Colditz in alten Ansichten Band 1

Colditz in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Albert Peter Bräuer
Gemeente
:   Colditz
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5908-1
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Colditz in alten Ansichten Band 1'

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EINLEITUNG

Stadt und Land Colditz liegen zwischen dem nordsächsischen Tief- und mittelsächsischen Bergland. Die Landschaft wird östlich etwa fünfzehn Kilometer lang vom Tal der Zwickauer Mulde durchschnitten, das mit seinen sanften, oft auch schroffen Hängen als nördlicher Ausläufer des sächsischen Burgenlandes gilt. Die Stadt selbst liegt zu beiden Seiten des Muldenstromes, der hier in einem großen Bogen den Ort umfließt, hat aber ihren historischen Kern auf der rechten Uferseite. Nach Osten zu steigt das Terrain steil an, so daß sich neben dem weithin sichtbaren Schloß die Wohnhäuser der Stadt terrassenförmig und in malerischer Unregelmäßigkeit um den Schloßberg schmiegen. Alte und neue Gebäude bestimmen das Stadtbild. Wir befinden uns an einer bedeutsamen historischen Stätte am Unterlauf der Zwickauer Mulde, der Milda occidentalis, wie sie alte Urkunden nennen. Darüber hinaus bietet die Colditzer Landschaft ein ungemein reizvolles Nebeneinander von Tälern und Höhen, Fluß und Wald. Hier liegen um die Stadt anmutige Dörfer: Zschadraß, Hausdorf, Lastau, Möseln, Hohnbach, Schönbach, Sermuth, Erlln, Maaschwitz, Tanndorf, Podelwitz und Collmen.

Erste Hinweise auf unser Gebiet gab Bischof Thietmar von Merseburg in seiner berühmten Chronik. Das 968 gegründete Bistum Merseburg mußte bereits 981 auf päpstlichen Beschluß hin wieder aufgelöst werden. Durch die damit zusammenhängende Aufteilung des Stiftsgebietes wurde unter anderem Lastau (Lostatawa) erwähnt. Im Jahre 1104 setzte dann unter Wiprecht von Groitzsch die eigentliche

Kolonisation ein. Weite Landstriche wurden urbar gemacht und Colditz am 24. Mai 1265 zum ersten Mal als Stadt erwähnt. Die Herren von Colditz, eine zuletzt in Nordböhmen begüterte Dynastenfamilie gleichen Namens, stiegen mit Beginn des 12. Jahrhunderts zu einflußreichen Reichsministerialen auf. Als Kaiser Karl IV. seine luxemburgischböhmische Hausmacht über Mitteldeutschland ausdehnte und die Dynastien des Meißner Landes der böhmischen Krone unterstellte, erreichte die Herrschaft Colditz ihre größte Ausdehnung. 1404 wurden Burg und Stadt an die Wettiner verkauft, die das heutige Renaissanceschloß bauen ließen. Das war unter Kurfürst Ernst, der 1486 nach einem im Colditzer Wald erlittenen Jagdunfall verstarb. Die Kurfürsten August, Christian I. und Johann Georg I.ließen es erweitern und legten für ihr Jagdvergnügen den mit einer Mauer umgebenen Tiergarten an. Oft hielt sich der kurfürstliche Hof für mehrere Wochen in Colditz auf und erfüllte die ganze Stadt mit Leben. Als Christian I. 1591 jung verstarb, zog Kurfürstin Sophie auf Schloß Colditz und residierte hier einunddreißig Jahre lang. Das brachte einen Zug höfischen Lebens in die abseits gelegene Kleinstadt. Während dieser Zeit ließ sie viel aus- und umbauen, förderte Kultur und städtische Handwerke. Als fromme Landsmutter war sie sich auch ihres christlichen Auftrages bewußt und half vielen Kranken und Armen aus der reinen Kraft ihres Glaubens.

Noch unter August dem Starken, der das Schloß 1694 von seiner Schwägerin erwarb, war Colditz ein beliebter Auf-

