Die Insel Poel in alten Ansichten Band 4

Die Insel Poel in alten Ansichten Band 4

Auteur
:   Jürgen Pump
Gemeente
:   Poel, Die Insel
Provincie
:   Mecklenburg-Vorpommern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6443-6
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Die Insel Poel in alten Ansichten Band 4'

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29 Ein wertvolles Dokument stellt dieses Foto aus dem Jahre 1933 dar. Es zeigt den Abriß des alten Wohnhauses der Familie Cords in Kirchdorf Dieses Gebäude stand direkt neben der Schmiede und war baufällig geworden. Erich Cords ließ es abreißen.

Hier sind vier Arbeiter damit beschäftigt, das rohrgedeckte Dach abzutragen.

(Siehe Die Insel Poel in alten Ansichten Band 2, Bild 70.)

30 Zu einer Pause außer der Reihe war man gern bereit, denn das Schmiedehandwerk forderte schon immer den ganzen Mann. Wen wundert es also, daß man sich freudig hier im Sommer 1933 dem Fotrografen stellte. Eine nicht geplante Aufnahme vor der Cords'schen Schmiede ist zu vermuten, denn man pflegte sich üblicherweise nicht in Arbeitssachen vor der Kamera zu präsentieren. Schließlich war das Fotografieren nicht alltäglich. Dieser spontanen Aktion des Fotografen aber ist es zu verdan ken, daß auf diesem Bild die Arbeitskleidung des Schmiedes gut dokumentiert wird. Besonders schön macht dies die lederne Schürze der rechten Person deutlich, die vor sprühende Funken schützen sollte.

Hier sind es von links: Heinrich Tramm, Erich Cords und Rudolf Körner an der Schmiede vor einem Pferdewagen. Selbst der Hund Prinz, von Erich Cords gehalten, machte gute Miene zum Spiel. Hinter dem Wagen erkennen wir die Überdachung für den Hufbeschlag der pferde.

3 1 Hans Wikken bewohnte einst die Büdnerei 29 am alten Friedhof, die nach ihm die Familie Schei bel bewirtschaftete (Siehe Die Insel Poel in alten Ansichten Band 2, Bild 67).Er zog später in die Büdnerei 42 schräg gegenüber, das heute an der Vorderfront den Namen 'Uns Hüsung' trägt. Hier betrieb der Schmied Iohan nes Schiller zuvor sein Gewerbe, bis zu Beginn des Jahres 1937 eine Olga Beese, die mit Gustav Lange zusammen lebte, dieses Wohnhaus zur 'Pension Olga' machte. Doch bereits im Oktober des gleichen Jahres erwarb Hans Wikken dann dieses Haus und die 'Pension Olga' hörte auf zu existieren. Im oberen Geschoß wohnte hier auch der Gendarm Friemann.

Der Anbau mit dem hohen Schornstein an der linken Giebelseite beherbergte die Werkstatt des Schmiedes Johannes Schiller. Sie war nach dem Zweiten Weltkrieg der erste Standort des

V dgB-Maschinenhofes (V dgB:

Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe) . Und nach dem Brand der Niendorfer Mühle im

Jahre 1953 diente dieses Gebäude auch als Schrotmühle. Aus dem Maschinenhofbildete sich dann die MAS (MaschinenAusleih-Station), die im ehemaligen Völterschen Gartenlokal am Kirchdorfer Hafen ihren Sitz nahm. Auf weißem Untergrund können wir hier um 1930 etwa

noch den Schriftzug 'Joh. Schiller' am Wohngebäude lesen. Vor dem Haus erkennen wir folgende Personen von links: 2. Johannes Schiller, 3. Alma Schiller, 4. Sophie Schiller geborene Steinhagen und 5. Walter Schiller.

Das Haus ist seit dem 6. August 1961 im Besitz von Kar! Mirow.

32 Einer, der sich vorrangig mit der Anfertigung von Möbeln auf der Insel befaßte, war derTischIer August Rebien. Doch nicht nur Möbel entstanden in seiner Werkstatt. An seinem Wohnhaus Ecke Ernst-Thälmann-Straße/ Mittelstraße warb Rebien mit einem Schild, worauf er weitere Dienstleistungen mit folgendem Schriftzug anbot: 'Lager fertiger Särge sowie Grabhügel-Umfassungen'. Nichts Ungewöhnliches damals. Aber heute kaum denkbar, daß die Sargherstellung und auch die Einsargung der Verstorbenen Sache des Tischlers war. Selbst Glaserarbeiten wurden auf dem Lande von diesem Berufszweig nebenbei erledigt.

