Die Insel Poel in alten Ansichten Band 10

Die Insel Poel in alten Ansichten Band 10

Auteur
:   Jürgen Pump
Gemeente
:   Poel, Die Insel
Provincie
:   Mecklenburg-Vorpommern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6755-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Die Insel Poel in alten Ansichten Band 10'

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9. Nach unserer Überfahrt zur Insel durchfahren wir den fjordartigen Einschnitt der Kirchsee, an dessen Ende der wunderschöne Naturhafen Kirchdorf liegt. Schon von weitem grüßt freundlich die aus dem 13. Jahrhundert stammende Kirche mit ihren grasbewachsenen WaJlanlagen, auf denen wir friedlich weidende Kühe entdecken. In den angrenzenden Schlosswällen existierte einst ein prächtiges Schloss und wir bedauern sehr, dass das Gebäude unter schwedischer Herrschaft vernachlässigt wurde. Adolf Ahrens schreibt im Jahre 1902 dazu: "Nach und nach ist es von selbsten über den Haufen gefallen."

Freundlich, aber mit schäbiger Schadenfreude erwartet uns kurz darauf am Landungssteg eine Schar erheiterter Gäste als "sogenannte Lästerallee en miniature" , wie es später in der Sonntagsbeilage der "Mecklenburgischen Zeitung" nachzulesen ist. Dort vermerkt der Schreiber außerdem noch:

"Mit heiterem Gesicht empfängt man diejenigen Poelarfahrer, die bleich mit trüber Miene endlich die schwankenden Planken des Steamers ver!assen können, nachdem dem Meeresgatt tüchtig geopfert worden war." Ja, und spätestens nun werden wir an die Worte des Badearztes Dr. Vogel in der Einleitung erinnert, der von einer gewissen "Ausleerung des Magens vor dem Bade" sprach. Nur meinte er ganz gewiss nicht die Ausleerung durch die Speiseröhre.

Die ersten PoeIer, die uns im Kirchdorfer Hafen begegnen, sind fünfFischer, die sich unter der zumTrocknen aufgespannten Zeese (Treibnetz) eine Pause gönnen. Es sind v.l.: Arno Gössel (Fischerlehrling) , Kar! Pierstorf, Hans Evers, Ewald Rust und Robert Schwarz.

10. Zufriedene Gesichter gab es wohl immer, wenn Gäste die Insel in Urlaubslaune betraten. Und um Stimmungen nicht allein dem Wetter zu überlassen, taten die PoeIer Quartiersleute ihr Übriges dazu. Ja, die Insulaner wussten von alters her, wie die .Lufisuappers'' (Feriengäste ) wieder für den kommenden Sommer zu gewinnen waren. Denn Dienst am Gast beschränkte sich schließlich nicht nur darauf, dass man den Urlaubern Kost und Logis bot. Nein, man holte die Badegäste entweder vom Bus oder vom Dampfer, zum Teil auch mit Schubkarre, ab und begleitete sie natürlich auch zum Abschied. Aus Zeitgründen konnte es aber auch schon vorkommen, dass die "Dame des Hauses" wie hier bei unserer Ankunft in Schürze ihre Gäste auf dem Dampfersteg verabschiedete. Eine Abreise konnte aber auch um 1935 etwa so aussehen. Im Rahmen der Organisation "Kraft durch Freude" "erstürmten" Erholungssuchende förmlich die Insel. Massenabfertigung mit allem Drum und Dran und musikalischer Begleitung durch Blaskapellen waren an derTagesordnung. Der Pferdewagen am oberen Bildrand diente für den An - und Abtransport der vielen Menschen.

11. Mit der gewollten Ablichtung des Jungen, hier auf dem Foto vom Jahre 1935 im Kirchdorfer Hafen, gelang auch unbeabsichtigt die seltene Darstellung eines Prahms, der zum Transport von Seegras, Rüben, Kohl und auch Baumaterialien Verwendung fand. Wir aber werden sofort an die Zuckerfabrik erinnert, die auf dem Seewege von Poel mit so einem Prahm ihre Rüben geliefert bekam. Aber auch für den Personentransport nutzte man ihn, wenn der Dampfer .Jnscl Poel" die vielen Erholungssuchenden, besonders an Wochenenden, nicht mehr bewältigen konnte. Lustig soll es zugegangen sein, wenn mitTreckfiedel (Ziehharmonika) die Überfahrt zur Inseloder zum Festland verschönt wurde. Hier sehen wir Klaus Hilgner, Bruder von Astrid und Sigrid Hilgner und Enkel des Seegrashändlers Tankmar Mahncke, in so einem Prahm. Klaus Hilgner starb siebenjährig im Jahre 1942.