enthaltsort des Hofes. Der sinnesfrohe Barockfürst liebte die Schönheit des Colditzer Landes in demselben Maße wie seine kurfürstlichen Vorfahren. Aber wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten. Als in den frühen Morgenstunden des 1. Februar 1733 Friedrich August 1. in Warschau verstarb, ging mit dem Leben des aufgeklärten Monarchen auch sehr bald die höfische Zeit des Colditzer Schlosses zu Ende. 1787 gingen sämtliche Kunstgegenstände nach Dresden. 1800 wird es Armenhaus für den damaligen Leipziger Kreis, 1803 Landesarbeitshaus, und am 12. November 1829 gründeten die beiden Ärzte DL Ernst August Carus (1789-1869) und Dr. August Fürchtegott Hayner (1775-1837) eine Landesversorgungsanstalt für unheilbare Geisteskranke im Schloß. Später ist aus dieser Anstalt das Colditzer Krankenhaus hervorgegangen. Seinen moralisch tiefsten Punkt erreichte das Gebäude 1933/34, als in ihm ein Konzentrationslager für Regimegegner des nationalsozialistischen Staates eingerichtet wurde. Von 1939 bis 1945 diente Schloß Colditz als Kriegsgefangenenlager für alliierte Offiziere. Eine nicht mehr zu überschauende Zahl von Publikationen und Fernsehfilmen hat seitdem die 'The Colditz Story', hier unternommene Ausbruchsversuche, in vielen Ländern bekannt gemacht.

Geschichtliche Wandlungen haben die Colditzer Kulturlandschaft in entscheidendem Maße mitgeprägt. Gesellschaftliche und damit einhergehende wirtschaftliche Prozesse förderten oder hemmten. Die Stadt ist geprägt von Bürgerfleiß und Ehrgeiz, aber auch von falsch verstande-

nem Fortschritt, dem man viel historische Bausubstanz opferte. Persönliche Interessen geraten schnell in Widerstreit zu den Forderungen der Denkmalpflege. Wollen wir aber ein durch die Jahrhunderte gewachsenes Stadtbild bewahren, für den Einheimischen liebenswert, den Fremden sehenswert machen, dann müssen wir eine gute Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlagen. Niemals geht das ohne Schmerzen, aber mit gesunder Heimatliebe. Von alten Ansichten geht immer ein ganz eigentümlicher Reiz aus. Möglicherweise erfreut sich eine schnellebige, hektische Zeit gerade deshalb an dem Zauber einer vielleicht nur irrtümlich für glücklicher gehaltenen älteren. Schimmert darin nicht ein Strahl, wenn auch gebrochen, vom Sinn des Lebens? Menschen, die diese Mauern gebaut haben, sind längst nicht mehr. Aber die Erinnerung an ihr Leben ist in Stein gemeißelt und schreitet für einen Augenbliek mit uns ...

Ich wünsche dem Buch viele kleine und große Freunde unserer schönen Colditzer Heimat!

Der Verfasser bedankt sich für die freundlichen Leihgaben von Frau Gudrun und Herrn Uhrmachermeister Horst Eismann, des Städtischen Museums Colditz sowie der Pfarrämter Colditz und Lastau. Soweit nicht anders angezeigt, sind alle anderen Postkarten und Fotos aus dem Besitz von Herrn Manfred Knochenmuß, der seit nunmehr drei Jahrzehnten Wissens- und Aufhebenswertes von und über Colditz zusammenträgt. Ihm gilt mein besonderer Dank!

1. Dieses Luftbild ist aus etwa 120 Meter Höhe aufgenommen. Es zeigt die Stadt Mitte der zwanziger Jahre mit Schloß, Marktplatz, Sophienplatz, Schule und Schulhof. Nordöstlich breitet sich der Waldgürtel von Hainberg, Schloßpark und Tiergarten aus. Dahinter liegen die Zschadrasser und Commichauer Fluren.

2. Fliegeraufnahme von 1929. Der Betrachter blickt von Süden hinweg über die Altstadt mit langgestrecktem Markt, Rathaus und Amtsgericht. Im Norden ist Schlobachs Berg und der Schloßkomplex zu erkennen. Östlich die Stadtkirche St. Egidien.

3. Auf hohem Felssporn liegt das Wahrzeichen der Stadt: Schloß Colditz. Heute wie ehedem gleicht es einer Hüterin der Stadt, die weit ins Land schaut. Gleichwohl ihm angesichts seines derzeitigen Bauzustandes selbst ein neuer Custos dringend zu wünschen ist. Unsere Stadt lebt nicht nur von der Vergangenheit dieser viertgrößten Burg Sachsens. Ihre zukünftige Nutzung ist mindestens genauso wichtig. Im Frühjahr 1930 hat der Fotograf Moritz Lange, mit seinen Mitteln auch ein Chronist von Stadt und Land Colditz, das Schloß von Nordwesten aufgenommen. Wir werden in diesem Buch noch manchem Bild aus seinem ehemaligen Atelier am Fürstenweg 6 begegnen.

