Die Insel Poel in alten Ansichten Band 4

Die Insel Poel in alten Ansichten Band 4

Auteur
:   Jürgen Pump
Gemeente
:   Poel, Die Insel
Provincie
:   Mecklenburg-Vorpommern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6443-6
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Die Insel Poel in alten Ansichten Band 4'

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19 Wer gesund und munter

war, ließ sich auf der Insel auch nicht den 'Poelet Markt' entgehen. Und manch ein PoeIer wird sicher seine sauer verdienten Pfennige auf den Kopf gehauen haben. Kein Wunder auch, denn der Arbeitsalltag aufPoel war hart und entbehrungsreich.

Wen wundert's da, wenn es in Kirchdorfhoch her ging und auch mal die Fetzen flogen. Aber man hatte ja den Gendarmen Harder. Vergnügungen für groß und klein und jung und alt bot man dann mit Buden und Karussells in der Vor- und Hinterstraße. (Siehe Die Insel Poel in alten Ansichten Band 2, Bild 72.)

Besonders lebhaft erinnern sich noch die PoeIer an die KarusellBetreiber Emma und Rudolf Knief Die Kniefs hatten aufPoel sozusagen das Monopol in diesem Geschäft. Doch auch der bekannte Seeler mischte kräftig mit. Oft wechselten sie umschichtig den Standort. Hatte einer seine Karussell vor der Bäckerei Louis Wikken aufgebaut, machte der andere dann

auf dem Markt die Kinder glücklich. Angetrieben wurden diese Karussells anfangs noch mit Ponys, später jedoch erhielten sie dann einen Motor. Die Kniefs betrieben dieses Geschäft in zweiter Generation, denn bereits ihre Eltern verdienten hiermit ihr Brot.

20 Noch nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Seegras' geworben'. Heute aber scheint es 'wert los' zu sein und für Urlauber an den PoeIer Stränden gar lästig. Interessant sind seine Besonderheiten. Es ist eine unter Wasser lebende Blütenpflanze und sogar die einzige der Ostsee überhaupt. Die Übertragung des Pollens erfolgt durch das Wasser in der Blütezeit von Juni bis Ende August. Die grasartigen Blätter wachsen aus einem Wurzelstock, der sich mitAusläufern strahlenförmig ausbreitet, und da die Seegrasblätter vom Wasser gestützt und getragen werden, können sie, je nach Wasserhöhe, dem Licht entgegenwachsen und über einen Meter lang werden. Das längere Seegras wächst an tieferen Stellen und erreicht bis zu zehn Meter Länge. Die kleinere Art, das Zwergseegras (Zostera noltii), ist aber etwas Besonderes. Das gibt es nur an drei Stellen in der Ostsee, und zwar bei der Insel Fehmarn, um die Insel Poel und im Greifswalder Bodden bis Mönchgut auf Rügen. Die Tatsache, daß Seegras nicht verrottet und sich nicht

kompostieren läßt und im getrockneten Zustand gute Isoliereigenschaften besitzt, haben die Bewohner der Küste schnell erkannt. Zwar war es eine schwere Arbeit, das bei Stürmen von der unterseeischen Weide losgerissene Seegras zu bergen,

aber ein lohnender Nebenerwerb war es allemal. Hier sind es zwei PoeIer Fischer vor Gollwitz, die das angeschwemmte Seegras bergen und zur Lufttrocknung vorbereiten.

21 Wie wichtig es den PoeIer Einwohnern war, mit der Seegrasbergung ein kleines Zubrot zu verdienen, geht bereits aus dem Gemeindeprotokol! des 9. Oktober 1884 hervor. Wörtlich heißt es: 'Daraufwurde beschlossen, beim Großherzoglichen Amte darum einzukommen, daß das Strandschutzgesetz wenigstens an gewissen Strecken der Insel wieder aufgehoben und das Werben undAbholen von Seetang (gemeint ist Seegras) wieder gestattet werde.' Zwar nutzte man das geborgene Seegras in erster Linie für den Eigenbedarf zu Isolierzwecken an Häusern und auch zur Abdeckung auf Kartoffelmieten. Bekannt aber war, daß schon zu Ende des 1 9. Jahrhunderts dieser Werkstoff in Amerika zur Isolierung gegen Schal!, sowie gegen Wärme und Kälte genutzt wurde. Kein Wunder also, daß man sich auch in Wismar mit derVerarbeitung befaßte. Und wir können aus dem 'Mecklenburgischen Jahrbuch' von 1928 entnehmen, daß man eine Isoliermatte namens 'Zosta' in den Handel brachte, die sich durch ihre Schmiegsam-