Die Kirche mit ihren Wallanlagen im Hintergrund wird 12 Jahre später ab dem Iahr 1954 von Pastor Hans - Georg Schmidt betreut. Er wird im folgenden Bild als 3 O. von den insgesamt 32 Pastoren der Insel vorgestellt.

12. In ihrer langen Geschichte wurde die PoeIer Kirchgemeinde inzwischen von 32 Pastoren betreut. Sie alle sind namentlich bekannt, nicht aber ihre Lebensläufe. Die Biografien zu erforschen fällt allerdings schwer und so bleibt uns nur, aus jüngerer Vergangenheit etwas von den Nachkommen in Erfahrung zu bringen. Schauen wir nun in das Iahr 1912 zurück, so treffen wir auf das Geburtsjahr des Pastors Hans-Georg Schmidt, der noch vielen Poelern als Seelsorger der Insel in wacher Erinnerung ist.

Geboren wurde er am 1 0.Apri11912 in Neddemin/Mecklenburg -Strelitz. Nach dem Umzug der Eltern nach Ziethen/Ratzeburg wurde Hans-Georg in Ratzeburg eingeschult und beendete dort die Schule mit demAbitur.AnschlieBende Studienorte waren Tübingen, Rostock und Basel, denen sich im Jahre 1937 die Tätigkeit als Lehrvikar in Grebbin/Mecklenburg-Schwerin anschloss. Eine schwere Zeit folgte 1940 mit seiner Einberufung als Soldat. Während seines Heimaturlaubs 1942 heiratete er Hildegard Schween. Aus dieser Ehe gingen 1943 der Sohn CarlChristian und später im Iahre 1950 die Tochter Gabriele hervor. N och vor Kriegsende kam 1944 ihr Vater in russische Gefangenschaft, die fünflange Iahre dauern sollte. 1950 wurde ihm für vier Jahre die erste pfarrstelle in Ballwitz/Mecklenburg - Strelitz anvertraut, bis er dann 1954 zur PoeIer Kirchgemeinde wechselte und dort seinen VorgängerWaldemar Schuhmacher (1947 -1954) ablöste.

Schnell hatte sich Pastor Schmidt das Vertrauen der Menschen erworben und wurde mit Respekt und Achtung behandelt. Am 1. Juni 1969 wählte man ihn zum Probst. Konsequent setzte er sich für seine Gemeinde ein und tat alles für die Werterhaltung der Kirche, wie u.a. die Erneuerung der Fenster, Dachreparaturen und die Orgelerneuerung. Aufopferungsvolllehnte Pastor Schmidt selbst das angebotene Dienstauto von der Landeskirche mit der Begründung ab, dass diese Gelder besseren Zwecken dienen könnten. Er scheute auch nicht davor zurück, private Mittel zur Werterhaltung des pfarrhauses einzusetzen. Hans-Georg Schmidt war als ernster Mensch bekannt, lieB aber auch nicht den Humor vermissen. Eine Eigenschaft war sein korrektes und gerechtes Verhalten gegenüber jedem, der an ihn herantrat. Zur Leidenschaft wurde ihm die Ahnenforschung vieler PoeIer Familien, denen er sehr detaillierte Stammtafeln erstellte und somit das Werk des Wismarer Forschers Gustav Willgeroth "Beiträge zur PoeIer Familienkunde" indirekt in ungedruckter Form ergänzte. Diesem Hobby ging er bis zu seinem Lebensende nach.

Pastor Schmidt starb im Kreise seiner Familie am 18. Februar 1990.

13. Nach all den vielen Eindrücken während der Überfahrt und der turbulentenAnkunft im Kirchdorfer Hafen zieht es uns zur Unterkunft. Der Weg vom Hafen ist nicht sehr weit. Nur noch bei Völters Restaurant rechts um die Ecke und nach etwa 200 Metern werden wir die Pension des SeegrasgroßhändlersTankmar Mahncke am Markt erreicht haben.

Doch bevor wir dem Kirchdorfer Markt entgegenstreben, werden wir noch Zeuge eines fröhlichen Trinkgelages im Gartenrestaurant von Vólter, Es sind v.l. RudolfLaatz, Otto Groth, Luten Hückstädt (Heizer auf dem Dampfer .Jnsel Poel"), RichardVölter und eine der Schwestern des Frisörs Herbert Sievert.

