Die Insel Poel in alten Ansichten Band 10

Die Insel Poel in alten Ansichten Band 10

Auteur
:   Jürgen Pump
Gemeente
:   Poel, Die Insel
Provincie
:   Mecklenburg-Vorpommern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6755-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Die Insel Poel in alten Ansichten Band 10'

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19. Bevor es uns zum Strand am Schwarzen Busch zieht, er!eben wir so ganz nebenbei noch das PoeIer Sportfest und natürlich auch die Fußballkicker der Insel.

Als im Jahre 1923 der PoeIer Sportverein gegründet wurde, stand hauptsächlich das Fußballspielen und das Turnen auf dem Programm. Für die Fußballer richtete man den Turnplatz bei der Sigglowschule (hinter der heutigen Turnhalle) her und die Gemeinde stellte zwei Fußballtore ohne Netz zur Verfügung. Damit der Ball nicht immer auf die bestellten Felder flog, wurde ein fünf Meter hoher Maschendrahtzaun gesetzt. Die Pflege des Platzes übernahm Paul Becker ohne Honorierung, allerdings durfte er das abgemähte Gras für seine Kaninchen und Ziegen verwenden. Der Schuhmacher Walter Timm war zu jener Zeit Vereinsvorsitzender und der Tischler Kar!-August Rebien Kassierer. Später übernahm die Kassierung Robert Hadler aus Einhusen. Der Mitgliedsbeitrag betrug monatlich fünfzig Pfennig. Das war nicht wenig, denn der Stundenlohn für Arbeiter lag bei vierzig Pfennigen und bei Handwerksgesellen bei siebzig. Vom Verein erhielten die Fußballer zwei Bälle. Was sonst die Sportler benötigten, mussten sie aus eigener Tasche bezahlen. Das Teuerste waren die Fußballschuhe und manch" ein Sportler übte seinen Sport in Straßenschuhen aus. Trainiert wurde ab 19. 00 Uhr, denn dazumal arbeitete man noch bis 18.00 Uhr. Einen Trainer konnte man sich nicht leisten. Die Spieler teilten sich in zwei Gruppen und schon spielte man ganz einfach drauflos, wobei die weniger guten Spieler sich Tricks von den besseren abkuckten. Die Bälle hatte der Sattler Friedrich Grünberg in Verwahrung, der auch die Pflege übernommen hatte. Er betrieb seine Werkstatt rechts neben der Molkerei ("Villa Vierkant").

Die PoeIer Elf spielte dazumal in der Besetzung: Mittelstürmer Kar! Tiedt, (Geselle beim Bäcker Hugo Beyer); links außen Herbert Grünberg, der einen gewaltigen Linksschuss hatte; rechts außenAnton Saefkow, er war ein Dribbelkünstler; die anderen Stürmerpositionen waren nicht immer mit den gleichen Spielern besetzt. Im Lauf spielte rechts immer Robert HadIer, links Willi Wittfoot, ein Geselle bei Tischler August Rebien, und in der Mitte Richard Winkelmann. Als linker Verteidiger mit kräftigem Linksschuss kam Fritz Cords zum Einsatz. Rechts stand Willi Schemer seinen Mann, ein Schweitzer (Melker) vom Wangern' schen Hof Beide hatten ein sehr gutes Stellungsspiel und es war an ihnen sehr schwer vorbeizukommen. Torwart war Hannes Evers. Die PoeIer Elf galt als eine der stärksten im Landkreis. Dazu gehörten u.a. die Mannschaften von Blowatz, DorfMecklenburg und Lübow. Schiedsrichter waren knapp und so sprang oftmals ein guter Spieler ein. Die Platzverhältnisse waren in den Dörfern "so einigermaßen", Markierungen gab es allerdings selten. Elfmeter- und Mittelpunkt machte man mit Weißkalk kenntlich.

