Die Insel Poel in alten Ansichten Band 4

Die Insel Poel in alten Ansichten Band 4

Auteur
:   Jürgen Pump
Gemeente
:   Poel, Die Insel
Provincie
:   Mecklenburg-Vorpommern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6443-6
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

Levertijd: 2-3 weken (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Die Insel Poel in alten Ansichten Band 4'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  >  |  >>

39 Man könnte geneigt sein, unseren Vorvätern Nachlässigkeit vorzuwerfen, denn von dem Kirchdorfer Molkereigebäude existieren kaum Fotos. Die vermutlich älteste Darstellung der Molkerei auf der 'Oertzenhofer Feldmark' zeigt hier dieses vergilbte Bild. Im Zuge der Bildung von Molkereigenossenschaften wurde mit dem Bau der Molkerei in Kirchdorf im Jahre 1894 begonnen. Und bei Umbauarbeiten zur Bäckerei Thomassek im Jahre 1989 fand sich ein Ziegel, auf dem in Süterlinschrift vermerkt war: 'gepr. 1896.' Man muß also annehmen, dieses Datum ist gleichbedeutend mit demAbschluß der Bauarbeiten. Zu den Personen läßt sich leider keine Aussage mehr treffen. Wahrscheinlich sind es die ersten Bewohner und Betreiber dieses Betriebes. Der Fotografhatte die Personengruppe dort postiert, wo heute die Wismarsche Straße entlang führt. An der Stelle der Baumgruppe rechts wird später das Haus des Sattlers Grünberg

entstehen: Hierzu sagt das Gemeindeprotokoll vom 9. April 1924 folgendes: 'Grünberg soll sich noch in diesem Iahr erklären, ob er bauen will oder nicht.' Kleinere Umbauten veränderten die Ansicht des Gebäudes kaum. Es entstand an der Vorderfront eine Rampe und später

rechts noch eine Tür, die für viele Jahre zu DDR-Zeiten der Zugang zum Milchladen war. Nachdem in neuerer Zeit um 1960 das Ende der Dampfmolkereien eingeläutet war und sie nur noch als Milchannahmestellen fungierten, erübrigte sich auch die Dampferzeugung. Mitte der sechziger

Jahre etwa riß man demzufolge auch den großen Schornstein, hier links im Bild, ab. Im Obergeschoß befanden sich damals die Wohnungen des Molkereiverwalters und seiner Angestellten.

40 Etwa zur Mitte des vorigen Jahrhunderts begann ein Umbruch der landwirtschaftlichen Wirtschaftsweise in Mecklenburg, bedingt durch die Industrialisierung. Die Kuhbestände wuchsen durch die Koppelwirtschaft und somit auch die Milchleistungen. Mit den entstehenden Molkereigenossenschaften bildete sich auch eine neue Eigentumsform. Bis zur Gründung der ersten Molkereien in den siebziger und achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurden die Bearbeitung und derVertrieb der Milch vorwiegend von der Bäuerin durchgeführt. Die Einführung der Zentrifuge hatte für die Milchwirtschaft große Bedeutung. Dies hatte dann Molkereigründungen aufGenossenschafts- und Privatbasis zur Folge. Um die Jahrhundertwende nahmen dann die Molkereien auch die Produktion und den Versand von Konsummilch auf Auch die PoeIer 'Genossenschafts- Dampfmolkerei E.G.m.b.H.' tat dies in zunehmendem Maße. Vermerkt ist die PoeIer Molkerei im 'Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen

Reiche'von 1913. Unddaß es bereits im Iahre 1865 zur Gründung einer Molkerei aufPoel kam, ist im 'Mecklenburg-Magazin', Jahrgang 1994, nachzulesen. Um 1930 gehörten die meisten Genossenschaften zum Raiffeisenverband in Mecklenburg. Aus dem Gemeindeprotokoll

vom 30. Dezember 1930 aber können wir entnehmen, daß die PoeIer Raiffeisenkasse aufgelöst wurde. Die weitere Finanzierung übernahm dann die 'Mecklenburgische Genossenschaftsbank', wie im Briefkopf vom Beginn

des 2 o. Jahrhunderts ersichtlich ist. Hier warb man in kunstvollen

Lettern mit der Herstellung allerfeinster gesalzener und ungesalzener Mecklenburgischer Markenbutter, die täglich in Postpaketen zum Versand kam. Noch in guter Erinnerung ist den älteren Einheimischen der langjährige Molkereiverwalter Fritz Kuhlmann, der im Iahre 1963 starb.

