Das Siegerland in alten Ansichten

Das Siegerland in alten Ansichten

Auteur
:   Thomas Leginger
Gemeente
:   Siegerland, Das
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1032-7
Pagina's
:   160
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Das Siegerland in alten Ansichten'

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24. Daden hat 124 Rduche, 450 Morgen Äcker und Wiesen, gibt Schatz 21 florint 6 albus, hat etwa anderthalb Stunde Revier und grenzt auf der einen Seite etwa dreiviertel Stunde von dem Dorf an den Freyen-Grund. Die Lochbach und von der Steinges Miihl die Emmertshäuser Bach, gehen hier zusammen und fließen unter dem Namen Dade den Grund herunter fiihrt Weißfisch und Schmergel. Die Einwohner sind meistenteils Krämer, Wirte und Bergwerksleute, weiß uns 1741 der Amtsaktuar wieder zu berichten.

Wer gern des edlen Waidwerks pfleget, der kann im Hellertal seiner Lust frönen, und der Freund schmackhaft zubereiteten Wildprets findet bei Dilthey in Burbach während der ganzen Jagdzeit stets wohlbesetzte Tafel. Nicht unbedeutend ist der Wildprethandel des Wirtes. Das Gepräge der ganzen Umgebung, der malerische Wechsel von Berg und Tal, Wald und Fels, Wiesen und Öde, die Fernsichten nach den Bergzügen des Westerwaldes und den Höhen des Ederkopfes bieten so viel sehnsuchtsvolle Romantik, daß sie den Naturfreund zu weitem Streifereien veranlassen, auch wohl zu einem Besuch des Hickengrundes, wie man den nach Süden sich hinziehenden Talgrund nennt, welchen die Eisenbahn in ganz eigentümlicher, durch das Terrain bedingten Anlage, nach Süden eine schmale, enge Kurve bildend, umschließt. Der von dort von dem Wetterbach oder Winterbach durchflossene Hickengrund besteht aus vier Dörfern, von denen Holzhausen und Oberdresselndorf in der Kurve liegen, südlich außerhalb derselben Niederdresselndorf und westlich am Lützelbach Lützeln. Auffallend muß jedem die Erscheinung der Bewohner, der Hickenleute sein, welche eine eigene, durch Lebensweise, Sitte und Brauch von den Umwohnern streng geschiedene Kaste bildeten. Wer weiß, wie viele Jahrhunderte sie vielleicht in ihrer Abgeschiedenheit, da sie sonst nur unter einander heirateten, ihre naturwüchsige Originalität bewahrt haben? Die Männer sind schlank, aber sehnig stark gebaut, nicht muskulös, daher der Volkswitz behauptet, sie hätten die Waden vorne.

In dem verwinkelten, urtümlichen Dörfchen hat sich auf unserem Bild der Bieragent und Hopfenhändler August Thomas mit seiner Familie vor dem Haus versammelt.

25. Hicken nennen sich die Bewohner des Grundes selbst. Woher die Benennung, wußte mir niemand bestimmt zu deuten. Ich möchte den Namen von dem norddeutschen hicken (= sich bergen, verstecken, hüten) herleiten, indem mir die Urherkörnmlichkeit des Wortes von hegen, das im dortigen Dialekt hicken heißen soll, gar zu gesucht erscheint. Ihre Kleidung ist, trotz der Strenge des Klimas, Sommers und Winters eben leicht, und zeichnet sich charakteristisch durch den allgemein getragenen kurzen, blauen, leinenen, vorn mit ziemlich großen Porzellanknöpfen besetzten Kittel aus über den sie in der Kälte wohl ein wollenes Kamisol ziehen. Eben so hager, aber auch kräftig gebaut sind die häufig schwarzhaarigen und schwarzäugigen Frauen, welche über einen einfachen langen Rocke auch einen, beinah auf die Schuhe reichenden blauen Kittel tragen. Ein schwarzes oder buntes Halstuch ist der Hauptputz. Die zurückgekämmten Haare bergen sie unter einem kleinen, oben auf dem Kopf sitzenden Käppchen, das nach hinten mit Bändern geschmückt und unter dem Kinne festgebunden ist.