Zu den Besitzverhältnissen des Völterschen Gartenrestaurants erfahren wir später noch aus der "Amtlichen Beilage zum Regierungsblatt für Mecklenburg Schwerin" vom 2 O. Juli 1931 Folgendes: "Das nach dem Tode von Heinrich V ölter von dem inzwischen verstorbenen Gastwirt Hans V ölter in Kirchdorf nach Übereinkunft übernommene Geschäft ist pachtweise auf den Gastwirt Richard Völter übergegangen".

Übersehen können wir Mitte der 193 Oer Jahre auch nicht die fröhliche Gesellschaft von KdF-Urlaubern (KdF: Kraft durch Freude) vor dem Logierhaus des Völterschen Gartenrestaurants. Man ist gerade im Begriff, mit einem Leiterwagen zum Schwarzen Busch zu fahren. Wie die Herrschaften ahneTritt und Leiter diesen Pferdewagen bestiegen hatten, zeigt uns der Klappstuhl am rechten Bildrand, der kurzerhand als "Treppe" aus dem Garten herangeschafft worden war.

14. Und noch eine Besonderheit fesselt unsere Aufmerksamkeit. Gegenüber von Völters Gartenrestaurant hat sich im Hof der Gaststätte "Zur Insel" die gesamte Feuerwehr-Elite Poels mit ihrem Bürgermeister Schäfer zum Fototermin eingefunden. Ja, auch die Insulaner blieben von Feuersbrünsten nicht verschont und sie hatten sich schon seit dem Jahre 1925 als Freiwillige Feuerwehr zusammengeschlossen. Das taten sie im eigenen Interesse, aber auch pflichtgemäß auf der Grundlage eines Gesetzes der mecklenburgischen Landesregierung vom Jahre 1924, wonach alle Orte über 1000 Einwohner eine Freiwillige bzw. pflichtfeuerwehr aufzustellen hatten. Die gesetzliche Stellung dieser öffentlichen Einrichtung wurde selbstverständlich auch in einer Satzung dokumentiert, in der u.a. von den Mitgliedern gefordert wurde: "Die Freiwillige Feuerwehr hat die Verpflichtung, bei Feuersgefahr ohne weitere Aufforderung sofort zur Rettung von Menschen und Eigentum einzugreifen und zur Bekämpfung des Brandes in geeigneterWeise zu wirken. ( ... ) Der Dienst ist ein Ehrenamt und die Dienstleistungen geschehen unentgeltlich". Mit dieser Richtlinie war es allerdings noch nicht getan. Auch der deutschen Gründlichkeit musste Genüge getan werden und man fügte fachliche Anweisungen als "Dienstvorschrift für den Ortspolizeibezirk" hinzu.

Vor der Kamera des Wismarer Fotografen Heinrich haben sich hier nun im Jahre 1934 sicher nur Funktionsträger der PoeIer Wehr aufgestellt, denn im Gründungsprotokoll des Jahres 1925 ist vermerkt, dass sich zehn Jahre zuvor immerhin 100 Personen für den Feuerwehrdienst eingetragen hatten. Es sind auf diesem Foto:

Obere Reihe v.l.:

Hermann Neubauer, Anton Saevkow (Schneider), Fritz Cords (Schmied), Paul Seemann, Paul Becker, Erich Cords (Schmied), Albert Thegler, Hans Wendt, Albert Burmeister, Gustav Lembke (Zimmermann).

Untere Reihe v.l.:

Paul Wiechmann (Lehrer), Otto Peters, Herbert Grünberg (Sattler ); WalterTimm (Schuhmacher), Hermann Schäfer (Bürgermeister), ..... Niekrenz (Berufsfeuerwehr Wismar ), Ludwig Baale, Friedrich Klaeve, Richard Winkelmann (Schuhmacher), Hans Sültmann (Taxifuhrunternehmer ), Otto Groth (Gastwirt "ZurInseI").

(siehe auch Band 1: Bild 44, Band 5: Bilder 38, 39,40,41,42,68, Band 6: Bild 72, Band 8: Bilder 23, 24)

15. Gleich zwei Häuser weiter weist ein Schild auf den ersten und einzigen Zahnarzt der Insel, Fritz Schönefeld, hin. In diesem Haus betrieb einst Kar! Kruse sein Ladengeschäft. Wir sind neugierig und wollen natürlich mehr über Schönefeld wissen.

Manch ein Leser dieser Buchserie wird erstaunt sein über die Ähnlichkeit dieses Bildes mit dem Foto 34 im Band 7. War dort zuvor der Zahnarzt Artur Gauer bei der Behandlung eines Patienten dargestellt, ist es hier sein Schwager Fritz Schönefeld, der in gleicher Pose seinem "Opfer" schweißnasse Hände bereitet.

