Das Siegerland in alten Ansichten

Das Siegerland in alten Ansichten

Auteur
:   Thomas Leginger
Gemeente
:   Siegerland, Das
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1032-7
Pagina's
:   160
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Das Siegerland in alten Ansichten'

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14. Nachdem wir über die gebahnte Straße nach Wissen zurückgekehrt sind, nehmen wir Abschied von unserem freundlichen Quartier. Dem Liebhaber der Angelfischerei bieten der Hutten- und Elbbach gewünschte Unterhaltung und die feinsten Forellen. Auf Ersuchen erteilen die Herren Bürgermeister zuvorkommend die Erlaubnis zum Fischen. Wir können uns von hier aus gleich in die Berge wenden, bevorzugen aber den Talweg. Ein wenig aufwärts erwartet uns eine kleine Lokalgröße, eine in der Umgegend berühmte, mächtig schöne Eiche. Nahe der Sieg folgt die dem Felsenufer abgetrotzte Straße den launenhaften Mäandern des Flusses. Zur Linken wechseln nackte Schieferlagen und Klüftungen, bald malerisch mit Büschen und Niederwald bestanden, aus welchen die Bächlein murmeln und sickern, während zur Rechten der Strom an den üppigsten Wiesengründen vorbeirauscht. Die Grube Wingertshardt öffnet links von uns ihren in den Berg getriebenen Stollen. Da die Grube dem Revier Friesenhagen untersteht, so kann der dortige Berggeschworene auch allein einen Erlaubnisschein zum Befahren derselben geben, wie wir einen solchen von den Geschworenen des Reviers Hamm mitführen müssen, wollen wir die auf dem jenseitigen Ufer gelegenen Gruben in Augenschein nehmen.

Hier gibt es Gelegenheit genug, die frommen Bergleute in ihrem geheimnisvollen Wirken in den Tiefen zu belausehen und staunend die Mystik der Natur in diesem unterirdischen Reich zu bewundern. In Dasberg erfahren wir ein kleines Rachestückchen der durch die menschlichen Unterwühlungen endlich einmal erzürnten Natur. Am Fronleichnamstag 1843 stürzten hier nämlich die untersprengten Felsen in die Sieg herab und überschütteten die noch im Bau befindliche Chaussee. Unter den Felsblöcken zeichnen sich vorzüglich zwei kolossale Blöcke aus, auf deren größerem man einen schwarzen Adler als Wetterfahne angebracht hat. Wo hier nun der Weg bergan führt, umfängt uns alsbald heimliches Waldesdunkel und einzelne Partien gewähren uns zwischen pittoresken Felsgebilden und ehrwürdigen Baumgruppen erhabene Ausblicke auf die im Sonnenlicht blinkenden, klaren Wasser der Sieg. Aus dem Wald treten wir am Bergabhang in eine Lichtung, welche uns die Sicht in ein segensreiches weites Tal eröffnet, über welchem sich jenseits der eigentümliche Riesenkegel des Druidensteins erhebt. Dem Weg abwärts über die Brücke folgend, begrüfst uns das freundliche Betzdorf, dessen Stationsgebäude uns Rast und Erquickung bietet.

15. Als wir dort am Nachmittag unser Quartier genommen hatten, ging ein heftiger Sommerregen nieder, welcher uns sehr erfrischend war. Indeß der Himmel bald aufklarte, unternahmen wir im tiefgründig milden Farbenspiel des heraufdämmernden Abends noch einen kleinen Spaziergang. Unwettern folgt gewöhnlich eine vorübergehende Stille und nur einige Wenige der Bewohner sind bereits wieder unterwegs, überrascht uns nachblickend. In der Bahnhofstraße umduftet uns rechts am Damm der Hellerbahn eine Reihe schöner Laubbäume, gegenüber der Gasthof 'Zum Bahnhof und zwei schmucke Geschäftshäuser. Wo die Straße rechts unter der Bahn hinweg steil bergan führt, gelangen wir bald in das Tälchen des Öhndorfbaches, im Volksmund 'Rainchen' genannt. Am Eingang der Parkanlagen raucht ein Backes, bei dem wir uns eine herrschaftliche Liebesgeschichte zu Gemüte führen wollen.

