Die Insel Poel in alten Ansichten Band 4

Die Insel Poel in alten Ansichten Band 4

Auteur
:   Jürgen Pump
Gemeente
:   Poel, Die Insel
Provincie
:   Mecklenburg-Vorpommern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6443-6
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Die Insel Poel in alten Ansichten Band 4'

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Einleitung

Wer möchte mitreisen?

Mit diesem Buch möchte ich Sie nun bereits zum vierten Mal ganz einfach auf den Weg in die Vergangenheit der Insel Poel führen; Ihnen den alten hölzernen Wegweiser zum 'Wunderland Poel' zeigen.

Wenn die Begriffe Rügen, Usedom oder Hiddensee fallen, weiß jeder wovon die Rede ist. Fällt allerdings das Wort 'Poel', erntet man beim Fremden auch mal ein hilfloses Schulterzucken, und eine Unmenge an 'àhs' torkeln durch seine verkrampften Erläuterungssätze. Und schließlich wird der Gast dann kleinlaut fragen: 'Wo liegt denn eigentlich dieses Poel?' Und augenzwinkernd antworte ich: 'Dort, wo ständig die Sonne scheint, es keine Erdbeben und Vulkane gibt, keine Hurrikans das Land verwüsten, keine Schlangen und auch keine Malaria gibt! Dort, wo inzwischen der Besucher schon lange keine Prügel mehr bezieht, um anerkannt zu werden.' 'Und wie wird man anerkannt auf Poel?', fragt der Fremdling etwas verängstigt. 'Auf jeden Fall schneller, wenn er die Sprache des Vertrauens, die "Nahsprache" Plattdeutsch, benutzt, die schlendernd Herzlichkeit, Gemütlichkeit und humorvolle Freundlichkeit ausstrahlt. Ist aber nicht Bedingung, denn die Bewohner sind schließlich auch des Hochdeutschen mächtig.'

Zugegeben, das Wortgebilde 'Poel' klingt durch seine Einsilbigkeit vielleicht etwas langweilig. Doch immer mehr Menschen wissen inzwischen, daß diese wunderbare Ostseeinsel in der Wismar-Bucht im Lande Mecklenburg liegt und durch einen Damm und eine Brücke mit dem Festland verbunden ist.

Die Inselliegt also nicht '[wd' (Janz weit draußen), wie die Berliner mit diesem Kürzel stets zu sagen pflegen.

Schnell wird die Insel Poel zur 'Licbc auf den ersten Bliek', denn den Gast erwartet eine charmant-verträumte Insel mit schönen Stränden und Steilküsten. Und wenn es mit der Gesundheit nicht besonders bestellt ist, so findet man aufPoel sicher das richtige Klima vor, deren Heilwirkung zu jeder [ahreszeit längst erwiesen ist.

Aber genug der Vorrede. Beginnen wir nun die kleine bebilderte Zeitreise in die Vergangenheit. Packen Sie also getrost Ihre Koffer, es ist nicht zuviel versprochen. Nehmen Sie mich beim Wort.

Ein herzliches Dankeschön allen Poelern, die mir bei meinen Nachforschungen hilfreich zur Seite standen.

Besonderer Dank gilt aber Herrn Hans-Günther Wentzel, Herrn Jörgen Weihs, Frau Gisela Baumann und den Eheleuten Christa und Ioachim Saegebarth.

Für die freundliche Bereitstellung der Bilder 15 und 20 von Herrn Wolfhard Eschenburg sowie die Überlassung der Fotos 21 und 22 durch dasVolkskundemuseum Schwerin-MueB danke ich ebenfalls.

Jürgen Pump

Peul, mien gande Köst

Du büst Mai, den'n ick lies fäuhl.

Büst dat Sommergräun up mieneWisch. Un geiht dat Jahr tau End' up Peul, steihst du os Harwstblaum up'n Disch.

Du büstWien för'n Läbensdöst. Büst Sünndagsbraden un dei Supp. Büst dei Smack för miene Köst. Fählt nich väl, ick frät di up.