29 Jahre nach der Gründung desVereins stellten sich hier im Iahre 1952 die PoeIer "strammen Kerle" dem Fotographen. Es sind v.l.: H. Peitsch, H. Lange, W Neitzel, H. Schwagerick, u. Schwarz, K. Pudschun, H. Neubauer, W Klinger, Host Schreiber, Herbert Laatz, G. Kägler.

20. Es ist kein gewöhnlicher Tag, an dem uns diese fein herausgeputzten jungen Männer wohl 1930 etwa auf dem Weg zum Schwarzen Busch begegnen. Nein, es ist ein strahlend schöner Herrentag, der zünftig geschniegelt und gebügelt und natürlich mit Krückstock begangen wird. Ob die "Gehhilfe" den forschen Poelern nach dem vermutlich bevorstehenden Kneipenbummel am Abend noch von Nutzen gewesen sein wird, muss offen bleiben. Sicher war das Ziel der Herren Völters Waldhütte, vielleicht auch das Kurhaus Fanter oder die Rohrdantz "sche Strandhalle. Schnell drücken wir auf den Auslöser unserer Kamera und haben somit einen Teil der schicken Männermode für kommende Generationen im Bild festgehalten. Amüsiert müssen wir noch feststellen, dass alle vier Herren der Mode gehorchend ihre Hosen doppelt mit Leibriemen und Hosenträger abgesichert haben. Die Hosenträger nannten übrigens die PoeIer auf plattdeutsch "Draagbänner" (Tragebänder) . Typisch auch die Ärmelhalter von Karl August Rebien, mit denen man die Länge der Ärmel bestimmen konnte.

Von links erkennen wir: Ludwig Hafften (Sohn des Schmieds/Förster), KarlAugust Rebien (Tischler), Hermann Trost jun. (promovierter Jurist) und Artur Fraedrich (befasste sich neben vielen Berufen auch mit der Schriftstellerei).

21. Kaum haben wir uns von der lustigen Männergesellschaft getrennt, erreichen wir auch schon den Schwarzen Busch. Der Fahrweg, eine schlichte "Erdstraße" , führt an dem Wäldchen vorüber und mündet schließlich am Strand zwischen den beiden Kurhäusern. Im Hintergrund links erkennen wir bereits die Sommerresidenz des Wismarer Weingroßhändlers Gustav Michaelis, der er den Namen "Strandheim" gab. Die Fortsetzung dieses Fahrweges entlang der sandigen Böschung und derTelefonmasten präsentiert sich im folgenden Bild hinter der Rechtskurve.

Insel Poel

Kurhaus am senwarzen Busch

22. Der Lindenbestand hier im rechten Bildteil zeigt sich noch recht jung und es ist anzunehmen, dass der Fotograf um 192 0 dieses Motiv wählte. Das pflanzen der Allee-Bäume war übrigens für die PoeIer im Iahre 1908 auch mit Ärger verbunden. So forderte man auf Veranlassung des PoeIer Badevereins von den Büdnern der Insel eine Arbeitskraft zum Setzen der Bäume. Gastwirt Heinrich Völter wurmte das sehr und weil ihm scheinbar der Begriff Allee unbekannt war, kam es zu einer neuen Wortschöpfung. Lauthals machte er seinem Ärger Luft: "Nee oh nee, watri Schkandal mit dei Halee!" Völter baute übrigens zu diesem Zeitpunkt auf seinem Grundstück in Kirchdorf am Hafen ein neues zweistöckiges Logierhaus, das im Frühjahr 1910 eingeweiht wurde. Ein bedeutendes Frühjahr für die PoeIer, denn ebenfalls in diesemjahr eröffnete zu Pfingsten der Bauunternehmer Franz Fanter sein Kurhaus am Schwarzen Busch mit 25 Fremdenzimmern, großem Speisesaal und einerVeranda (r.i.Bild).

