Das Kirchspiel Diedrichshagen in alten Ansichten

Das Kirchspiel Diedrichshagen in alten Ansichten

Auteur
:   Eckart Redersborg
Gemeente
:   Diedrichshagen, Das Kirchspiel
Provincie
:   Mecklenburg-Vorpommern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6108-4
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Das Kirchspiel Diedrichshagen in alten Ansichten'

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Einleitung

Im Gegensatz zu den anderen Kirchspielen der Umgebung, die alle im Ratzeburger Zelmtenregister von 1230 erwähnt sind, entstand das Kircbspiel Diedrichshagen erst [ahrzehnte später, Zu ihm gehören die Dörfer Baienhagen, Büttlingen, das zeitweiseTeil des Kirchspiels Grevesmühlen war, Diedrichshagen, Kastahn, Rüting, Schildberg, Sicvershagen und Upahl.

Der älteste, urkundlich genannte Ort ist Kastahn, als Kerstane bereits 1219 erwähnt, gefolgt von Rüting (Rutnik; 1230), Diedrichshagen (Thiderikeshagen; 1260), Baienhagen (Boyenhagen; 1291), Schildberg (Schildenberge; 1291), Upahl (Upal: 1291), Büttlingen (Butling; 1307) und Sievershagen (Syberdeshaghen; 1335). Dabei scheint es sich vorwiegend um deutsche Ortsgründungen zu handeln, immerhin sind allein drei Dörfer (Boienhagen, Diedrichshagen und Sievershagen) als deutsche Rodungsdörfer anzusprechen, während lediglich Rüting und Upahl als slawische Siedlungen gelten. Rüting (slawisch rudnik) wird mit 'Stelle, Wiese mit Raseneisensteiri' übersetzt, Upahl (polnisch upalic) als 'Brandstätte'. einem durch Brandrodung geschaffenen Ort. Als Brandstätte besonderer Art sollte Upahl aber erst vor 53 JahrenAufsehen weit über die Grenzen der Kirchgemeinde hinaus erlangen. Davon künden allein mehrereAbbildungen dieses Buches.

Im Gegensatz zu anderen Landstrichen Nordwestmecklenburgs und des gesamten Landes Mecklenburg faßte das Rittertum im Territorium des Kirchspiels Diedrichshagen keinen Fuß, obwohl es dazu Anhaltspunkte gibt, z.B. durch die frühdeutschen Burganlagen in Kastahn

('Die Burg') und Upahl (Hufe IX). Dieser Raum verblieb jahrhundertelang unter der Landesherrschaft, die es ermöglichte, daß sich hier, auch bedingt durch eine hohe Bodenfruchtbarkeit, ein wirtschaftlich starkes Bauerntum entwickelte. Mit Baienhagen, Büttlingen, Diedrichshagen, Kastahn, Rüting-Dorf, Sievershagen-Dorfund Upahl entstanden Bau-

erndörfer, die bis über die Mitte des 20. Iahrhunderts hinaus Bestand haben sollten und erst durch die Landwirtschaftspolitik der DDR einen schweren Rückschlag erlitten.

Neben diesen domanialen Dörfern gab es aber auch domaniale Pachthöfe, teilweise neben den Bauerndörfern selbst. So sprach und spricht man in Sievershagen und Rüting vom Dorf und vom Hof Sievershagen bzw. Rüting, auch Schildberg galt als Pachthof Ein Verzeichnis des Iahres 1914 nannte als Pachter von Rüting-Hof GustavThomsen, von Schildberg Paul Ehlers und von Sievershagen-HofKarl Baumann.

Der Reichtum dieses Landstriches àußerte sich auch in der Bodenständigkeit seiner Bewohner. So verblieben in diesen Dörfern einige Bauernhöfe über einen Zeitraum von ca. 300 Iahren im Familienbesitz, andere zumindest über mehrere Generationen. Stellvertretend werden nachfolgend die Familien Duwe, Frahm, Nevermann und Schünemann in Baienhagen, die Familie Meyer in Büttlingen, deren männliche Vertreter in andere Gegenden abwanderten und dann den von ihrem Herkunftsort abgeleiteten Zusatznamen Bothling (Büttlingen) trugen, die Familien Freytag, Körner und Schwarz in Diedrichshagen, die Familien Kruse, Qualmann, Tretow und Warncke in Kastahn, die Familien Berns und Rump in Rüting, die Familien Evert, Holst und Lenschow (Hufe VII) sowie die Familien Körner, Kruse und Schult in Upahl genannt. Iedes Dorf stellte bis an das Ende des vergangenen Iahrhunderts eine mehr oder weniger wirtschaftlich abgeschlossene Einheit dar. Bei den Nahrungsrnitteln dominierte die Eigenversorgung in der Familie oder im Dorf Erst mit dem Bau der Straßen über Büttlingen und Sievershagen nach Rehna bzw. über Upahl und Rüting in Richtung Schwerin, mit dem Bau von Molkereien in Upahl, Hanshagen, Mühlen-Eichsen oder Grevesmühlen und dem Anschluß der Dörfer an das Elektroenergieversorgungs- und Telefonnetz änderten sich die wirtschaftlichen Be-