Jürgen Pump

1 In den Trubel der Festlichkeit geraten, teilen wir die Freude der Menschen, nachdem sie im Jahre 1903 endlich wieder Mecklenburger geworden sind. Verständlich ist also das große Volksfest, denn wer überläßt schon gerne anderen die Regierungsgeschäfte. Neben der Hansestadt Wismar wurden auch die Insel Poel und die Stadt Neukloster wieder dem Land Mecklenburg angegliedert. Am 2 1. März 1903 hatte die schwedische Regierung ihrem Reichstag vorgeschlagen, das Recht auf die Pfandlösung aufzugeben. Schon 1902 war in Wismar eine Kommission gebildetworden, um die Jahrhundertfeier vorzubereiten. Dafür war der 19.August 1903 bestimmt. Und kurz vor 10.00 Uhr traf an diesem Tag der Landesherr, der Großherzog, ein und ritt in die Stadt. Bürgermeister Joerges empfing den hohen Gast. 2800 Personen, 86 Reiter, 21 Wagen und 160 pferde beteiligten sich an dem Festumzug. Danach wurde im Bürgerpark der von Louis Schmidt gestiftete Schwedenstein eingeweiht. 'Ein solches Volksfest hatte die Stadt ohne

allen Zweifel noch nicht gefeiert', stellte Friedrich Techen in seinem Buch Geschichte der Seestadt Wismar von 1929 fest. Eine ausführliche Beschreibung brachte unmittelbar danach die Wismarsche Zeitung, ein gekürzter Beitrag von Gustav Willgeroth, der in seinen Notizen zur Geschichte Wismars diese Jubelfeier behandelte.

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Diese überdimensionale Postkarte aus demjahre 1903 widerspiegelt die große Freude der Hansestädter, indem sie sogar von einer 'Nachfeier' kündet. Der plattdeutsche Spruch unter den vier Wismarer Ansichten verdeut licht die Liebe zum Land und die wiedergewonnene Freiheit.

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2 Auch die PoeIer hatten die Fremdherrschaft der Schweden nicht gern gesehen und sie bekundeten ihre Freude selbstverständlich, indem sie an den Feierlichkeiten zur Angliederung an Mecklenburg in Wismar teilnahmen. 'Wieder mecklenburgisch' lautete das Motto auf einer Postkarte im Iahre 1903, auf der auch das Hissen der mecklenburgischen Flagge dargestellt war. (siehe Die Insel Poel in alten Ansichten Band 1, Bild 64). Ein besonderer Höhepunkt für die Bewohner der Insel war auch der hohe Besuch des Großherzogs Friedrich Franz IV Zur Feier entsandten die Insulaner eine Frauen- und eine Männerdelegation zur Hansestadt Wismar. Wir sehen hier folgende Personen der Männerdelegation auf einem Foto vom 19. August 1903: In der Mitte sitzend den überschulzen Lembke und weiterhin von rechts: Hugo Evers (Fährdorf), sein Vater Gustav Evers, RudolfBeyer (Timmendorf), ? Steinhagen, ? Ragotzky

(Timmendorf), Susching Lembke (Fährdorf), Andreas Vieth (Malchow), Hans Lembke (Malchow; später prof Dr., Saatzucht), Johannes Schiller (Schmiedemeister in Kirchdorf) und Paul Wilken (Schneidermeister in Kirchdorf) .

3 Schmuck hatten sie sich gemacht, die Damen der PoeIer Delegation für die 'Jubelfeier' im Jahre 1903 in der Hansestadt Wismar. In ihrer schönen PoeIer Tracht waren sie eine rechte Augenweide und stolz präsentierten sie sich mit Harken und Sicheln dem Fotografen. Es waren, obere Reihe, von links:

Johanna Vick, Fräulein Pieper (Hohenkirchen) , Frieda Hesse, Anna Lembke, Fräulein Krabbe, Grete Beyer, Anna Beyer, Johanna Steinhagen, Dora Beyer, Annemarie Steinhagen und Berta Stange. Untere Reihe, von links: Clara Steinhagen, Emma Teutz, Ida Paetow, Marie Teutz und Anna Teutz.