Geboren wurde Fritz Schönefeld am 3. Mai 1910 in Berlin, wuchs aber in Göttingen auf Dort erhielt er auch seine Ausbildung zunächst zum Zahntechniker und dann zum Dentisten. Nach Mecklenburg verschlug es ihn 1934 durch die Heirat mit Helene Gauer, der Schwester von Artur Gauer. AufPoel gab es in jener Zeit noch keine Zahnarztpraxis, also machte er sich in Kirchdorf am 5. Juni 1934 selbstständig. Zunächst praktizierte er bei Betty und Paul Schwarz am Dampfersteig, dann im Krabbenweg beim Schäfer Georg Holtz. Recht spartanisch eingerichtet war es danach auch im abgeteilten Wohnzimmer des Hauses der Bäckerei Groth. Der erste Instrumentenschrank war u.a. eine beklebte Apfelsinenkiste. Später praktizierte er dann im ehemaligen Kaufhaus Kruse in der Wismarschen Straße. Die Praxis mit Sprechzimmer, Wartezimmer und Zahnlabor wurde im Erdgeschoss eingerichtet. Die Laborarbeiten, wie Zahnersatz, Kronen usw., fertigte Schönefeld in den erstenjahren selbst an. Zwischenzeitlich zum Militär eingezogen, wurde er aufgrund mangelnder Zahnärzte wieder freigestellt. So musste er auch aus diesem Grunde zweimal die Woche

mit dem Motorrad zur Behandlung nach Neuburg fahren. Im hier dargestellten Briefkopfvom 1. November 1945 erhalten wir den Beweis für die "Filial-Praxis" in Neuburg. Etwa 1948 oder 1949 nahm Schönefeld an Fortbildungsmaßnahmen an der Universität Rostock teil, um auch kleine chirurgische Eingriffe, wie z. B. Wurzelresektionen, machen zu dürfen. In dieser Zeit erhielt der Dentist Fritz Schönefeld per Verordnung nach einer abgelegten Prüfung die Approbation zum Zahnarzt. Im Iahre 1952 übernahm er eine Praxis in Bad Kleinen undArtur Gauer die Praxis aufPoel.

Eine kleine Geschichte aus Schönefelds Praxisleben sei noch erzählt:

Eines Tages kam ein PoeIer in die Praxis, zeigte auf einen Zahn und sagte: "Disse Tähn möt rut!". Schönefeld prüfte die Sache und antwortete: "Das ist aber der Zahn daneben, der Ihnen Schmerzen bereitet!" Darauf der PoeIer: "Nee, dat is disse un dei möt rut!" Es halfnichts und Schönefeld tat, was der Patient wünschte. Nach zwei Tagen erschien der PoeIer wieder mit den Worten: "Sei harrn Recht, Dokter, dat wier doch dei armer!"

Fritz Schönefeld starb am 1. November 1990.

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CA.FÉ, REST AUHANT UND PENSION MAHNCKE

Osfseehad Insel Poel, Kirdtdorf i. Meckl.

Fernspredier 34

An der Hauptstraße von Ktrdidorf . Haltestelle der Postautobusllnle 'Vlsmur-Klrdldorf und Badestrand 2 Min ti ten Y 0 u d e r D a III p fe I' a n l e ges tell c.

freundl. Zimmer· Elektr, Lidit . Sdiöncr Garten· Bekannt gute merkl, Küme . Mittagstisdl sowie volle Verpflegung audi für außer dem Hause wohnende Gästc . Eigene Landwircsdiaft, MiJdt von eigenen Kühen . Vor- u. Nadtsaison

Prelsermäßlgung' . Wasserleitung im Hause· W.C.

16. Wir sind am Ziel, werden aber nicht im Pensionsgebäude untergebracht, sondern erhalten bevorzugt unser Quartier im Garten der Wirtsleute Mahncke. Es ist ein komfortables Häuschen, das den liebevollen Namen .. Sperlingslust" erhalten hatte und unter dem erhöhten Wohnbereich sogar eine Garage für Automobilisten bietet. Im Haupthaus dieser Pension stehen 14 Zimmer mit insgesamt 3 0 Betten zur Verfügung. Für die Unterkunft verlangt man in der Zeit vom 1. 7 bis 15. 8. pro Nacht 5 RM und ab 16.8. bis 30.6. eine RM weniger. Noch mehr erfahren wir hier im Bild aus dem Textteil eines Werbeprospektes des Jahres 1930. Wie kostenintensiv das Werben allerdings sein konnte, beweist uns Tankmar Mahncke mit einer Rechnung für Anschlagstellen. In dem Dokument vom 24. Februar 1937 hatte er für die Plakatwerbung auf den Bahnhöfen der Hamburger und Berliner Untergrundbahn an jeweils 75 Anschlagstellen für die Monate Mai und Juni zum Vorzugspreis einen Betrag von 95,60 RM zu zahlen.