46 Jahre später, nachdem die "Erdstraße" ein Kopfsteinpflaster erhalten hatte, benutzten dann Fußgänger unmittelbar neben der Straße oberhalb der steilen Sandböschung das Gelände als Fußweg (s. Bild 21). Dies veranlasste die Gemeindevertreter in ihrer Sitzung vom 14.06.1957 zu der Anordnung: "Die Böschung bedeutet für Fußgänger eine Gefahr und es ist mit einem Hinweisschild aufmerksam zu machen, den bestehenden alten Fußsteig durch den Schwarzen Busch zu nutzen.

(siehe auch: Band 2, Bild 35; Band 7, Bild 59; Band 8, Bild 61 /Gehölz mitVöltersWaldhütte)

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Wa,6 15aÎ)m 110m ,5tranbe ift frei; bd 'lßenuijullU ber 15abe. alljlatt 15abefarten 20 fll/1/, Wllijenb'farten 2 f/lIJ&, ltinÎ)er bie ~älfte,

23 .?. Das Badeleben ist einfach und still", konnte man zu Beginn des aufkommenden Bäderwesens auf der Insel Poel in einem Reiseführer nachlesen. Eine wahre Feststellung des Schreibers, aber er bewirkte damit zumindest auch, dass noch mehr Naturverbundene den Weg zur Insel fanden. Dennoch, trotz aller Ruhe übersahen die PoeIer die Entwicklung des aufstrebenden Tourismus in anderen Küstenorten nicht und begannen, auch auf ihrer Insel den Fremdenverkehr zu fördern. So warb die Badeverwaltung in einem Insel- Prospekt aus dem Jahre 1928 damit, welche Annehmlichkeiten der Badegast aufPoel zu erwarten hatte. U.a, konnten sich die künftigen Erholungssuchenden auf eine ?. kräftige und stärkende Landküche" freuen und wer nicht im Kurhaus am Strand des Schwarzen Busches logierte, der hatte natürlich auch die Möglichkeit, sich ?. in Timmendorfbei den Letsen" oder aber bei ?. anderen Landleuten" eine Unterkunft zu besorgen.

Begonnen hatte alles, nachdem man 920 Meter Strand des Schwarzen Busches im Jahre 1899 von Muscheln und Seegras befreit hatte. Es ist übrigens auch dasTodesjahr des PoeIer ?. Armenarztes" Dr. Ziemsen, der bereits im Jahre 1886 von Dr. Unruh abgelöst worden war.

Zunächst aber klingt die Mitteilung des Schreibers Adolf Ahrens in der ?. Sonntags-Beilage der Mecklenburgischen Zeitung" von 1902 ernüchternd. Dort ist zu lesen: ?. Zwar ist jetzt der Plan, am sogenannten Schwarzen Busch ein Kurhaus und eine Badeanstalt zu bauen, gescheitert, aber er wird wieder kommen. Bis dahin müssen sich die Gäste mit einem Freibad begnügen." 1910 war es dann soweit und Franz Fanter errichtete ein Kurhaus am Strand und auch eine hölzerne Badeanstalt wird später den Gästen geboten, nachdem sich der Badeverein unter dem Vorsitz des Pastors Friedrich Paepke gegründet hatte. Erstaunt ist man aber über den Eintrag im Reiseführer ?. Mecklenburgs westliche Seebäder" aus demjahre 1908, in dem etwas von der ?. Benutzung einiger Badezellen für einen kleinen Beitrag" mitgeteilt wird. Unklar ist, ob man kleine Badekabinen am Strand des Schwarzen Busches nutzte oder ob es zuvor bereits eine kleinere Badeanstalt gab.

Was den Gast rein offiziell aufPoel erwartete, ist hier im Werbetext der Badeverwaltung vam Jahre 1928 nachzulesen. Es sind aussagekräftige Zeilen, die selbst mit dem Vermerk ?. elektrische Straßenbeleuchtung" einen Hinweis darauf geben, dass man bereits vor 1928 mit der Elektrifizierung auf der Insel begonnen hatte.

