Das Siegerland in alten Ansichten

Das Siegerland in alten Ansichten

Auteur
:   Thomas Leginger
Gemeente
:   Siegerland, Das
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1032-7
Pagina's
:   160
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

Levertijd: 2-3 weken (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Das Siegerland in alten Ansichten'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  >  |  >>

van

Thomas Leginger

Europäische Bibliothek - ZaltbommellNiederlande MCMLXXX

'" niE ""0ÄMALS

REIHE

rSBNlO: 90 28810323 rSBN13: 978 90 288 10327

© 1980 Europäische Bibliothek - Zaltbommel/Niederlande © 2010 Reproduktion des ursprünglichen Druckes aus 1980

Nachdruck und Vervielfältigung jeglicher Art von Bild und Text nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlegers.

Europäische Bibliothek Postfach 49

NL - 5300 AAZaltbommel/Niederlande Telefon: 0031418513144

Telefax: 0031418 515515

E-mail: publisher@eurobib.nl

EINLEITUNG

Nachdem wir den Reisenden August Horn und Ernst Weyden im ersten Band unserer Wanderung durch das Siegtal von der Mündung bis zum Schloß Schönstein gefolgt sind und sie auch bei einem Absteeher auf den Westerwald begleiteten, beginnt dieser zweite Band mit einem Besuch im Wasserschloß Crottorf und der Wildenburg, um nach längerem Aufenthalt in der Gegend von Kirchen, welcher mit einem Ausflug zum Hohenseelbachskopf und Schloß Friedewald verbunden ist, in das eigentliche Siegerland zu treten. Hier wollen wir ausgiebig und ausführlich verweilen, bevor wir zum krönenden Abschluß unserer Reise - nach Erreichen der Sieg- und Lahnquelle - von einer Partie des Kirchener Arztes Christian Daniel Jung und seines Schwagers und Freundes Wilhelm Stein, Student der Theologie, nach Greifenstein und Schloß Braunfels an der Lahn erzählen.

Dem Verfasser ist es durch einen außerordentlich glücklichen Umstand auch möglich gewesen, von den interessanten Tagen des Aufenthaltes August Horns in Kirchen zu berichten, dergestalt, daß er am 22. April 1967 im Rahmen einer ausführlichen Durchsuchung des Kutscherhauses im Hardtweg daselbst, in einem sehr verlassenen Winkel des Dachbodens in einer Vertiefung die vergilbten, teilweise brüchigen und von Nagern befallenen Fragmente des DI. Jung entdeckte, welchen, ob ihres Wertes, ein bescheidener Raum in diesem Buch zugebilligt wurde. Dem Voyageur, der durch mehrere Feuilletonartikel eines Freundes in der 'Kölner Zeitung' vom April 1851 zu seiner Arbeit sich ermuntert fühlte, haben die rûhmlichen lokal-historischen Kenntnisse des Herrn Dr. med. Jung in Kirchen mehrfach als Leltfaden bei seinem späteren historischen Quellenstudium gedient und fährt fort trotz mancher Widerwärtigkeiten bekennen wir gern, daß uns bei der Bearbeitung unseres Stoffes vielseitige persönliche Teilnahme entgegengekommen ist.

Ernst Weyden, der vorher schon im Verlag Habicht in Bonn 'Das Ahrtal' und 'Godesberg, das Siebengebirge und ihre Umgebungen' herausgebracht hatte, entsprach dem Wunsch des Verlegers gern, einen Führer durch das Siegtal zu schreiben, und wesentlich erleichterten ihm seine Vorgänger, Vincenz von Zuccalmaglio (Montanus) und August Horn, seine Arbeit, wenn er auch, wann immer es möglich war, unmittelbar aus den Quellen schöpfte und nach eigener Anschauung schilderte, Allenthalben fand er im Siegtal freundliches Entgegenkommen und erhielt jede gewünschte Information. Besonders dankt er meinem ehrenwerten Kollegen. Herrn Dr. Schmick, Oberlehrer der Realschule L Ordnung in Köln, für die freundliche Bereitwilligkeit, mit welcher er mich durch Beiträge und Aufklärungen in meiner Arbeit unterstiitzte.

Der Talbewohner, an welchen ich mich vorzüglich wende, wird letztlich vielleicht manches in dem Buch vermissen, doch meine Freunde werden mieh gewiß schon mehr als entschuldigen, wenn sie erfahren, daß ieh das mit dem Herrn Verleger ursprünglich nicht nur etwa verabredete, sondern auch kontrahierte Volumen um den ganzen zweiten Band überschritten habe. Damit möchte ich gleichzeitig dem Verlag für seine Unterstützung des Projektes danken.