dingungen allmählich. Der Bliek der Menschen ging nunmehr über die eigentlichen Dorfgrenzen hinaus, trotzdem beschränkte sich das Leben der Menschen zumeist auf das Territorium der Kirchgemeinde. Von den der pfarre angeschlossenen Dörfern sah man den schlanken Turm der Diedrichshäger Kirche, der sonntägliche Besuch der Kirche vereinte die Kirchgemeindemitglieder und brachte auch eine willkomrnene Abwechselung. Letztendlich heiratete man fast ausschließlich auch in den Grenzen der Kirchgemeinde, so daß sich zwischen den alteingesessenen Familien vielfàltige verwandtschaftliche Beziehungen ergaben, so z.B. zwischen den Familien Koop, Lüdemann, Nevermann und Warncke in den Dörfern Kastahn, Upahl und Baienhagen. Diedrichshagen bildete nicht nur den kirchlichen Mittelpunkt. Hier befand sich bis zum Bau der beiden genannten Chausseen auch die einzige Poststation des Kirchspiels, bedingt durch den früheren Postweg überWotenitz, Kastahn, Diedrichshagen und Rüting in Richtung Schwerin. So tragenAnsichtskarten vom Anfang des 20.Jahrhunderts aus Sievershagen, Rüting oder Upahl den heute unlogisch klingenden Zusatz ' ... bei Diedrichshagen'.

Anziehungspunkte dörflicher Kommunikation stellten auch die Gastwirtschaften in Boienhagen, Diedrichshagen, Kastahn, Rüting, Sicvershagen und Upahl dar, oftmals gekoppelt mit Poststelle, Kolonialwarenhandlung oder Schmiede. In Gastwirtschaften, die über einen Saal verfügten, fanden u.a. die Hochzeiten und Erntefeste statt. Einzigartig dagegen war die Wassermühle von Rüting, die einzige Mühle innerhalb des Kirchspiels überhaupt.

Eine besondere Rolle kam den Schulen in Baienhagen, Diedrichshagen, Kastahn, Rüting, Sievershagen und Upahl zu. Meist unterrichtete [ahrzehntelang ein Lehrer an diesen einklassigen Schulen mit den Iahrgängen 1 bis 4 oder gar 1 bis 8. Der Dorfschulmeister wird zwar in der

mecklenburgischen Literatur nicht besonders gewürdigt, aber neben dem Pastor aufKirchspielbasis galt er auf Dorf- und damit zumeist gleichzeitig auf Gemeindebasis als eine bedeutende Persönlichkeit. Wer eine dieser Schulen besuchte und lernen wollte, der erhielt hier das notwendige Grundgerüst zur weiteren Bildung in städuschen oder hóheren Schulen. Die Schule im Dorf stellte dabei nicht nur eine Bildungseinrichtung dar, sie war auch Museum, Statte des Geschichtsbewußtseins aufDorfbasis, des Führens von Chroniken, des Frohsinns, z.B. bei den Kinderfesten, oder der Bienenzucht.

Hart waren das Leben und die Arbeit in den Dörfern, ob auf den Höfen, auf den Bauernstellen, in den Büdnereien oder Häuslereien oder bei den anderen Dorfbewohnern. Aber es gab im Laufe eines Iahres auch willkommeneAbwechslung, Höhepunkte besonderder Art. Dazu zählten alljährltch die Kinder- und Erntefeste, das Ringreiten oder ab und an Hochzeiten.

Den Lebensrhythmus bestimmten täglich die Haustiere und im [ahresverlauf die Natur mit ihren Anforderungen an die Feldbestellung und die Erntearbeiten. Gemeinsamkeiten, besonders innerhalb einer Familie mit mehreren Generationen, in denen jeder seinen Platz und seine Aufgabe hatte, dominierten. Und so war das Leben aller bei allen Schwierigkeiten gerade auf dem Dorf auch lebenswert, vor allem für die Kinder, denen sich besonders viele Möglichkeiten für das Spielen und den Umgang mitTieren boten. Baden in der nahen Stepenitz im Sommer, Spielen in Heu und Stroh, Peekschlittenfahren auf den gefrorenen Teichen, mehrere hintereinandergebundene, von einem Pferd gezogene Schlitten, das konnte in erster Linie nur das Dorfbieten.

