Dessau in alter Gastlichkeit

Dessau in alter Gastlichkeit

Auteur
:   Rudi Huhn
Gemeente
:   Dessau
Provincie
:   Sachsen-Anhalt
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6724-6
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Dessau in alter Gastlichkeit'

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Einleitung

Dessau in alter Gastlichkeit - gemeint ist Dessaus Gastronomie vor dem Zweiten Weltkrieg und noch früher. Dessau hat zwischen 1940 und 1945 zwanzig Luftangriffe über sich ergehen lassen müssen. Der schwerste Angriff war am 7. März 1945 - etwa 84 Prozent der Innenstadt wurde zerstört. So sind viele Gasthäuser im Bombenhagel untergegangen, einige wurden wieder aufgebaut und wenige sind bis heute erhalten.

Gleich beim ersten Angriff, in der Nacht zum 20. August 1940 traf es die Gastwirtschaft 'Münchener Hof' in der Askanischen Straße, Ecke Amalienstraße. Der 'Münchener Hof' hatte sich seit 1891 und besonders in den 193 Oer [ahren durch den Besitzer Bruno Müller zu einer modernen Gaststätte, die 150 Personen bewirten konnte, entwickelt. Bruno Müller, erst 36-jährig, kam mit zwei seiner Hausgäste beim Bombenangriff ums Leben. An gleicher Stelle entstand ein zehngeschossiges Hochhaus, in dessen Erdgeschoss am 15. Februar 1965 die 'Mllch- und Mokkabar eröffnete.

Den Luftangriffen sind nicht nur einzelne Häuser, sondern ganze Straßen und Wohngebiete zum Opfer gefallen; die Stadt verlor ihr Zentrum. Bei der Beschreibung der Gaststätten erscheint mehrmals' die alte Kavalierstraße' . Dazu folgende Erklärung: Die alte Kavalierstraße (von der Hauptpost bis zur Askanischen Straße) entstand in den [ahren 1 71 3 -1 720.

Die Hausnummern liefen von der Post zur Askanischen Straße und zurück bis zum Neumarkt. Der Verkehr von der Kavalierstraße nach Norden lief um den Neumarkt (Horst - Wessel- Platz) durch die Poststraße in die Zerbster Straße.

Drei Angriffswellen am 7. März 1945 bombten den Weg frei für eine neue Straße. Von der Post nach der Katholischen Kirche wurde im November 1949 die 'Diagonalstraße' angelegt, die schließlich 1953 eine durchgehende Bebauung erhielt.

Am 7. November 1954 wurde die Diagonal- und Kavalierstraße mit der Franzstraße zur Wilhelm-Pieck-Straße vereinigt. Die Nummerierung begann nun von der Katholischen Kirche rechts die geraden und links die ungeraden Hausnummern. Deshalb stimmen die Hausnummern in der alten Kavalierstraße, die nun das Mittelstück der neuen Kavalierstraße ist, mit der neuen Nummerierung nicht überein.

Seit 1990 gibt es die neue Kavalierstraße, die vorn Albrechtsplatz bis zur Askanischen Straße führt. Der südliche Teil heißt wieder Franzstraße. Die großen Hotels, die 1940 noch um Gäste warben, sind heute nicht mehr da. Das größte dieser Hotels war der 'Goldene Beutel' (Steinstraße 3 -4) mit neunzig Betten. Blickt man zeitlich zurück und schaut auf die Namen der Gasthäuser, so glaubt man sich in ein goldenes Zeitalter versetzt: 'Goldenes Larnrn' - Steinstraße; 'Goldener Löwe' - Zerbster Straße;