4. Unter den Bürgermeistern der Stadt Colditz hat sich zweifellos keiner so viel bleibende Verdienste erworben, wie Johannes Müller. Am 27. Mai 1847 wurde er als Sohn des Organisten der Schloßkirche in Colditz geboren. Nach dem Besuch der Leipziger Thomasschule bezog er die dortige Universität und studierte Rechtswissenschaft. 1873 trat er die Nachfolge von Bürgermeister Carl Meyer in seiner Vaterstadt an und führte dieses Amt fast 35 Jahre. Seinem unermüdlichen Wirken verdankt Colditz die Gründung des Museums (1874), die Errichtung des Stadtkrankenhauses auf der Luisastraße (1878179), den Neubau der Bürgerschule (1885/86), den Umbau des Rathauses (1887/88) und die Schaffung eines Elektrizitätswerkes (1895). Colditz gehörte zu den ersten Städten in Sachsen, die eine eigene Stromversorgung hatten. In seine Amtstätigkeit fällt weiterhin die Erbauung des Wasserwerkes (1896/97) und der Post (1903/04). Nicht unerwähnt soll schließlich die Erweiterung des Untermarktes sowie das Anlegen des Albert- und Sophienplatzes bleiben.

5. Nach nur sechstägiger Krankheit verstarb Bürgermeister Johannes Müller am Freitag, dem 5. Dezember 1907. Drei Tage darauf seine um fünfJahre jüngere Frau. In einem 'nicht enden wollenden Trauerzug begleiteten alle Einwohner seiner über alles geliebten Stadt den teuren Verblichenen mit seiner Gemahlin'. Der Augenzeuge schreibt weiter: 'Ich wüßte nicht,jemals soviel Menschen vereint gesehn zu haben. Der Gottesacker konnte sie nicht fassen, so dichtgedrängt standen sie in allen Straßen und Gassen vom Albertplatz bis zum Sophienplatz. Gott weiß, wie viele Tränen geflossen sind .. .'

6. Das Colditzer Land gelangte 1404 als wettinisches Amt an die Markgrafschaft Meißen, die durch den konsequenten Ausbau ihres Territorialstaates nach 1500 auch die wirtschaftlich gefestigte Stadt Colditz der Selbstverwaltung überließ. Das blieb nicht ohne Einfluß auf den Baucharakter des Ortes. Architektonischer Mittelpunkt des Marktplatzes ist seit eh und je das Rathaus, hier auf einem Foto von 1870. Der heutige, mit drei Volutengiebeln und Glokkenturm reich verzierte Bau ist zwischen 1650 und 1657 entstanden. Wer das stattliche Haus betritt, auf den werden die rippenlosen, fantasievoll aus freier Hand geformten Kappen mit scharfen Graten der Zellengewölbe nicht ohne Eindruck bleiben. Durch alle Zeiten hindurch ist das Haus Sitz des Bürgermeisters und der Stadtverwaltung gewesen. Die lange Reihe der Colditzer Bürgermeister beginnt 1514 mit Benedict Tzschetzsch; unser heutiges Stadtoberhaupt ist Manfred Heinz.

7. Bis 1915 stand unweit vom'Goldenen Kreuz' und Rathaus der alte Marktbrunnen, ein Halbrund mit zwei wasserspeihenden Löwenköpfen und Auffangtrog. Besonders markant die drei Laternen auf der gußeisernen Kandelabersäule. Hier ist so mancher Bund fürs Leben geschlossen, wußte sich der alte 'Papa Radestock' zu erinnern, 'denn die Mädchen, die in den dämmrigen Abendstunden Wasser holten, schauten sehnsüchtig aus, ob nicht bald die Böttcher- und Fleischergesellen kämen, Wasser zu holen, um mit ihnen über den nächsten Tanzabend zu plaudern. Sehr willkommen war es da, wenn der Löwenkopf an der linken Seite des Brunnens kein Wasser spie, um so länger konnte ja gescherzt werden .. .'

Verla.g; A. Mersebur er, Colditz. 1389.

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8. 'Zum goldnen Kreuz' hieß die älteste Herberge der Stadt (Markt 25). Das Portal trug die Jahreszahl1555. Bei Eröffnung des regelmäßigen Postverkehrs hat hier am 9. Mai 1698 die erste Postkutsche gehalten. Wider besseres Wissen vieler Heimatfreunde ist der große Gasthof nach 1961 abgerissen worden, die unmittelbar daneben gestandene Schokoladenhandlung von Selma Richter (Kirchberg 2) gleich mit. Erhalten blieb auf der rechten Kirchbergseite nur noch das 1908 durch Emi! Lohse gegründete Herrenbekleidungsgeschäft von Curt und Dieter Langer.

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