Von rechts sehen wir hier auf diesem Foto vom Jahre 1920:

August Rebien, Martha Rebien und Grete Rebien. Die Werkstatt befand sich damals etwa fünfzig Meter nördlich von seinem Wohnhaus in der Kurzen Straße, die heute noch als Tischlerei genutzt wird.

33 Auch das Handwerk der Stellmacher hatte große Bedeutung auf der Insel. Denn ohne pferdefuhrwerke, dem damaligen Transportmittel Nr. 1, ging schließlich nichts. Bereits im Band 3 Die Insel Poel in alten Ansichten Bilder 60 und 61 ist schon das Innere der Stellmacherei von Otto Metelmann in Kirchdorf vorgestellt worden. Hier nun sehen wir eine Ansicht des Wohn- und Werkstattgebäudes von Heinrich Metelmann am Brink in der Kickelbergstraße. Von links haben hier im Jahre

19 12 vor dem Fotografen Aufstellung genommen: Sophie Metelmann, Heinrich Metelmann, der Geselle Ernst Evers und Otto Metelmann.

34 Bis in das 20. Jahrhundert gehörten Gemeinschaftsanlagen von Backöfen auf dem Lande zu den unentbehrlichen Bauten. Ohne 'eigenbackt Brot' (selbstgebackenes Brot) ging es in den ländlichen Gebieten Mecklenburgs nicht. Aber die freistehenden Öfen dienten keineswegs nur zum Brotbacken, auch Obst, Flachs, Getreide und Zichorienwurzeln trocknete man in ihnen. Ein besondererTag war die Selbstversorgung der Haushalte auf dem Lande schon, denn das tägliche Heizen war recht aufwendig fûr ' dat leiw Brot' (das liebe Brot). Mit dem Kauf von Brot aus handwerklicher oder industrieller Produktion verloren die Backöfen und Backhäuser ihren eigenlichen Zweck mehr und mehr und Bäckereien besorgten dann mit modernen Öfen dieses Geschäft. Hier auf diesem Foto sehen wir den Kirchdorfer Bäcker Heinrich Groth (Heiner Bäcker) als Lehr-

ling ganz im Hintergrund einer Wismarer Bäckerei. Und stolz versah er im Jahre 1920 dieses Foto mit einem Vermerk über seine damalige Lehrzeit. Mit einem Ofen der Marke 'Werner & pfleiderer' betrieb auch er später seine Bäckerei in der Kickelbergstraße in Kirchdorf

35 Bevor Heinrich Groth - hier rechts neben Hermann Schwarz - die Bäckerei in der Kickelbergstraße im Jahre 1936 übernommen hatte, heiratete er 193 0 Hedwig HadIer van Einhusen. Der Hochzeitszeitung zur Silberhochzeit entnehmen wir folgende 'wahre' Begebenheit, wie es zwischen 'Heiner' und seiner Zukünftigen' gefunkt' haben soll, als er aufSonntagsurlaub aus Wismar kommend an der Einhusener Koppel vorüber stolzierte, in der Hedwig HadIer gerade mit dem Melken von Kühen beschäftigt war. 'Die oder keine', soll er später in geselliger Runde gesagt haben. Und wenn wir Heinrich Groth auf diesem Foto mal direkt in die Augen schauen, könnte man überzeugt sein: 'Er kam, sah und siegte'.

Das Gebäude in der Kickelbergstraße (Büdnerei 16), in dem er die Bäckerei später betrieb, wurde im Jahre 1872 vom Oberschulzenjoachim Cords erbaut.

Genutzt wurde es aber von Cords nicht als Bäckerei, vermutlich wohl als Geschäfts- und Wohnhaus. Er verkaufte das Haus an den Bäckermeister Hugo Beyer. Der Eintrag ins Grundbuch erfolgte am 11. September 1905. Danach ging das Gebäude am 30. Dezember 192 9 an den Stralsunder Bäckermeister Wilhelm Riebau für sieben Iahre, von dem dann Heinrich Groth am 16. Mai 1936 diese Bäckerei erwarb. Anzumerken ist noch das traurige Schicksal von Hermann Schwarz, der hier mit Heinrich Groth auf dem Hinterhof der Bäckerei 'ne lütt Piepenpaus mökt' (eine kleine Pfeifenpause macht). Er kam zu Tode, als ihn ein aufgebrachter Ziegenbock derartig verletzte,daß er an den Folgen verstarb.