Früher trieben die Hickenmänner als Fuhrleute ein wanderndes Leben (unser Bild), beschäftigen sich aber jetzt mit Ackerbau, Viehzucht und mit der Jagd. Wir finden hier auch gut gepflegte Wiesen und Äcker, wenn auch nicht so üppig blühend wie im übrigen Siegerland. Die wildreichen Talgründe, die rings den Talkessel umgeben, bieten der Waidmannslust und dem Wilderer ein gar ergiebiges Feld. Leichtern Absatz denn früher, findet die Jagdbeute jetzt durch die seit 1861 in Betrieb gesetzte Deutz-Gießener Bahn. Der Wildhandel ist eine Nahrungsquelle der Hickengründer. Während die Männer jagen, Äcker und Wiesen bestellen, Haus und Hof, Stall und Küche besorgen, den Frauen die größten Mühen des häuslichen Wesens abnehmen, ziehen diese mit Butter, Eiern, Geflügel und Wild, nach der Jahreszeit, zum Verkauf in die Stadt Siegen, nach Wetz1ar, deren auffallende Marktstaffage gerade für den Fremden die Hickenweiber sind. In der früheren Abgeschlossenheit hatten die Hicken lange ihre naturwüchsige Einfachkeit in Sitte und Brauch bewahrt. Man begegnete in den sonst nicht eben einladenden Dörfern mitunter Kindern in halb adamitischem Urzustande, und Frauen, die Säuglinge auf dem Rücken tragend.

26. Jetzt wird von den Hicken nicht mehr so strenge darauf gehalten, daß die Ehen nur unter ihresgleichen geschlossen werden. Wohnlicher sind die Häuser der Dörfer, als wir die selben noch vor wenigen Jahrzehnten fanden. Selbst unter den Bewohnern besitzt die Überlieferung keine Kunde mehr über ihre Abstammung und Herkunft. Schwerlich möchte historisch zu bestimmen sein, wie lange die Hicken in dem Talgrund hausen, und noch schwerer den Beweis zu führen, daß sie von den Usipeten und Tencteren stammen, welche bei den Sigambrern gastliche Aufnahme fanden, als Julius Caesar 55 vor Christus diese Volksstämme Galliens in blutiger Feldschlacht fast gänzlich aufgerieben hatte, sodaß die flüchtigen spärlichen überreste derselben jenseits des Rheines eine neue Heimat zu suchen gezwungen waren. Ebenso gewagt ist es, die Hicken von Ungarn herzuleiten, denn wann und wie kamen diese hierher? Oder von den Zigeunern, welche bekanntlich erst am Anfang des 15. Jahrhunderts in Deutschland auftreten, mahnt auch der Hicken ursprüngliche Lebensweise, manche ihrer Sitten und Bräuche, ihr früheres Wanderleben an dies Nomadenvolk. Zigeuner haben aber noch am Anfang des vorigen Jahrhunderts im Siegener Land und den angrenzenden Distrikten gehaust. Im Mund des Volkes lebt noch der Name 'Schnuse' als einer übelberüchtigten Zauberin und Anführerin einer Zigeunerbande, deren Geschäft Raub und Mord. Sie soll mit einem Nagelschmied Kittenhannes in Driesbach verheiratet gewesen sein, sich gewöhnlich aber in Deutz an der Sieg aufgehalten haben. Unter dem Namen eines Barons Schnaus, oder Barons von Schnausenberg, zog sie beritten an der Spitze ihrer Räuberbande umher, kam selbst, mitunter in Scharlach gekleidet, begleitet von einer berittenen Schar, nach Siegen. Sie starb 1726 mit vielen ihrer Spießgesellen in Netphen durch Henkershand. Um dieselbe Zeit traf eine meist aus Zigeunern bestehende Räuberbande, welche sieben Jahre lang in der Wetterau ihr blutiges Unwesen getrieben, Raub und Mord geübt, am hellen Tag Dörfer überfallen und den Landreitern förmliche Gefechte liefernd, der strafende Arm der Gerechtigkeit. Eine große Zahl dieser Räuber, Männer und Frauen, samt ihrem Anführer Johannes la Fortune, genannt Hemperla, wurde am 14. und 15. November 1726 in Gießen durch das Rad, das Schwert und den Strang hingerichtet.

Auf unserer Wanderung haben wir Neunkirchen mit seinen schönen Fachwerkbauten erreicht. Unser Bild zeigt das Haus Petri.

27. Ein wahres Zigeunerleben aber führen in dem Kreis noch heutzutage die sogenannten Meckeser, welche, mit Töpferwaren handelnd, ohne eigentlic

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