PoeIer MoI1<erei-GenofTenfchaft

e i n g e t r a g e n e Geno[[enichaft m i t u n b e l di r ä n h t e r Haftpflicht

Kirchdorf auf Poel (Med2lbfJ.)

Köln 1930 I. Preis und Bhrenpreise

'i Poll Kirdtdorf in Meealenburg -- Telefon Nr. S4 - Bahn Wtsmer d. d. Oûîee ~ 0. Bank-Konto: Nedalenburgtjche Genolleuldiaftsbanle, Gelcháftsûelle Ktrdidor] ~

~<?l1rfdlt1 n8 aU<?l1fcinff<?l1 9Mc~ 1 cnbU118irC(>Cl1 dMal1kcnbuf{ct

!jélaf)él1 l111Ó 11l1!jofal)él1 0)ö!j(jd)Q~ C'Oé~lal1ó in 'Polfl'ahdén ort 'PuiDafo

Kirchdorf, den

.......... . 19 .

41 Wenn Johann Buchholz im Winter Holz sägte, dann konnte es schon vorkommen, daß er bei seinerTätigkeit einen Eiszapfen im grauen Vollbart trug. Das störte ihn aber weniger. Vielmehr war er damit beschäftigt, das Brennholz kleinzukriegen; nicht ohne Humor. Denn jedesmal, wenn wieder ein Holzklotz abgesägt war, brummelte er stets so vor sich hin: 'Af is dei Bort!' (ab ist der Bart). Wir sehen ihn hier auf diesem Foto aus dem Jahre 1930 mit seiner Schubkarre und einer Sense auf dem Weg zum Grünfutterholen in der Nähe der 'Leimskuhl' (Lehmkuhle) . Im Hintergrund erkennen wir das Wohn- und Wirtschaftshaus, die Häuslerei Nr. 1. In einer Domanialversicherungs-Police von Paul Freitag ist vom 27. August 19 13 der Eintrag vermerkt, daß das Haus zu diesem Zeitpunkt 63 Jahre alt war. Demzufolge wird dieses Gebäude im Jahre 1850 errichtet worden sein. Als Beleuchtung ist im Schriftstück Petroleum angegeben. Kurios ist unter der Rubrik 'eigenhändige Unterschrift' die Unterschrift des Abschätzenden Schwenn, des

Versicherten Freitag und des Ortsvorstehers Cords, die mit Schreibmaschine erfolgte. Als Erbauer der Häuslerei 1 wird der Schuster Steinhagen genannt. Die Gebäude des oberen Teils der Kickelbergstraße, der Fischerstraße und der Poststraße wurden allesamt als Häuslereien durch das Domanialamt nach Zeichnungen von 1848 in der Zeit von 1849 bis etwa 1852 gebaut. Grund war die Auswanderung vieler PoeIer wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage im Lande. Das Bauen wurde gefördert und es setzte förmlich ein 'Bauboom' ein. Der Baustoff hierzu wurde unter anderem der Lehmkuhle westlich der Häuslerei 1 entnommen. Die Ziegel aus der abgebildten Hauswand stammen aus den Schloßruinen im Klosterformat.

42 Hochzeiten waren schon immer ein fröhlicher Anlaß zum Feiern und da machten die PoeIer Bewohner auch keine Ausnahme. Meistens fanden sie im Herbst statt, wenn die Ernte eingebracht war. An solchen Tagen ging es hoch her und die geladenen Gäste von oft mehr als hundert Personen feierten mit Vor- und Nachfeier unter Umständen bis zu achtTagen. Eine wahre 'Freßorgie' spielte sich bei solchen Gelegenheiten ab, denn 'Schmalhans' war zur damaligen Zeit oft der 'Küchenmeister' . Kurios ist der überlieferte Tatbestand vom Jahre 1750, als es zu Tumulten gegen den Pastor Schliemann kam, weil er sich erlaubt hatte, die Art des Hochzeitfeierns auf Poel in einer Traurede zu kritisieren. Vielleicht hatte man diese Feste auch etwas übertrieben, denn auch von behördlicher Seite wurde mit mehr oder weniger Erfolg mit mehreren Verordnungen eingeschritten. Sicher aber stieß man bei den Poelern in dieser Hinsicht aufUnverständnis. Denn sie waren schließlich immer schon freie Menschen, an denen man

sich die 'Zähne ausbeißen' konnte. Hier ist es die Hochzeit von Ernst Buchholz undAnna Körner. Ihr Vater war der Maurer Ernst Körner (Meister Spitz), den wir auf diesem Foto als dritte Person links neben der Braut in der vordersten Reihe erkennen

können. Dieses Foto ist etwa um 191 ° entstanden. Als Hintergrund wählte man für das Gruppenfoto die Bäckerei Louis Wilcken.