24. Die Regel war es sicher nicht, dass PoeIer die Badeanstalt benutzten. Das blieb wohl eher den "Luftsnappern" (Urlaubern) vorbehalten. Denn wer wollte schon sein sauer verdientes Geld für ein Bad in der Ostsee hingeben. Etwas abseits vom Hauptbadestrand ging es schließlich auch ohne Kurabgabe und Badekarte. Doch es gab auch Insulaner, die gerne diese Einrichtung nutzten. Anneliese Baumann zum Beispiel mochte nicht gerne über Steine und bewachsenem Untergrund durch das Wasser waten und stieg lieber über die Treppen der Badeanstalt in die kühlen Fluten. Bademeister Gustav Steinhagen, den alle "Gusch Schiet" nannten, forderte für die Benutzung ganze 1 0 Reichspfennig (Rpf kleine deutsche Währungseinheit von 1924 bis 1948). Üblich waren allerdings 20 Rpf, doch Kindern billigte man den halben Preis zu.

Am Ende des Zugangssteges erreichte der Badegast ein kleines Häuschen, an dem sich nach der Kassierung durch den Bademeister die Geschlechter trennten. Für Frauen war die linke Seite bestimmt, während Männer ihre

Kabinen rechts vorfanden. Seeseitig erstreckte sich ebenfalls ein Kabinensteg der in T-Form erbauten und mit Pappdach eingedeckten Badeanlage. Er war den Familien vorbehalten. Alle drei Flügel boten je fünfKabinen von etwa 2,5 Quadratmetern Grundfläche, die mit nicht verschließbaren Schiebetüren versehen waren und in denen man eine schlichte Bank und einen Kleiderhaken vorfand.

Wie sich Anneliese Baumann noch erinnert, hatte "Gusch Schiet" oft Mühe, zwischen seinerVerkaufsbude am Strand und der Badeanstalt hin und her zu pendeln. Während er in seiner Bude Badeartikel, Andenken und für Leckermäuler auch Lakritz verkaufte, konnte es sein, dass zur gleichen Zeit ein Badegast Einlass begehrte. Dann ging es im "Schweinsgalopp" zur Badeanstalt, um im Anschluss daran unter Umständen den gleichen Weg in unverminderter Geschwindigkeit zurückzurennen. Einen willkommenen Service bot Steinhagen seinen Gästen auch mit einer an der Badeanstalt angebrachten Schiefertafel, auf der mit Kreide stets die Luft - und Wassertemperatur mitgeteilt wurde. Das Foto entstand am 19.August 1939 mit dem Vermerk "Zur Erinnerung an die schönen Ferientage auf Poel!" Wer den Komfort dieser Badeanstalt nutzen wollte, musste notgedrungen im Besitz einer Karte sein. Der Beleg für eine Badedauerkarte wurde im Jahre 1929 für 14 Tage ausgestellt und kostete Latte Kretschmar aus Osterholz ganze 1,50 Reichsmark. (s. auch Band 1: Bilder 18, 19, Band 2: Bilder 40, 41, Band 4: Bild 53, Band 5: Bilder 63,64, Band 6: Bild 26, Band 7: Bild 67)

25. Ein einzeln stehendes kleines Wochenendhäuschen südlich der Ferienresidenz .Strandhcim " des Wismarer Weingroßhändlers Gustav Michaelis weckt im Jahre 1936 unsere Aufmerksamkeit. Es ist das Ferienhäuschen des Schweriner Kaufmanns Carl Schween, der im Prinzip als Gründer der Wochenendhaussiedlung am Schwarzen Busch gelten kann. Es war kein Neubau, sondern nur eine Gartenlaube, die er von Schwerin nach Poel umgesetzt hatte und dort in wirtschaftlich schwerer Zeit mit einerTerrasse erweiterte. Später deckte er dieses Häuschen noch mit Reet ein. Schween wurde übrigens 1942 der Schwiegervater des späteren PoeIer Pastors Hans - Georg Schmidt. Dieser hatte die Enkelin des Seegrasgroßhändlers Ernst Beyer, Hildegard Schween, geheiratet, dessen Seegrashandlung später vom Schwiegersohn Tankmar Mahncke weitergeführt wurde (s. Band 10, Bilder 16, 17).

