Die Insel Poel in alten Ansichten Band 4

Die Insel Poel in alten Ansichten Band 4

Auteur
:   Jürgen Pump
Gemeente
:   Poel, Die Insel
Provincie
:   Mecklenburg-Vorpommern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6443-6
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Die Insel Poel in alten Ansichten Band 4'

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9 Aus einem Prospekt der dreißiger Jahre wissen wir, daß Seegras ein sehr begehrter Werkstoff zur Füllung von Matratzen und Polstern wie auch Material für Dämm- und Isolierzwecke war. Die Mengen, die bei der Werbung von Seegras rund um die Wismar-Bucht, also auch auf der Insel Poel und dem Langenwerder, abfielen, reichten aber bei weitem nicht mehr aus, um den gesteigerten Bedarf zu decken. Der Kaufmann Otto Meizies, Inhaber der Firma 'Wilhelm Trendelburg Seegras-Werbung und Seegrashandel' in Wismar, entschloß sich, sogar einen Zweigbetrieb in Naskskov auf der dänischen Insel Lolland einzurichten. Bedeutende Betriebe in der Seegrasverarbeitung in Wismar waren die Firmen MeckIenburger Matratzenwerk Kuckei & Möller, sowie IsoliermaterialFabrik 'Isolag' am Westhafen mit Sitz in Hamburg. Inhaber der

Firma 'Isolag' warWilhelm Dibbern; Geschäftsführer wurde ein Herr Beyer. Im 'Mecklenburgisehen Jahrbuch' wurde im Jahre 1929 mitgeteilt, daß die 'Isolag' im Dezember vergangenen Jahres in Wismar im Alten Zeughaus mit der fabrikmäßigen Herstel-

lung einer Seegras-Isoliermatte begonnen habe. Zuvor bestand seit demjahre 1870 die Firma 'Isaak & Sohn', Polsterfertigung, in der Lübschenstraße. Die Firma ging um 1922 ein. Im Firmenteil des Buches Wismar aus dem Jahre 1927 erschien die Firma Kuckei

& Möller mit einer großen Anzeige und einer guten Ansicht des Betriebes.

Mecklenburgisches Matratzenwerk

Wism r Kuckeï & Möller Te1.2.480

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Slöhldröht· und AurIegemötrölzen, Potenfschlöfmöbe!, Ruhebelfen Polsfergestelle, Eisenmöbel

Sonderöbteilung Drohtworenfobrikörion für die gesomte Motröfzenindusirie

ION eben dem Schild am Anleger der Ausflugsdampfer im Alten Hafen mit dem Hinweis 'Abfahrtzeiten der Dampfer Insel Poel-Hindenburg-Seeadler l' entdecken wir auch einen zweispännigen Pferdewagen mit der Aufschrift 'G.W Löwe Seestadt Wismar' . Kapitän Gustav, Wilhelm Löwe, Begründer der Firma G.W Löwe, wurde 1808 geboren und starb 1869. Er gründete seinen Getreidegroßhandel mit Reederei im Jahre 1842 und hatte seinen Sitz in der Wismarer Scheuerstraße 11. Im Wismarer Adreßbuch ist zu lesen: 'G.W Löwe, Getreidehandel Mülzerei und SchiffsRhederei.' 'Mülzeri' bedeutete 'Malzeri'. Also befaßte sich Löwe mit der Lagerung und Verschiffung von Braugerste, die dann später zu Malz verarbeitet für die Bierbrauerei Verwendung fand. Zuvor wurde die Gerste gekeimt und getrocknet. Das Produkt der

Brauerei galt zu diesen Zeiten kurioserweise als 'bürgerliche Nahrung'. Für die Lagerung der Gerste hatte im Jahre 1862 G. W Löwe am Alten Hafen einen großen Getreidespeicher gebaut. Erstes Schiff war der Schoner 'Agamemnon' ,das Löwe nach der Firmengründung bereederte.

11 Nachdem wir erfahren haben, daß es in Wismar die 'Dornier-Flugzeug-Werke' am HaffeId gibt, entschließen wir uns, mit dem Flugzeug nach Poel überzusetzen. Bereits im Jahre 1932 hatte sich Dr. Claudius Dornier nach einem für den Flugbootbau günstig gelegenen Standort an der Ostsee umgesehen, und er entschied sich schließlich für die Hansestadt Wismar. ErheblichenAnteil für die Ansiedlung dieser Flugzeugwerke hatte auch derWismarer Bürgermeister Pleuger, der durch die Heranziehung neuer Industriebetriebe der großen Arbeitslosigkeit begegnen wollte. Und schon nach zwei Jahren konnte mit dem Bau von Flugzeugen begonnen werden. Nehmen wir nun einmal an, man hätte uns Mitte der drießiger Jahre die Erlaubnis erteilt, mit diesem Dornier- Wasserflugzeug des Typs 'Super-Wal' unsere Reise fortzu-

setzen. Wenn es auch für dieses Flugzeug, das eigentlich nur für 'Ocean- und Forschungsflüge' Verwendung fand, diese Reise nach Poel wohl sicher nur ein 'Katzensprung' gewesen wäre.