36 'Vorn Rüssel bis zum Wedel, beim Schwein ist alles edel.' In den Wintermonaten ging es in MeckIenburg den fetten Schweinen an den Kragen und' dei Husslachterie' (die Hausschlachterei) war stets ein Höhepunkt. Der Zeitpunkt war nicht von ungefähr gewählt, denn aus Gründen der Hygiene brauchte man schon kühle Temperaturen. So mancher Junge mag auf der Straße seinen gleichaltrigen Freunden die Worte 'Mien Vadder hett'n Swien slacht' (mein Vater hat ein Schwein geschlachtet) großspurig zugerufen haben. Am Sonnabend bekam das Schlachtvieh eine besondere Henkersmahlzeit in Form von 'ein lütt bäten Dünns' (sinngemäß recht flüssiges Fressen), denn der Schlachter mochte später nicht volles Gedärm säubern. Schön war es für die Familie dann, wenn sich groß und klein beim Schlachtefest wieder einmal richtig satt essen konnten. Denn die damalige Zeit hielt wahrlich keinen Überfluß an Nahrungsmitteln bereit. Der Schlachter wurde in der Regel am Sonntagmorgen bestellt.

Nicht so aber bei der Familie Cords in Kirchdorf Denn Franz Cords bewerkstelligte dieses blutige Geschäft höchstpersönlich. Im Adreßbuch aus dem Jahre

1 939 ist Franz Cords als Bewohner der Büdnerei 20 in der heutigen Wismarschen Straße Nr. 25 als Schlachter erwähnt.

Hier auf diesem Foto aus dem Jahre 1930 erkennen wir von links folgende Personen vor dem Haus: Vorn sitzend Elli Grützmaeher, 3. Ilse Nausch, 4. und 5. Franz Cords und seine Frau Liesbeth, 6. Lene Cords (LeneTann) und ganz rechts Frieda Kröger.

37 'Auf der Walz' zu sein, gehörte nicht nur zum Zimmererhandwerk. Auch andere Gewerke vervollkommneten ihr bereits erlerntes Wissen in der Fremde. So machte sich auch Gustav Lembke im Jahre 1925 auf die 'Socken ', um es den Altvorderen nachzumachen. Drei Jahre und einen Tag Wanderschaft forderte man den Gesellen ab. Auch eine Bannmeile war ihnen vorgeschrieben, denn nicht weniger als fünfzig Kilometer durfte der wandernde Geselle sich seinem Heimatort nähern. Öffentliche Verkehrsmittel waren den 'Tippelbrüdern' ebenfalls untersagt; nurTrampen war erlaubt. Aber nicht jeder konnte aufWanderschaft gehen. Bedingungen waren:

Alter nicht über 30 Jahre, ledig sein, keine Schulden haben und natürlich eine abgeschlossene Gesellenprüfung. Übrigens gab

es unter den Tippelbrüdern auch eine eigene Sprache. Der Wanderstock nannte sich zum Beispiel 'Stenz'. Wir sehen hier Gustav Lembke in zünftiger Zimmermannskluft mit seiner Rolle unter dem Arm und natürlich

dem obligatorischen Stenz, der stets ein kunstvoll geschnitzer Wegbegleiter war. Später beschäftigte sich Lembke auch mit Hausschlachtungen. Eine amtliche Bestätigung aus dem Jahre 1933 findet sich durch den Landrat Elbrecht des Kreises Wismar. Daß Lembke ein lustiger, lebensbejahender Mensch war, haben Alteingessene sicher nicht vergessen. Mit solchen Sprüchen 'Wer im Sommer Kraut klaut und noch Gott vertraut, der hat im Winter Sauerkraut', hatte er die Lacher auf seiner Seite.

38 Mit der rasanten Entwicklung der Fotografie zu Beginn unseres Jahrhunderts war es nicht nur üblich, Ansichten des Wohnumfeldes auf Postkarten festzuhalten. Zunehmend begann man auch die ganze Familie abzulichten, um sie dann als Postkarte an Verwandte, Freunde und Bekannte zu verschicken. Hier ist es ein Geburtstagsgruß des Kirchdorfer Frisörmeisters HermannSievertvom 25. Februar 1929, mit folgendem Wortlaut: 'Unserer lieben Nachbarin die herzlichsten Glückwünsche zum Geburtstag und zum Andenken an treue Nachbarschaft.' Etwas verwirrend,

aber vermutlich war die liebe Nachbarin verzogen. Mit dieser Karte ging also sinngemäß die ganze Familie Sievert aufReisen. Wir erkennen auf diesem Foto van links: Herbert Sievert, Dora Sievert (Mutter), Grete Sievert, Otto Sievert, Kar! Sievert, Else Sievert, Anna-Marie Sievert, Hermann Sievert (Vater) und Magdalene Sievert.

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