'Goldener Anker' - Heidestraße. Andere bevorzugten Namen von Großstädten: 'Stadt Rorn' - Askanische Straße; 'Stadt Berlin' - Leipziger Straße; 'Stadt Nürnberg' - Böhmische Straße. Auch Tiere kommen in den Namen von Lokalen vor: 'Schwarzcr Bär' - Zerbster Straße; 'Doppeladler' - Mariannenstraße oder 'Zum Fuchsbau' - Breite Straße. Man fand auch lustige Gasthausschilder: 'Zum fidelen Topper' - Amalienstraße; 'Zum lustigen Accordeon' - Leipziger Straße; 'Zum treuen Vater' - Breite Straße. Eine Gaststätte hörte sich gar nicht lustig an - es war die 'Gifihûtte' in der Schlossstraße 18. Nachdem der Ballettmeister Richard Fricke 1870 hier eingezogen war, verkehrten viele Theaterleute in Melcherts Restaurant. Sie gaben ihm den 'giftigen' Namen und gründeten den 'Blausäure-Klub'.

Im Dessauer Umland gab es auch eine stattliche Anzahl von Ausflugs-gaststätten mit großen Kaffeegärten: 'Lorkpark' an der Lorkpromenade, das 'Kornhaus' an der Elbe, das 'Elbhaus' an der Straße nach Roßlau, das 'Elbschlößchen' in Roßlau, das 'Schwedenhans' an der Straße nach Vockerode, der 'Sieglitzer Berg' nahe der Elbe und andere, die in diesem Bildband abgebildet und beschrieben sind.

Der größte Anziehungspunkt, nicht nur für die Dessauer, ist Wörlitz. Hunderttausende Besucher zieht es alljährlich in die Wörlitzer Parkanlagen. Dazu gibt es im Ort für jeden Geschmack reichlich Rast- und Gaststätten. Obwohl es in Dessau und Umgebung viel mehr Gaststätten als in diesem Buch aufgeführt werden konnten, gegeben hat, soll hier noch eine sehr alte Gastlichkeit erwähnt werden, die sich bis in heutige Zeit erhalten hat. Es ist die Gaststätte von Heide Leßmann in der

Törtener Straße 24, von Gottfried Krüger 1819 als großes Familien-Ausflugslokal 'Krügers Kaffeegarten' eröffnet. Es ist nach 184 [ahren und achtmaligem Namenswechsel heute die Gasttätte 'Zur Kartoffelwaage' . Weitere Gaststätten, Hotels und Ergänzungen dazu finden sich in den vom gleichen Verlag herausgegebenen Bildbänden 'Dessau in alten Ansichten'.

Quellen: Stadtarchiv, Dr. Franz Brückner, Dessauer Kalender und Ernst Meier.

1. Für die Bürger einer Stadt nimmt das Rathaus einen hohen Stellenwert ein, denn hier wird über das Wohl und Wehe der Stadt entschieden. Zum Rathaus gehört auch der 'Ratskeller', eine Gaststätte, in der man gut speisen und feiern kann. Das Umfeld des Rathauses, der Marktplatz und die angesiedelten Gasthäuser spielen ebenfalls eine besondere Rolle. In Deutschland wurden um 1900 über fünfzig Rathausneubauten errichtet. Das Dessauer Rathaus wurde am 5. Oktober 1901 eingeweiht. Der Beschluss zum Neubau datiert vom 27. April 1895. Das alte Rathaus von 1563 wurde 1898 abgerissen und auf Abbruch verkauft. Das Motiv 'Rathaus mit dem Kleinen Markt' nahm Franz Zabel 1902 zum Anlass, diese Ansichtskarte mit Anzeigen von Gaststätten aus Dessau und Umgebung herauszugeben. Von diesen und anderen Gaststätten will dieser kleine Bildband berichten.

2. Rathäuser sind Kunstwerke, und auch der Ratskeller erfuhr eine künstlerische Ausgestaltung. Der Wandspruch im Vorraum lautete: 'Ein fröhlich Gemüt und edler Wein, die mögen hier oft beisammen sein.' Im gut ausgestatteten Ratskeller befanden sich sieben große Wandbilder vom Berliner Maler Marrio Kellner. Es waren Bilder aus der Sagenzeit und der Historie Dessaus. An der Ostseite war der Kleine Markt (Platz vor dem Rathaus) zur Zeit des 19. Jahrhunderts mit der Säulenhalle und dem Brunnen dargestellt. Zur Belebung des Bildes wurde der unvergessene Christaph Habusch, das Dessauer Original (1811-1866), abgebildet. Das Ratszimmer war den Mitgliedern des Rates vorbehalten, die hier ihren Stärkungstrunk einnahmen. Nach einer umfangreichen Umgestaltung im Jahre 1931 bekam die Gaststätte ein neues Gesicht. Der historische Zustand und die Wandgemälde gingen dabei verloren.