Mit dem Wunsch, daß meine Wanderung durch das Siegtal und seine vorzüglichsten Seitentäler vielen Freunden der schönen Natur und der Geschichte der Heimat ein willkommener und unterhaltender Begleiter sei und recht viele zum Besuch des an Naturreizen so überreichen, höchst interessanten Tales veranlasse, übergebe ich den geliebten Bewohnern, Freunden und Bekannten im Tal mein Frühlingskind als kleines Zeichen dankbarster Erinnerung und empfangt auch aus dem Roten Salon der fernen Residenz Berlin mein herzliches Glück-Auf!

BIBLIOGRAPHIE

'Die Kunstdenkmäler des Siegkreises' , E. Renard 1907.

'Die Kunstdenkmäler des Kreises Altenkirchen' , Bitterauf-Remy, 1935. 'Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen', A. Ludorff, 1903.

'Geschichte der Reichs-Grafschaft Sayn-Altenkirchen', Heinrich Braun, 1888.

'Für den Siegerländer - Beiträge zur Heimatkunde vom Kreis Siegen', Heinrich Pistor , 1905. 'Statistik des Kreises Siegen', K.F. Schenck, 1820/1839.

'Volkskunde des Kreises Altenkirchen', Ho1schbach, 1928.

'Die Freusburg - Bilder aus ihrer Geschichte' , Pfarrer Semmelroth, 1930. 'Das Siegtal von der Mündung bis zur Quelle', August Horn, 1854. 'Führer durch das Siegtal und dessen Seitentäler', Ernst Weyden, 1865. Tagebuchfragmente des Doktor Chr. Daniel Jung.

Ein großer Teil der Aufnahmen der beiden Bände 'Kunstdenkmäler des Siegtales' und 'Das Siegerland in alten Ansichten' stammen von dem Kirchener Hoffotografen Robert Kalleicher (1877-1958). Die jahreszeitlichen Genrebilder wurden den Sammlungen des Kirchener Postbeamten a.D. Walter Semme1rogge und des Verfassers entnommen.

Bild 32 im Buch 'Kunstdenkmäler des Siegtales' zeigt unseren Freund Walter Hebel aus Kirchen unter der Totenbuche im Giebelwald oberhalb Freusburg.

1. Unternehmen wir unsere Siegfahrt im Frühling, wenn der unermüdliche Kuckuck ruft, ein geheimnisvolles Leben und Weben durch Flur und Anger, über Höhen und Halden zieht, wenn der Wald grün aufflammt, sich mit frischen Maien schmückt, wenn die Nachtigallen in dem Buschwerk der Ufer am frühen Morgen, in der andächtigen Stimmung des Abends, oder wundervollen Stille der Nacht ihre Liebe singen von der Sehnsucht nach dem verzauberten Osten, dann regt sich auch ein neues Leben in dem Fluß. Denn reich an Fischen ist die Sieg, und Geistlichkeit und Adel beanspruchten die Fischerei als eines ihrer bedeutsamsten Privilegien.

Schon im Monat März melden sich die ersten Zugfische, namentlich die Makrele und die Gußhechte. Aus dem femen Meer kommend, ziehen sie rheinaufwärts und suchen, in dichten Scharen die Sieg hinaufschwimmend, die seichten Stellen, um hier zu laichen. Nach den Makrelen kommen im Mai die Alsen, welche man am Niederrhein, nach der Zeit ihres Erscheinens, Maifische nennt. Ihr Fang ist oft sehr ergiebig, bei der unglaublichen Menge dieser Art, die sich den Fluß hinaufdrängen. Ein Fischereipächter in Mondorf machte in einem Jahr allein durch den Alsenfang 2 100 Taler. Gefangen werden diese Fische mit Streichnetzen, die Hechte jedoch auch mit Speeren und Schlingen. Am einträglichsten war früher der Salmen- oder Lachsfang. Der Lachs kommt Ende Juli und Anfang August aus dem Meer rheinaufwärts und sucht die Nebenflüsse, um zu laichen. Bei hohem Wasserstand steigen viele Lachse die Sieg hinauf, deren Fang die Fischer besonders beschäftigt, da derselbe am lohnendsten. Eine große Unterhaltung gewährt das Speerfischen, auf welches sich besonders die Fischereifrevler verlegen. Mit der an einer langen Stange befestigten dreigezinkten Harpune wird der in den Furten und Vertiefungen eingegrabene Fisch zur sicheren Beute des lauernden Jägers. Auch die Stille der Nacht wird zum Speerfischen benutzt. Große Strohfackeln erleuchten die Ufer des Flusses, dessen Furten mit Steinen verlegt sind über welchen der steigende Lachs das Opfer des Speerfischers wird.

Unser Bild zeigt die Sieg 'An den Mühlen' in Siegburg.