Nach Schweens Laube kamen dann 1938 noch zwei weitere Häuschen hinzu, die sich der Kinderarzt Dr. Otto Connerth und der Apotheker MaxJoachim Framm bauten. Dabei blieb es vorerst, bis sich dieses Gebiet nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges rasant zu einer Ferienhaussiedlung entwickelte. Stolz ließ sich hier Carl Schween (helle Kleidung) mit Angehörigen im Jahre 1937 vor seinem Besitz ablichten.

26. Eine nüchterne Nachricht des "Rates der Gemeinde Ostseebad Insel Poel" an den Wismarer Kaufmann Gerd KenzIer im Jahre 1956 wird sicher Freude ausgelöst haben. Unter "Betrifft" konnte er von der Zuteilung der Bauparzelle Nr. 25 zur Errichtung eines Wochenendhauses am Schwarzen Busch lesen. BürgermeisterThegler fügte in diesem Schreiben noch die Floskel hinzu: "Wir hoffen, Sie zufrieden gestellt zu haben". Präziser wurde es mit den Vorschriften, die Kenzler auferlegt bekam. "Das Grundstück muß mindestens im Jahre 1957 fertig gestellt und mit einem Jägerzaun (s. Foto) umgeben sein. Das Haus muß ein Spitzdach mit Rohrdach tragen." Aus der Baugenehmigung konnte der künftige Bauherr KenzIer neben Kleingedrucktem auch noch maschinengeschriebene Forderungen entnehmen: "Fundamente sind in Felsen oder Beton herzustellen - Sperrschichten sind gegen Feuchtigkeit einzulegen -sämtliches Holz ist vor dem Einbau zu entborken und zu imprägnieren - Material wird von Seiten der Abteilung Aufbau nicht zugeteilt."

Der letzte Punkt dieser Bauvorschriften bereitete dem Bauherrn große Sorgen, denn die Materialbeschaffung war in jenen Jahren ein großes Kunststück. Man forderte schließlich auch noch, dass nur gebrauchtes Baumaterial benutzt werden durfte und so kam es, dass KenzIer Reste vom Reetdach eines alten Bienenschauers verwendete. Diese Dacheindeckung ließ er später durch einen Rohrdachdecker vom Darß ersetzen, der auch das Material von dort mitlieferte. Noch größer schien die Not beim Bauherrn Otto Malzen, der mit den gepressten Rohrplatten von "Globus"Gemüsekisten als Dacheindeckung vorliebnehmen musste. Sein Sohn Christian Malzen erinnert sich noch, dass selbst die Leisten dieser Gemüsekisten für den Zaun Verwendung fanden.

Das fertig gestellte "Schmuckstück" von Gerd Kenzler zeigt hier auf einem der Fotos im Jahre 1957 das noch recht dünn geratene Reetdach, während sich das Häuschen des Kirchdorfer SchmiedesWalter Schiller noch in der Bauphase befindet.