In Upahl hatte außerdem der Sport besondereTraditionen. Der Mánnerturnverein sorgte mit seinem Trommler- und Pfeifenkorps und mit Turn- und Theatervorführungen alljährlich für weitere Höhepunkte.

Auch dem Kriegerverein und dem Radfahrverein kamen eine besondere Rolle zu.

Das äußere Bild der Dörfer bestimmten neben den Pachthöfen von Rûring, Schildberg und Sievershagen vor allem die Bauernhöfe, aber auch Büdnereien und Häuslereien, entstanden vor ca. 150 Iahren. In Beienhagen, Diedrichshagen, Kastahn und in Sievershagen-Dorf sowie im unteren Dorfteil von Upahl dominierten die prächtigen Niederdeutschen Hallenhäuser.

Derartige Bauernhäuser gehören im norddeutschen Raum zu den eindrucksvollsten Bauwerken dörflicher Architektur. Über einem großen Fachwerkbau mit niedrigen Seitenwänden erhob sich ein máchtiges Rohrdach. Der zur Hofauffahrt weisende Giebel wies eine großeToreinfahrt auf so daß ein beladener Erntewagen ins Innere des Hauses fahren konnte. Derartige Häuser boten Platz für die Bewohner, pferde und Kühe sowie für die Ernteerträge.

In den ersten [ahrzehnten des 20. Jahrhunderts veränderte sich das Bild der Dörfer des Kirchspiels allmählich. Upahl und Rüting lagen seit 1908 an Chausseen, Büttlingen und Sievershagen seit 1912. Durch den Anschluß an das Elektroenergienetz ergaben sich für den bäuerlichen Betrieb neue wirtschaftliche Möglichkeiten, besonders in der Stallwirtschaft und beim Dreschen. Ställe und Scheunen wurden den modernen Bedingungen angepaßt. Die bäuerlichen Betriebe erzielten gute Erträge, die schweren Zeiten der Inflation und der Weltwirtschaftskrise wurden mehr oder weniger unbeschadet überstanden.

Um 1930 wiesen die Orte bereits ein zeitgemäßeresAussehen auf. Zwar waren zunächst nur wenige neue Häuser entstanden, aber Urnbaumaßnahmen erfolgten im stärkeren Maße, vor allem in den zwanziger und dreißiger Iahren. Bauernhäuser hatten vielfach neue Giebel erhalten, aus Backstein hochgemauert. Durch die Versiedlung des Gutes

Rüting entwiekelten sich dort 1934 mit 'Siebenhausen' und'Vierhausen' sogar zwei neue Ortsteile.

Das Bild Upahls, besser gesagt des südlicheren Teiles von Upahl, wandelte sich allerdings innerhalb eines Tages grundlegend. Am 7. Mai 1942 brach auf der Körnerschen Bauernstelle während der Mittagszeit (etwa 13.3 0 Uhr) ein Brand aus. Der Westwind fegte die Funken zu den Nachbarhäusern und auf die andere Straßenseite hinüber, so daß innerhalb weniger Minuten die trockenen Rohrdächer und danach die Häuser selbst in Flammen standen. Bis zu elf Feuerwehren bekämpften tagelang dieses Großfeuer, dem die Häuser der Familien Evert, Körner, Johannes Kruse, Lüdemann, Püstow, Warncke und Wiedow und große Teile ihrerViehbestände zum Opfer fielen.

Damit verlor U pahl sein bis dahin typisches Antlitz, aber Kastahn und Diedrichshagen konnten ihren früheren dörflichen Charakter bis in die heutige Zeit erhalten. Besonders Kastahn, malerisch an der Stepenitz gelegen, bildet noch heute eine der schönsten mecklenburgischen Dorfanlagen.

Dieses Buch kündet von den Dörfern und den Bewolmern des Kirchspiels Diedrichshagen. Viele Einwohner unterstützten die Herausgabe durch Fotos und durch Informationen. Ihnen allen sei an dieser Stelle gedankt, vor allem jenen, die in verwandtschaftlicher Beziehung zu AugustWarncke stehen.