12 Nach unserem Start vom gegenüberliegenden Ufer erkennen wir aus noch geringer Höhe gut das Seebad Wendorf, ein beliebtes Ausflugsziel neben dem Volks bad 'Grasort' im Hintergrund. Gerade hat das Motorschiff'WendorfII' mit vielen Badelustigen unter Führung von Kapitän Hans Kruse im Jahre 1932 an der Anlegebrücke festgemacht. Kapitän Kruse verkaufte dieses Schiff ein Iahr später nach Rostock. Diese Anlage existiert natürlich heute längst nicht mehr. An der Stelle dieser Anlegebrücke baute man zu Beginn der neunziger Jahre eine neue Seebrücke; allerdings ohne Aufbauten.

13 Und schon ist das Ziel 'Poel' erreicht. Diese Aufnahme aus dem Jahre 1939 zeigt das Wahrzeichen der Insel, die Kirche, und den Hauptort Kirchdorfmit seinem Hafen. Im Bild links unten schlängelt sich die Straße von Timmendorf, die durch Kirchdorfhindurch im oberen Bildteil nach rechts weiter in Richtung Wismar führt. Auch ist der Fußweg rechts oben gut erkennbar, der noch heute über die kleine Niendorfer Brücke eine willkommene Abkürzung für den Wanderer nach Niendorf ist. Wir entdecken ebenfalls in dem hellen Streifen rechts neben der Kirche die ehemals sehr beliebte Uferpromenade an der westlichen Seite des Kirchdorfer Hafens, die heute nicht mehr begehbar ist. Vergleiche zu heutigen Luftaufnahmen zeigen, wie stark sich Kirchdorf in über fünfzig Jahren ausgedehnt hat.

14 Jahreszeitlich landen wir im Herbst. Denn wenn sich das Iahr dem Ende neigt, rüsten auch die PoeIer Fischer zur Winterruhe. Das heißt, das Zeesboot über eine Slip an Land zu setzen, um es vor Eispressungen im Winter zu schützen und schließlich auch Schäden am Bootskörper auszubessern. Zuvor aber 'takelte' (abrüsten) man ab. Die Zeese, ein 'sackartiges Grundschleppnetz mit Flügeln', schaffte man an Land. Im kommenden Frühjahr nach Ostern begann dann die Zeesbootfischerei von neuem, denn vorher 'lief' der Aal nicht. Früher gab es aufPoel die sogenannten Bauernfischer. Doch seit 1875 ist die Fischerei auf Poel ein eigener Erwerbszweig mit der Zeesbootfischerei. Fischer Robert Nausch ist hier im Jahre 1934 damit beschäftigt, seine Zeese in eine Schubkarre zu verladen. Den Hintergrund bilden auf diesem Foto die historischen

Kirchwälle. Das Boot von Nausch hieß 'Lito', mit dem er im Sommer auch Feriengäste nicht nur in der Kirchsee spazieren fuhr. Er machte sogar Segeltouren bis nach Boltenhagen mit ihnen.

15 Die Zeesbootfischerei war vor allem im Boddenbereich zwischen der Recknitz- und Peenemündung beheimatet. Aber im vorigen Jahrhundert wanderten Fischer mit ihren Booten nach Dänemark und Westmecklenburg aus und kamen somit auch in die Wismar-Bucht und zur Insel Poel. Die PoeIer freundeten sich mit diesen seetüchtigen Fischerbooten und der Zeesenfischerei an, so daß diese Boote sehr schnell nachgebaut wurden. In Ermangelung einer Bootswerft blieb den Poelern nichts anderes übrig, als die Boote unter freiem Himmel zu fertigen; an einem Platz, an dem später die PoeIer ihre Bootswerft bauen werden. Die Schienen für die Slipanlage aber liegen bereits. Ein Fortschritt, denn zuvor hatte man an der Querkai die Boote aufRollen in und aus dem Wasser bewegen müssen. Der' Allerweltskünstler' RudolfSchabbelt (Rutsch), der

sogar Uhren reparieren konnte, baute zur damaligen Zeit den Poelern die Boote. Wir sehen ihn hier im Bootskörper links, während daneben stehend Bernhard Rust vermutlich mit klugen Ratschlägen tüchtig half Hinter dem Kutter wollen Einheimische Hermann Schwartz erkannt

haben. (Siehe Die Insel Poel in alten Ansichten Band 1, Bilder 57, 58, Band 2, Bilder 6, 7 und Band 3, Bilder 18, 19.)

haben. Wer im Vordergrund den Pech kochte ist nicht bekannt. Rechts im Hintergrund erkennen wir eine Schubkarre, wie sie noch heute bei den Poelern Fischern vereinzelt in Gebrauch ist. Die große Kiste dahinter wird vermutlich dasWerkzeug von Schabbelt zum Inhalt gehabt

