Dessau und der 'Alte Dessauer'

Dessau und der 'Alte Dessauer'

Auteur
:   Rudi Huhn
Gemeente
:   Dessau
Provincie
:   Sachsen-Anhalt
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6743-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Dessau und der 'Alte Dessauer''

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39. Gegenüber vom "Turrn der acht Winde', auch als Napoleonsturm bekannt, beginnt die Kapenstraße. DerTurm ist ein Nachbau des 'Tempels der acht Winde' von Athen, der 1809-1812 in Mildensee errichtet wurde. Die Straße mit altem Kopfsteinpflaster und Sommerweg führte weiter in Richtung Kapenmühle. Sie endet an der AutobahnA9 ohne Übergang. Ein Umweg über die B18S in Richtung Oranienbaum ist nötig. Eine Schneise führt links in die Oranienbaumer Heide zum Kapendammweg, der direkt zur idyllischen Kapenmühle führte. Die Kapenmühle (Abbildung), 1708 erbaut, war eine Wassermühle, die 1880 abgetragen wurde. An der Stelle der alten Mühle wurde ein herzogliches Jagdhaus errichtet. Vor Fürst Leopold 1. sah die Gegend nicht so freundlich aus: kein Wall gegen das Hochwasser, kein Graben führte das überschüssige Wasser ab. Der Fürst ließ 1706 den Kapengraben bis zum Leiner See anlegen, 1707 bis Kakau und schließlich 1708 bis zur ehemaligen sächsischen Grenze verlängern. Durch den Bau des Kapengrabens wurde der gesamte Wörlitzer Winkel entwässert.

40. Fürst Johann Georg H. begründete 1688 die 'Neustadt' (Gegend um die Johanniskirche) . Sein Sohn Leopold 1. vergrößerte sie durch Anlegung einer neuen breiten Straße nach Süden und verband sie mit der Sandvorstadt. In den Jahren 1713-1720 entstand seine 'große breite Straße', die ab 1721 Cavalierstraße hieß. Sie wurde später Dessaus Haupt- und Geschäftsstraße. Um die Baulust anzuregen, verschenkte der Fürst die Baustellen und unterstützte die Bauwilligen. Zuerst entstanden kleine Wohnhäuser, in die nach und nach Läden in die Hausfassaden gebrochen wurden. Die Häuser wurden später durch größere ersetzt. Es entstanden aber auch fürstliche Bauten für zwei seiner jüngeren Söhne: Prinz Eugen (1705-1781) und Prinz Moritz (1712-1760). Die Palais wurden 1739 erbaut, das für Prinz Eugen stand auf dem Gelände des heutigen Stadtparks. Nach EugensTod diente es als Erbprinzliches Palais. Es wurde 1883 abgebrochen und an seiner Stelle entstand 1884-1888 das Herzogliche Palais, das 1927 verschwand. Die Ansichtskarte, eine Fotografie von Gustav Völkerling, gehört zur Serie 'Dessau um das Iahr 1860' von Franz Zabel.

41. Prinz Eugen war die zweckentfremdete Nutzung seines Palais zuwider. Um das auch nach seinem Tode auszuschließen, vererbte er es seiner jüngsten Schwester Henriette Amalie (1720-1793). Mit ihr verstand er sich am besten; schließlich waren beide in der Familie nicht gut angesehen: Eugen, weil er im Schlesischen Krieg 1743 aus preußischem in den sächsischen Heeresdienst übergewechselt war, Henriette Amalie, weil sie ein Verhältnis mit dem Jägerburschen Wilhelm Gustav Werner hatte, das nicht ohne Folgen blieb. Nach dem Wunsch des Prinzen wurde im Palaisgarten ein Mausoleum erbaut, das dem Fürsten Franz nicht gefiel. Der ließ den Entwurf in die Form einer Pyramide ändern, die dann an der Stadtmauer in der Nähe der Orangerie (Teehäuschen) 1780 erbaut wurde. 1928 wurde der schwere zinnerne Sarg in die Gruft der Familie des Fürsten Leopold 1. unter der Schlosskirche übergeführt. Das pyramidenhafte Gruftgewölbe wurde am 13. Mai 1934 als Ehrenmahl für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen des damals in Dessau aufgestellten Infanterie-Regiments Nr. 188 eingeweiht. 1955 wurde die Pyramide abgetragen.