Nachdem die Reichsgrafschaft Sayn seit dem 26. Juli 1741 im Besitz des Markgrafen von Brandenburg-Anspach, Carl Wilhelm, folgte diesem Erbprinz Carl Alexander, welcher sich im November 1754 mit Prinzessin Friedericke Caroline von Sachsen-Coburg vermählt hatte, in der Regierung. Die Markgräfin erfreute sich keiner guten Gesundheit und weilte 1760 im Bad zu Ems, um dann auf dem Rückweg nach Sachsen die Residenzstadt Altenkirchen mit ihrem Besuch zu ehren. Sie starb kinderlos schon am 18. Februar 1761. Auf einer Reise durch Italien lernte der Markgraf 1791 Lady Elisabeth Craven kennen, eine Tochter des englischen Grafen Berkeley. Diese Dame lebte getrennt von ihrem Gatten, dem Lord Wilhelm Craven, den sie nach siebzehnjähriger Ehe, als Mutter von sieben Kindern, angeblich wegen harter Behandlung verlassen hatte. Sie war von schöngeistigem Wesen und selbständigem Charakter und ihr Ruf als Schriftstellerin verschaffte ihr an allen europäischen Höfen Sympathie. Die Zuneigung des Markgrafen zu ihr erwuchs bei fortgesetzter Korrespondenz zur Leidenschaft, daß er Lord Craven 50 000 Pfund Sterling für eine Auflösung der Ehe bot, in welche dieser aber auch ohne Entgelt einwilligte. Kaum daß die Scheidung spruchreif war, starb der Lord am 26. September und der Markgraf reiste mit der Lady nach Lissabon, wo die Trauung vorgenommen wurde. Sein bleibender Wohnsitz ward nun das Stammhaus in England, wo er am 5. Januar 1806 verstarb. Lady Craven ereilte der Tod am 13. Januar 1818 in Neapel.

16. Jene versunkene Zeit im Herzen schritten wir gemächlich in den Laubgängen bergan, bis uns die zunehmende Trübung zur Rückkehr mahnte. Als wir aus dem Wald traten, stehen wir am Rand einer weiten Feldflur und vermögen die Häuser im Tal nur mehr schemenhaft dunstumwoben zu erkennen. In Freude auf das Abendbrod wählen wir eine kleine sanft rauschende Buchenallee hinab, wo die letzten Himmelsflammen düster in den Fenstern schimmern. Der harmonische Tagesausklang ließ uns für die Exkursion ins Hellertal ebenso tiefe Erlebnisse erhoffen. Nachdem wir die Nacht im Bahnhofsgasthof zugebracht, lachte uns am Morgen wieder die Sonne. Die in einem sehr malerischen Winkel gelegene Hellerbrücke trägt uns beim Fuhrmann Euteneuer über den Bach, welcher uns in seinem Lauf, von bewaldeten Höhen umrahmt, mit trauernden Weiden und lichten Pappelauen erfreut. So wir nun wonnetrunken dahinschreiten, wollen wir unsere Gedanken wieder in die Vergangenheit schweifen lassen.

Als das kampferfûl1te Jahr 1702 eine Masse Plünderer erzeugte, die zum Hohn des Gesetzes sich raubend im Land herumtrieben, erging unter dem 20. September an die Oberschultheißen der Grafschaft der Befehl, daß jeder Untertan sein Gewehr zur Hand haben sollte, um beim ersten Alarm mit der Glocke sich zur Vertreibung der wilden Gesellen verbinden zu können. Ein Licht auf die damaligen Zustände wirft die am 25. April 1720 ergangene Bettelordnung, worin unter anderem befohlen wurde, alle hergelaufenen Leute, die sich dem Betteln ergäben, als da abgedankte Soldaten, Zeitungs- und allerlei Liedersinger, Hausierer mit schlechten Bändern, Spitzen und anderen geringen Waren, Pfannen- und Korbflicker, Leyrer und Leyerinnen, Freileute und Scherchen, Schnur- oder Betteljuden, binnen vier Wochen über die Grenze zu schaffen. Wenn sich Zigeuner, Gauner und Gartbrüder zusammenrotten, und die Gemeinde bedrohen, so soll man die Glocken ziehen, die Umwohnerschaft mit allerhand Gewehr, womit sicher auch Heugabeln und Dreschflegel gemeint waren, schleunigst zusammentreten, und die Eindringlinge, Gewalt bei Gewalt, vertreiben. Sobald sich solches Lumpengesindel auch nur blieken lasse, soll man es von dannen jagen.

Unser Bild: Das romantische Klein-Venedig in Betzdorf nahe der Einmündung des Hellerbaches in die Sieg.

17. Die 1738 gegründete Grünebacher Hütte gehörte zum Oberamt Freusburg der Grafschaft Sayn-Altenkirchen und ist noch heute eine 'Gewerkschaft alten Sayn'schen Rechts vom 21. April 1742'. Der Besitz besteht aus 72 Hüttentagen. Die Eigentümer - Gewerke genannt - durften an soviel Tagen die Hütte betreiben, wie sie Hüttentage besaßen, insgesamt nicht mehr als zwölf Wochen zu je sechs Arbeitstagen im Jahr. Der eigentliche Ofen mit der noch offenen Gicht, ist von einem quadratischen Rauhgemäuer umgeben. In Höhe der Gicht liegt am Berghang der Möllerplatz. Hier lagerte jeder Gewerke für sich seine Erze und Holzkohle. Für die Anfuhr sorgte er selbst, nicht selten mit einem Ochsenkarren. Rechts ist der Obergraben zu erkennen, der in dem Ort Grünebach aus der Heller abgeleitet wird und einmal zum Antrieb des Gebläses, zum anderen dem Betreiben der Poche diente. Das Gebläse bestand aus ledernen Blasebälgen. Umgeben ist der Hüttenbetrieb von Haubergen, die das Holz für die Meiler lieferten. Die Hüttenbesitzer waren oft Holzeigentümer und Köhler zugleich. Das Holz wurde auf einen Hüttenplatz gefahren und dort selbst verkohlt, um in den Waldungen wertvollen Raum zu sparen. Holzkohle war bei der großen Anzahl von Hütten so knapp, daß die Grünebacher Hütte zeitweise nur an 48 Tagen betrieben werden durfte. Die Produktion war gering und betrug im Jahre 1801 172 Wagen Gußeisen, 43 Wagen Rohstahleisen und 11 Karren Wascheisen.