27. Wie professionell die PoeIer das Urlaubergeschäft betrieben, erfahren wir aus einem Anzeiger vom 28. Mai 1914. Dort heißt es: " .... zur Abänderung der Verordnung vom 14. Juni 1912 für die Ortschaft Kirchdorf und das Amtsreservat am Schwarzen Busch auf der Insel Poel, betreffFremdenanmeldung und Erhebung einer Kurtaxe." Dieser Geschäftssinn ist zu diesem Zeitpunkt erstaunlich, wenn man bedenkt, dass der Badeverein und Fremdenverkehr fast noch in den Kinderschuhen steckte. Wohl werden die PoeIer über den Tellerrand geschaut haben, denn andere Küstenorte hatten den Insulanern in der Wismarbucht einiges voraus. Aber schnell entwickelte sich das Badewesen aufPoel und bald galt die Insel als Geheimtipp für naturverbundene Menschen. Vorbei war die Zeit, in der das eigene Wohnzimmer angeboten wurde und man selbst auf den Heuboden zog. Mit zahllosen Privatquartieren und Pensionen besserten die Einwohner nun ihre Privatschatulle auf Doch währte dieser touristische Aufschwung nur bis zum Jahre 1939. Der Zweite Weltkrieg war ausgebrochen und somit endete auch das blühende Tourismusgeschäft.

Elf Iahre später erfahren wir aus einer Bäderausschusssitzung vom 22. März 1950, dass die PoeIer in punkto Tourismus nicht resigniert die Hände in den Schoß gelegt hatten. Das beweisen die Protokolle der Gemeindevertretung aus jener Zeit. So kamen u.a. folgende Tagungsordnungspunkte zur Sprache: 1. Bau einer Halle von mindestens 50 Quadratmetern, die auch geeignet ist, Badegäste bei einem Unwetter aufzunehmen. 2. Fertigstellung des Weges von der Dampferanlegestelle bis zum Strand. 3. Den Graben an dem Dampfersteig zu beseitigen und den Steig zu regulieren. 4. Aufstellung von Bänken. Hierzu teilt Rohrdantz mit, dass sich ca. sechs bis sieben eiserne Untergestelle bei Tischlermeister Rebien befinden. 5. Instandsetzung der Abortanlagen. Rohrdantz will die vier in seinem Besitz befindlichen Abortanlagen der Gemeinde zur Verfügung stellen. Sie müssten aber erst instand gesetzt werden, da sie verstopft seien. Auf alle Fälle müsste hier eine Frau angestellt werden und für die Reinhaltung eine Gebühr erhoben werden. 6. Errichtung eines Pendelverkehrs. 7. Um zu vermeiden, dass die Badegäste die Kurtaxe nicht bezahlen, wird die Einrichtung eines Badebüros mit einer bezahlten Kraft vorgeschlagen, die auch die Zimmervermietung, Überprüfung der Privatquartiere und Massenunterkünfte sowie sämtliche schriftlichenArbeiten zu erledigen hat. Hierfür ist Frau Warnstädt vorgeschlagen worden. 8. Errichtung eines Fahrradstandes. 9. Ausarbeitung einer Straßen - und Wegeordnung. 10. Der Weg zu den Wallanlagen führt im Allgemeinen über den Friedhof Es soll versucht werden, die in Unordnung befindlichen Zugangswege wieder instand zu setzen. Die Kuhhalter sollen in den Sommermonaten in den Wallanlagen keine Kühe weiden lassen. II.Anlage eines Kinderspielplatzes mit Sandkästen in den Wallanlagen. Der Punkt sechs in der Aufzählung wird nicht nur den Badegästen gefallen haben, auch PoeIer nutzten den Komfort gern zu einer kurzen Busreise zum Strand des Schwarzen Busches. Ein Bus der Marke .Jkarus" des VEB Kraftverkehr Wismar hält hier vor dem FDGB-Ferienheim "Freundschaft" im Jahre 1970.