17. "Sperlingslust" , mit Blick auf den Kirchsee und die Niendorfer Mühle, erfreut uns an jedem Urlaubstag immer mehr. Interessant aber ist auch das Treiben der PoeIer, wenn sie mit mühevoll geborgenem Seegras den SeegrashändlerTankmar Mahncke aufsuchen. Nicht das erste Mal wird in dieser Buchserie über Seegras und dessen Weitertransport aufSchienen gesprochen. Dieses Foto zeigt uns den Schienenstrang, auf dem mit Loren das gepresste Seegras zum Kirchdorfer Hafen befördert wird. Am Ende der Schienen ist gerade der Fährdorfer Fischer Gustav Vogel mit einer Schubkarre bemüht, sein Seegras zur Ballenpresse zu schaffen, das er mit seinem Boot aus dem Breitling außen herum in den Kirchsee geschafft hatte. Das sechsjährige Mädchen istAstrid Hilgner, die Enkeltochter Mahnckes.

Von hier aus gelangte das in Ballen gepresste Seegras für den Weitertransport zum Hafen. War das auf Prähmen verladene Seegras im Schlepp des Dampfers .Jnsel Poel" in Wismar angekommen, übernahmen u.a. die Seegrashändler Dinnis (Inh. Paul Steinhagen), Galenbeck &Wiggers (später Galenbeck & Söhne), Wilhelm Trendelburg oder Albert Pierstorf in der Scheuerstraße die Ware. Im Wismarer Westhafen befand sich die .Jsoliermaterial- Fabrik Isolag" , die im Jahre 1934 ihren Betrieb aufgenommen hatte. In erster Linie wurden Isolier - und Dämm-Matten für Baracken der Wehrmacht gefertigt. Die Matten kamen in großen Rollen von 50 Zentimetern Breite in den Versand. Für die Füllung der Isoliermatten verwendete der Inhaber von Isolag bevorzugt Seegras aus dem PoeIer Bereich.

18. Zwar kam dieses schöne Haus bereits im Band 4, Bild 32 zur Ansicht, vor dem im Jahre 192 0 August, Martha und Grete Rebien im Sonntagsstaat Aufstellung genommen hatten.Aber noch älter ist dieseAufnahme der Häuslerei 62 aus dem Jahre 1912. Der Beweis hierfür ist der noch jüngere Baumbestand vor dem Haus. Erbauen ließ dieses Gebäude im Jahre 1904 August Rebien durch den Stover Bauunternehmer Kar! Scharfs.

Rechts neben der Eingangstür ist ein Innungsschild angebracht, auf dem zu lesen ist: "Tischlerei von August Rebien". Im Iahre 1920 konnte man später etwas versetzt ein schon größeres, moderneres Schild mit dem Wortlaut "Lager fertiger Särge sowie Grabhügel-Umfassungen" entdecken. Aus welchem Grunde das rechte Fenster zugehängt wurde, muss unbeantwortet bleiben. Bekannt ist, dass hier Hermann Trost ein kleines Textilgeschäft betrieb, bis er sich veränderte und den Kaufladen am Markt von Emil Jacobsohn übernahm. Später handelte man hier bei Rebien mit Haushaltswaren und Möbeln. Schließlich diente dieser Raum auch noch als Annahmestelle der Dienstleistung.

Zur mittleren Personengruppe unterhalb der Gaube zählen v.l. August Rebien , Martha Rebien sowie die Kinder Hertha und Kar! August Rebien. Als jungen Mann werden wir übrigens Kar! August Rebien im Bild 20 mit Freunden auf dem Weg zum Schwarzen Busch wiedertreffen.

Anneliese Baumann, die alsTochter des Bürgermeisters und Kaufmanns Friedrich Baumann in direkter Nachbarschaft aufwuchs, erinnert sich noch, dass am Rande des Fahrweges zur Entwässerung ein kleiner Graben lief, der das Abwasser in den Hauptgraben ableitete. Das Haus gegenüber erbaute übrigens Louis Baumann (Unkel Luten) im Iahre 1928/29, das er später an den Frisör Hermann Sievertverkaufte.

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