4 Auf unserem Weg aus dem Stadtinnern der Hansestadt Wismar zum Alten Hafen kommen wir auch an dem Kolonialwarenladen von Paul Steinhagen vorbei. Steinhagen hatte dieses Geschäft vonJF. Dinnies übernommen, das der bereits im Jahre 1870 gegründet hatte. Steinhagen lernte bei Dinnies und war anschließend Kommis (Handlungsgehilfe). 25 Jahre später übernahm er dann die Firma und erhielt die Genehmigung in seinem Laden eine Destille zu betreiben. Das heißt, er konnte Spirituosen vertreiben und auch ausschänken. Da Steinhagen Proviantlieferungen an Seeschiffe im Hafen von Wismar vornahm, konnte er aus seinem Zollager (Freilager ) Spirituosen für Seeschiffe an Bord liefern. Paul war der Bruder des Kapitäns Peter Steinhagen, der unter anderem auch den Dampfer 'Insel Poel' führte und bereederte. In dem Adreßbuch der Stadt Wismar vam Jahre 1909 wird unter dem Straßennamen 'Rundegrube' bereits Paul Steinhagen als Inhaber des Geschäftes mit dem Eintrag 'Materialwaren-, Farben-

und Seegras-Handlung (Inhaber Paul Steinhagen)' ausgewiesen. Der Beweis, wer dieses Geschäft zur damaligen Zeit führte, ist mit einem Schriftzug über dem Eingang erbracht. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab Steinhagen sein Geschäft auf Er vermietete die Räume an die Firma 'Nord

Schiffsausrüstung Hans-Günther WentzeI KG' , die hier das Auslieferungslager für technischen Schiffsbedarf sowie die Güterannahme einrichtete.

Diese seltene Postkarte von 1914 zeigt vor dem Geschäft ganz links Paul Steinhagen. Und wie sich der Schriftsteller und Schiffshi-

storiker Hans-Günther WentzeI noch lebhaft erinnert, war Paul Steinhagen ein liebenswerter Mann. Ein Grund vielleicht, daß hier so eine Art Treffpunkt der Jungen aus der Hafengegend zu jener Zeit war.

es:

5 Paul Steinhagen ehelichte am 18. Mai 1 906 Margarete Never in Wismar. Ein fröhliches Fest muß es gewesen sein. Das verraten uns die Tafellieder, die man eigens zur Vermählungsfeier gedichtet hatte. Deutlich wird in den Reimen, daß der damalige Junggeselle kaum ein Auge für das weibliche Geschlecht übrig gehabt haben mußte. Denn im ersten Vers dieser Tafellieder heißt

Ihr Freunde, hört was zu sich trug in Wismar 'An dern Schilde': / Steinhagens Herz gom harmlos schluq, kannt Mädchen nur vom Bilde. / All sein Denken Käse nur und Zucker galt, / 's Herz zu verschenken er für eitel Torheit schalt! / Da ober kam vor dritthalb Jahr die Gret' ihm ins Gehege. / Und om Kontor vorüber gar stets führten ihre Wege. / Wonn' ge Iriebe weckte ihrer Blicke Macht, / Paulchens Liebe lichterloh bald war entfacht! / Und auch ins weiche Herz der Get' war Amors pfeil goorungen., / Gom plötzlich, wies nun mal so geht, sich hielten Beid' umschlungen. / Bald der Drucker stellt' Verlobungskarten her, Käs und Zucker waren nicht die Hauptsach ' mehr!