43 Auch zur Hochzeit im September 1921 von Emma Kitzerow, Tochter des Kolonialwarenhändlers Gustav Kitzerow, in der Kirchdorfer Brunnenstraße, wurde der Fotograf bestellt. Diese Darstellung allerdings machte der Fotograf an diesem Tag vor dem Kaufladen nur von der Familie Kitzerow. Man nutzte diese Gelegenheit zu einem Familienfoto und die Braut hatte hierzu ihre Brautkrone abgelegt. Vor dem Laden der Kitzerows erkennen wir folgende Personen von links oben: Willi Kitzerow, Emma Kitzerow (Braut, sie heiratete an diesem Tag Karl Laatz) und Ludwig Kitzerow. Unten, von links: Elli Kitzerow (später HadIer), Anni Kitzerow (sie starb bereits mit 19 Jahren), Luise Kitzerow, Gustav Kitzerow und Minna Kitzerow (spätere Baumann).

Im Laden von Gustav Kitzerow gab es neben den üblichen Waren eines Kolonialwarenhändlers auch eine Besonderheit. Was zu jener Zeit hinter vorgehaltener Hand weitergesagt wurde, kann heute offen ausgesprochen werden. In einer dunklen Kammer

gab es ohne Schankkonzession auch 'Koem ut'n Fatt' (Schnaps aus dem Faß). Die durstigen Kunden kamen durch die Hintertür geschlichen, um sich dann aus einem hochstieligen Glas (etwa in Kelchform) einen hinter die 'Binde' zu gießen. Rechts im Laden befand sich eine Bank, die während des Einkaufens zum Schwätzchen einlud, bei der wohl so manche Neuigkeit die Runde gedreht haben mag.

44 Nicht die Ruinen des ersten Torhauses des Hornwerks an den Kirchwällen und die Kirche selbst sollen im Vordergrund dieser Betrachtung stehen, sondern die Kirchturmuhr, deren Zifferblatt im rechten Bildteil deutlich hinter den etwa achtzigjährigen Friedhofslinden hervorleuchtet. Diese Turmuhr ist bereits 215 Jahre alt. Der Beweis hierfür ist erbracht mit dem Vertrag zwischen dem damaligen PoeIer Pastor Wilhelm Christoff Zastrow und dem Stadtuhrmacher Jochim Oldenburg. Das Konsistorium (Behörde für die kirchliche Aufsicht und Verwaltung) beschloß zu jener Zeit die 'Einrichtung einerThurm-Uhr in der Poelsehen Kirche'. Im Vertrag heißt es sinngemäß: 'Dieser Kontrakt kam zwischen dem Pastor Zastrow und den beiden Kirchenvorstehem Oberschulze G.F. Göttsche und Hausmann Hans Beyer einerseits sowie dem Stadtuhrmacher Oldenburg andererseits zustande.'

45 'Contract' zum Einbau einer Kirchturmuhr: im Paragraph 1 des Vertrages wird vom Uhrmacher verlangt, daß er' ... eine ganz neue dauerhafte akkurat gehende Uhr, welche 24 Stunden in einem Aufzuge gehet, alle Stunden voll schläget ... ' zu fertigen hat. Für die Herstellung dieser Uhr wurden dem Uhrmacher 210 Reichsthaler zugesagt. Im Paragraph 5 verspricht Uhrmacher Oldenburg:' ... gleich mit der Arbeit anzufangen und hoffet er mit Gottes Hülfe, wenn nicht eher, doch zwischen Ostern und Pfingsten 1 781 fertig zu werden.' Und nachdem sich beide 'Kontrahenten' der Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit versichert hatten, unterschrieb man diesen 'Contrakt in dubIo' und besiegelte dieses Schriftstück mit: 'Poel im pfarrhaus, den 3. October 1780.' Ob die Uhr in den vergangenen Jahrhunderten ohne Reparatur überstand, wissen wir nicht. Nachweislich aber wurde sie nach 43 Jahre Stillstand von dem

Mechanikermeister Karl Müller aus Neuhof im August 1988 wieder instand gesetzt. Nur blieb sie stumm, denn das Schlagwerk versagte weiterhin seinen Dienst. Wer oberflächlich hinschaut, für den wirkt dieses Uhrwerk schlicht und einfach konstruiert. Doch bei näherer Betrachtung

erkennt man die hohe handwerkliche Kunst des damaligen Erbauers, dessen Arbeit nach nun über zweihundertjahren an den einzelnen Teilen kaum Verschleißerscheinungen aufweist.