Die Eisenhämmer sind in neuester Zeit gänzlich abgeworfen und an deren Stelle Puddlingswerke getreten. Der wesentliche Unterschied der früher üblichen Schmelzarbeit und der jetzigen Puddelarbeit besteht darin, daß jene in offenem Herd stattfand, und Eisen und Kohlen getrennt sind. Bei den Frischfeuern waren ausschließlich Holzkohlen in Anwendung, bei den Puddelöfen sind es Steinkohlen. Ob das gefrischte Eisen (Luppen) in Stäbe mit dem Hammer ausgereckt, oder unter Walzen ausgezogen wird (letzteres in Walzwerken) begründet keinen wesentlichen Unterschied. Die Vorteile der Puddelarbeit gegenüber dem früheren Verfahren bestehen in dem geringeren Eisenverlust, in der Anwendung eines billigeren Brennmaterials und in größerer Produktion.

18. Bierstorff hat 51 Rüuche, ein groß Revier von Äcker und Wiesen, ernährt sicli von Berg- und Hiittenwerk wie auch Ackerbau, hat eine Eisenhiitte wie auch herrschaftliche Mûhle und ist meistenteils lutherisch, weiß Johann Heinrich Lamprecht, seit 1740 Amtsaktuar in Friedewald, über das Dörfchen Biersdorf bei Daaden zu berichten. Er war in dienstlichem Auftrag unterwegs, eine Beschreibung der beiden Ämter Freusburg und Friedewald abzufassen, die er gemäß seinem Schreiben vom 10. Februar 1742 dem Geheimen Etatsminister Freiherrn von Seckendorff zu Altenkirchen überreichte. Unter dem Gesindel, welches die Einwohner gerade in jenen Jahren in fortwährende Unruhe versetzte, spielten von Alters her die Zigeuner eine Hauptrolle. Dieses merkwürdige Volk besaß die Abgeschlossenheit und Zähigkeit, welche jeder verfolgten und ihrer Heimat beraubten Nation eigen ist. Jeder geregelten Tätigkeit widerstrebend, und seinen ursprünglichen Sitten und Gebräuchen getreu, suchte es sein nach unseren Begriffen klägliches Dasein damit zu fristen, indem es dem leichtgläubigen Volk durch die mystische Kunst des Wahrsagens und den Verkaufvon Zaubermitteln Geld und Gaben zu entlocken wußte. Was es auf diese Weise nicht zu erwerben vermochte, das suchte es sich auf eine leichtere Manier (und zwar durch Stehlen) anzueignen. Um das Jahr 1730 bauten sie sich zwischen Elkenroth und Weitefeld sogar förmliche Hütten an, sodaß bald ein kleines Zigeunerdorf entstanden war, dessen Bewohner täglich die umliegenden Bauernhöfe behelligten und zu ewigen Klagen der Einwohner Veranlassung gaben, Der vom Amtmann zu Friedewald verfügte Arrest fruchtete nichts. Da ließ er eines Tages die Vornehmsten der Zigeuner vor sich führen und gebot ihnen bei den härtesten Strafen, das Land unverweilt zu verlassen. Die Bedrohten erwiderten: Herr, Deine Knechte sind wie die Gespenster der Nacht. Wenn Du uns auch zehnmal mit Ruten ausstreichen und aus dem Dorf hinausjagen läßt, so werden wir doch an einem andern Ort wieder ins Land kommen. Schlage WIS lieber tod, wie die Wölfe, so wirst Du von uns befreit werden, 'und Deine Knechte endlich Ruhe haben. Dieser kaltblütigen Resignation wußte der gestrenge Herr Amtmann nichts entgegenzusetzen. Zu einem offenen Angriff auf sie fehlte ihm die Macht, weil die Zigeuner alle mit Schießgewehren wohl bewaffnet waren, und das Mittel der Peitsche, oft vergeblich angewandt, beträchtliche Kosten verursachte, da der Scharfrichter für jeden ausgehauenen Zigeuner zwei Gulden empfing.

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