42. Auch für den jüngsten Sohn, Prinz Moritz (1712-1 760), ließ der' Alte Dessauer' ein Palais im Anschluss an Eugens Palais in südlicher Richtung erbauen. Moritz war wie sein Vater preußischer Generalfeldmarschall. Nach Prinz Moritz' Tod erbte seine Schwester Anna Wilhelmine (17 15 -1 780), bekannt als Bauherrin von Schloss Mosigkau (1752/57) das Gebäude. Unter Fürst Franz wurde das Palais zum alten Gymnasium umgebaut. Am 3. Oktober 1785 wurde diese Schule, die aus sieben Klassen bestand, ohne alle Feierlichkeiten eröffnet. Im alten Rathaus von 1563 wurde es eng. Es wurde 1882/83 um eine Etage erhöht und musste dazu geräumt werden. Die Büros wurden deshalb vorübergehend auch in das Palais verlegt. Da die Sparkasse ihre Geschäftsräume ebenfalls im Rathaus hatte, erfolgte auch für sie der Umzug ins Palais. Eine solche zweckentfremdete Nutzung seines Palais hat Prinz Eugen vermieden. Nach Fertigstellung des Rathauses wurde das Palais ohne erkennbaren Grund 1884 abgerissen.

HERl.OGL. FRIEDRICHS GYMNASIUM

43. Durch den Abriss des Palais entstand in der Straße eine Lücke, die das später aufgestellte Denkmal von Wilhelm Müller nicht schließen konnte. In den ursprünglichen Garten des Palais Moritz wurde 1882 das Herzogliche Friedrichs-Gymnasium und Realgymnasium, auch Friedericianum genannt, von Oberbaurat Franz Januskowski (1842-1906) erbaut. Der entstandene Platz wurde durch ein Eisengitter zur Straße begrenzt. In einer halbkreisförmigen Einbuchtung fand das Wilhelm-Müller-Denkmal Platz. Dazu wurde 1884 der Grundstein gelegt, die Enthüllung fand am 3 o. September 1891 statt. Müller war Dichter der Griechenlieder. Für das Denkmal, ein Werk von Professor Schubert - Dresden, stiftete die griechische Regierung den Marmor. Es stand an der Stelle, an der Wilhelm Müller von 1819 bis 1827 als Lehrer wirkte. Er war der erste Dessauer Gymnasiallehrer mit akademischer Bildung. Das Gymnasium wurde 1944/45 durch Bomben zerstört.

44. Eines der markantesten Gebäude der Stadt ist das Museum für Naturkunde und Vorgeschichte. Die Entstehung geht zurück auf den Fürsten Leopold Maximilian (1700-1751), der zu Ehren seinesVaters, des 'Alten Dessauers' diesen Bau 1746-1750 als 'Leopolddankstift' errichtete. Es war einAltersheim für Kriegsinvaliden, die im Dienst des Fürsten gestanden hatten. Der Bau hatte ein Erd- und ein Mezzaningeschoss (niedriges Stockwerk) und einen Eckturm mit Obeliskabschluss, der 1838 abgetragen wurde. 1847 wurde das Gebäude nach dem Entwurf des Dessauer Baurates Friedrich Kretschmar (1797 -1857) völlig verändert. Es wurde um ein Geschoss erhöht und der Turmunterbau bekam sechs Geschosse nach dem Vorbild von St. Spirito in Rom. Das Stiftsgebäude wurde 1902/03 von Professor GustavTeichmüller (1862-1919) umgebaut und vom Anhaltischen Kunstverein für Ausstellungszwecke genutzt. Am 29. Oktober 192 7 wurde daraus das Museum für Naturkunde undVorgeschichte, das sich bis heute erhalten hat. Eine Zeichnung von Rudolf Beck zeigt das 'Leopolddankstift' und die Kavalierstraße mit der Herzoglichen Schlittenfahrt. Im Hintergrund die Johanniskirche.

45. Das Foto von GustavVölkerling zeigt die alte Kavalierstraße in südlicher Richtung mit Hoftheater, 'Leopolddankstift' und Erbprinzenpalais im Iahr 1858. Das Hoftheater ließ der Enkel des 'Alten Dessauer' Fürst Franz (1740-1817) von seinemArchitekten von Erdmannsdorff (1736-1800) in den Iahren 1797 -17 9 9 errichten. Es galt als eines der größten und schönsten Theater der damaligen Zeit. An der Ecke zur Hospitalstraße, ab 1870 Askanische Straße, steht das 'Leopolddanksuft', einAltersheim für Männer und Kriegsinvaliden, das 1847 einen neuenTurm erhielt. Zur Verlängerung der Kavalierstraße kam es 1760 durch Fürst Franz. Die Neue Straße heißt seit 14. Oktober 1780 Franzstraße. Auf der rechten Seite sieht man nur das ehemalige Palais des Prinzen Eugen. Es wurde 1792 als Erbprinzliches Palais eingerichtet. Nach derVermählung des Erbprinzen Friedrich (1769-1814) mit der Prinzessin Christiane Amalie von Hessen-Hamburg (1774-1846) wurde es zum Wohnsitz des Paares.