6 Nur ein paar Schritte weiter und wir treffen im Iahre 1925

die nächsten PoeIer am Wismarer Hafen. Dort entdecken wir den Fischkutter 'Toni' mit seiner Besatzung. Das Schiff wurde im Jahre 19 11 in Malchow auf der Insel Poel gebaut. Das Foto zeigt 'Toni', nachdem van derWismarer Werft Schröder & Schackow ein neues Ruderhaus aufgesetzt war. Angetrieben wurde dieser Kutter mit einem Glühkopfmotor. Ganz rechts im Bild sehen wir die Aalräucherei Wesenberg. Zuvor betrieb Wesenberg seine Fischräucherei an der Frischen Grube; verlegte sie aber imApril 1864 in dieses Haus. Im oberen Teil des Firmenschildes an dem Gebäude ist zu lesen: 'Fisch und Aalräucherei]. Wesenberg.' An der Fassade des Gebäudes unmittelbar links hinter der Fischräucherei in der 'Kleine Hohe Straße' ist der Schriftzug' August Fust Schuhmachermeister' zu erken-

nen. Darunter direkt über dem Schaufenster eine Inschrift in schwedischer Sprache. Das anschließende Gebäude verrät mit einer Brezel vor dem Haus, daß hier einst ein Bäcker' sein tägliches Brot' verdiente. - Für uns PoeIer ist Mecklenburg Ausland. Darum haben wir auch in Wismar unser eigenes Konsu-

lat. -. Dies berichtete einst der Fischer Hans Kofahl dem Schiffshistoriker Hans-Günther WentzeI. Über dem Eingang des renommierten Gasthauses von Heinrich Greiff, der Hafenhalle links im Bild, hing das große wappenähnliche Schild mit der Aufschrift 'Konsulat der Insel Poel'. Dieses Haus ist wahr-

scheinlich schon im Jahre 1855 von Friedrich Greiff als Gast-und Logierhaus in Betrieb genommen worden.

7 Als sehr betagtes Schiff präsentiert sich uns hier Ende der zwanziger Jahre die 'Seeadler l ' im Alten Hafen in Wismar. Als 'Betty' lief sie bereits als Fischdampfer geordert im Jahre 1878 vom Stapel. Im Alter von 27 Jahren wurde sie dann als Vorpostenboot der Kaiserlichen Marine von 1 9 14 bis 1 9 18 im Ersten Weltkrieg eingesetzt. Umgebaut verrichtete sie von 1920 bis

1923 ihren Dienst als Schleppdampfer in Hamburg. 1923 verkaufte man den Dampfer an die 'A. Kubatz GmbH' in Hamburg, die ihn im Iahre 1925 an den Wismarer Kapitän Heinrich Mews abgab. Mews bewirtschaftete das Schiff bis 1926 allein. Dann stiegen die Gebrüder Steinhagen aus Kirchdorf auf der Insel Poel ins Geschäft ein und übernahmen 1928 das Schiff ganz, als sich Heinrich Mews aus der Personenschiffahrt zurückzog. Auf der Flucht in den ersten Maitagen

1945 wurde das Schicksal der 'Seeadler l ' besiegelt. Durch Jagdbomber wurde der Dampfer vorTimmendorf entdeckt und versenkt. Auf diesem Foto erkennen wir weiterhin in der Bildmitte die Konturen des Dampfers 'Seebad Wendorf' .

8 Das Seegrasgeschäft blühte zu Beginn des 20.Jahrhunderts. Hierzu erwarb 1913 Ernst Beyer von der UntereIbe den 1895 in Wewelsfleth gebauten Besanewer 'Auguste', der einen Nettorauminhalt von 65 Kubikmeter besaß und etwa 60 Laderons hatte. Er machte sich somit unabhängig und konnte seine Waren, auch Kartoffel, selber nach Wismar befördern. Beyer ist laut Wismarer Adreßbuch van 1918 Eigentümer des ehemaligen Patrizierhauses in der Lübschenstraße Nr. 14 mit dem gleichzeitigen Eintrag 'Seegras- und Landesproduktengroßhandel' . Der Segler' Auguste' wurde 1919 an den Schiffer Johannes Baustian in Wismar verkauft. Wir sehen ihn hier links im Alten Hafen in Wismar mit einer Ladung Seegras von der Insel Poel, das zur weiteren Verarbeitung an das 'Mecklenburgisches Matratzenwerk Kuckei & Möller' ging. Wir wer-

den über den RohstoffSeegras während unserer Poel-Reise noch einiges mehr erfahren. Im Hintergrund vor der Hafenhalle wartet der Dampfer 'Insel Poel' auf Fahrgäste.

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