeifer aufgestellt, um den Festzug zu begleiten. Er hatte bis 1918 gegen ein jährliches Honorar von 200 Mark an den Geburtstagen von Großherzog und Kaiser früh um 7 Uhr Reveille durch die Stadt zu blasen und mittags eine halbe Stunde ein Konzert auf dem Balkon des Rathauses zu geben. Ferner war am Heiligen Abend ein Choral vom Rathaus zu blasen.

19 1 9 gründete Heinrich Köpke, der sich nach einer mehr als zehnjährigen Dienstzeit als Militärmusiker in Bützow niedergelassen hatte, eine zweite Kapelle. Beide hatten Vereine

als Kunden und spielten in Gaststätten auf eigene Rechnung zum Tanz auf. Zunehmend erwuchs ihnen jedoch Konkurrenz durch die damalige 'moderne' Technik, weil viele

Wirte in ihren Gaststätten 'Tanzmusik mittels Musikautomaten' veranstalteten und so den Verdienst der Musiker schmälerten.

57 Vor dem RostockerTor haben sich auch Domherren und Chorknaben versammelt. In vollem Ornat, mit Bischofsmütze und Krummstab, prangt Friedrich Matthews, Konrektor der Volks- und Mittelschule.

Die Geschichte Bützows ist eng mit der des Bistums Schwerin verknüpft. Bereits 1171 erhielt der Schweriner Bischof das Stiftsland im Dreieck zwischen Bützow, Warin und Sternberg als Dotation. Insgesamt haben in Folge 3 1 katholische Bischöfe und nach der Reformation noch fünf evangelische 'Administratoren' in und über Bützow geherrscht, bis das Stiftsland 1649 im Westfälischen Frieden als 'Pûrstentum Schwerin' an das mecklenburgische Herrscherhaus kam. Neben

Brunward (1192-1238), unter dem Bützow Stadtrecht erhielt, sind die für die Geschichte der Stadt bedeutendsten Bischöfe Wilhelm, der 1248 das Kollegiatskapitel der Stifts-

kirche gründete, und Nikolaus 1. Böddeker (14441447), der die Burg erneuern und erweitern ließ. Im 'Krummen Haus' ist sein Wappenstein - der Schwan - zu sehen.

58 Die einzelnen Bilder des Festzuges stellen besondere Ereignisse der Bützower Geschichte dar. Wallensteinsche Reiter in ihren schweren Harnischen ziehen vorüber, und ihnen werden sich die mit Musketen bewaffneten schwedischen Fußsoldaten anschließen. Sie sollen an das Elend der Stadt während des Dreißigjährigen Krieges erinnern, als zwischen 1625 und 1649 zuerst dänische, dann kaiserliche und zuletzt schwedische Truppen die Stadt besetzt hielten. Darüber heißt es im Festgedicht:

Doch in dei bitterböse Tied, as Wallenstein sien Volk wier door,

Un nahst dei Sweed, dunn würd dei Stadt veel Unrauh un veel Leid gewahr!

Dei Drangsaal wier meist goor tau leeg. Un nahst, dunn kehm noch grötter Not,

Dei Pest trök dörch dei lütte Stadt

gerfamilien in Bützow, dreißig Iahre später nur noch 1 81 in einer hoch verschuldeten und verarmten Stadt!

un goor tau veel haalt dunn dei Dod!

Wie es in einem alten Protokoll heißt, 'peste undt sterbenszeit' herrschte: im Iahre 1625 lebten 450 Bür-

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