28. Wer zu Großvaters Zeiten auf Poel einkaufen wollte, musste sich schon entscheiden. Denn immerhin gab es in Kirchdorf fast an jeder zweiten Ecke einen Kaufladen. Gehandelt wurde mit allem und es konnte in diesen sogenannten "Tante - EmmaLäden" so ziemlich alles erstanden werden. Als Kaufleute betätigten sich aufPoel folgende Personen:

Friedrich Steinhagen (Weitendorf) , Wilhelm und Marie Baumann/Levetzow, Konrad Wilcken, Wilhelm Steinhagen, Hermann Trost, Karl Kruse, Emil Jacobsohn, BettyTeutz, Anna Mannerow, Helene und lohann Cords, Heinrich Stange, Louis Kitzerow, Gustav Kitzerow, Hermann Westphal, Gustav Roahl, Emma Nehls, Friedrich Baumann und Friedrich Heidenheim.

Das änderte sich nach dem Zweiten Weltkrieg und die Handelsorganisation (HO) und der Konsum versorgten ab nun die Menschen. Noch bis Ende des Krieges gab es nur einen Konsumladen, der durch den Bürgermeister Friedrich Baumann in der heutigen MitteIstraße geführt wurde (s. Band 2, Bild 64). Seine Tochter Anneliese Baumann erinnert sich noch heute an den regen Kundenbetrieb und daran, dass u.a. eine Flasche Schnaps 95 Pfennig kostete. Aber auch spaßige Begebenheiten sind ihr in Erinnerung geblieben. So kam einmal Hans Wulf als Kind in den Laden gestiefelt und hielt Friedrich Baumann eine leere Flasche unter die Nase:

"Du, Unkel Bummann, rük eins an dei Buddel! rek heff vergäten, wat ick köpen sall!" Baumann tat dies und sagte: "Du sasst Petroleum halen!" "Ach ja, nu föllt mi dat ok wedder in, ick sall Irdel rinmaken laten!" Zur Erklärung: Statt des schweren Wortes Petroleum nutzten die PoeIer den Begriff Erdöl und sprachen abgewandelt aufPlattdeutsch von .Jrdel" .

In den mageren Nachkriegsjahren hatte es der Handel schwer und das Angebot bei Lebensmitteln entsprach bei weitem nicht der Nachfrage. So rief im Iahre 1953 das Aufkaufkontor des Konsumgenossenschaftsverbandes Kreis Wismar eGmbH dazu auf: "Werktätige in Stadt und Land! Verkauft eure Übersollprodukte von Rind, Schwein, Milch, Eiern, Obst und Gemüse an die Konsumgenossenschaften. Ihr helft dadurch den Lebensstandard unserer Bevölkerung zu verbessern".

Als im Oktober 1953 die Dorf-Konsumgenossenschaften gegründet wurden, befand sich in Kirchdorf nur eine Gemischtwaren - sowie eine kleine Textilverkaufsstelle mit Schuhwaren. Die private Fleischverkaufsstelle (Springer) wurde übernommen, ein weiterer kleiner Gemischtwaren-Laden eröffnet (früher Konrad Wilcken) und bereits 1955 konnte in Kirchdorf das Landwarenhaus seiner Bestimmung übergeben werden (Lebensmittel und Textilien). Dadurch spezialisierten sich die kleinen Verkaufsstellen und ab nun bot man gesondert Industriewaren, Drogerieartikel, Farben, Schuhwaren, Backwaren, Fisch, Milch (Molkerei) und in zwei zusätzlichen Läden auch noch Lebensmittel an. Außerdem entstanden in Fährdorf, Gollwitz, Weitendorf und TimmendorfiDorf je eine Verkaufsstelle für Gemischtwaren, zwei Kioske in Timmendorf und am Schwarzen Busch, in Kirchdorf gegenüber des Landwarenhauses eine Imbissstube, am Hafen eine Fischverkaufsstelle sowie in Wangern (Gutshaus) , Neuhof und Malchow Kleinst -Konsumver kaufsstellen.

Für die schnelle Versorgung der Gäste hatte der Konsum diesen Kiosk hier am Schwarzen Busch aufgestellt. Im Bild sind v.l. Irmgard Kitzerow, Lotte Urbuteit und Kurt Pudschun zu erkennen.

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