16 Weitgereiste Seeleute kehrten nie mit leeren Händen zurück und so sammelten sich

Seefahrer-

Souveniers aller Art in Hülle und Fülle in den heimischen Haushalten. Anders aber verhielt es sich mit dem sogenannten Wappenbild von Gustav Lembke aus Kirchdorf, der es später dem PoeIer Museum übereignete. Gustav hatte dieses wertvolle Stück von seinem Vater Ernst Lembke aus Fährdorfbekommen, der einst auf dem Panzerkreuzer 'SMS Deutschland' ausgebildet wurde und dort seinen Militärdienst leistete. Das Bild ist eine gerahmte Stickerei. Ihr Zentralmotiv ist der gekrönte Adler des deutschen Reichswappens, umgeben von acht Nationalflaggen. Über das Bildfeld zieht sich das gestickte Spruchband: 'Zur Erinnerung an meine Reise.' Unter den Nationalflaggen ist 'Japan-China' eingestickt. Derar-

tige Bilder waren damals bei den Seefahrern sehr beliebte Souveniers aus Fernost. Sie wurden jeweils in ziviler oder militärischer Version angeboten. Es gab sie in deutscher, englischer und franzözischer Formulierung. Mancher Besteller versah das nach Schablone gefertigte Wappenbild später mit seinem Foto und einem Bild seines Schiffes. Auf diesem Wappenbild ist die Abbildung der 'SMS Deutschland' mit den Jahreszahlen 1897-1900 eingearbeitet. Die Reichsmarineleitung formierte 1897 ein 'Ostasiengeschwader'. Es bestand aus sieben Kreuzern, zuletzt aus 18 Einheiten mit Marinedienstpflichtigen aus der seefahrenden Bevölkerung. So kam auch Ernst Lembke auf dieses Schiff und er erhielt bei der Abmusterung dieses Wappenbild als Erinnerungsgeschenk.

17 Fast könnte man bedauern, daß diese altehrwürdige Postkarte 'in die Jahre gekommen ist'. Denn inzwischen gibt es keine Zeitzeugen mehr, die Aussagen zu dieser Darstellung machen könnten. Es muß aber zu späteren Zeiten tüchtig umgebaut worden sein, wie Fotos vom Völter'schen Gartenrestaurant beweisen. Ob derWismarer F. Bremer auf seiner Grafik die örtlichen Gegebenheiten getreu wiedergab, müssen wir annehmen. Und schenken wir dem Künstler Glauben, so könnte den äußeren Konturen zufolge der einlaufende Dampfer am unteren Bildrand der hölzerne Dampfer 'Poel' sein. Das Schiff wurde von Gustav und Peter Steinhagen bei der Werft Carl Barmann in Wismar Ende 1899 in Auftrag gegeben. Es war aber ein Nachbau der Wismarer Dampfer 'Paul' und 'Alice', so daß eine Ähnlichkeit dieser Dampfer nicht auszu-

schließen ist. Folglich könnte die Darstellung auf dieser Postkarte auch in das 19. Jahrhundert hineinreichen. (Siehe Die Insel Poel in alten Ansichten Band 1, Bild 60). Fest steht, daß zu dieser Zeit Heinrich Völter dieses Gartenrestaurant bewirtschaftete und wohl auch die späteren Umbau-

ten vornahm. (Siehe Die Insel Poel in alten Ansichten Band 1, Bilder 49 und 50, Band 2, Bild 12 und Band 3, Bilder 22, 23 und 24.) Wann der Schreiber P. Schwar(t)z seinen Gruß verschickte, konnte aufgrund des unleserlichen Stempels nicht herausgefunden werden. Wohl aber, daß er ein

tenrestaurants.

Schuhmacher gewesen sein muß, was aus dem Wortlaut der Karte auf der Vorderseite zu entnehmen ist. Mit demAbriß diesesAnwesens im Jahre 1997 endete nun diese etwa hundertjährige Geschichte des V ölter'schen Gar-

18 In einem Erlaß für Polizeibehörden wurde einst angewiesen, daß' ... grundsätzlich Volksfeste wohlwollend zu fördern sind, da sie einer echten Volksbelustigung dienen sollen'.

So kann man es im 'MecklenburgerTagesblatt' vom Sonnabend, den 27. Mai 1 9 3 9, in der 8. Beilage der Nr. 122 nachlesen. Und diese Tatsache traf natürlich auch bereits sehr viel früher für den PoeIer Markt zu, wenn es jedes Iahr im September turbulent und unter Umständen auch recht rauh zuging. Nur war unter 'Volksbelustigung' sicher nicht der alte Brauch gemeint, offene Rechnungen, sprich 'Poelet Backs', mit der Faust zu begleichen. Hier waren dann die Ordnungshüter der Insel stark gefragt. Und manch' angesäuselter Raufbold mag sich bereits vor diesem Erlaß eines besseren besonnen haben, wenn Wilhelm Harder in stolzer Montur und Pickelhaube an den Brennpunkten auftauchte. (Siehe Die Insel Poel in alten Ansichten Band 2, Bild 72 und Band 3, Bilder 5,21.) Wir

sehen hier Harder im Garten seines Hauses in der heutigen Mittelstraße 14.

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