2. Längs dem Bett des Flusses erfreut das lieblichste, frischeste Wiesengrün das Auge des Wanderers. Im Hochsommer erklingt hier von der Frühe des Tages das Dengeln der Sensen, die Lieder der Mäherinnen und Mäher begleitend. Jeden müssen die künstlichen Anlagen der üppigsten Wiesengründe, die sich bis hinein in des Flusses Nebentälchen erstrecken, erfreuen. Urkundlich erscheint der Wiesenbau im Siegerland zwar schon im 16. Jahrhundert, doch ward der erste Grund zur planmäßigen Bewässerung und folgeweise also des eigentlichen künstlichen Wiesenbaues erst durch den Bürgermeister Dresler 1756 bis 1780 gelegt. Die Gesetzgebung half dann bald (von 1770 bis 1790) nach, und so erscheint der Wiesenbau dort denn heutigen Tages so berühmt, daß die siegener Wiesenbauer weithin außer Landes berufen werden.

Die neueste Wiesenordnung wurde 1846 erlassen, womit die Regierung hier die schützende überwachung übernommen. Man teilt die Wiesen zunächst nach ihrer Lage in Haupt- und Nebenwiesen, je nachdem sie unter und neben den Ortschaften, oder oberhalb liegen. Himmelwiesen sind solche, welche vermöge ihrer Lage nur durch den Regen ihre Bewässerung erhalten können. Brauchte die Oberfläche selbst nicht erst umgearbeitet zu werden, so nennt man die Wiese eine natürliche, im anderen Fall eine künstliche. Die Bewässerung geschieht vornehmlich nach der überrieselungsmethode, wobei man zu diesem Zweck dem Hangebau den Vorzug gibt. Es herrscht dabei im Allgemeinen der Grundsatz, den Boden zu verbessern, bei gehörig abgeteiltem Gefäll ganz zu ebnen und dann die Wasserleitung so anzulegen, daß das Wasser überall hinkommen und doch nirgends stehen bleiben kann. Gemeinsam müssen die Kosten zur Anlage der Deiche und Wehre, der Hauptwässerungs- und Abzugskanäle und der Aufräumung der Hauptgräben von den Eigentümern getragen werden. Die Arbeiten selbst werden von akkordierten Taglöhnern ausgeführt, höchst selten von den Eigentümern selbst. Wo dies geschieht, aber jede Fahrlässigkeit mit Geldstrafen geahndet.

Unser Bild: Im Ottersbachtälchen zwischen Eitorf und Herchen.

3. Der Ertrag des Wiesenflors entspricht den mannigfachen Aufopferungen und so gehört es keineswegs zu den Seltenheiten, daß eine Rute künstlich gebauter Wiese in den besseren und besten Lagen mit drei bis fünf Talern und höher bezahlt wird. Diese Lagen liefern bis sechzig Zentner Heu per Morgen, dann durchschnittlich dreißig Zentner in guten, zwanzig in mittlerer Lage und in schlechter noch immer acht bis zehn Zentner, indem in den besten Lagen jährlich viermal gemäht wird, in den folgenden dreimal, dann zweimal, und nur in den schlechtesten, wie im Wittgensteinschen, einmal. Ohne die herrliche Wiesenkultur, welche uns neben geregeltem Ackerbau allenthalben, aber besonders im oberen Tal erfreut, wäre im Siegtal der große Viehbestand gar nicht denkbar, denn woher wollte man das Winterfutter sonst nehmen? Bringen die Hauberge dem kräftigen, wenn auch nicht sehr starken Vieh im Frühjahr und Sommer Futter im überfluß, so würden die Herden aber ohne die Wiesen im Winter nicht durchzubringen sein.

An der unteren Sieg wird etwa bis Blankenberg an den sonnigen Lagen mit Erfolg Wein gebaut. Früher sind noch weiter aufwärts Weinberge angelegt gewesen, aber aus Mangel an Ertrag eingegangen. Am Keltersberg bei Eitorf ist im weinberiihmten Kometenjahr 1811 der letzte Wein gezogen worden. Die Rauheit des Klimas läßt an der mittleren und oberen Sieg feines Tafelobst nicht gedeihen. Bis um die Mitte des Tales begleitet uns noch die rheinische zuvorkommende Freundlichkeit und Lustigkeit, zugleich nicht selten Ausgelassenheit, jedoch ohne Falschheit. Der Fremde wird mit der Gesellschaft oft leicht bekannt und befreundet, das Familienleben ist bei den eigentlichen Eingeborenen noch katholisch offen und gastlich, und man kann sich in kürzester Zeit in jedem Dörfchen leicht heimisch fühlen, Ein feineres Ohr wird freilich auch bald manche Dissonanzen entdecken. Der rheinische Verkehr findet seinen Ausläufer noch ins Tal hinein, und mit ihm dringt denn auch manche Schwindelei und schlimmeres übel flußaufwärts.

Unser Bild: Alter Wasserbrunnen bei Betzdorf.

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2018 Uitgeverij Europese Bibliotheek