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3. Weitere Räumlichkeiten waren die Weinstube und die Rotunde (Rundbau). Die Weinstube hatte Professor Paul Rieß (1857-1933), der 1896 nach Dessau kam, ausgemalt. Die Rotunde war unter der Bezeichnung 'Krötenring' bekannt. Sie eignet sich noch immer gut für Stammtische. In den Fenstern des Raumes wurde die Entstehung des Krötenringes ebenfalls von Mama Kellner dargestellt. Am 1. März 1949, in einer Zeit der Lebensmittelkarten und der Rationierung, wurde von der HO (Handelsorganisation) der Ratskeller als erste 'Preie Gaststätte' in Dessau eröffnet. Lebensmittelkarten gab es noch bis Mai 1958. 1992 gingen im Ratskeller die Lichter aus, die Gaststätte musste saniert werden. Nach siebenmonatiger Bauzeit konnte der InhaberThomas Döring den symbolischen Schlüssel am 1. Dezember 1996 bei einer Feier übernehmen. Ein Behindertenaufzug ermöglicht nun auch Rollstuhlfahrern den Besuch des Ratskellers. Die Dessauer Diplom-RestauratorinAngela Günther legte das Gemälde 'Pürst Joachim Ernst prüft Maße und Gewichte' zum Teil frei. Die Dessauer haben ihren Ratskeller mit 230 Plätzen und im Sommer mit einem Biergarten wieder.

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4. Das Gelände im nördlichen Teil der Amalienstraße nannte sich vor etwa 200 Jahren 'Kleine Kienheide'. Hier ließ HerzoginAmalie (1796-1850), die Frau des Herzogs Leopold Friedrich, eine Schutzhütte bauen. Später bekam dieser Ort den Namen 'Amalienberg'. Der Bierbrauer Friedrich Dambacher aus der alten Schlossstraße 12 - damals der schönste Altbau in Holzfachwerk, 1883 durch einen großen Brand vernichtet -legte in der sandigen Kienheide 1844 einen Bierkeller an. Am 17. Mai 1849, am Himmelfahrtstag, eröffnete Dambacher mit einem großen Konzert den 'Dambacher Keller'. Schon seit 1829 braute er in Dessau mit dem sogenannten Bamberger Bier das erste gute Lagerbier. Die 'Kleine Kienheide' wurde völlig überbaut. Im Laufe der Zeit entwickelte sich der einstige 'Dambacher Keller' auf dem Amalienberg zu einem Großlokal, das Ostern 1873 den Namen 'Tivoli' erhielt. Die ab 1877 angelegte Amalienstraße, in der von 1879 bis 1880 besonders viel gebaut wurde, hatte 143 Häuser mit weiteren drei kleineren Gaststätten. Das Tivoli hatte die Anschrift: Amalienstraße 1.

5. In diesem Großlokal befanden sich neben der Restauration der über 2000 Personen fassende Festsaal mit zwei Rängen und großer Bühne, ein kleiner Saal und Nebenräume für Veranstaltungen unterschiedlichster Art. Der Saal, am 11. Juli 1888 eingeweiht, diente während des Ersten Weltkrieges als Reserve-Lazarett. Weiter gab es in der Vergnügungsstätte zwei Kegelbahnen und einen großen, schattigen Konzert- und Kaffeegarten. Die Ansichtskarte vom Verlag Franz Zabel, Dessau, zeigt diesen Garten, in dem ein Konzertpodium mit der Inschrift 'Die Kunst dem Volke' stand. Der im Mai 1903 gebaute große Kristallpalast-Saal war für das 'Tivoli' ein großer Konkurrent. Der letzte Pächter des 'Tivoli', der Gastwirt Otto Sturm, geriet in Konkurs. Die Sozialdemokratische Partei gründete eine 'Tivoli-SäleGmbH' und übernahm 1910 das Großlokal. Die Sozialdemokraten hatten damit bis 1933 ein führendes Bildungszentrum und die Arbeitervereine ihr festes Domizil. Am 7. März 1945 brannte auch das 'Tivoli' völlig aus.