keit und einfache Anbringungsmöglichkeit in Bauten jeder Art auszeichnete. Sie besitzt den Vorzug, ein fugenloses Verlegen zu ermöglichen, heißt es weiter. Erwähnt wird auch, daß die Matte nicht brennt, daß die gepreßte Seegrasfül!ung so gut wie unvergänglich ist und Unge-

ziefer fernhält. Und der Hersteller 'Isolag' bot dieses Produkt mit 'großer Preiswürdigkeit' an.

Die Isolierung an diesem PoeIer Haus bedurfte nicht der Matten. Man behalf sich selbst, indem man hinter einem Lattengerüst ganz einfach das Seegras stopfte und sich somit im Winter eine

warme Wohnung verschaffte. An der Verwertung des Seegrases wird heute von der Hochschule Wismar und der 'InWas GmbH' wissenschaftlich gearbeitet.

22 In erster Linie wurden Isolier- und Dämmatten für die im großen Maße zu erstellenden Baracken, später für die Wehrmacht gefertigt. Die Matten kamen in großen Rollen von etwa 50 cm Breite zum Versand. Sie konnten aber auch für viele andere Zwecke der Wärmeisolierung und ähnliches verwandt werden. Wenig bekannt ist, daß Seegras nach 1934 sogar für Isolierzwecke in Flugzeugen sowie U-Booten und beim Bau des sogenannten Westwalls zur Verwendung gelangte. Nach Kriegsschluß 1945 wurde das Werk 'Isolag' anderen Verwendungszwecken nutzbar gemacht. Zunächst wurde es an das Tankholzwerk H.G. WentzeI Wismar für deren Zwecke vermietet (Tankholz: für mit Holzgas betriebene Lastkraftwagen). Erst später, zu DDR-Zeiten, fertigte man hier Polstermöbel. Für dieses Geschenk des Meeres interessierte sich der Kirchdorfer HandeIsmann und Schiffer Ernst Beyer. Als Aufkäufer errichtete er auf seiner Büdnerei einen kleinen Schuppen. Obgleich die Entlohnung für das Bergen recht gering

war, schleppten jung und alt Berge von Seegras zu Beyer. Und er mußte höllisch aufpassen, daß die PoeIer nicht auch Steine unterrnagelten. Mit einem kleinen offenen Segelboot brachte er das noch nicht gepreßte Gut nach Wismar. 1913 erwarb Ernst Beyer den Besanewer ' Auguste' .

Hafen. Auf diesem Foto aus den dreißiger Jahren ist der Preßvorgang schön dokumentiert. Rechts erkennen wir den Fischer Albert Kröger.

Nun brauchte er nicht mehr die Dampfer und Schuten von Peter und Paul Steinhagen in Anspruch nehmen. Das von den Poelern geborgene Seegras lieferte man später nicht mehr lose nach Wismar. Man preßte es in Ballen und transportierte es über einen Schienenstrang zum Kirchdorfer

23 Auf der Insel Poel hatte inzwischen Tankmar Mahncke in Kirchdorf das Seegrasgeschäft von Ernst Beyer übernommen. Im geänderten Rechnungskopf heißt es: Tankmar Mahncke, Seegrasgroßhandlung I Ernst Beyer Nachf1. I

] 933 50 jähriges Geschäftshestehen I Kirchdorf a. Poel (Meckl.).

Fünfzehn Jahre betrieb Tankmar Mahncke das Seegrasgeschäft mit gleichzeitiger Pension (siehe Werbung), ohne Konkurrenz fürchten zu müssen. Doch aus einem Schreiben vorn I 8. August ] 948 entnehmen wir, daß in einer Gemeinderatsbesprechung folgendes mit dem Textilkaufmann Karl-Heinz Pampel aus Schweinsburg/Sachsen vereinbart werden sollte:

I. Herr Pampel beabsichtigt, in der Gemeinde Kirchdorf/Insel Poel, eine Seegras- Verwertungsfabrikation und Matratzenfabrik einzurichten.