46. In der Kavalierstraße, zwischen der Hauptpost und dem Stadtpark (aus heutiger Sicht), stand ein 'Jägerhaus'. Das Gelände bekam Prinz Eugen von seinem Bruder Fürst Leopold Maximilian geschenkt. Prinz Eugen ließ hier einen zweigeschossigen Bau errichten. Über der Toreinfahrt befanden sich zwei große Rothirschköpfe und das Landeswappen (im Bild von 1860, ein Foto von Gustav Völkerling). Das Haus diente als Fürstliches Jägerhaus mit Wildmeisterei. Es wurde Wohnsitz des jeweiligen Wildmeisters. Hier wurde das Wild, das auf den Jagden geschossen wurde, abgeliefert, zerlegt und verkauft.Am 3.Juli 1872 wurde das Haus an die Stadt Dessau zum Abbruch verkauft. Eine neue Straße wurde hier angelegt, die den Namen 'Jägerhausstraße' tragen sollte, tatsächlich aber Friedrichstraße genannt wurde. Der Abbruch des Jägerhauses hat den Weg zum und vom Bahnhof durch die Friedrichstraße ermöglicht und das Gelände zwischen Bahnhof und Kavalierstraße der Bebauung erschlossen. Der erste Bahnhof lag damals noch auf dem Gelände des heutigen 'Fürst-Leopold-Carrés' .

47. Fürst Leopolds ältester Sohn, der am 20.Juni 1699 geborene ErbprinzWilhelm Gustav, starb am 16. Dezember 1737 an den Pocken. Erst auf dem Sterbebett hat Wilhelm Gustav dem Vater seine heimliche Verheiratung gestanden und Verzeihung erhalten. Sophie Herre (1706-1795) aus Dessau, die im GutshofKleckewitz wohnte, war seine Gemahlin und Mutter von sechs Söhnen und drei Töchtern. Fürst Leopold Maximilian vermittelte beim Kaiser Franz ihre und ihrer Kinder Erhebung in den Reichsgrafenstand als Grafen von Anhalt. Am N ordende der Kavalierstraße ließ Fürst Maximilian, der zweite Sohn des' Alten Dessauer' , 1 748 ein stattliches Haus mit einer großen Freitreppe errichten und schenkte es seiner verwitweten Schwägerin. Nach dem Tod der Gräfin, sie starb am 5. Juli 1795, ging das Haus in den Besitz des Philanthropinprofessors Heinrich Ludwig Olivier über. Er war der Vater der drei seinerzeit hochgeschätzten Maler dieses Namens. Kurz vor 1900 kaufte der Brauereibesitzer Peters das Haus, ließ es abbrechen und baute ein großes Wohnhaus mit kostbarer Sandsteinfassade, das später von der Commerz- und Privatbank genutzt worden war.

48. Der Große Markt (Schlossplatz) war das schönste Stadtbild Dessaus. Die Fürstin Henriette Catharina verbesserte das nüchterne Aussehen der Schloss- und Stadtkirche durch das Vorsetzen der 'Buderi'. Die Westseite wird von drei doppelgiebligen Gebäuden abgeschlossen. Auf dem Markt spielten sich alle wichtigen Begebenheiten ab, wurde hochnotpeinliches Halsgericht gehalten und wurden fremde Fürstlichkeiten mit fröhlichem Jubel empfangen. Der Blick in die Schlossstraße wurde oft gemalt und fotografiert. Die Schlossstraße zählt zu den ältesten Straßen der Stadt. Im Haus Nummer 1, um 1560 erbaut, war von 1848 bis 1908 Schreiters Gaststätte, die Fritz Herbst 1908 übernahm und 'Zum Alten Dessauer' nannte. Um die Höfe an der Ostseite der 'Buderi' zu verdecken, wurde 1720 mit Zutun des 'Alten Dessauers' das Haus Schlossstraße 19 gebaut. (Abbildung) Es war ein zweigeschossiger Fachwerkbau mit Putzfassade. Drei Sandsteinstufen führten zu der vom quadratischen Fenster überhöhten Tür. Seit vor 1900 wird es von der Kirchengemeinde zu St. Marien als Küsterwohnung genutzt.

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