Eckart Redersborg

1 Diese Karte zeigt in der oberenAbbildung die Diedrichshäger Kirche und das in der Dorfmitte befindliche, schilfgedeckte Niederdeut sche Hallenhaus der Familie Böttcher, eines der neun zum Teil sehr schönen Bauernhäuser des Kirchdorfes.

Diesem Bauernhaus steht das im unteren Teil abgebildete große Haus gegenüber. Es gehörte arn Anfang unseres [ahrhunderts dem Gastwirt Ahlers.

Ahlers Gasthaus

2 Im Verlag Carl Ehlers (Grevesmühlen) erschien die abgebildete Ansichtskarte, abgestempelt am 3. November 1911 in Diedrichshagen. Sie zeigt die Postagentur und die Kirche, Ahlers Gasthaus und das pfarrhaus. jahrhundertelang stellte die Postagentur ein wichtiges Gebäude dar, denn der Postverkehr zwischen Grevesmühlen und Schwerin führte bis zum Bau der Chaussee (1908) über Wotenitz, Kastahn und Diedrichshagen in Richtung Rûring.

3 Der Altbau der Diedrichshäger Kirche bestand seit ca. 1260, wurde aber 1861 durch einen neugotischen Querschiffbau mit Chor ersetzt. Der um 1460 erbaute Turm blieb bestehen. Er ist mit seiner 'Bischofsmütze' typisch für viele Kirchen im Küstengebiet zwischen Lübeck und Rostock. DerTurm ist mit seiner Spitze bis zu den übrigen Kirchgemeindeorten sichtbar.

DieAbbildung, eine Reproduktion einer Pappe in doppelter Zeichenblattgröße, enthält neben dem Bildnis des damaligen Pastors eine Innenund eine Außenaufnahme der Diedrichshäger Kirche. Dieses

Blatt wurde vermutlich um 1920 den damaligen Konfirmanden als Geschenk überreicht.

4 Nach einer alten Fotografie malte der Hobbymaler Raimond Haak (Potsdam) 1992 die Diedrichshäger Kirche und schenkte dieses Gemälde dem Rütinger Lehrer Herbert Radlof( Im Vordergrund tummeln sich Pferde des Diedrichshäger Bauern [ochen Oldenburg.

5 Die Aufnahme zeigt das Diedrichshäger Pastorenhaus Anfang des 20. Iahrhunderts. Zu dieser Zeit bewohnte Pastor [ohann Martens mit seiner Familie das Haus. Pastor Martens wirkte von 1883 bis 1909 in Diedrichshagen. Sein Nachfolger Paul Nevermann warvon 1909 bis 1916 für die Kirchgemeinde tätig. Zwischen 191 6 und dem Beginn des Zweiten Weltkrieges sorgte Pastor Friedrich Lehnhardt für die Diedrichshäger Kirchgemeinde.

6 Nach einer alten Fotografie malte Raimond Haak

(Pots dam) für den Lehrer Herbert Radloff das frühere Schulgebäude. Die Schulstube befand sich an der rechten Giebelseite. Die Fenster rechts neben derTür gehörten zur Wohnstube, das Fenster links von derTür zur Küche, daneben lag früher die Speisekammer. Der linke Gebäudeteil beherbergte den Wirtschaftsteil, zu dem die Durchgangsdiele gehörte.

Zwischen 1904 und 1943 unterrichtete Franz Lüth in Diedrichshagen. Laut der Publikation 'Landschulstellen in 11ecklenburg-Schwerin' (Wismar 1926) war seine

Schulstelle bei vollem Kirchendienst als Küster unter anderem mit einem Garten (über 24 a), einem über 1 ha großen Acker und einer 30 a großen Wiese sowie mit 2 1 Zentnern Roggen,5 2 Broten

à 12 Pfund, 50 Metrwûrsten à 3 pfund und 975 Eiern verbunden.

7 Bis 1947 bestand in Diedrichshagen eine einklassige Dorfschule, die die Kinder der Klassen 1 bis 8 erfaßte. Danach gingen die Schüler der Klassen 5 bis 8 nach Upahl, während ab 1949 bis zur jahreswende 1954/55 Lehrer Werner Heyme in Diedrichshagen die Kinder des 1. bis 4. Schuljahres aus Diedrichshagen, Kastahn und Schildberg unterrichtete. Im Schuljahr 1954/55 zählte diese Schule wenigstens die im Bild sichtbaren 31 Mädchen und Jungen. Letzter Lehrer in Diedrichshagen war Herbert Radloff, der hier von Februar 1 955 bis zur Schließung der Schule am Ende des Schuljahres 1955/56 und dann in Rüting tätig war.

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