2. Der Bürgermeister fragt Herrn Pampel, in welcher Weise das Geschäft der Seegrasverwertung aufgezogen werden soll, da die Gemeinde selbst Interesse daran hat, Industrie auf die Insel zu bringen, um Arbeitsmäglichkei-

ten für ihre Einwohner zu beschaffen.

Und weiter heißt es unter Punkt 5: Herr Pampel verpflichtet sich, die Arbeitskräfte, soweit sie zur Verfügung stehen, von der Insel Poel einzustellen. Anwesend waren: Bürgermeister Baumann, stellvertretender Bürgermeister

Ohlsen, der] . Vorsitzende des Gemeinderates Lehmann und noch einige Herren des Gemeinderates.

Wie wir heute wissen, kam diese angedachte Vereinbarung nicht zustande.

Pension Mahndte osrSEEBAD INSEL

Kirchdorf i. Mechlbg.

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24 Neben der Seegrashandlung betrieb Mahncke auch einen Gaststätten- und Pensionsbetrieb. Gut ist hier über dem Eingang zur Gaststätte der Hinweis zu lesen: 'Caffee, Restaurant, Pension.' Unmittelbar neben der halbverdeckten Eingangstür erkennt man bei genauerer Betrachtung eine etwa einen Meter große Figur eines Ritters aus Eisen oder Bronze. Über die Herkunft und Bedeutung dieser Skulptur konnte nichts in Erfahrung gebracht werden. Selbst ältere Einwohner der Insel Poel zucken nur mit den Schultern, will man Näheres über diese Figur erfahren. Die blau-gelbrote Fahne links über dem Eingangsportal beweist, daß auch Mahncke ein Mecklenburger mit Leib und Seele war. Dieses Foto ist etwa Mitte der dreißiger Jahre entstanden.

25 Nicht das erste Mal findet dieses Gebäude Erwähnung. Bereits in den Bänden 1 und 2 Die Insel Poel in alten Ansichten Bild 47 und 43 ist von der Gaststätte 'Zur Insel' die Rede. Es zeigt uns allerdings das zu diesem Zeitpunkt bereits umgebaute Anwesen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Glückerlicherweise blieb auch ein älteres Foto von diesem Haus erhalten. Laut Aussage derTochter des Gastwirts Ernst Lembke, Annemarie Ripke, wurde dieses Haus bereits von ihren Großeltern Peter und Dorothea FriederikeLembkeimJahre 1857 als Gaststätte übernommen. Der Sohn, Ernst Lembke, baute dann im Jahre 1895 etwa diese Gaststätte um und bewirtschaftete sie gemeinsam mit seiner Frau Wilhelmine geborene Steinhagen aus Weitendorf Der linke Gebäudetrakt wurde von ihnen bedeu-

tend erweitert und das Haus bekam außerdem ein Stockwerk aufgesetzt, so daß äußerlich die Ansicht vollkommen verändert kaum noch mit dem alten Haus zu vergleichen war. Im Fenster links erkenntAnnemarie Ripke ihre Großmutter Dorothea Friederike und rechts im Fenster Großvater Peter Lembke. In der Tür stehend vermutet sie ihren Vater Ernst Lembke mit etwa 10 Jahren. Ernst wurde im Jahre 1857 geboren, so daß dieses Foto möglicherweise bereits um

1 867 entstanden sein könnte. Eine Inschrift oder einen Hinweis als Gaststätte ist an der Front des Hauses noch nicht zu erkennen. Mußte wohl auch nicht, denn daß der Durst bei Peter Lembke gelöscht werden konnte, wußte man ohnehin.

26 Sicher ahnten diese künftigen Soldaten nicht das Unheil, daß im Jahre 1914 mit dem Ersten Weltkrieg über Deutschland hereinbrechen sollte. Denn dieses fröhliche Zuprosten bei der Musterung auf dem Schützenplatz in Wismar etwa um 1913 wäre sonst kaum verständlich.