6. In der alten Antoinettenstraße, die 1873 ihren Namen bekam, gab es ein Restaurant, ein Hotel und ein Café. Zur DDR-Zeit hieß diese Straße Friedrich-Engels-Straße. Alle drei Schank- und Gaststätten befanden sich in einem Eckhaus: die Gaststätte an der Ecke Leopoldstraße, heute Ferdinand-von-Schill-Straße, das Hotel 'Dessauer Hof' an der Ecke Wolfgangstraße, die während der DDR-Zeit Dr.-Otto-Nuschke-Straße hieß. Das Café, als Eckhaus zum Kaiserplatz (Friedensplatz) , gehörte aber zum Kaiserplatz 1. Das 'Park-Café' ist in 'Dessau in alten Ansichten' Band 1, Nr. 61, abgebildet und beschrieben. Das Hotel 'Dessauer Hof' dagegen in Band 2, Nr. 40. Alle Gebäude fielen 1945 den Bomben zum Opfer und wurden abgetragen. Die Gaststätte wurde schon 1888 in der Antoinettenstraße 16 als 'Café Anton' eröffnet. Im Laufe der Zeit wechselten die Pächter und die Namen des Lokals. In den dreißiger Jahren hieß es 'Pûrst Blücher' mit Wilhelm Heck als Gastwirt. In dieser Zeit entstand auch die 'Bärenuhr' gegenüber der Gaststätte.

7. Die Bärenuhr mit den spielenden Bären, die vom Bildhauer-Ehepaar Kieser-Maruhn geschaffen wurde, hat den Zeiten Weltkrieg überstanden - die Gaststätte nicht. Mit dem Bau des 'Fürst-Leopold-Carrés' schien auch die Uhr verloren. Durch die Spendenbereitschaft der Bürger konnte sie jedoch rekonstruiert und am 19. März 1998 wieder ihrer Bestimmung übergeben werden. Sie war ein beliebterTreffpunkt für Reisegruppen. Hier war auch ein Halteplatz für Reisebusse. Die Gaststätte mit dem Restaurateur Richard Grützmacher hieß zuletzt 'Löwenbräu-Bräustübl'. Dargestellt ist hier eine Karte von Otto Wedekind, der in der Antoinettenstraße 20 sein Fotoatelier hatte, aus der Zeit als Wilhelm Heck der Inhaber war. Sie zeigt den Schankraum mit derTheke und den Stammtisch. Heute ist dieses Eckhaus ein Neubau mitWohnungen.

DESSAU.

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8. In der Albrechtstraße, die während der DDR-Zeit Joliot-Curie-Straße hieß, war gleich im ersten Haus, im Eckhaus zur Wilhelmstraße (seit 1975 Kurt-Weill-Straße) der 'Anhaltiner Hof'. 1888 wurde diese Gaststätte von Gottfried Bestehorn eröffnet, wenn auch nicht gleich unter diesem Namen. Nach mehrfachem Besitzerwechsel kam der 'Anhaltiner Hof' an Friedrich Bahlke, der ihn von 1907 bis zur Schließung 1921 bewirtschaftete. Anfang der zwanziger Jahre verkaufte Bahlke das Haus an die l.G. Farben, die es als Büro- und Wohnhaus für ihre Angestellten einrichtete. Beim Bombenangriff am 7. März 1945 wurden die Eckgrundstücke zerstört. Nach fünfzig Jahren wurde hier im Ianuar 1995 der Grundstein für ein modernes Wohn- und Geschäftshaus gelegt.

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