46 Er findet nicht immer die gebührende Beachtung, der alterwehrwürdige Kronleuchter in der PoeIer Kirche. Und manch' ein Besucher des Gotteshauses wird wohl die Inschrift auf der großen, goldig glänzenden Messingkugel übersehen haben, die von unseren Vorfahren dankenswerter Weise eingraviert wurde. Hier die Wiedergabe des Originaltextes der Gravur: 'Cott zu Ehren und der Kirche zu Pöhl zur Zierde hat Peter Evers-Branhusen diese Crone verehret Aa 1656 und weil dieselbe Ruiniret gewesen hat Daniel Hinrich Evers und Peter Evers sie wieder van Neuen Repariren lassen Aa 1719 Sie und ihren Erben zum andencken ].H. Evers BrandenhusenAo 1836.' Aus den drei Jahreszahlen der Inschrift geht hervor, daß sich fast zweihundert Jahre lang eine Inselfamilie für diesen Kronleuchter verantwortlich gefühlt hat. Heute gibt es allerdings

keine Familie Evers mehr in Brandenhusen. In den achtziger Jahren unseres Jahrhunderts stiftete eine Wismarer Familie eine ausreichende Summe, den Kronleuchter zu restaurieren. Sie tat es aus Dankbarkeit. PoeIer Gemeindeglieder hatten Kinder dieser Familie in der Nachkriegszeit

betreut. Im Hintergrund dieses Fotos erkennen wir die Orgel. Es heißt, daß das barocke Orgelprospekt auf der Westempore von der Stadt Neuklaster herangeschafft worden sei und eine Arbeit aus demjahre 1740 ist.

47 Neben dem Fußballspielen stellte der PoeIer Sportverein bei seiner Gründung im Jahre 1923 auch zwei Turnriegen auf; eine für Frauen und eine für Männer. In Hans Völters Saal, dem Ausflugslokal am Kirchdorfer Hafen, fand dann jeweils einmal in der Woche ein Übungsabend statt. Der Verein hatte einen Barren und ein Reck angeschafft. Für das Turnen zeigten allerdings mehr Mädchen als Jungen Interesse. Der Bäckergeselle bei Hugo Beyer, Ernst Dopp, versuchte sich als Vorturner für die beiden Riegen. Er heiratete später Annemarie Sievert. Zur Männerriege gehörten Anton Saefkow, Fritz Trete, Bruno Fraedrich, Heiner Freitag, Richard Winkelmann, WalterTimm und Reinhard Gössel. Bei den Frauen waren es Gerda Kuhlmann, Annemarie Sievert, Grete Sievert, Berta Cords, Hedwig HadIer, Martha Schwarz, Hertha Rebien, Meta Wilken,

Hanna Wilken, Anneliese Wilken, Karla Zarrs und Hudi KandIer. Ernst Dopp wurde das Vorturnen zu viel und er wurde später von FritzTrete und Bruno Fraedrich abgelöst. Ende der zwanziger Jahre kam das Kinderturnen hinzu. Die Turner veranstalteten einmal im Jahr einen öffentlichen

Turnabend, der bei den Poelern großen Anklang fand. Die Turnkleidung bestand aus einer schwarzen Hose und einem weißen Dreß.

48 Worin der besondere Reiz des Fußballspielens liegt, soll an dieser Stelle nicht untersucht werden. Doch den größten Zulaufhatte nun einmal diese Sportart bei der männlichen Jugend auch auf der Insel Poel. Wir sehen hier die Fußballmannschaft des PoeIer Sportvereins mit gewonnenem Pokal beim PoeIer Sportfest im August 192 6.

Zu erkennen sind unter anderen van links: 3. Martin Kayser, 4. Erich Cords, 5. Fritz Cords, 7. Richard Winkelmann und ganz rechts Heinrich Groth (Heiner Bäcker) .

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Algemene voorwaarden | Algemene verkoopvoorwaarden | © 2009 - 2022 Uitgeverij Europese Bibliotheek