Ob dieses Lächeln eine aufgesetze Fröhlichkeit war, muß wohl angenommen werden. Auf jeden Fall stieß man mit einem Dunkelbier an; worauflassen wir einmal dahingestellt.

Wir sehen hier auf diesem Foto van rechts: Wilhelm Buchholz (Sohn van Johann Buchholz) , Paul Olsen, Gustav Buchholz (Sohn van Johann Buchholz) , ?Timm (Onkel van Erna Rüger), Hugo Schröder (Wangem) und ? Körner.

27 Wie der Dienst am Vater!and für viele Männer der Insel Poel im Ersten Weltkrieg endete, ist zur Genüge bekannt. Die Zeit der Kriegerdenkmäler brach an. Wie wirkungslos aber diese Geste den Hinterbliebenen gegenüber blieb, zeigte uns dann der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, der noch mehr Opfer forderte. Und wie im ganzen Lande auch, ließen die PoeIer Gemeindeväter dieses hier auf dem Foto von 1925 dargestellte Denkmal auf dem alten Friedhofin der heutigen Wismarschen Straße errichten, auf dem die gefallenen Krieger der Insel wie folgt namentlich verewigt wurden.

Kirchdorf: Paul Schwarz, Hermann Duwe, Kar! Beyer, Rudolf Cordes, Georg Burmeister, Johannes Schwarz, Otto Mannerow, Gustav Steinhagen, Hans Deigmann, Hans Pierstorf, Gustav Fanter, Johann Schroeder, Richard Schroeder, Kar! Sengpiel, Hans Lange, Rudolf Calsow, Gustav Zarrs, GustavTeske, Gustav Holst, Otto Kläve, GustavTrost und Hans Kufahl.

Fährdorf: Gustav Burmeister, Bernhard Bruhn, Peter Steinhagen, Karl Bruhn, Hans Moll, Kar! Rebien und loh.A. Steinhagen. Niendorf: Gustav Kühl, Gustav Lembke und Hans Pierstorf Weitendorf: ErnstTimm, Peter Paetow, Otto Hamm, Joh. Gagzow,

Kar! Timm, Paul Olofson, Albert Timm und Otto Timm. Brandenhusen: GustavTrensch. Wangern: Ernst Sommer, Heinrich Plückhahn, Gustav Kühl, Hans Bockholt, Albert Buchholz und Joh.A. Buchholz.

Timmendorf: Wilhelm Hartig, Ernst

Kufahl, Joachim Henning, Joh. MeIlendorf und Paul Gramkow. Neuhof: Gustav Pierstorf und Wilh. Röpcke.

Vermißt: Gustav Stein, Otto Steinfuhrt, Richard Gössel und Paul Schacht.

Nriegerden!?ma! der .Lnsel Poel"

28 Bereits im zweiten Band Die Insel Poel in alten Ansichten, Bild 70, war die Rede vom ehemaligen Wohnhaus des Schmiedes und DorfschulzenJoachim Cords in Kirchdorf Erwähnung fand auch seine aufopferungsvolle und ehrenamtliche Tätigkeit als Bürgermeister. Er versah dieses Amt bis ins hohe Alter. Und er muß sein Amt vorbildlich geführt haben, denn wie anders sollte man den Geburtstagsgruß Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs deuten, der dem Jubilar zum achtzigsten Geburtstag im Jahre 1917 huldvoll gratulierte. Drei Jahre später verstarb Joachim Cords am 24. April

192 0. Geboren wurde er am 15. Mai 1837. Die kupferne Tafel, die mit einer Darstellung eines vierblättrigen Kleeblatts versehen ist, sollte sicher viel Glück symbolisieren. Aus dem Text dieses Grußes geht auch hervor, daß Joachim Cords ein Bildnis seiner Königlichen Hoheit überreicht bekam. Sicher geschah diese Ehrung aufBetreiben der damaligen Gemeindeväter. Denn dem Protokoll der Gemeindeversammlung vom 4. Oktober 1917

kann man entnehmen, daß die 'Oberen' der Insel Poel die Bezahlung eines Lehnstuhls im Wertevon 196Markals Geschenk für Joachim Cords beschlossen. Eine für damalige Verhältnisse beträchtliche Summe.

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